David Alaba zieht offenbar mit Star-Berater Pini Zahavi in die Gespräche mit den Bayern-Bossen. Es geht um einen neuen, großen Vertrag - oder seinen Abschied aus München.

Mehr Fußballthemen finden Sie hier

Der FC Bayern hat seinem ehemaligen Trainer Louis van Gaal eine ganze Menge zu verdanken - trotz des unschönen Endes der Liaison damals. Auf van Gaals Philosophie fußt jener Offensivfußball, den die Bayern seit mehr als einer Dekade anbieten.

Aus Bastian Schweinsteiger machte der schrullige Niederländer einen Mittelfeldstrategen, weil er mehr im Spieler sah als einen lausbübischen Dribbler, der ab und zu ein starkes Spiel auf dem Flügel zeigen konnte. Thomas Müller und Holger Badstuber etablierte van Gaal bei den Profis, da hatten andere im Klub noch nicht mal annähernd die Fantasie, dass diese beiden später prägende Figuren der Münchner werden könnten.

Van Gaal setzte Teenager Alaba als Außenverteidiger ein

Van Gaals Meisterstück dürfte aber der Umgang mit David Alaba sein. Der war in der B-Jugend noch Stürmer, rutschte dann eine Position zurück ins Mittelfeld. Van Gaal hatte aber auf den ersten Blick ein ganz anderes Einsatzgebiet im Kopf. 17 Jahre und 232 Tage jung war Alaba, als ihn van Gaal in einem DFB-Pokal-Viertelfinalspiel gegen Greuther Fürth in die erste Mannschaft der Bayern einführte. Aber nicht als Mittelfeldspieler oder im Angriff - sondern als linker Außenverteidiger.

Van Gaal hatte einige Widerstände zu brechen, blieb aber konsequent bei seiner Idee, die Planstelle hinten links einem Teenager zu überlassen, der Franck Ribéry absichern sollte. Im engen Titelrennen, im Pokal und dann auch in der Champions League.

Bei den legendären freitäglichen Presserunden an der Säbener Straße wurde van Gaal mit Fragen zu Alaba bombardiert und irgendwann hatte der Trainer eine universell passende Antwort parat. "Er ist ein linker Außenverteidiger - auch wenn er selbst das nicht denkt."

Alaba gehört zum Inventar

Ziemlich genau zehn Jahre ist das jetzt her. Nach einer schweren Verletzung gleich nach seinen Debüts schickten die Bayern den Spieler im Winter 2010/11 weg. Alaba wurde Teil eines Kaufgeschäfts rund um Luiz Gustavo und an 1899 Hoffenheim ausgeliehen.

Das Kapitel Hoffenheim blieb ein kurzes: Nach fünf Monaten war Alaba wieder zurück in München und wurde in den Jahren danach zu einer prägenden Figur des Klubs.

Vom aktuellen Kader ist lediglich Thomas Müller noch erfolgreicher als Alaba, der mit gerade einmal 27 Jahren unter anderem acht Meisterschaften, fünf Pokalsiege, einen Triumph in der Königsklasse und den Gewinn des Weltpokals vorweisen kann. Man übertreibt wohl nicht, wenn man den Österreicher als eine Ikone des FC Bayern bezeichnet.

Spätestens seit der Triple-Saison der Bayern 2013 ranken sich in jeder Transferperiode haufenweise Gerüchte um Alaba und einen möglichen Abgang aus München. Eine Prise PSG war da immer dabei, ein bisschen Premier League und sehr viel LaLiga. Am Mittwoch berichtete die "Bild" von einem möglichen Tauschgeschäft, das Alaba aber abgelehnt habe. Demnach sollte er Teil der Verhandlungsmasse zwischen den Bayern und Manchester City werden, im Tausch mit Leroy Sané dann zu den Engländern wechseln.

Unabhängig davon soll der FC Barcelona schon seit Jahren hinter Alaba her sein, angeblich gab es auch schon handfeste Offerten und Gespräche mit Real Madrid. So will es Vater und Berater George Alaba jedenfalls stets verstanden haben, der die Gerüchte mit ein paar geschickt platzierten Interviews immer wieder befeuerte. Das übliche Geschacher eben, gerade in den Monaten vor einer möglichen Vertragsverlängerung.

Pini Zahavi soll helfen

Nun hat Alaba junior aber einen recht ungewöhnlichen Schritt gewagt, der den Bayern wenig schmecken dürfte. Offenbar hat sich der Spieler Pini Zahavi ins Boot geholt. Der Israeli gilt als einer der Top-Berater der Szene, hatte seine Finger schon bei zahllosen Transfers im Spiel.

Rio Ferdinand machte er einst zum teuersten Abwehrspieler der Welt, Zlatan Ibrahimovic ließ sich vom ehemaligen Journalisten transferieren, Zahavi fädelte die Übernahme des FC Chelsea durch Roman Abramovich ein und im Hintergrund auch den Deal zwischen Barcelona, Neymar und Paris Saint-Germain. Im letzten Sommer verhandelte er Robert Lewandowskis Vertragsverlängerung bis 2023 mit den Bayern. Seitdem soll der Pole mit geschätzten 20 Millionen Euro Jahresgehalt der Topverdiener beim Rekordmeister sein.

Alabas Vertrag in München läuft im Sommer 2021 aus und um die Drohkulisse perfekt zu machen, schießen nun wieder allerhand Gerüchte aus dem Boden und kommt Zahavi als zusätzlicher Mitstreiter des Spielers plötzlich um die Ecke. Alaba befindet sich bei den Bayern in einer recht eigenartigen Konstellation: Vor der Saison holten die Verantwortlichen in Lucas Hernandez einen Innenverteidiger, der auch auf der linken Abwehrseite einsetzbar ist. Der Franzose kostete die Kleinigkeit von 80 Millionen Euro und wurde von den Bayern verpflichtet, obwohl der Spieler damals noch an einer schweren Verletzung laborierte. Die Bayern mussten also besonders von Hernandez überzeugt gewesen sein.

Davies spielt auf Alabas Position

Mit Alphonso Davies spielt der Shooting-Star der Saison auf Alabas Position links in der Viererkette. Die Vergleiche der beiden Spieler liegen auf der Hand und es soll tatsächlich einige Experten geben, die den erst 19-jährigen Davies für sein Alter schon weiter und reifer sehen als Alaba damals.

Aber: Trotz dieser enormen Konkurrenzsituation hat Alaba es geschafft, sich bei Trainer Hansi Flick unentbehrlich zu machen. Alaba nutzte die angespannte Personallage gerade in der Innenverteidigung, um sich in eine herausragende Position zu spielen. In den letzten Monaten wurde er von Flick zum Abwehrchef ernannt, für einen Nicht-Spezialisten als Innenverteidiger eine bemerkenswerte Auszeichnung. Bayerns Trainer würde gerne mit Alaba weiterarbeiten. Aber Bayerns Trainer weiß ja gar nicht, ob er über den Sommer hinaus selbst noch bei den Bayern wirken darf. Und Alaba? Der will anscheinend viel lieber im zentralen Mittelfeld als in der Abwehr spielen.

Wäre Alaba zu ersetzen?

Die "SportBild" schrieb am Mittwoch, Alabas Gedanken an einen Wechsel hätten mit einem Wortbruch der Bayern-Bosse zu tun. Angeblich soll bei Alabas letzter Vertragsverlängerung im Frühjahr 2016 besprochen worden sein, dass Alaba sich auf der Sechs im defensiven Mittelfeld zeigen dürfte. Diese Abmachung sehe Alaba mittlerweile "als nicht erfüllt" an. Während er weiter auf der Außenbahn und im Abwehrzentrum zum Einsatz kommt, hätten andere Spieler wie Joshua Kimmich den Wechsel vom Außenverteidiger zum Mittelfeldspieler energischer vollziehen können.

Den Verantwortlichen stehen einige Verhandlungen ins Haus, auch die Verträge der Granden Manuel Neuer und Thomas Müller laufen im nächsten Sommer aus. Die beiden bilden zusammen mit Lewandowski das Trio der Spitzenverdiener bei den Bayern, dahinter sollen dann Spieler wie Thiago, Jerome Boateng oder eben Alaba kommen. Die Gehaltsstruktur bei den Bayern dürfte sich ändern und Alaba will davon profitieren.

Für den FC Bayern ist es wie immer eine Gratwanderung. Die Münchner dürften ungern einen ihrer wichtigsten Spieler an die europäische Konkurrenz verlieren, zumal Alaba nach nunmehr rund zwölf Jahren im Klub eine der letzten "alten" Identifikationsfiguren ist. Auf der anderen Seite verwehren sich die Bayern fast schon traditionell dem völlig enthemmten Preiskampf, den einige ihrer Kontrahenten bisher nur zu gerne anzettelten.

Vielleicht wird die Coronakrise dem zügellosen Treiben auf dem Transfermarkt ein wenig die Wucht rauben. Verlassen sollten sich die Münchner darauf aber besser nicht. Mit Davies und Hernandez hätte der Klub zwei legitime Nachfolger zwar schon im Stall, Alabas Verlässlichkeit auf dem Platz und seine Sympathiewerte bei den Fans wären aber nur schwer zu ersetzen.

Verwendete Quelle:

  • Bild.de: Alaba sollte gegen Sané getauscht werden

Fußball in Zeiten von Corona: Nachwuchs-Kicker wird Internet-Star

Ein junger Nachwuchs-Torwart aus Irland hat in Zeiten des Coronavirus eine clevere Idee gefunden, wie er sich selbst trainieren kann. Seine Mutter nahm das Training auf und teilte es im Netz.