In Dortmund brauchen Jürgen Klopp, die Mannschaft und die Fans Taschentücher, der FC Bayern sucht neue Schuldige für etwaige Rückschläge und im Nord-Derby hat Werder Bremen die einmalige Chance auf ein Denkmal. Die (wie immer nicht ganz ernst gemeinte) Bundesliga-Vorschau auf den 29. Spieltag.

Holt die Taschentücher raus!

Spiel eins nach der Abschiedsankündigung von Jürgen Klopp. In Dortmund geht es am Samstag daher nicht um Fußball, sondern um die ganz großen Gefühle. Romantisch wie "Bauer sucht Frau", emotional wie "Germany's next Topmodel", gekünstelt wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" - wen interessiert da noch die taktische Marschrichtung gegen den Abstiegskandidaten SC Paderborn? Holt die Taschentücher raus, es wird tränenreich werden.

Jürgen Klopp winkt in Richtung Südtribüne. Er umarmt Michael Zorc, küsst Siegtorschütze Kevin Großkreutz (1:0, 90. Minute) und säuselt nach getaner Arbeit ins Mikrofon, wie toll der BVB doch sei. "Uiuiui, das sind herrliche Emotionen", wird es Sky-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis entfahren, ehe er (hoffentlich) zum Körpersprachen-Experten schaltet, der uns erklärt, wie aufgewühlt "Kloppo" aktuell sei.

Der Mann ohne Vorname verabschiedet sich vom FC Bayern München.

Eine Befürchtung liegt nahe: Die Pressekonferenz am Mittwoch war nur ein Vorgeschmack auf die volle Breitseite gefühlsschwangerer Sätze, die uns bis zum Ende der Saison heimsuchen werden. Fußballfans, die es mit dem FC Bayern oder dem FC Schalke 04 halten, leiden schon jetzt an einer Überdosis schwarz-gelber Sentimentalitäten. Doch da müssen sie jetzt durch.

Was würde Uli Hoeneß sagen?

Ein Hauch des FC Hollywood weht endlich wieder durch München. Und wir sehnen uns nach Uli Hoeneß. Es wäre die Woche des Ex-Präsidenten gewesen, um täglich Zitate in die Welt hinauszuposaunen, aus der Boulevard-Schlagzeilen entstehen: Vereinslegende und Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt tritt zurück ("Der ist doch für seine Scheißstimmung selbst verantwortlich!"). Der FC Bayern blamiert sich in Porto ("Einige unserer Spieler gehören in den Zirkus!"). Und beim größten Konkurrenten der vergangenen Jahre tritt der Trainer zurück ("Der Klopp kann noch 100 Jahre Trainer sein, er wird uns nie überholen!")

Doch Uli Hoeneß gibt keine Interviews mehr, weshalb wir verzweifelt nach spannenden Fakten zum Bayern-Spiel in Hoffenheim suchen. Vorschlag: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski traf in den letzten acht Bundesliga-Spielen neunmal, während Hoffenheim in drei Pflichtspielen zehn Treffer kassierte. Langweilig? Tut uns leid. Mehr gibt diese Partie, für die wir einen 4:1-Auswärtssieg voraussagen, leider nicht her.

Daher überlegen wir schon jetzt, welchen Schuldigen Pep Guardiola am Dienstag ausmachen könnte, sollte der FC Bayern tatsächlich aus der Champions League ausscheiden. Der Vereinsarzt ist ja nicht mehr da. Unsere Favoriten: der Pressesprecher oder der Greenkeeper. Oder Lothar Matthäus. Aus Prinzip.

Wende oder Ende?

Schluss mit lustig. Kommen wir zum sportlich wichtigsten Spiel des Wochenendes: Werder Bremen empfängt den Hamburger SV. Nord-Derby. Die Möglichkeit für die Bremer, sich unsterblich zu machen. Wenn sie am Sonntag den HSV mit 4:0 aus dem Stadion ballern und der HSV in fünf Wochen absteigt, bauen die Bremer Fans ihrer Mannschaft ein Denkmal.

Ob Bruno Labbadia auch von einem Denkmal träumt? Er mag kein umjubelter Trainer sein, aber immerhin hat er im Gegensatz zu Vorgänger Peter Knäbel diese Bezeichnung verdient. Und mit einem echten Trainer könnte es endlich wieder bergauf gehen - weiter bergab ist schließlich nicht möglich, denn der HSV hat sein Bestes gegeben, um endlich auf Rang 18 zu landen.

Sollte Labbadia zum Einstand einen Sieg feiern, wäre das der Moment, den man im Saisonrückblick die "Wende zum Guten" nennen würde. Einzig möglicher Siegtorschütze: Heiko Westermann zum 3:2 für den HSV.

Sie merken: Wir haben den HSV noch nicht ganz abgeschrieben. Wir sind im Herzen eben doch Fußballromantiker, die nicht glauben können, dass der "Dino" tatsächlich absteigt. Doch wir haben die ganzen schlechten Witze über den "Quatsch Comedy Club" der Bundesliga nicht weggeworfen. Wir haben sie nur wieder in die Schublade gesteckt, weil Jürgen Klopp dem HSV-Trainerwechsel am Mittwoch die Show gestohlen hat.

Volle Konzentration auf Bielefeld

Apropos Show: Das war nett anzusehen, was der SSC Neapel am Donnerstag mit dem VfL Wolfsburg anstellte. Wenn man in Europa den deutschen Teams nicht die Daumen drückt. Ab sofort können sich die Wolfsburger voll und ganz auf das Kracher-Halbfinale gegen Arminia Bielefeld im DFB-Pokal konzentrieren. Auf dem Weg dorthin schaut der FC Schalke 04 in Wolfsburg vorbei. Wieder im Blickpunkt: Klaas-Jan Huntelaar, der sich hoffentlich am Donnerstag ganz genau angeschaut hat, wie man gegen den VfL ein Tor schießt - seit dem 29. November 2014 wartet der "Hunter" auf ein Bundesligator. Das wird sich am Sonntag nicht ändern, weil Nicklas "Lord" Bendtner seinen Europa-League-Frust an S04 auslässt - 2:0.

In der Trainerkarussell-Sensations-Woche möchten wir an dieser Stelle leise anmerken, dass wir in naher Zukunft auch wieder eine Trainerdiskussion auf Schalke erleben könnten: Viermal in Folge hat S04 nicht gewonnen, traf dreimal das Tor nicht und dümpelt mit 41 Punkten auf Platz fünf herum. Wenn das Jens Keller passiert wäre...

Wenn Schwaben gegen Schwaben spielen

Die Schwaben aus Bayern empfangen die Schwaben aus Württemberg. Wer jetzt "Derby" sagt, wird aus der Redaktion geworfen. Der FC Augsburg, der zuletzt spielte, als hätte er in Europa tatsächlich nichts verloren, tritt gegen den VfB Stuttgart an, der monatelang so spielte, als hätte er in der Bundesliga nichts verloren. Unser Gefühl sagt, dass die Stuttgarter das Spiel mit 2:1 für sich entscheiden. Denn die Historie hat gezeigt: Egal wie blöd sich der VfB anstellt, drei Mannschaften sind noch blöder.

Nebenbei warten wir noch auf die offizielle Bestätigung, dass Alexander Zorniger neuer Trainer in Stuttgart wird. Einfach nur wegen des Namens. Ach, was werden wir hier tolle Witze machen können. Heilig's Blechle!

Die Partien des 29. Spieltags:

Freitag, 17.04.2015:

Eintracht Frankfurt-Mönchengladbach20:30 Uhr

Samstag, 18.04.2015:

Borussia Dortmund-SC Paderborn15:30 Uhr
Bayer Leverkusen-Hannover 9615:30 Uhr
1899 Hoffenheim-FC Bayern15:30 Uhr
Hertha BSC-1. FC Köln15:30 Uhr
SC Freiburg-1. FSV Mainz 0515:30 Uhr
FC Augsburg-VfB Stuttgart18:30 Uhr

Sonntag, 19.04.2015:

Werder Bremen-Hamburger SV15:30 Uhr
VfL Wolfsburg-FC Schalke 0417:30 Uhr