Der Transfer von Eric Maxim Choupo-Moting zum FC Bayern ergibt im Hinblick auf die kurzfristigen Ziele des Rekordmeisters durchaus Sinn. Die Nebenwirkungen des Transfers sind aber nicht zu unterschätzen.

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Von Maxim zu "Faxim" war es nicht weit, der Spitzname schnell geboren. Eric Maxim Choupo-Moting hatte ein paar schwere Wochen zu überstehen im Training beim Hamburger SV, die Kollegen zogen ihn immer wieder auf mit dieser Geschichte.

Und die ging so: Choupo-Moting wollte weg aus Hamburg, der 1. FC Köln sollte sein neuer Verein werden. Es war der letzte Tag der Transferperiode im Winter 2011, der 31. Januar.

Choupo-Motings Vater Just war gleichzeitig auch dessen Berater, er hatte den Deal mit den Kölnern auf den letzten Drücker ausgehandelt. Jetzt musste das Vertragswerk nur noch von Hamburg nach Köln geschickt werden und von dort aus dann weiter nach Frankfurt zur Deutschen Fußball Liga.

Heute geht das alles online, zahllose Dokumente müssen dafür in einem eigens konzipierten Portal hochgeladen werden: Belege, Nachweise, Dokumente, Unterschriften. Vor neun Jahren genügte im Prinzip der von beiden Seiten unterschriebene Vertrag. Dieser wurde aber in der Regel noch gefaxt.

Just Choupo-Moting legte um 17:49 Uhr den von seinem Sohn unterschriebenen Vertrag in sein Fax und schickte dies nach Köln. Plötzlich streikte aber das Gerät, beim FC kam nur die erste Seite des Kontrakts an. Jene mit Choupo-Motings Unterschrift fehlte. Erst ein paar Minuten später rutschte auch der Rest durch. In Köln wurden nun hektisch die fehlenden Unterschriften der Verantwortlichen daruntergeschrieben und das Dokument an die DFL weitergeleitet.

Das war um 18:06 Uhr, in Frankfurt fiel das Fax um 18:13 Uhr aus dem Gerät. 13 Minuten zu spät, weil die Transferperiode um 18 Uhr offiziell zu Ende gegangen war. Köln legte sofort Rechtsmittel ein, die DFL blieb allerdings hart. Und Eric Maxim Choupo-Moting dann doch in Hamburg.

Choupo-Motings Transfer überrascht

Ziemlich sicher haben Hasan Salihamidzic und der FC Bayern am vergangenen Sonntag kein Faxgerät benutzt, sondern das Portal der DFL. Allerdings war es auch dieses Mal wieder richtig knapp, erst ein paar Stunden vor dem Ende der Transferperiode brachten die Bayern den Deal unter Dach und Fach.

Es waren turbulente Tage für Salihamidzic, der quasi auf den letzten Drücker drei Spieler noch gehen ließ und fünf Zugänge eintütete: Marc Roca, Bouna Sarr, Douglas Costa, Portugals Nachwuchshoffnung Tiago Dantas und eben Choupo-Moting.

Neben Dantas, der zunächst für die zweite Mannschaft eingeplant ist, und der Rückholaktion von Costa, dem Uli Hoeneß einst "Söldner" hinterherrief, dürfte besonders der Transfer von Choupo-Moting überrascht haben. Der Deutsch-Kameruner hat hierzulande keinen großen Namen, er spielte für den Hamburger SV, Schalke 04, Mainz 05 sowie den 1. FC Nürnberg.

Beim HSV schaffte es der gebürtige Hamburger Choupo-Moting zum Nationalspieler für das Geburtsland seines Vaters, 2010 nahm Choupo-Moting für Kamerun an der Weltmeisterschaft in Südafrika teil, kam dabei auch zweimal zum Einsatz.

Aus dem Nichts zu PSG

Nach zehn Jahren in der Bundesliga ging es dann 2017 zu Stoke City, seine Karriere schien in den Untiefen des englischen Fußballs langsam, aber sicher auszuklingen. Dann erinnerte sich sein ehemaliger Mainzer Trainer Thomas Tuchel an ihn und holte Choupo-Moting von Premier-League-Absteiger Stoke ins Starensemble von Paris St.-Germain.

Ein Quantensprung für einen beinahe 30-Jährigen, der nun mit der Unterschrift beim FC Bayern ihren Höhepunkt erreicht. Selbst in der verrückten Welt des Profifußballs ist eine Wendung wie jene von Choupo-Moting eher die Ausnahme - die aber auch Fragen aufwirft.

Die Bayern mussten auf dem Transfermarkt zwingend nachlegen, nach den prominenten Abgängen von Spielern wie Thiago, Ivan Perisic und Philippe Coutinho waren die Lücken im Kader groß. Hansi Flick mahnte schon seit Wochen, nur mit den vielen jungen Spielern sei das straffe Programm dieser speziellen Saison nicht zu bewältigen.

Der Trainer bekam aber lange Zeit nur wenig Unterstützung, musste sich stattdessen Einordnungen wie jene von Uli Hoeneß anhören, der sich strikt gegen eine Transferoffensive aussprach. Es fehle gar keiner, sagte Hoeneß vor einigen Wochen in der Sport1-Sendung "Doppelpass": "Wir haben drei, vier gute junge Spieler. Wenn wir immer nur etablierte Spieler holen, bekommen die überhaupt keine Chance."

Klares Signal an Zirkzee

Nun haben die Bayern aber doch vier etablierte Spieler geholt und damit den Altersschnitt im Kader deutlich nach oben korrigiert. Das ist als eindeutiges Signal zu verstehen: Es ist keine Zeit für die Entwicklung der jungen Spieler. Die oberste Priorität bleiben Titel - und die sind im Zweifel eher mit erfahreneren Spielern zu holen als mit einer Bande junger Wilder.

Joshua Zirkzee ist einer dieser Spieler. Der Niederländer war in der letzten Saison der erste Ersatz für Robert Lewandowski und füllte diese übergroße Aufgabe sehr gut aus. Für die neue Spielzeit reicht das Vertrauen der Bayern in Zirkzees Fähigkeiten aber offenbar nicht aus, weshalb der 19-Jährige verliehen werden sollte.

Aber Transfers zum 1. FC Köln oder Feyenoord Rotterdam platzten, Zirkzee bleibt jetzt bei den Bayern und wird sich wohl in einer neuen Rolle zurechtfinden müssen: Choupo-Moting dürfte ab sofort der Back-up für Lewandowski sein, Zirkzee rutscht im Ranking der zentralen Angreifer eine Stufe nach unten.

Für den kurzfristigen Erfolg ergibt der Transfer von Choupo-Moting absolut Sinn: Er hat in Paris bewiesen, dass er auch auf höchstem Niveau mithalten kann; und die Bayern werden schon bald genug Spiele haben, in denen Lewandowski einfach auch mal eine (Teilzeit-)Pause benötigt. Allein bis zur Winterpause stehen 17 Pflichtspiele an, die Länderspiele der Nationalspieler und eine mögliche Klub-WM sind da noch gar nicht mit eingerechnet.

Rollenspieler Choupo-Moting

In den Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner oder wenn eine Partie eine halbe Stunde vor dem Ende schon entschieden ist, kann Choupo-Moting für Entlastung beim auch schon 32 Jahre alten Lewandowski sorgen. Auch ein Einsatz als Flügelspieler ist denkbar, weil Choupo-Motings Spielerprofil mehr mitbringt als "nur" Qualitäten im gegnerischen Strafraum.

Er kann dribbeln, in die Tiefe gehen, als Wandspieler agieren und besitzt ein hervorragendes Gespür für die Besetzung von Räumen. "Er gibt unserem Kader in der Offensive, vor allem im Zentrum eine Tiefe, die wir brauchen werden", sagt Salihamidzic.

Und, gerade bei einem großen Klub wie den Bayern, sehr wichtig: Choupo-Moting fügt sich geräuschlos in seine Rolle. Das hat er in Paris bewiesen, als er auch nur als Ergänzungsspieler inmitten der Superstars agierte, seinen Part aber ohne Murren akzeptierte und auf Knopfdruck Leistung brachte.

Die Bayern haben also einen zwar unscheinbaren, aber in der Sache doch sehr schlauen Transfer getätigt. Eric Maxim Choupo-Moting könnte als Rollenspieler noch richtig wichtig werden - für den kurzfristigen Erfolg. Auf der anderen Seite blockiert der 31-Jährige auch unweigerlich die Entwicklung der jüngeren Spieler. Diesen Spagat müssen die Bayern jetzt – mal wieder - hinbekommen.

Verwendete Quellen:

  • sport1.de: "Verbaut Bayern Talenten den Weg?"
  • fcb.de: "FC Bayern verpflichtete Eric Maxim Choupo-Moting"
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