Die Diagnose war ein weiterer Tiefschlag: Wegen eines Bauchmuskelrisses fällt Arjen Robben, der gefährlichste Angreifer des FC Bayern München, wochenlang aus. Das trifft den FCB hart. In den entscheidenden Wochen der Saison braucht Pep Guardiola eine schnelle Lösung. Oder er vertraut seiner Allzweckwaffe.

Man kann es sich einfach machen und die Statistik bemühen: Arjen Robben vom FC Bayern München steht in dieser Bundesliga-Saison bei sagenhaften 25 Scorerpunkten, aufgeteilt in 17 Tore und acht Vorlagen. Der Niederländer spielt die beste Saison seiner gewiss nicht unspektakulären Karriere. Der beste Robben aller Zeiten war bis Sonntag auch deshalb der beste Robben aller Zeiten, weil er endlich über einen langen Zeitraum verletzungsfrei geblieben ist.

Pep Guardiola analysiert die Pleite gegen Gladbach in sechs Sätzen.

Jetzt ist dem 31-Jährigen ein Muskel im Bauchraum gerissen, Robben werde "einige Wochen ausfallen. Die Verletzung ist genauso schmerzhaft wie die Niederlage", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem 0:2 gegen Borussia Mönchengladbach.

Arjen Robben: eine Verletzung zur Unzeit

Die Saison der Bayern beginnt ja erst in diesen Wochen so richtig, wenn es in den Pokalwettbewerben in die heiße Phase geht, mit den ziemlich anspruchsvollen Aufgaben gegen Bayer Leverkusen (DFB-Pokal), den FC Porto (Champions League) und dem Gastspiel bei Borussia Dortmund (Liga).

Torhüter ist angeblich fehlbar - unsere nicht ganz ernsten Bundesliga-Lehren.

"Jeder weiß, was im nächsten Monat auf dem Spiel steht, wie wichtig dieser Monat für uns ist", sagt Kapitän Philipp Lahm. Da trifft der Ausfall des besten Torjägers selbst eine Mannschaft wie die des FC Bayern hart.

Im Spiel der Münchner ist der Grat zwischen brillant und banal nicht selten schmal, besonders gegen kompakt verteidigende Gegner liegen oft nur Nuancen zwischen drückender Ballbesitzdominanz und Einfallslosigkeit. Es sind Robbens Tempoverschärfungen, seine Dribblings und präzisen Abschlüsse, die das stete Passgewitter auflösen und einem konkreten Ziel zuführen.

Ein Robben-Imitat gibt es nicht

Trainer Pep Guardiola dürfte mit dem längeren Ausfall Robbens durchaus Probleme bekommen. Selbst der beste Kader der Liga hat kein Robben-Imitat parat, den möglichen Alternativen gehen gleich mehrere Schlüsselqualifikationen ab.

Thomas Müller erscheint die erste Option. Aber Müller ist kein besonders gewitzter Dribbler und er hat, von der rechten Seite zur Mitte ziehend, keinen solch gewaltigen Linksschuss wie Robben. Mario Götze taugt nicht als Flügelflitzer, weil ihm sowohl Tempo als auch Geradlinigkeit abgehen. Sinan Kurt wäre ein passables Robben-Double, ist aber noch viel zu unerfahren und ohne jede Spielminute im Profibereich.

Die Diskussion, ob der FC Bayern von Franck Ribéry und Robben abhängig sei, "die gibt es schon, seitdem ich hier bin", sagte Müller einigermaßen genervt. Sein Trainer gab offen zu, dass "Robbery" gefehlt hätten. Auf Guardiola kommt eine knifflige Aufgabe zu: Die Gegner vernageln immer mehr das Zentrum und lenken Bayerns Spiel immer mehr auf die Flügel.

Rückkehr von Philipp Lahm weckt Hoffnungen

Bisher war es lediglich das kleinere Übel, mit dem Ausfall von Robben darf die rechte Münchener Angriffsseite getrost als "Schwachstelle" definiert werden. Guardiola benötigt Lösungen aus der Zentrale, insofern ist die Rückkehr von Lahm und wohl bald auch Thiago mehr als ein Lichtblick. Der Spanier hat zuletzt wieder regelmäßig mit der Mannschaft trainiert, stand gegen Gladbach nach fast einem Jahr wieder im Kader und wird in den nächsten Spielen auch wieder auf dem Feld stehen.

Das wiederum würde Kapazitäten schaffen und womöglich David Alaba für andere Aufgaben freischaufeln. Der Österreicher bringt fast alles mit, was Arjen Robben auszeichnet: Wucht, Geschwindigkeit, ein starkes Dribbling, schnelles Gegenpressing, einen überragenden linken Fuß. Alaba ist die Allzweckwaffe bei den Bayern, spielte am Wochenende erst im rechten defensiven Mittelfeld und nach der Umstellung auf 3-4-3 links in der Dreierkette.

Die Position im Angriff oder offensiven Mittelfeld wäre ihm nicht neu: In der Jugend wurde Alaba bei den Bayern fast ausschließlich im Sturm eingesetzt, erst Louis van Gaal sah dessen Dynamik in der Defensive besser eingesetzt.

Greift Pep Guardiola in die Taktik-Kiste?

Oder aber, und das ist die wahrscheinlichste Variante, Guardiola feilt an der Spielausrichtung seiner Mannschaft. Ausprobiert hat er schließlich schon genug in den vergangenen Wochen, selbst Robert Lewandowski hat schon auf dem Flügel ausgeholfen. Die weiten Spielverlagerungen von Xabi Alonso oder Bastian Schweinsteiger dürften fortan aber kein Mittel mehr sein, wenn der rechte Flügel nicht mit Robben besetzt ist.

Es wird also auf noch mehr Kurzpassspiel hinauslaufen, mit den wendigeren Lahm und Thiago oder eben Schweinsteiger. Alonsos Spezialität ist ohne Robben und womöglich sogar Ribéry wertlos. Die kommenden Gegner werden sich sehr genau mit den neuen Bayern ohne Arjen Robben befassen und Strategien entwickeln. Es ist nun an Pep Guardiola, wieder einen Schritt voraus zu sein.