Im Triell in der ARD und im ZDF trafen Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz am Sonntagabend zum zweiten Mal live im TV aufeinander. Laschet und Scholz stritten sich teilweise heftig. Der SPD-Mann geriet bei der Frage nach der Razzia in seinem Ministerium unter Druck, Laschet druckste herum, als er zu CDU-Rechtsausleger Hans-Georg Maaßen Stellung beziehen sollte. Punkten konnte Baerbock. insgesamt hielt sich der Erkenntnisgewinn des öffentlich-rechtlichen Triells aber in Grenzen.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe
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14 Tage nach dem ersten Triell auf RTL und 14 Tage vor der Bundestagswahl kam es am Sonntagabend zeitgleich in der ARD, im ZDF und auf Phoenix zum nächsten Showdown zwischen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) und den beiden Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD).

Beim zweiten großen Rededuell ging es hoch her, die beiden Männer stritten sich phasenweise heftig. Die Zeit, um verbindlich über Politik und Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu sprechen, wurde deshalb ziemlich knapp.

Die Ausgangslage vor der Bundestagswahl 2021

Laschets Umfragewerte sind nach wie vor schlecht, Scholz ist der Favorit auf das Kanzleramt. Entsprechend war Laschet erneut in der Rolle des Herausforderers und von Beginn an ordentlich auf Krawall gebürstet. In einem kleinen Studio in Berlin mit fünf Redepulten stellte sich das Kandidaten-Trio den Fragen von ZDF-Moderatorin Maybrit Illner und ARD-Chefredakteur Oliver Köhr.

Die Einstiegsfrage beim TV-Triell am Sonntag

Kein Thema nervt das Kandidaten-Trio derzeit so sehr, wie die Frage nach möglichen Koalitionspartnern. Um gleich für ordentlich Zündstoff zu sorgen, bohrte das Moderatoren-Duo Illner und Köhr deshalb direkt an diesem wunden Punkt nach. Das Ergebnis: jede Menge ausweichende Antworten.

Laschet schloss nicht einmal aus, als Juniorpartner in eine Regierung Scholz einzutreten. Dafür fand er ungefragt zu zwei anderen Parteien klare Worte. "Wir werden auf keinen Fall mit der Linken koalieren. Wir werden nicht mit der AfD koalieren. Wir werden mit denen nicht mal reden", sagte Laschet und stichelte damit gegen Baerbock und Scholz, die es zuletzt immer wieder vermieden hatten, eine rot-rot-grüne Regierung auszuschließen.

Baerbock tat dies auch am Sonntag nicht, sagte stattdessen aber einen anderen bemerkenswerten Satz. "Ich finde die Gleichsetzung der AfD mit der Linken brandgefährlich", erklärte sie, denn dies sei eine Verharmlosung der AfD, die keine demokratische Partei sei. Auch Scholz schloss eine Koalition mit der Linken erneut nicht aus, obwohl er von Laschet bedrängt wurde, eine klare Aussage zu machen.

Der heftigste Schlagabtausch beim Triell

Direkt im Anschluss knöpfte sich Laschet Scholz vor und konfrontierte den SPD-Mann mit dessen Schwachstellen wie Wirecard, dem Cum-Ex-Steuerskandal und der Razzia im Bundesfinanzministerium in der vergangenen Woche. "Wenn mein Finanzminister so arbeiten würde wie Sie, hätten wir ein Riesenproblem", kritisierte Laschet Scholz heftig.

Scholz, der das RTL-Triell vor zwei Wochen völlig ruhig und unaufgeregt abgespult hatte, wirkte plötzlich sehr angefasst und musste aus der Deckung kommen. Er trippelte auf der Stelle hin und her, seine Ohren wurden dunkelrot. "Man sieht wie Dinge verdreht werden. Und zwar ganz bewusst verdreht, Herr Laschet", wehrte sich Scholz, dreimal habe der CDU-Mann falsche Behauptungen wiederholt.

Minutenlang beschuldigten sich die beiden Männer gegenseitig, nicht die Wahrheit zu sagen. Wer von beiden Recht hatte, war angesichts der Komplexität des Themas kaum nachzuvollziehen. Mit welcher Schärfe die Diskussion geführt wurde, war aber schon überraschend.

Laschet und das Thema Maaßen

Während die Razzia im Bundesfinanzministerium Scholz unter Druck brachte, wackelte Laschet beim Thema Hans-Georg Maaßen. Der Rechtsausleger der CDU, der in Thüringen als Direktkandidat antritt, sorgt immer wieder mit Äußerungen für Aufsehen, die eher zur AfD als zu den Christdemokraten passen. Während Laschet sich zu Beginn der Sendung klar von der AfD distanzierte, hatte er keine klare Antwort auf die Frage, ob er Maaßen wählen würde.

"Ich beantworte keine 'Würde'-Fragen", sagte Laschet zunächst, dann erklärte er, dass er ja ohnehin in Aachen wahlberechtigt sei und sich für ihn die Frage deshalb nicht stelle. Für diese lauwarme Antwort wurde er von Baerbock gemaßregelt, die ihrerseits klar Stellung bezogen hatte, als Tübingens grüner Bürgermeister Boris Palmer eine rassistische Aussage getätigt hatte. "Das kann ich als Parteivorsitzende - und da unterscheiden wir uns offensichtlich - so nicht stehen lassen", sagte sie in Richtung Laschet.

Der Fair-Play-Moment des Abends

Baerbock wies daraufhin, dass die Uhr, die die Redezeit von Scholz messen sollte, weiterlief, obwohl die Moderatoren sprachen. Vielleicht wollte sie dem SPD-Mann auch schon mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen nach der Wahl etwas Gutes tun, aber das ist reine Spekulation.

Worüber sonst noch gestritten wurde

Tatsächlich über ziemlich viel. Klima- und Energiepolitik, Digitalisierung, Mietpreise, Krankenversicherungen, Rente, Impfungen, Steuern. Während Laschet immer wieder die Konfrontation suchte und Scholz die Angriffe parieren musste, konnte Baerbock punkten, wenn es um ihre Politik ging. Sie stellte ihr Konzept für die Rentenpolitik vor, sie sprach über Klimapolitik und darüber, mit welchen Maßnahmen Geldwäsche verhindert werden könnte.

Dabei profitierte die Grünen-Politikerin davon, dass sie nicht so viel Druck wie ihre männlichen Gegenkandidaten hatte und weder von Scholz noch von Laschet hart angegangen wurde. Schließlich könnten die Grünen nach der Wahl sowohl für die CDU, wie auch für die SPD ein wichtiger Partner auf dem Weg ins Kanzleramt werden.

Das Fazit: Viele Themen, wenig Erkenntisgewinn

95 Minuten dauerte das öffentlich-rechtliche Triell am Sonntagabend. Während in der ersten Hälfte Scholz und Laschet auf einer eher persönlichen Ebene heftig stritten, wurde in der zweiten Hälfte deutlich verbindlicher über Politik gesprochen. Doch da war die Zeit bereits knapp, die Moderatoren Illner und Köhr unterbrachen die Kandidaten immer wieder und hechelten von einem Thema zum nächsten.

Der Erkenntnisgewinn hielt sich deshalb in Grenzen. Laschet war noch angriffslustiger als bei RTL, Scholz musste im Gegensatz zum Triell vor 14 Tagen diesmal seine Defensive verlassen. Einen wirklichen Ausrutscher leistete sich aber erneut keiner der Kandidaten, genauso wie keinem ein echter Coup gelang.

Punkten konnte Baerbock, die in einer Umfrage nach der Sendung von den Zuschauerinnen und Zuschauern am sympathischsten und tatkräftigsten eingeschätzt wurde. Am überzeugendsten fanden aber 41 Prozent Scholz, vor Laschet (26 Prozent) und Baerbock (18 Prozent). Was letztlich ziemlich genau den Verhältnissen von vor der Show entsprach.

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Man darf sich also berechtigterweise fragen, welchen Einfluss die Rededuelle tatsächlich auf den Wahlausgang haben. Und ob es wirklich drei Trielle braucht. Denn schon am nächsten Sonntag geht es auf ProSieben und Sat.1 mit dem Kampf ums Kanzleramt weiter.

Teaserbild: © dpa / Christophe Gateau/dpa