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06.09.2013, 10:58 Uhr

Debra Milke könnte schnell freikommen

in Kooperation mit Spiegel Online

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sitzt Debra Milke in den USA in der Todeszelle - trotz erheblicher Zweifel an ihrer Schuld. Jetzt könnte die Deutschstämmige schnell freikommen: Eine Richterin in Arizona setzte eine Kaution fest, gegen die sie das Gefängnis verlassen darf.

Phoenix - Nach mehr als 20 Jahren in Haft könnte es für die deutschstämmige Debra Milke jetzt ganz schnell gehen: Eine US-Richterin setzte für die ehemalige Todeskandidatin eine Kaution von 250.000 Dollar fest und ermöglichte damit eine schnelle Freilassung. Noch vor dem Wochenende könnte Milke das Gefängnis verlassen und in Freiheit bleiben, bis ihr Fall neu aufgerollt wird.

Milke war 1990 gemeinsam mit zwei Männern wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Die Tochter eines US-Amerikaners und einer Deutschen soll zwei Bekannte beauftragt haben, ihren vierjährigen Sohn zu töten. Milkes Verurteilung stützte sich auf die Aussage eines Polizisten, dem sie ihre Beteiligung angeblich gestanden hatte. Ein unterschriebenes Geständnis gibt es aber ebenso wenig wie Tonaufnahmen oder Zeugen.

Milke beteuerte damals vor Gericht vergeblich ihre Unschuld. Die Geschworenen, die sie damals schuldig sprachen, erfuhren nichts über die Vorgeschichte des Polizisten, der Milkes Geständnis gehört haben wollte: Es gab eine lange Liste von Verfehlungen des Mannes, darunter auch Falschaussage unter Eid.

Wahrheitsgehalt des Geständnisses zweifelhaft

Nach jahrelangen Bemühungen von Milkes Anwälten kippte schließlich ein Bundesgericht in San Francisco vergangenen März das Todesurteil. Die Staatsanwaltschaft von Maricopa County im Bundesstaat Arizona kündigte darauf eine erneute Anklage an. Als Termin für den Prozessbeginn wurde der 30. September festgelegt.

Richterin Rosa Mroz, die am Donnerstag die Kaution festlegte, sagte, es gebe keinen direkten Beweis für eine Verstrickung Milkes in die Tötung ihres Sohnes; lediglich das angebliche Geständnis spreche dafür. Dessen Wahrheitsgehalt wiederum sei sehr zweifelhaft.

Laut Sheriff Joe Arpaio dürfte Milke schon am Freitag freikommen. Sollte sie tatsächlich das Gefängnis verlassen können, will Milke in einer Wohnung unterkommen, die Unterstützer für sie im Großraum Phoenix gekauft haben. Das hatten ihre Rechtsanwälte im Vorfeld angekündigt. Milkes Freunde wollen demnach auch für die Kaution aufkommen.

Der Anklage zufolge soll die damals 25-jährige Milke ihren Sohn Christopher im Dezember 1989 zwei Männern übergeben haben, die ihn in die Wüste brachten und erschossen. Motiv für die Tat sollen 5000 Dollar Versicherungsprämie gewesen sein. Bis heute streitet Milke ab, irgendetwas mit der Ermordung des Kindes zu tun gehabt zu haben.

Das Todesurteil gegen die beiden Männer bleibt weiter gültig. Einer von ihnen hatte bei einem Polizeiverhör gestanden und die Ermittler zur Leiche des Jungen geführt.

© SPIEGEL ONLINE

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