Thomas Müller befindet sich beim FC Bayern auf geheimer Mission, der HSV macht die Liga spannend und das Hertha-Oxymoron landet gleich zwei Volltreffer. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

1. Lehre: Thomas Müller ist auf geheimer Mission

Der FC Bayern schlägt Eintracht Frankfurt 3:0, Robert Lewandowski erzielt schon wieder einen Doppelpack, die Bayern ziehen davon und wir wollen Ihnen erzählen, dass Ein-Saisontor-Thomas-Müller einen ganz wichtigen Teil zum Erfolg der Bayern beiträgt?

Tja, genau so ist es: Der 27-Jährige bereitete gegen die Hessen das wichtige 1:0 nach schwacher erster Bayern-Hälfte vor und stellte somit die Weichen auf Sieg. Der Assist war bereits sein zehnter in dieser Bundesliga-Saison, weshalb er zusammen mit RB Leipzigs Emil Forsberg von der Spitze der Top-Vorbereiter grüßt.

Nicht Thiago, nicht Franck Ribéry, nicht Xabi Alonso - nein, Thomas Müller ist der Vorlagenkönig der Münchner. Und dahinter steckt System: Auch in den vergangenen Spielzeiten kam er fast immer auf über zehn Assists, was für einen Stürmer ein mehr als respektables Ergebnis ist.

Individuelle Klasse macht Unterschied: FCB lässt Frankfurt keine Chance.

Und ihm macht es anscheinend Freude: "Ich kann nur sagen: Wenn es blöd läuft, dann werde ich am Ende noch bester Vorbereiter der Liga", sagte Müller unter der Woche in der "Bild"-Zeitung.

Von wegen Müller-Krise also, der Weltmeister handelt mit voller Absicht, befindet sich bei den Bayern quasi auf geheimer Mission. Denn wer hat schon mitbekommen, dass Müller plötzlich der Assist-König der Liga ist?

Der 27-Jährige weiß halt, dass er gegen den übermenschlichen Lewandowski und dessen Dortmunder Konkurrenten Pierre-Emerick Aubameyang keine Chance im Kampf um die Torjägerkanone hat. Also was macht er? Er holt sich stattdessen den Titel des besten Vorbereiters - der Typ ist einfach gerissen.

2. Lehre: Der HSV macht die Liga spannend und S04 reißt Serie um Serie

Während die Bayern nach dem 3:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt und der parallelen 0:1-Niederlage von RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg den Rathausbalkon für die Meisterfeier reservieren können, spitzt sich die Lage im Tabellenkeller allmählich dramatisch zu. Also wir sprechen jetzt nicht von Darmstadt 98 und dem FC Ingolstadt, sondern den Klubs auf den Plätzen 16 bis 11. Der HSV? 26 Punkte. Bremen? 26 Punkte. Wolfsburg? 26 Punkte. Augsburg? 28 Punkte. Mainz? 29 Punkte. Schalke? 30 Punkte. Da unten ist es enger als Tim Wiese jedes XXL-Torwarttrikot.

Schuld daran ist natürlich in erster Linie der HSV, der sich mal wieder mit sämtlichen Kräften gegen den Abstieg stemmt. Das musste in der Vorwoche die Hertha erfahren, jetzt die Borussia aus Mönchengladbach, die der HSV trotz Rückstands mit 2:1 geschlagen hat.

Die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol hat plötzlich Spielideen, mit Hunt und Wood werden die Gegner niedergerungen - und auf einmal lebt die Hoffnung, sogar der Relegation zu entgehen.

Gladbach verpatzt Generalprobe für den EL-Showdown gegen Schalke.

Heißester Anwärter auf diesen 16. Tabellenplatz ist nach Betrachtung dieses Spieltags plötzlich der FC Augsburg, der beim 0:3 auf Schalke wie ein Zweitligist spielte.

S04 hingegen riss sich nach den zuletzt enttäuschenden Bundesliga-Darbietungen nicht nur zusammen, sondern gleich zwei Serien kurz hintereinander. Guido Burgstaller traf in der 3. Minute zum 1:0 - und zwar nach einem Eckball. Das war den Königsblauen in dieser Bundesliga-Saison bis dato nicht gelungen.

Und in der 32. Minute parierte Keeper Ralf Fährmann als erster Torwart überhaupt einen Bundesliga-Strafstoß von FCA-Kapitän Paul Verhaegh. Und da noch 30 Punkte in dieser Saison zu vergeben sind, aber die Bayern nur 29 Punkte Vorsprung auf S04 haben, könnte ja ganz vielleicht noch die 59-Jahre-keine-Deutsche-Meisterschaft-Serie reißen.

Hey, ganz ehrlich, dass jemand wie Donald Trump US-Präsident werden kann, ist immer noch ein größeres Wunder als eine mögliche Schalke-Meisterschaft 2017 ...

3. Lehre: Die "Lilien" blühen auf und dürfen zart aufs Wunder hoffen

Es war ein wichtiger Sieg für den SV Darmstadt 98. Mit dem 2:1-Erfolg gegen den FSV Mainz 05 schöpft das Team von Trainer Torsten Frings zumindest ein bisschen neue Hoffnung im fast schon aussichtslosen Abstiegskampf - auch wenn der 2:1-Erfolg des HSV die Darmstädter Stimmung am Sonntag ordentlich gedämpft haben dürfte.

Der Sieg gegen den FSV war aber definitiv ein Sieg der Moral. Die Darmstädter zeigten endlich wieder das, was sie in der vergangenen Saison so stark gemacht hat - sie kämpften bis zum Umfallen.

... und in Leipzig ist Euphorie verflogen. So haben die Bayern freie Bahn.

Die "Lilien" widmeten den Erfolg ihrem vor einem Jahr an Krebs verstorbenen Kult-Fan Jonathan Heimes. Sie liefen in extra für das Spiel gefertigten Trikots auf. "Du musst kämpfen" stand auf der Brust zu lesen - und genau das taten sie.

Und sie erzielten ihre Treffer auf eine Weise, die sie im Vorjahr so stark gemacht hat. Zwei Standards - zwei Tore. In der vergangenen Saison fürchteten sich die Gegner vor den ruhenden Bällen der Darmstädter, allein Kapitän Aytac Sulu netzt als Innenverteidiger sieben (!) Mal.

Dass er gegen Mainz erst seinen Premierentreffer in der aktuellen Spielzeit erzielte, ist auch ein Grund für die bisher schwache Punkteausbeute der Darmstädter. Es käme zwar einem kleinen Wunder gleich, aber: Nutzen die "Lilien" in den kommenden Wochen ihre Stärken genauso wie gegen Mainz, ist der Klassenerhalt zumindest noch möglich.

4. Lehre: Das Hertha-Oxymoron landet gleich zwei Volltreffer

Falls Sie damals im Deutsch-Unterricht gut aufgepasst haben, wissen Sie mit Sicherheit, welches rhetorische Stilmittel sich in den folgenden Begriffen befindet: "Hassliebe", "Bittersüß", "RB-Tradition". Richtig, überall versteckt sich ein Oxymoron. Sämtliche Wörter enthalten also einen Widerspruch in sich. Weitere Beispiele sind "Montagsmotivation", "Mario-Barth-Witz" oder "Microsoft Works".

Warum wir Ihnen diese hochnäsig wirkende Gratis-Deutschstunde erteilen? Das hat nicht wirklich einen Grund, außer, dass wir Ihnen nun mitteilen wollen, dass es auch bei Hertha BSC einen Spieler gibt, dessen Nachname ein Oxymoron beinhaltet. Und wer jetzt direkt an Mitchell Weiser denkt, ist wirklich arg böse - oder BVB-Fan. Oder vielleicht auch beides.

Natürlich sprechen wir von Hertha-Profi Marvin Plattenhardt. Plattenhardt, Sie verstehen? Harter Platten? Oxymoron und so.

Jener Marvin Plattenhardt hämmerte beim 2:1-Erfolg gegen Borussia Dortmund zum dritten Mal in dieser Saison einen Freistoß in die Maschen. An der Strafraumkante legte er sich den Ball zurecht und zog mit seinem linken Fuß ab - in die Torwartecke, aber mit einem Wumms à la Roberto Carlos, so dass man Torwart Roman Bürki das Gegentor nicht einmal ankreiden konnte.

Es war der Siegtreffer für die Hertha, die dem BVB damit bis auf drei Punkte auf die Pelle rückt und weiterhin von der Europa League und ganz zart auch von der Königsklasse träumen darf.

Diesen beachtlichen Erfolg wollte sich nach dem Spiel auch ein schlauer AfD-Politiker (hier könnte sich ein Oxymoron versteckt haben) zu Nutzen machen und postete gleich ein Foto von sich und dem Matchwinner der Hertha.

Plattenhardt fand das aber in etwa so amüsant wie die AfD die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin und distanzierte sich prompt von diesem Bild.

Der formstarke Hertha-Linksverteidiger hat derzeit einfach jeden Rechtsaußen im Griff ...