In Deutschland steigt die Zahl der Infizierten um rund 4.000 Fälle an, Spanien vermeldet einen traurigen Rekord und die GroKo-Parteien legen in der Coronakrise in der Wählergunst zu. Alle News zum Coronavirus im Live-Blog

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  • 20:40 Uhr: Erstes Klinikum mit Aufnahmestopp
  • 19:42 Uhr: Moskau verhängt Ausgangssperre
  • 19:10 Uhr: Novartis setzt Hoffnungen auf Malaria-Medikament
  • 15:34 Uhr: An Corona erkranktes Baby in den USA gestorben
  • 14:02 Uhr: RKI verzeichnet mehr als 4.000 neue Corona-Fälle in Deutschland
  • 13:03 Uhr: Spanien meldet erneut über 800 Corona-Toten in 24 Stunden

Aufnahmestopp am Klinikum Wolfsburg

20:40 Uhr: Das Klinikum Wolfsburg nimmt aufgrund von Corona-Infektionsfällen unter den Mitarbeitern keine neuen Patienten mehr auf. Diese werden auf umliegende Krankenhäuser verteilt, wie die Stadt am Sonntagabend mitteilte. Zudem seien ab sofort keine Besuche mehr erlaubt, "auch nicht die bisherigen Ausnahmen". Die Stadt hat stark mit der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen - in einem Wolfsburger Alters- und Pflegeheim sind insgesamt 15 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Ähnlich wie in dem Heim, in dem überwiegend Demenzkranke leben, werden auch im Klinikum die Vorsichtsmaßnahmen weiter verschärft. Das gesamte Klinikpersonal arbeite "ab sofort im Vollschutz", hieß es von der Stadt: "Die Patienten werden so verteilt, dass nur noch ein Patient pro Zimmer liegt."

Moskau verhängt Ausgangssperre

19:42 Uhr: Im Kampf gegen das Coronavirus verhängt die russische Hauptstadt Moskau eine Ausgangssperre. Von diesem Montag an dürfe man die Wohnung nur unter bestimmten Umständen verlassen, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin am Sonntagabend mit. Darunter fallen demnach der Weg zur Arbeit, zum Supermarkt, zur Apotheke und zum nächst gelegenen Müllcontainer. Auch Haustiere dürften nur in einem kleinen Radius um die eigene Wohnung herum ausgeführt werden.

Die Moskauer dürften sich "nicht mehr ohne Grund in der Stadt bewegen", meinte der Bürgermeister. Bislang gab es eine Ausgangssperre für Menschen im Alter von über 65 Jahren.

Novartis prüft Malaria-Mittel

19:10 Uhr: Der schweizerische Pharmakonzern Novartis setzt bei der Suche nach einem Heilmittel gegen das Coronavirus große Hoffnungen in das Malariamittel Hydroxychloroquin. "Präklinische Studien mit Tieren sowie erste Daten aus klinischen Studien zeigen, dass es das Coronavirus tötet", sagte Novartis-Chef Vasant Narasimhan der "SonntagsZeitung". Derzeit würden in Europa und den USA Patientinnen und Patienten für klinische Studien gesucht und in Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden in den USA und der Schweiz eine Zulassung per Eilverfahren geprüft.

Kreml: Video-Konferenzen sind praktisch und nicht so teuer

17:49 Uhr: Der Kreml hält Video-Konferenzen der Staats- und Regierungschefs der führenden Wirtschaftsmächte auch in Zukunft für eine denkbare Alternative. Sprecher Dmitri Peskow lobte am Sonntag im russischen Staatsfernsehen dieses Format: "Es ist praktisch, es ist schnell, es ist nicht so kostspielig wie große Gipfel-Treffen."

Virtuelle Treffen könnten deshalb auch für andere Zusammenkünfte genutzt werden. Sie böten sich vor allem mit Blick auf die Corona-Pandemie an, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

Die G20-Länder hatten sich am Donnerstag zusammengeschaltet, um per Video-Konferenz über gemeinsame Schritte zur Eindämmung der Pandemie zu beraten. Sie einigten sich dabei darauf, die Weltwirtschaft zunächst mit insgesamt fünf Billionen US-Dollar zu stützen. Peskow sagte, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sei "ein gutes Ergebnis".

Schweizerische Bundesbahnen stellen Personenverkehr mit Italien ein

17:23 Uhr: Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben den grenzüberschreitenden Reiseverkehr von und nach Italien bis auf Weiteres eingestellt. Grund seien Anordnungen der italienischen Behörden, teilte das Unternehmen am Sonntag mit Hinweis auf das Coronavirus bei Twitter mit.

Neben dem grenzüberschreitenden Regionalverkehr sind drei EC-Züge betroffen: Die Strecke Basel-Brig-Mailand, Genf-Brig-Mailand und Zürich-Mailand. Die Züge wenden in Brig beziehungsweise Chiasso. Der Güterverkehr ist von den Einschränkungen nach SBB-Angaben nicht betroffen.

Rund 57.000 Corona-Nachweise in Deutschland - 430 Tote

17:11 Uhr: In Deutschland sind bis Sonntagnachmittag rund 57.000 Infektionen mit dem neuen Coronavirus registriert worden. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt.

Besonders hohe Zahlen haben Nordrhein-Westfalen mit 13.630 nachgewiesenen Fällen und 110 Toten und Bayern mit 13.263 Fällen und ebenfalls 110 Toten. Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnet Hamburg mit einem Wert von 112,9 die meisten Infektionen, gefolgt von Bayern (101,4). Im Bundesschnitt waren es 68,5.

Mindestens 430 mit SARS-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben. Mehrere Deutsche starben im Ausland im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Darunter waren zwei Touristen während einer Reise in Ägypten und ein 67-Jähriger Tourist auf Zypern. Auf der griechischen Insel Kreta starb ein 42 Jahre alter Deutscher.

Auch in Deutschland rechnen Experten mit einer hohen Dunkelziffer.

Virologe Fauci rechnet mit Millionen von Corona-Fällen in den USA

16:50 Uhr: Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, rechnet mit Millionen von Corona-Infizierten in den USA.

Ausgehend von der aktuellen Lage bestehe die Möglichkeit, dass 100.000 bis 200.000 Menschen in Folge der Pandemie sterben, sagte Fauci am Sonntag dem TV-Sender CNN.

Der angesehene Virologe machte zugleich jedoch deutlich, dass er wenig von Prognosen halte, da man leicht falsch liegen und die Leute in die Irre führen könne.

"Schauen Sie sich einfach die Daten an (...) und sorgen Sie sich nicht um diese Worst-Case- und Best-Case-Szenarien", sagte Fauci. "Wir haben ein ernsthaftes Problem in New York, wir haben ein ernsthaftes Problem in New Orleans und wir werden ernsthafte Probleme in anderen Gebieten entwickeln."

Die Zahl der nachweislich mit dem Erreger Sars-CoV-2 infizierten Menschen in den USA liegt nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bei fast 125.000 - in keinem anderen Land der Welt ist die Zahl so hoch. Fast 2.200 Menschen sind bereits gestorben.

Mehr als fünf Millionen Atemschutzmasken in Saudi-Arabien beschlagnahmt

16:44 Uhr: In Saudi-Arabien haben die Behörden einem Medienbericht zufolge mehr als fünf Millionen illegal gehortete Atemschutzmasken beschlagnahmt.

In Hail nordwestlich der Hauptstadt Riad stellte das Handelsministerium rund 1,2 Millionen Masken sicher, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Sonntag berichtete.

Weitere rund vier Millionen Masken waren bereits am Mittwoch wegen Verstoßes gegen Handelsbestimmungen in der westlichen Stadt Dschedda beschlagnahmt worden.

Die Verantwortlichen würden strafrechtlich belangt und die Ausrüstung werde wieder dem freien Markt zur Verfügung gestellt, teilte das Ministerium mit. Wegen Panikkäufen sind auch in Saudi-Arabien Atemschutzmasken knapp geworden.

In dem Land wurden nach offiziellen Angaben bisher mehr als 1.200 Infektionsfälle mit dem Coronavirus und vier Todesfälle gemeldet. Die Regierung hat landesweite Ausgangsbeschränkungen verhängt und den Zugang zu den Pilgerstätten Mekka und Medina gesperrt. Auch Inlandsreisen zwischen den Provinzen des Landes sind verboten.

Grönland führt wegen Corona-Krise Alkoholverbot für Hauptstadt ein

16:32 Uhr: Grönland führt auch aus Sorge vor Gewalt gegen Kinder während der Corona-Krise ein vorübergehendes Alkoholverbot ein. Die Maßnahme gilt umgehend und bis zum 15. April für die Hauptstadt Nuuk sowie die nahe gelegenen Siedlungen Kapisillit und Qeqertarsuatsiaat, wie die grönländische Regierung am Wochenende mitteilte.

In der besonderen Situation müssten viele Vorkehrungen getroffen werden, um die Ausbreitung des Virus zu vermeiden, erklärte Regierungschef Kim Kielsen. "Der Kern meines Beschlusses ist aber, dass Kinder beschützt werden. Sie sollen ein sicheres Zuhause haben."

Hinzu komme, dass Menschen unter Alkoholeinfluss weniger aufmerksam seien, was letztlich das Infektionsrisiko erhöhe.

Gemäß den Auflagen von Kielsen dürfen in der Hauptstadtregion keine Getränke mit einem Alkoholgehalt jenseits von 2,25 Prozent ausgeschenkt werden. Es ist auch nicht mehr möglich, Alkohol im Laden zu kaufen.

Auf der größten Insel der Erde leben rund 55.000 Menschen, davon ein knappes Drittel in Nuuk. Bislang sind in Grönland nach Angaben der dänischen Gesundheitsbehörde zehn Menschen positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet worden. Gestorben ist dort bislang niemand an Covid-19.

New Yorks Bürgermeister: Medizinische Ausrüstung nur für eine Woche

16:02 Uhr: New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio schlägt angesichts knapp werdender medizinischer Ausrüstung in der Corona-Krise Alarm. Er könnte den reibungslosen Betrieb der Krankenhäuser nur für eine Woche garantieren, sagte er am Sonntag dem TV-Sender CNN.

Dabei gehe es nicht nur um Masken, Schutzkleidung und dringend benötigte Beatmungsgeräte, sondern auch um medizinisches Personal. Die Ärzte und Pfleger könnten im jetzigen Tempo nicht über Wochen weiterarbeiten und bräuchten Unterstützung. "Hier in New York fühlt es sich wortwörtlich an wie zu Kriegszeiten", sagte de Blasio.

Die Millionenmetropole New York an der US-Ostküste hat sich zum Zentrum der Pandemie in dem Land entwickelt. Mit über acht Millionen Einwohnern ist sie die größte US-Stadt und eines der kulturellen und finanzwirtschaftlichen Zentren der Welt.

Restaurants, Bars, Schulen, Museen und Broadwayshows sind geschlossen. Alle Bürger sind aufgerufen, Zuhause zu bleiben, "nicht lebenswichtige" Einrichtungen und Firmen sind geschlossen.

Mit Coronavirus infiziertes Baby stirbt in Illinois

15:34 Uhr: Im US-Bundesstaat Illinois wird der Tod eines Babys untersucht, das mit dem Coronavirus infiziert war. In Verbindung mit der Erkrankung Covid-19 habe es bislang noch keinen Todesfall eines Babys gegeben, erklärte das Gesundheitsamt des Staates am Samstag (Ortszeit) in einer Mitteilung.

Eine "umfassende Untersuchung" solle die genaue Todesursache klären, hieß es weiter. Das verstorbene Kind war demnach jünger als ein Jahr und starb in Chicago. Über Vorerkrankungen wurde zunächst nichts bekannt.

Der "New York Times" zufolge handelt es sich um den ersten bekannten Todesfall eines Kindes unter einem Jahr mit dem Virus in den USA. Die Zeitung weist allerdings darauf hin, dass nicht alle Behörden in den Bundesstaaten Details über Coronavirus-Tote veröffentlichen.

Erkenntnisse über die klinischen Merkmale infizierter Kinder sind noch begrenzt. Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge scheint der Krankheitsverlauf bei Kindern häufig geringer ausgeprägt zu sein als bei Erwachsenen.

Jedoch kämen auch - insbesondere bei jüngeren Kindern - schwere Verläufe vor.

Dem Robert Koch-Institut in Berlin zufolge gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass Covid-19 auf das Kind im Mutterleib übertragbar ist. Eine Übertragung auf das Neugeborene sei über den engen Kontakt und eine Tröpfcheninfektion aber möglich.

Norwegen will sich mit Zufallstests besseres Corona-Bild verschaffen

15:30 Uhr: Um ein besseres Bild von der Zahl der Coronavirus-Infektionen im Land zu erhalten, will Norwegen bald auch Menschen ohne Symptome testen.

Die norwegischen Gesundheitsbehörden bereiteten sich darauf vor, solche zufälligen Tests in die Wege zu leiten, berichtete der norwegische Rundfunksender NRK am Sonntag.

Derzeit werde abgeklärt, wie dies durchgeführt und finanziert werden solle, sagte ein Vertreter des nationalen Gesundheitsinstituts dem Sender. Ziel solcher Zufallstests soll sein, die tatsächliche Ausbreitung des Coronavirus besser einschätzen zu können.

Vorbild soll dabei Island sein, das in Rekordzeit die an der Einwohnerzahl gemessen meisten Tests weltweit auf die Beine gestellt hatte.

Bis Mitte der Woche sind auf der Nordatlantik-Insel nach Angaben der isländischen Regierung 12.000 der rund 360.000 Einwohner getestet worden, darunter Tausende, die symptomfrei gewesen sind. Ziel soll es letztlich sein, die gesamte Bevölkerung zu testen.

Bis Sonntag wurden in Norwegen nach Behördenangaben 4.102 Infektionen nachgewiesen. 22 Menschen sind bislang nach einer Coronavirus-Infektion gestorben, ihr Durchschnittsalter lag bei 84 Jahren.

Rund 85.000 Menschen wurden bis dato auf Sars-CoV-2 getestet, was bedeutet, dass die Tests bei etwa vier Prozent positiv ausgefallen sind.

Österreichische Armee fliegt infizierten Soldaten mit "Blackhawk" ein

14:50 Uhr: Die österreichische Armee hat einen mit dem Coronavirus infizierten Soldaten aus dem Ausland zurückgeholt. Wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten, sei der Bundesheer-Soldat am Samstag mittels eines "Blackhawk"-Hubschraubers aus Bosnien-Herzegowina ausgeflogen worden.

Der für die Rückholaktion genutzte Hubschrauber ist für die intensivmedizinische Betreuung während des Transports ausgestattet. Unter anderem befinden sich an Bord der Maschine ein Defibrillator und eine Sauerstoffanlage.

Bei dem infizierten Soldaten soll es sich um den einzigen Angehörigen des Bundesheeres handeln, der derzeit während eines Auslandseinsatzes an dem Virus erkrankt ist. Wie die österreichische Armee mitteilte, gehe es ihm den Umständen entsprechend.

Bundeswehr holt weitere Patienten aus Bergamo

14:33 Uhr: Die Bundeswehr hat am Sonntag ein Flugzeug nach Norditalien geschickt, um weitere Covid-19-Patienten abzuholen. Wie ein Sprecher der Luftwaffe mitteilte, flog ein Airbus A310 MedEvac am Mittag von Köln nach Bergamo, um sechs Italiener zur Intensivbehandlung nach Deutschland zu bringen.

Die Bundeswehr hatte bereits am Vortag in der von der Corona-Pandemie stark betroffenen Stadt sechs Patienten abgeholt und nach Köln geflogen.

Am Sonntag startete zudem ein Transportflugzeug A400M der Luftwaffe in Richtung Straßburg, um zwei Patienten abzuholen, die das Bundeswehrkrankenhaus in Ulm versorgen wird.

Robert Koch-Institut meldet rund 4.000 neue Infektionen an einem Tag

14:02 Uhr: Innerhalb eines Tages ist die Zahl der registrierten Corona-Infizierten in Deutschland um mindestens 4.000 Fälle gestiegen. Das geht aus den Daten hervor, die das Robert Koch-Institut am Sonntagvormittag veröffentlichte (Stand Sonntag 00.00 Uhr).

Demnach zählte es bislang insgesamt 52.547 Fälle - 63 pro 100.000 Einwohner. Das waren 3.965 Fälle mehr als am Vortag. Insgesamt seien bislang 389 Infizierte gestorben.

Die Zahlen lassen sich nicht einfach von Tag zu Tag vergleichen. So hat das RKI nach eigenen Angaben am Samstag von drei Bundesländern keine Zahlen übermittelt bekommen.

Nach Daten der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sind in den Bundesländern bis Sonntagmittag (Stand 13.30 Uhr) insgesamt mehr als 56.500 Infektionen registriert worden. Besonders hohe Zahlen haben Nordrhein-Westfalen mit 13.630 nachgewiesenen Fällen und 110 Toten (Stand 29.3.), Bayern mit 13.263 Fällen und ebenfalls 110 Toten (Stand 29.3.) sowie Baden-Württemberg mit 10.819 Fällen und 118 Toten (Stand 28.3.).

Gerechnet auf 100.000 Einwohner verzeichnet Hamburg mit einem Wert von 105,1 die meisten Infektionen. Es folgt Bayern mit 101,4. Im Bundesschnitt waren es 66,9. Die Zahl der Toten in Deutschland ist nach dpa-Daten auf mindestens 428 gestiegen.

Experten gehen auch in Deutschland von einer hohen Dunkelziffer bei den Infektionszahlen aus.

Unternehmer Frank Thelen: "Mitte/Ende April geht es weiter"

13:56 Uhr: Der Unternehmer Frank Thelen (44/"Die Höhle der Löwen") bleibt in der Coronakrise optimistisch. Er erwarte nicht, dass Deutschland in eine tiefe Depression abstürze.

"Mein Bauchgefühl sagt mir, wir haben eigentlich keine grundlegenden Probleme, wir haben einen Pausenknopf gedrückt", sagte er am Sonntag bei einem virtuellen Treffen des Start-Up-Festivals "Bits & Pretzels".

Er könne sich vorstellen, dass zwischen dem 20. und 27. April "langsam die Büros, die Kitas, die Schulen wieder öffnen", sagte Thelen. "Mitte/Ende April können wir damit rechnen, dass es weitergeht."

Start-Ups seien agiler als große, etablierte Unternehmen und beispielsweise eher daran gewöhnt, von zu Hause aus zu arbeiten. "Kopf hoch, wir als Start-Ups haben wirklich die besten Voraussetzungen."

Frank Thelen, Investor bei der Vox-Show "Die Höhle der Löwen" bleibt trotz der Coronakrise optimistisch.

Anderen Branchen wie der Reise- und Eventbranche gehe es viel schlechter, betonte der 44-Jährige. Er glaube nicht, dass große Veranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern in diesem Jahr noch stattfinden werden.

"Bits & Pretzels" lädt seit einigen Jahren während des Oktoberfestes nach München ein. Im vergangenen Jahr kamen mehrere tausend Besucher - vor allem, um Stargast Barack Obama zuzuhören.

Deutsche Post bereitet Einschränkungen wegen Corona-Pandemie vor

13:29 Uhr: Die Deutsche Post bereitet sich wegen der Corona-Pandemie auf "weitere Einschränkungen" ihrer Dienstleistungen vor. "Der Umgang mit solchen Einschränkungen ist uns in besonderen lokalen Quarantäne-Gebieten bereits vertraut", teilte die Deutsche Post am Sonntag mit.

Bisher gebe es keine wesentlichen Einschränkungen der Brief- und Paketversorgung in Deutschland. "Wir tun alles, um sowohl unsere Mitarbeiter wie auch unsere Kunden soweit es geht zu schützen und die Postversorgung wie gewohnt aufrecht zu erhalten", teilte das Unternehmen auf Anfrage mit und machte darüber hinaus keine weiteren Angaben.

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" sieht eine Notfall-Planung vor, dass in extremen Situationen in "geschlossenen Gebieten" lediglich Einschreibebriefe und Sendungen an Behörden oder Gesundheitseinrichtungen zugestellt werden.

Ab einem Krankenstand bei der Post von 30 Prozent sollen demnach Briefe und Pakete nur noch an drei Tagen zugestellt werden. Ab einem Krankenstand von 80 Prozent sollen Zusteller nur noch einmal wöchentlich austragen. Zu diesen Details äußerte sich die Post nicht.

Spanien meldet neuen Höchststand an Corona-Toten an einem Tag

13:03 Uhr: Mit 838 Todesopfern durch das neuartige Coronavirus binnen 24 Stunden hat Spanien einen neuen traurigen Rekord gemeldet. Die Gesamtzahl der Corona-Opfer in dem Land stieg damit auf 6528, wie das Gesundheitsministerium in Madrid am Sonntag mitteilte.

Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg innerhalb eines Tages um 9,1 Prozent auf 78.797 Fälle. Mit Ausnahme von Donnerstag war die Zahl der neu hinzugekommenen Corona-Opfer in Spanien in den vergangenen Tagen stetig gestiegen.

Deutschland nimmt weitere Covid-19-Patienten aus Frankreich und Italien auf

12:36 Uhr: Die Bundeswehr holt weitere Corona-Patienten aus dem Ausland zur Behandlung nach Deutschland. Ein Airbus startete am Sonntag von Wunstorf in Richtung Straßburg, um von dort zwei Patienten nach Stuttgart zu fliegen.

Die schwererkrankten Franzosen würden anschließend im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm versorgt, hieß es aus dem Verteidigungsministerium.

"Frankreich braucht jetzt unsere Hilfe. Und natürlich stehen wir unseren Freunden bei", sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Sie habe deshalb mit ihrer französischen Amtskollegin Florence Parly die Übernahme der Patienten vereinbart.

Wie ein Sprecher der Luftwaffe am Sonntag berichtete, ist demnächst noch ein Flug ins norditalienische Bergamo geplant.

Corona-Fälle auf deutschem Kreuzfahrtschiff - Rückholaktion gestartet

12:27 Uhr: Nach dem Coronaverdacht von 46 Menschen auf einem deutschen Kreuzfahrtschiff vor Australien, hat am Sonntag die Rückholaktion von Hunderten Passagieren begonnen.

Zuvor war bereits bei neun Menschen an Bord des Schiffes mit insgesamt 832 Passagieren eine Covid-19-Infektion bestätigt worden. Die Betroffenen werden in Krankenhäusern in Perth behandelt.

Auf dem Schiff sei ein "Krisenpunkt" erreicht worden, als zahlreiche Passagiere am Freitag über Corona-Symptome geklagt hätten. Das deutsche Kreuzfahrtschiff befindet sich seit Donnerstag in Freemantle südlich von Perth. Die meisten Passagiere sind Deutsche.

GroKo-Parteien in Coronakrise im Aufwind

11:36 Uhr: Die Parteien der großen Koalition legen in der Coronakrise in der Wählergunst zu. Die CDU/CSU verbesserte sich im "Sonntagstrend" für die "Bild am Sonntag" um vier Prozentpunkte auf 32 Prozent. Die SPD legte um zwei Punkte auf 18 Prozent zu.

Die Grünen verloren dagegen laut der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar zwei Punkte und lagen mit 19 Prozent nur noch knapp vor der SPD.

Die AfD verschlechterte sich ebenfalls um zwei Punkte auf elf Prozent. Die Linke blieb bei neun Prozent. Die FDP büßte einen Punkt ein und lag mit sechs Prozent nur noch knapp über der Fünf-Prozent-Hürde.

Coronavirus breitet sich in Moskau rasant aus

11:15 Uhr: In der russischen Hauptstadt Moskau steigt die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen rasant. Mehr als 1.000 Menschen hätten sich bereits mit dem hochansteckenden Virus infiziert, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin am Sonntag mit.

"Die Situation im Zusammenhang mit der Ausbreitung hat ein neues Ausmaß erreicht." Die meisten Corona-Fälle in Russland entfallen auf die Millionenmetropole Moskau. Landesweit wurden mehr als 1.500 Fälle bekannt.

In Moskau sei das Virus bislang bei sechs gestorbenen Menschen nachgewiesen worden, teilten die Behörden der Agentur Interfax zufolge mit. Unter den Infizierten seien auch 13 Kinder.

Mehrere Menschen laufen mit Schutzmasken über eine Straße in Moskau. In der russischen Hauptstadt haben sich inzwischen mehr als 1.000 Menschen mit dem Virus infiziert.

Um die Ausbreitung einzudämmen, sind seit Samstag Einkaufszentren, Restaurants, Bars und größere Parks geschlossen. "Die meisten Moskauer hörten auch auf die Empfehlungen der Behörden und blieben zu Hause", meinte der Bürgermeister. Dennoch seien viele Leute unterwegs gewesen, ohne ausreichenden Abstand zu halten. Andere hätten sich draußen mit Freunden getroffen, so Sobjanin.

Auch etwa 20 Prozent der Moskauer im Alter von über 65 Jahren hätten entgegen der Auflagen ihre Wohnung verlassen. Sobjanin berief sich auf Handy-Daten. "Meine Lieben, Sie sind in Gefahr."

Joshua-Promoter: Ein Jahr Gratis-Tickets für NHS-Angestellte

10:52 Uhr: Der Promoter von Box-Star Anthony Joshua will sich mit kostenlosen Eintrittskarten bei den Angestellten des britischen Gesundheitsservices NHS für ihre Arbeit in der Coronakrise bedanken.

Wie Eddie Hearn per Twittervideo mitteilte, werde es für ein Jahr lang bei jedem Kampf 200 Tickets für NHS-Angestellte geben. "Es zählt für zwölf Monate von dem Zeitpunkt an, wenn wir wieder loslegen", sagte Hearn.

Der nächste Kampf von Weltmeister Joshua sollte am 20. Juni im Fußballstadion von Tottenham stattfinden. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie musste die Titelverteidigung gegen den Bulgaren Kubrat Pulew verlegt werden.

Etwa 600 Flüchtlinge in Ankerzentrum in Bayern unter Quarantäne

10:45 Uhr: Etwa 600 Bewohner des Ankerzentrums im bayerischen Geldersheim in Unterfranken sind nach vereinzelten Coronavirus-Infektionen unter Quarantäne gestellt worden.

Das teilte die Regierung von Unterfranken am Sonntag mit. Sieben der untergebrachten Flüchtlinge und ein externer Beschäftigter seien positiv auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden.

Die infizierten Bewohner sollten in einem gesonderten Gebäude unterkommen. Für die Einrichtung gelte ein Aufnahme- und Verlegungsstopp.

RKI-Chef: Müssen damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht reichen

10:30 Uhr: Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, kann nicht ausschließen, dass sich die Versorgungssituation in der Coronakrise auch in Deutschland zuspitzen könnte. Das machte er mit Blick auf die dramatische Situation in Ländern wie Italien deutlich.

"Wir können nicht ausschließen, dass wir hierzulande ebenfalls mehr Patienten als Beatmungsplätze haben. Ob es so kommt, ist Spekulation", sagte Wieler im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Wir müssen jedenfalls damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, ganz klar." In Italien war die Zahl der Toten im Zuge der Corona-Pandemie am Samstag auf mehr als 10.000 gestiegen.

Rund 70 Prozent der Erreger stammten ursprünglich aus dem Tierreich, erläuterte Wieler, der studierter Veterinärmediziner ist, zu einem möglichen Ursprung des neuartigen Coronavirus.

"Eine Ursache für neue Erreger ist, dass wir immer stärkeren Kontakt zu vormals exotischen Tieren haben. Wir dringen immer tiefer in den Urwald vor, die Biodiversität wird durch Monokulturen reduziert", sagte der RKI-Chef. Dadurch könnten sich bestimmte Erreger schneller verbreiten. "Heikel ist zudem das Ernährungsverhalten in einigen Kulturen, vor allem in Asien, wo die Menschen alle möglichen Tiere verzehren, auch solche, die kurz vor dem Essen noch leben, so dass beim Schlachten Blut übertragen wird."

Altmaier plant Fitnessprogramm für Wirtschaft nach Coronakrise

10:12 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat über die derzeitigen Hilfsprogramme hinaus für die Zeit nach der Coronakrise Pläne für eine Wiederbelebung der Konjunktur.

"Wir brauchen ein umfassendes Fitnessprogramm für die deutsche Wirtschaft", sagte der CDU-Politiker in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Die Rettungspakete allein werden nicht genügen." Das Konzept solle sich nicht auf klassische Konjunkturprogramme beschränken, sondern strukturell die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft verbessern.

So müssten Deutschland und Europa den Rückstand bei der Digitalisierung aufholen und dafür sorgen, dass Arbeitsplätze der Zukunft nicht nur in Amerika und Asien entstünden.

Zudem müssten Bereiche wie Arzneimittel und Biotechnologie auch hierzulande angesiedelt sein. Als strategisches Ziel nannte Altmaier, eine wettbewerbsfähige Stahl- und Automobilindustrie zu erhalten.

"Der klimafreundlichste Stahl muss weiter in Europa produziert werden, wir müssen beim autonomen Fahren und bei klimaneutralen Antriebstechnologien Spitzenreiter werden."

NBA- und NHL-Clubbesitzer Dolan mit Coronavirus infiziert

09:18 Uhr: Der Besitzer der New York Knicks (NBA) und der New York Rangers (NHL), James Dolan, ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte der Club der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA am Sonntag via Twitter mit.

Der 64-Jährige habe sich in Selbstisolation begeben und zeige nur wenig bis gar keine Symptome. Dolan führe die Geschäfte von zu Hause aus weiter.

Lambrecht empört über Stopp von Mietzahlungen finanzstarker Firmen

08:15 Uhr: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat sich empört über den Stopp von Mietzahlungen für Ladengeschäfte großer Firmen geäußert. "Wenn jetzt finanzstarke Unternehmen einfach ihre Mieten nicht mehr zahlen, ist dies unanständig und nicht akzeptabel", sagte sie am Samstag in Berlin. Die Corona-Hilfsgesetze böten dafür keine Grundlage. Es gelte weiterhin: "Mieter müssen selbstverständlich ihre Miete zahlen. Falls sie tatsächlich infolge der Krise in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten geraten, kann ihnen lediglich für einen begrenzten Zeitraum nicht gekündigt werden."

Gerichte könnten überprüfen, ob die Voraussetzungen hierfür vorliegen, fügte Lambrecht hinzu. Mieter seien gut beraten, mit ihren Vermietern nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen, wenn sie tatsächlich in Zahlungsschwierigkeiten seien.

Zuvor hatten bekannte Handelsunternehmen wegen der angeordneten Ladenschließungen die Mietzahlungen für ihre Filialen in Deutschland eingestellt. Darunter sind Handelsketten wie Deichmann und H&M sowie Markenhersteller wie Adidas. Deichmann sprach von einer "präventiven Maßnahme, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten".

Coronavirus: Südkorea meldet 105 Neuinfektionen

05:51 Uhr: Südkorea verzeichnet weiter einen starken Wechsel von an- und absteigenden Zahlen bei den täglich neu erfassten Infektionen mit dem Coronavirus. Am Samstag seien 105 Fälle hinzugekommen, teilten die Gesundheitsbehörden am Sonntag mit. Am Freitag hatte die Zahl bei 146 gelegen, nach 91 am Donnerstag. Bisher wurden in dem Land 9.583 Menschen positiv auf den Sars-CoV-2-Erreger getestet. Die Zahl der Todesfälle, die in Verbindung mit dem Virus gebracht werden, kletterte um acht auf 152.

Die Behörden hatten die Bevölkerung im Zuge ihrer "Kampagne der sozialen Distanz" aufgerufen, am Wochenende geschlossene Räume wie Kirchen, Fitnesszentren oder Nachtclubs zu meiden, in denen normalerweise zahlreiche Menschen zusammenkommen. In Südkorea gibt es keine landesweite Ausgangssperre wegen des Covid-19-Ausbruchs.

Den Anstieg vom Freitag führten die Behörden unter anderem auf eine neue lokale Häufung von Infektionsfällen in der am stärksten von dem Ausbruch betroffenen Millionenstadt Daegu im Südosten zurück. Dort hatten sich Dutzende von Patienten in einem Krankenhaus angesteckt.

Sorgen bereitet den Behörden seit Tagen auch die Zunahme "importierter" Infektionsfälle. Zahlreiche Südkoreaner kehren aus Angst vor einer Ansteckung in Ländern, die eine rasche Ausbreitung des Virus verzeichnen, zurück.

Im März hatte sich bei den Infektionsfällen in Südkorea seit dem Höhepunkt Ende Februar mit über 900 Infektionsfällen innerhalb eines Tages ein deutlicher Abwärtstrend eingestellt.

Ehefrau von Kanadas Premier Trudeau von Covid-19 erholt

05:35 Uhr: Die Frau des kanadischen Premierministers Justin Trudeau, Sophie Grégoire Trudeau, hat die Lungenkrankheit Covid-19 überwunden.

"Ich fühle mich so viel besser und habe die Entwarnung von meinem Arzt und dem Gesundheitsamt von Ottawa erhalten", schrieb sie am Samstag (Ortszeit) auf Facebook. Sie drängte ihre Landsleute, zu Hause zu bleiben, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern. Anstelle sich direkt zu treffen solle man die sozialen Netzwerke nutzen.

Sophie Grégoire Trudeau hatte vor gut zwei Wochen mitgeteilt, nach einer Reise nach London positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden zu sein. Sie hatte angekündigt, in Isolation zu bleiben.

Sie fühle sich aber gut und habe nur leichte Symptome. Justin Trudeau hatte daraufhin angekündigt, er werde sich auch isolieren und von zuhause aus arbeiten, obwohl er keine Symptome hatte.

Auf Facebook schrieb Sophie Grégoire Trudeau nun: "Ich glaube fest daran, dass Wissenschaft UND Mitgefühl uns durch diese Krise bringen werden." Das bedeute, dass man die Vorschriften befolgen und vorerst zu Hause bleiben müsse. "Das sind herausfordernde Zeiten. Ich weiß, es ist nicht einfach, allein zu sein - wir alle sind soziale Wesen - mich eingeschlossen!"

Medienforscher: starke Verbreitung von Fake News in Coronakrise

05:00 Uhr: Die Corona-Pandemie beschert Falschmeldungen in sozialen Medien im Internet eine starke Verbreitung. "Falschinformationen gibt es im Prinzip immer", sagte der Jenaer Medienpsychologe Tobias Rothmund der Deutschen Presse-Agentur.

Aber wenn Menschen verunsichert seien oder sich bedroht fühlten, würden sie besonders stark weiterverbreitet. Im Extremfall führten solche Fake News nicht nur zu mehr Angst und Panik, sondern schadeten der Gesundheit - etwa bei irreführenden Tipps zur Vorbeugung oder Behandlung einer Infektion, warnte der Social-Media-Forscher. Jeder sei gefordert, Informationen kritisch zu hinterfragen, bevor er sie an Bekannte weiterleite.

Dudenhöffer erwartet drastischen Stellenabbau in Autoindustrie

04:15 Uhr: In der deutschen Autoindustrie droht aus Sicht von Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer der Verlust von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen durch die Coronakrise.

Die Nachfrage dürfte dieses Jahr um 15 Prozent einbrechen, und nach den Erfahrungen aus der Finanzmarktkrise werde der Aufholprozess mehr als zehn Jahre dauern, schreibt der Professor in einer Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

In den deutschen Werken gebe es über Nacht Überkapazitäten von 1,3 bis 1,7 Millionen Fahrzeugen. Kurzarbeitergeld überbrücke nur kurze Zeiten. Kein Unternehmen könne ungenutzte Produktionskapazität jahrelang vorhalten.

Deshalb seien 100.000 der heute 830.000 Arbeitsplätze bei Autobauern und Zulieferern in Deutschland gefährdet - "unter optimistischen Annahmen", schrieb Dudenhöffer.

Die Autoproduktion in Deutschland war vergangenes Jahr von 5,1 auf 4,7 Millionen Fahrzeuge gesunken. Der Wirtschaftsforscher rechnet dieses Jahr mit einem Verkaufsrückgang von 15 Prozent in Deutschland, 20 Prozent in China, 25 Prozent in Frankreich und den USA und 30 Prozent in Italien.

Damit dürfte die Produktion in Deutschland "bei optimistischer Prognose auf 3,8 Millionen Fahrzeuge schrumpfen. Unter einem pessimistischen Szenario erwarten wir lediglich 3,4 Millionen Fahrzeuge."

"Der Grund sind nicht Probleme in den Lieferketten, sondern ganz klar die fehlende Nachfrage", betonte Dudenhöffer: Die Autoindustrie habe "ein gravierendes, längerfristiges Nachfrageproblem." Das Wirtschaftswachstum nach dem Schulden-Crash 2009 lasse erwarten, dass die USA mindestens 10 Jahre bräuchten, um Anschluss an das Jahr 2019 zu finden.

Auch in Europa spreche wenig für einen Wachstums-Boom nach der Coronakrise: "In der Vergangenheit galt bei den großen Krisen in Europa das Gegenteil." Um die Nachfrage zu beleben, schlug Dudenhöffer das Aussetzen der Mehrwertsteuer oder eine negative Mehrwertsteuer vor.

Sigmar Gabriel wirft EU Versagen in Coronakrise vor

01:59 Uhr Ex-Außenminister Sigmar Gabriel hat der Europäischen Union Versagen bei der Bewältigung der Coronakrise vorgeworfen. "Offensichtlich haben wir eine Schönwetter-EU, denn in der größten Bewährungsprobe seit ihrer Gründung versagt sie bisher vollständig", sagte der Ex-SPD-Chef im ZDF-Politmagazin "Berlin direkt". "Das Schlimmste war sicher am Anfang, dass selbst wir Deutschen nicht bereit waren, dorthin, wo die Menschen schon reihenweise umfielen und starben, nämlich nach Norditalien, Hilfsmittel zu liefern."

Gabriel stellte die Frage, ob es so dramatisch gewesen wäre, wenn Deutschland statt 156 Milliarden Euro an neuen Schulden 166 Milliarden aufgenommen hätte - und dann 10 Milliarden den Italienern und Spaniern als Ersthilfe zur Verfügung gestellt hätte. "Die beiden Länder hätten es uns vermutlich 100 Jahre gedankt, wenn wir das gemacht hätten. So werden sie sich daran erinnern, dass nicht ihre Nachbarvölker ihnen helfen - sondern die Chinesen." Jetzt sei es so, dass Deutschland den Eindruck vermittele, genauso zu handeln wie Amerika - "und zwar nicht nur wir in Deutschland, sondern jedes europäische Land, nämlich: My nation first! Wir denken an uns, nicht an den Nachbarn."

Gabriel warf auch den USA vor, Chancen verpasst zu haben. "Man stelle sich mal vor, wir hätten einen amerikanischen Präsidenten, der eine Rede halten würde und sagt: Die gesamte Stärke Amerikas packen wir jetzt in die Fertigung von Medizinprodukten, von Beatmungsgeräten, von Hilfsmaterialien - und zwar für unsere eigene Bevölkerung, aber auch für alle, die Hilfe brauchen. Was das für ein Signal der alten großen westlichen Führungsmacht Amerika gewesen wäre!" Stattdessen erlebe man heute, wie sich die beiden großen Länder USA und China mit Verschwörungstheorien eindeckten.

Sicherheitsexperten warnen vor Gefahren durch Corona-Pandemie

01:30 Uhr: Einer der wohl prominentesten europäischen Geheimdienstler, der frühere Agent des deutschen Geheimdiensts BND, Gerhard Conrad, warnt vor einer Bedrohung der Sicherheit durch die Covid-19-Pandemie. Vor allem in besonders schwer betroffenen Ländern könne es zu einer Schwächung der Sicherheitsstrukturen und damit zu einem Wiedererstarken terroristischer Netzwerke kommen, sagte Conrad der "Welt am Sonntag".

Deshalb müsse gerade in einer solchen Lage sowohl in Deutschland als auch international der Druck auf terroristische Strukturen aufrechterhalten werden, forderte Conrad, der sich als Vermittler in Gefangenenaustauschen und Nahost-Experte einen Namen gemacht hat. "Darüber hinaus verdienen jedoch in den kommenden Monaten die direkten und indirekten Auswirkungen der Pandemie auf die Stabilität der betroffenen Staaten weltweit ein besonders Maß an Aufmerksamkeit."

Der frühere Staatsminister und Geheimdienstkoordinator der Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl, Bernd Schmidbauer, sagte der Zeitung: "Ich werde in den nächsten Tagen Angela Merkel anschreiben und sie auffordern, die Aktivitäten der Sicherheitsbehörden hochzufahren." Die Kanzlerin müsse dafür sorgen, dass das Auftragsprofil für den BND in der Coronakrise angepasst werde.

Alle im Zusammenhang mit der Pandemie stehenden Informationen seien derzeit für Deutschland extrem wichtig. "Vor allem die Gefahr durch Extremisten und Terroristen, die eine solche Lage für ihre Zwecke ausnutzen wollen, ist groß", sagte Schmidbauer. Er denke etwa an Netzwerke in den Maghreb-Staaten und im Nahen Osten. Zudem könne die Virus-Krise zu einer starken Zunahme der Flüchtlingszahlen Richtung Europa führen.

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Mit Material von dpa, afp und apa.
Teaserbild: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa