• Dem FC Bayern steht ein massiver Umbruch in der Defensive bevor
  • Gleich drei verdiente Spieler könnten den Klub verlassen.
  • Welche Spieler das sind und wer aus dem aktuellen Kader davon profitieren könnte? Eine Bestandsaufnahme.

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In diesem Winter darf nicht mehr gehandelt werden, die Transferperiode ist seit einigen Tagen vorbei. Aber nach der Wechselphase ist vor der Wechselphase, spätestens jetzt geht es an den konkreten Umbau der Mannschaften für die kommende Saison und darüber hinaus. Auf die Kaderanalysen folgen die Vorbereitungen möglicher Sommertransfers, so ist das auch beim FC Bayern.

Hasan Salihamidzic dürfte - mal wieder - alle Hände voll zu tun haben. Bayerns Sportvorstand wird ja eine eher mittelprächtige Bilanz nachgesagt. Einige Verpflichtungen des letzten Sommers mit so genannten Mitläufern wie Marc Roca, Bouna Sarr und Douglas Costa, das angebliche Theater um Nachwuchsspieler Tiago Dantas oder viel ältere Geschichten aus den Jahren davor lassen Salihamidzic immer mal wieder in einem schlechten Licht dastehen.

Umso interessanter wird sein zu beobachten, wie Salihamidzic und Trainer Hansi Flick den doch etwas größeren Umbruch in der Defensive der Bayern angehen wollen - vorausgesetzt, Flick wird und will auch über den Sommer hinaus Trainer bei den Münchenern bleiben. Auch hier gab es zuletzt immer mal wieder Gerüchte um Flick und die mögliche Nachfolge von Joachim Löw bei der Nationalmannschaft.

Jedenfalls müssen die Entscheidungsträger womöglich gleich mehrere defensive Stützen der Mannschaft ersetzen oder austauschen - was in der Corona-Zeit selbst für einen gut situierten Klub wie den FC Bayern kein leichtes Unterfangen ist. Es stehen einige sehr und einige weniger prominente Abgänge im Raum und eine ganze Reihe von Fragezeichen.

David Alaba:

Der Wechsel des Innenverteidiger-Linksverteidiger-Allrounders nach Madrid steht angeblich schon fest, aktuell gibt es keinen neuen Kenntnisstand. Die Bayern gehen aber zu "99,9 Prozent" von einem Abgang Alabas aus, so Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. "Der Spieler ist seit dem 2. Januar frei, dort zu unterschreiben, wo er will. So sind die Statuten der FIFA, sein Vertrag läuft zum 30. Juni aus. Das ist das normale Geschäft", sagte Rummenigge bei "Sky". Mit Alaba verlässt also ein Linksfuß den Klub, der zuletzt fast nur noch als linker Innenverteidiger eingesetzt wurde. Spieler für diese Position mit Alabas Fähigkeiten und Fertigkeiten auf Weltklasseniveau plus dessen Erfahrung und Mentalität sind kaum zu finden - da trifft es sich ganz gut, dass die Bayern einen solchen Spieler schon im Kader haben …

Lucas Hernandez:

Der Franzose bringt alles mit, um langfristig in die Alaba-Rolle zu schlüpfen. Bisher durfte Hernandez aber fast ausschließlich auf der linken Außenbahn ran, im Zentrum hatte Flick bisher kaum Verwendung für den teuersten Einkauf der Klubgeschichte. Eben auch, weil Alaba den Posten links in der Innenverteidigung blockierte. Für Hernandez dürfte sich schon bald die große Chance auftun, auf seiner Paradeposition mehr Verantwortung und Einfluss auf das Bayern-Spiel zu nehmen - um dann zu zeigen, dass die hohe Investition und die Vorschusslorbeeren für den 24-Jährigen auch gerechtfertigt waren.

Jerome Boateng:

Bleibt er oder geht er (auch)? Im Sommer könnte Boateng sein zehnjähriges Dienstjubiläum bei den Bayern feiern. Sofern er dann noch da ist. Der Vertrag des Weltmeisters läuft am 30. Juni aus, allerdings hat er mit Flick einen großen Fürsprecher in wichtiger Position. Unter Flick erlebt Boateng gerade seinen gefühlten dritten Frühling in München, der 32-Jährige wurde in der überragenden letzten Saison auf einmal wieder sehr wichtig. Boateng ist eine verlässliche Größe, ein Anführer, einer der letzten Verbliebenen der alten Garde und eine Vertrauensperson für den aktuellen Trainer. Das wären Argumente genug, um sich für eine Vertragsverlängerung zu empfehlen. Derzeit jedenfalls hat Boateng auf der rechten Position in der Innenverteidigung die Nase klar vor seinem schärfsten Kontrahenten, dem Vernehmen nach soll es aber keinen neuen Vertrag für Boateng bei den Bayern geben.

Niklas Süle:

Eigentlich sollte Süle so langsam Boateng bei den Bayern ablösen und auch in der Nationalmannschaft so etwas wie der Abwehrchef von Joachim Löw werden. Von beidem ist Süle aktuell aber ein ganzes Stück entfernt. Der 25-Jährige spielt eine allenfalls durchwachsene Saison, bei der - das ewige Schicksal eines Innenverteidigers - die negativen Szenen deutlich länger im Gedächtnis haften bleiben als die durchaus vorhandenen positiven Aspekte. Anders als Boateng bringt Süle im Moment keine Verlässlichkeit mit, vielleicht hapert es auch ein wenig an der nötigen Professionalität. Zumindest bleiben Debatten um seinen körperlichen Zustand sein hartnäckiger Begleiter. Nun soll Süle aber trotzdem auch bei großen ausländischen Klubs auf dem Zettel stehen. Es gibt unter anderem Gerüchte um ein Interesse von Chelseas neuem Trainer Thomas Tuchel. Süle hat in München noch einen Vertrag bis Sommer 2022, einen Verkaufserlös könnten die Bayern also nur mit einem Verkauf in der kommenden Transferperiode erzielen. Mit Leipzigs Dayot Upamecano hat der Rekordmeister einen Rechtsfuß im Visier, der die Gemengelage für Süle, aber auch Boateng noch einmal entscheidend verändern könnte.

Tanguy Nianzou:

Hernandez, Benjamin Pavard, unter Umständen Upamecano und Tanguy Nianzou: Man spricht französisch in Bayerns Defensive. Das Aufsehen war groß, als die Bayern im letzten Sommer eines der größten Abwehrtalente Europas nach München locken konnten.

Tanguy Nianzou Kouassi

Seitdem ist Nianzou aber quasi dauerverletzt, erst verpasste er den Saisonstart wegen einer Oberschenkelverletzung, seit zwei Monaten setzt ihn ein Muskelbündelriss außer Gefecht. Mit erst 21 Spielminuten in der Bundesliga bleibt der 18-Jährige schwer zu bewerten, aber trotzdem auch ein Versprechen für die Zukunft.

Benjamin Pavard:

Streng genommen ist Pavard ein Innenverteidiger - nur wird er weder in der Nationalmannschaft noch bei den Bayern auf dieser Position eingesetzt. In 68 Pflichtspielen für die Münchener durfte Pavard erst acht Mal in der Zentrale ran und dann auch nur als Notnagel, weil es an Alternativen mangelte. Stattdessen verrichtet er seinen Dienst auf der rechten Außenbahn. Eine Überlegung wäre es aber wert, Pavard vielleicht doch auch öfter in der Innenverteidigung einzusetzen. Dann müsste Salihamidzic allerdings nach einer Alternative auf der Rechtsverteidigerposition fahnden…

Javi Martinez:

Auch die Allzweckwaffe schlechthin war im Herbst eigentlich schon so gut wie weg, wollte zurück zu "seinem" Klub Athletic Bilbao. Aber dann blieb Martinez doch noch diese eine Saison. Im Sommer läuft sein Vertrag aus, ein Verbleib in München erscheint ausgeschlossen. Martinez war immer die letzte Instanz für die Innenverteidigung, wenn alle anderen Optionen nicht mehr griffen. Und er erledigte seinen Job fast immer tadellos. Damit ist nun ziemlich sicher bald Schluss, die Bayern könnten also neben Alaba und Boateng auch einen dritten erfahrenen Defensivspieler verlieren - und damit auch ein Trio aus der Goldenen Generation der ersten Triple-Sieger.

Verwendete Quelle:

  • Sky: Rummenigge spricht über größte Konkurrenten bei Upamecano & Alaba
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