Der FC Bayern hat die langfristige Vertragsverlängerung mit Kingsley Coman verkündet. Der französische Nationalspieler wird bis 2027 an den Verein gebunden und dürfte mit der Verlängerung auch eine ordentliche Gehaltserhöhung bekommen. Ist der 25-Jährige gut genug, um den FC Bayern in den kommenden fünf Jahren auf einer Schlüsselposition zu prägen?

Steffen Meyer
Eine Kolumne
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Nicht Joshua Kimmich, nicht Leon Goretzka, nicht Leroy Sané, nicht Alphonso Davies. Der Spieler, der derzeit im Kader des FC Bayern mit dem langfristigsten Vertrag ausgestattet ist, heißt Kingsley Coman. Der 25-Jährige bekommt damit eine Schlüsselrolle für den Aufbruch in die zweite Hälfte der 20er Jahre. Führungsspieler wie Manuel Neuer, Thomas Müller oder Robert Lewandowski sind dann aller Voraussicht nach nicht mehr an Bord. Ganz schön viel Vertrauen in einen Spieler, der seit seiner Ankunft in München im Sommer 2015 fast 100 Pflichtspiele durch Verletzungen oder kleinerer Wehwehchen verpasst hat.

Klar ist jedoch auch: Comans Entwicklung in München ist enorm. Als er 2015 als 19-jähriger Leihspieler aus Turin zu den Bayern kam, sahen viele in ihm eher einen Testballon. Ein Projekt, das aufgehen kann, aber nicht muss. Weil Arjen Robben und Franck Ribéry damals noch da waren und für ihre Nachfolge eher mit einem Hochkaräter gerechnet wurde. Die kamen dann später auch. In der Person von James Rodriguez. Oder Coutinho. Beide sind jedoch längst wieder weg. Coman hat sich durchgesetzt.

Jupp Heynckes brachte Coman den Durchbruch

Klar war das jedoch nicht immer. Coman hatte von Anfang an in München seine Momente. Ähnlich wie Robben, der wieder und wieder mit dem linken Fuß nach innen zog, hat Coman eine Bewegung, die bis heute keiner verteidigt bekommt. Coman verlangsamt auf dem Flügel gern, wenn er den Ball bekommt. Er geht dann langsam auf einen Verteidiger zu, wartet auf eine Reaktion und explodiert dann mit einem schnellen Schritt an seinem Gegenspieler vorbei. Das ist Comans "Move". Dazu schlägt er mit Ball am Fuß Haken, die in ihrer Mischung aus Geschwindigkeit in den Beinen und Stabilität im Oberkörper schwer zu verteidigen sind.

Was fehlte, war lange Zeit der nächste Schritt Richtung Tor . Seine Anfangszeit in München war geprägt von überhasteten Abschlüssen und kopflosen Hereingaben. Erst als Jupp Heynckes im Jahr 2017 nach München zurückkehrte, wurde Comans Spiel effektiver, geradliniger, überlegter.

Heynckes und sein Co Peter Hermann nahmen Coman speziell unter ihre Fittiche und bildeten den jungen Franzosen gezielt weiter. Das zahlte sich aus. Coman wurde sukzessive stärker, konstanter, überlegter, wichtiger und trug sich mit seinem Siegtreffer per Kopf im Champions League Finale 2020 für immer in die Geschichtsbücher ein.

Kingsley Coman: Fehlende Torgefahr bleibt ein Thema

Am Ende seiner Entwicklung ist Coman trotzdem sicher nicht. Und das ist auch die Aufgabe, die mit seiner Vertragsverlängerung verbunden ist. Auch wenn sein Verhalten in Tornähe insgesamt besser geworden ist, bleibt "mehr Torgefahr" die Daueraufgabe für sein Spiel. Bei sechs Bundesligatoren liegt bisher seine Saisonbestmarke aus der Saison 2018/2019. Das ist für einen Flügelspieler beim FC Bayern immer noch zu wenig.

Mancher Bayern-Fan sprach bereits darüber, dass man Coman am liebsten mit Serge Gnabry zu einem neuen Spieler verbinden würde. Die Dribbelstärke von Coman und der Torabschluss von Gnabry würden wohl in der Tat den perfekten Außenstürmer ergeben. Aber das ist natürlich Fantasie.

Spannend wird zu sehen sein, wie die Münchner auf den weiteren Flügelpositionen agieren. Gnabry (Vertrag bis 2023) ist der nächste Kandidat für eine Verlängerung. Und da auch Leroy Sané in dieser Saison endlich die Kurve bekommen zu haben scheint, könnte der FC Bayern mit einem starken Trio in die kommenden Jahre gehen. Keiner von ihnen ist auf dem Niveau von Kylian Mbappé (Paris St. Germain) oder Mo Salah (FC Liverpool) aber alle drei müssen sich eine Kategorie darunter gegen die internationale Konkurrenz in keinster Weise verstecken.

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Verlängert auch Gnabry?

Das könnte auch das Kalkül des FC Bayern sein. Lieber drei eigene starke offensive Flügelspieler langfristig binden als mit Mondpreisen auf dem Transfermarkt nach marginalen Verstärkungen zu suchen. Ob zum Beispiel ein Jadon Sancho, der im Sommer 2021 für 85 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu Manchester United wechselte, im Vergleich zu Coman oder Gnabry nun ein gewaltiger Qualitätssprung nach vorne wäre, ist zu bezweifeln. Nachzuvollziehen ist Bayerns Strategie deshalb. Ein erfahrener Ergänzungsspieler der Marke Ivan Perisic in der Saison 2019/2020 oder die Integration eines weiteren Talents wie zuletzt Jamal Musiala, der grundsätzlich auch auf dem Flügel spielen kann, böte sich an.

Für Kingsley Coman kommt es am Ende auf zwei Dinge an, wenn er in den kommenden fünf Jahren das große Vertrauen der Münchner Bosse in ihn zurückzahlen will. Weniger verletzt fehlen. Und häufiger das Tor treffen. So einfach ist es wohl. Denn alles andere ist bei ihm bereits jetzt auf einem sehr guten Weg.