Vom Weltfußballer-Kandidaten zum Sorgenkind: Bei der 0:1-Auswärtsniederlage des FC Bayern München gegen Real Madrid ist Franck Ribery einer der Schlechtesten auf dem Platz. Seit mehreren Wochen befindet sich der 31-Jährige in einem Formtief. Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn sehen in der verlorenen Wahl zum Weltfußballer 2013 mögliche Gründe.

Nach 72 Minuten hat Pep Guardiola genug gesehen. Der Trainer des FC Bayern München wechselt Franck Ribery aus, bringt für ihn Mario Götze. Ein überfälliger Tausch - denn in der Partie bei Real Madrid ist der Franzose erneut einer der schlechtesten Spieler des deutschen Rekordmeisters.

Bereits im Bundesliga-Match bei Eintracht Braunschweig am vergangenen Samstag enttäuscht "Europas Fußballer des Jahres" auf ganzer Linie. Von No-Name Omar Elabdellaoui wird Ribery 73 Minuten lang abgemeldet. Ribery bringt es zu keiner gefährlichen Aktion, läuft insgesamt nur acht Kilometer und gewinnt lediglich 24 Prozent seiner Zweikämpfe. Erst nach Riberys Auswechslung fahren die Münchner den 2:0-Pflichtsieg ein.

Guardiola beschwichtigt und redet die seit Wochen anhaltende Formkrise seines Flügelspielers klein: "Jeder kann mal schlecht spielen. Aber Franck ist sehr, sehr wichtig für uns. Vielleicht war er heute nicht gut, aber er spielt immer mit Herz." Der Bayern-Trainer packt den sensiblen Franzosen mit Samthandschuhen an, wohlwissend, wie wichtig der 31-Jährige für sein Team ist. Auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge betont in der "Sport Bild" die Bedeutung Riberys im Endspurt der Saison. "Um gegen Real Madrid eine Chance zu haben, brauchen wir Franck Ribery in bester Verfassung." Rummenigge ist sich sicher: "Der Franck Ribery, der am Mittwochabend auf dem Platz steht, wird ein anderer sein als der, den wir in Braunschweig gesehen haben."

Keine Dynamik in den Dribblings

Mittlerweile steht fest, dass sich Rummenigge mit seiner Prophezeiung getäuscht hat. Auch im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals bei Real Madrid ist Ribery nur ein Schatten seiner selbst. Dem 31-Jährigen fehlt wie schon in den vergangenen Wochen die Dynamik in seinen Dribblings. Gefährliche Einzelaktionen - Fehlanzeige. Nicht einen einzigen Torschuss feuert Ribery auf das Real-Tor ab, zudem gewinnt er nur 43 Prozent seiner Zweikämpfe. Reals Rechtsverteidiger Daniel Carvajal hat mit Ribery keinerlei Probleme. Zwar spielt auch Cristiano Ronaldo, Riberys Pendant aufseiten Reals, nicht sonderlich spektakulär. Doch mit seinem Traumpass auf Torvorbereiter Fabio Coentrao ist der Portugiese direkt am 1:0 durch Karim Benzema beteiligt.

Während in Benzema der eine Franzose die Tür zum Finale in Lissabon aufstößt, erlebt sein Nationalmannschaftskollege und guter Freund Ribery die erste andauernde Schwächephase seit seinem Wechsel 2007 von Olympique Marseille nach München. Gegen Mannschaften wie Braunschweig oder Zweitligist 1. FC Kaiserslautern im DFB-Pokal-Halbfinale reicht es für die Bayern auch mit einem formschwachen Ribery, doch gegen ein Star-Truppe wie Real Madrid muss jeder Bayern-Spieler sein volles Leistungspotenzial abrufen. Dass er von diesem ein gutes Stück entfernt ist, weiß Ribery: "Wir sind keine Maschinen", sagte der Franzose nach dem Match gegen den FCK. "Ich bin 31 Jahre alt, manchmal braucht man ein bisschen Pause."

Diese Pause gönnt sich Ribery seit mehreren Wochen. War der 31-Jährige in der Hinrunde noch an 17 Bundesliga-Toren direkt beteiligt, sind es in der Rückrunde bislang nur fünf. Immerhin steuerte Ribery in den beiden Champions-League-Heimspielen gegen den FC Arsenal und Manchester United zwei wichtige Tor-Vorlagen bei. Dennoch ist deutlich zu erkennen, dass das Jahr 2014 für Ribery ein bislang deutlich schlechteres ist als 2013.

Formkrise nach Weltfußballer-Wahl und Gesäß-OP

Vor allem nach seiner Gesäß-Operation im Februar zaubert er nicht mehr wie bei so vielen glanzvollen Auftritten davor. Für ZDF-Experte Oliver Kahn könnte die verpasste Wahl zum Weltfußballer 2013 eine Rolle für das Leistungstief des "Stimmungsspielers" Ribery sein. "Natürlich ist das für so einen sensiblen Spieler nicht einfach", spielt Kahn auf Riberys dritten Platz hinter Ronaldo und Lionel Messi an. "Aber irgendwann muss ich das als Profi abhaken können."

Auch Rummenigge misst der verlorenen Wahl entscheidende Bedeutung bei. "Ich hab ein bisschen die Befürchtung, dass der nicht gewonnene Fifa-Titel zum Weltfußballer bei ihm im Hinterkopf eine Rolle spielt", sagte der Bayern-Boss der "Sport Bild".

Die Partien gegen die "Königlichen" sah Rummenigge als Chance für seinen Star: "Ribery hat in den Spielen gegen Real Madrid die Chance, allen zu zeigen, dass es ein Fehler war, ihn nicht zu wählen."

Im Hinspiel hat Ribery diese Chance verpasst. Die nächste Möglichkeit gibt es am kommenden Dienstag beim Rückspiel in München.