Es geht immer noch schlimmer: Der HSV entschließt sich entgegen aller Lippenbekenntnisse zu einem erneuten Trainerwechsel; und holt mit Bruno Labbadia einen Coach zurück, der in Hamburg bereits gescheitert ist. Eine absurde Entscheidung, die so nur der HSV treffen kann. Ein Kommentar von Tim Frische.

Der große Name geisterte wochenlang durch Hamburg: Thomas Tuchel - bald offenbar Nachfolger von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund - sollte die Lösung sein. Die Lösung, die den Hamburger SV nicht nur vor dem Abstieg bewahrt, sondern den Klub peu a peu wieder dahin führt, wo er sich vom Selbstverständnis her sieht: unter die Top-Klubs Deutschlands, mittelfristig sogar Europas.

Twitter-Reaktionen auf Trainerwechsel: schwarzer Humor, viel Kritik.

Dass Hamburg von diesen Sphären meilenweit entfernt ist, zeigt nicht nur der Blick auf die Tabelle. Die Vereinsführung wirkt, wie so oft in den vergangenen Jahren, vollkommen überfordert. Daran hat sich auch durch die 2014 verpflichteten Peter Knäbel als Sportdirektor und Dietmar Beiersdorfer als Vorstandsvorsitzendem nichts geändert. Im Gegenteil: Noch nie - und das heißt bei diesem Verein schon was - wirkte der Traditionsklub so dilettantisch wie aktuell.

Mit der Rückholaktion Bruno Labbadias setzt Beiersdorfer dem Ganzen jetzt die Krone auf. Ausgerechnet der Trainer, der zur Saison 2009/10 kam und bereits während dieser entlassen wurde, soll den Klub vor dem Abstieg bewahren. Dabei sagte der HSV-Boss am Sonntag noch klipp und klar, dass es in dieser Saison keinen weiteren Trainerwechsel geben werde. Er hätte besser geschwiegen.

Nach den desaströsen Auftritten unter Interimstrainer Knäbel bei Bayer Leverkusen (0:4) und gegen den VfL Wolfsburg (0:2), durch die der Verein auf den letzten Tabellenplatz abstürzte, sieht sich der HSV nun doch zum dritten Trainerwechsel in dieser Saison gezwungen. Dass mit Labbadia ein ehemaliger und einst bereits geschasster Coach kommt, passt in das absurde Bild, das der Klub abgibt. Ein Plan hinter dieser Entscheidung ist nicht zu erkennen. Vielleicht entstand sie aus alter Verbundenheit - Labbadia und Beiersdorfer arbeiteten bereits 2009/10 zusammen beim HSV. Vor allem wirkt sie aber wie purer Aktionismus und der Griff nach dem letzten noch verbliebenen Strohhalm.

Denn: Labbadias Erfolge als Trainer sind mehr als überschaubar. Seine erste Bundesliga-Station bei Bayer Leverkusen endete nach zwei Jahren, in Hamburg war nach nicht mal einer Spielzeit Schluss. Einzig in Stuttgart hatte Labbadia - zumindest anfangs - ein Erfolgserlebnis, als er Ende 2010 als "Feuerwehrmann" geholt wurde und den VfB vor dem Abstieg rettete.

Ob ihm Ähnliches in Hamburg gelingt, ist mehr als fraglich. Das läge dann kaum an Labbadia selbst, sondern vielmehr am - auch wenn man das in Hamburg nicht wahrhaben will - viel zu schwach besetzten Kader. Und für diesen sind in erster Linie Knäbel und Beiersdorfer verantwortlich.

Will der HSV endlich wieder in die Spur kommen, muss er vor allem dort ansetzen - und endlich kompetente Personen in der Vereinsführung installieren.