Zum politischen Jahresrückblick versammelte Sandra Maischberger eine illustre Runde um den früheren "Fokus"-Herausgeber Helmut Markwort und Moderator Johannes B. Kerner. Im Mittelpunkt standen breitbeinige Politik, ein geschmackloser Witz und der Harry Potter der CDU.

Eine Kritik
von Thomas Fritz, Freier Autor

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Die Themen des Abends: Merkels Rückzug als CDU-Chefin, der Dauerstreit in der GroKo, die Erfolgswelle der Grünen, der Brexit und die verkorkste Fußball-WM. Das zu Ende gehende Jahr war reich an Dramen und Überraschungen. Sandra Maischberger und ihre Gäste blickten unter dem Motto "2018 – Höhenflüge, Abstürze, geplatzte Träume" auf die vergangenen 12 Monate zurück – und wagten einige Prognose für die Zukunft.

Wer sind die Gäste?

Tina Hassel: Die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios bedauerte, dass es dieses Jahr nicht viele gute Nachrichten gab. Sie nannte eine zweite Brexit-Abstimmung "Wunschdenken" und sprach von der "toxischen" Großen Koalition. Ihr Positivbeispiel war der "souveräne Teilrückzug von Angela Merkel".

Helmut Markwort: Der frühere "Fokus"-Herausgeber und frisch gebackene bayerische FDP-Landtagsabgeordnete hält den Brexit für eine Katastrophe für Deutschland. Über die aufstrebenden Grünen sagte er: "Ich bin als Liberaler gegen eine Verbotspartei, deswegen mag ich sie nicht". Katrin Göring-Eckhardt nannte er etwas geringschätzig "Frau Grün". Und SPD-Chefin Andrea Nahles, verriet Markwort, werde von Parteifreunden unter der Hand als "Schreimonster" bezeichnet.

Katrin Göring-Eckhardt: Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag sagte, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder habe mit "breitbeiniger Politik" Erfolg gehabt. "Das geht in Bayern noch". Über die Niederlage von Friedrich Merz freute sie sich, weil Merz eine Politik vertreten habe, "die war von gestern". Über Maischbergers Frage nach einem künftigen Kanzler aus den Reihen der Grünen reagierte sie ausweichend. Nur indirekt ließ sie mehr Sympathien für ihre Co-Vorsitzende Annalena Baerbock erkennen.

Philipp Amthor: Der Hoffnungsträger der Union gab seine Stimme beim CDU-Parteitag erst Jens Spahn, dann Annegret Kramp-Karrenbauer. Das sei für ihn als bekennender Konservativer kein Problem gewesen. "Sie ist alles andere als eine Linksradikale", betonte er. Die Grünen nannte Amthor eine "kleinkarierte Verbotspartei", aber er gab auch zu: "Sie haben gute Laune!" Der zurückgetretene Nationalspieler Mesut Özil ist für Amthor eine "tragische Figur".

Johannes B. Kerner: Für den Moderator ist die Fußball-Nationalmannschaft Absteiger des Jahres. Als seinen Helden nannte er den deutsch-türkischen Fußballspieler Emre Can, der anders als Mesut Özil ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgeschlagen hatte. In Deutschland fehlte ihm 2018 eine "Ärmelhochkrempel-Mentalität". Kerner prognostizierte, dass Angela Merkel vor dem Ende ihrer Amtsperiode freiwillig das Feld für Kramp-Karrenbauer räumen wird.

Was war das Rededuell des Abends?

Als Helmut Markwort behauptete, Annegret Kramp-Karrenbauer sei "linker als Merkel", reagierte CDU-Mann Amthor verwundert. "Haben Sie die Rede gehört, Herr Markwort?", fragte er in Anspielung auf ihre als konservativ bewertete Ansprache auf dem CDU-Parteitag. "Sie hat Steuerhöhungen verlangt!", verteidigte sich Markwort. "Wo hat sie denn Steuererhöhungen verlangt?", versucht Amthor sein Gegenüber in die Enge zu treiben. Schließlich blieb Markwort bei seinem Punkt.

Was war der Moment des Abends?

Ein Lob von Helmut Markwort, der sonst eher in Krawall-Laune war. "Da muss ein 26-Jähriger aus Mecklenburg-Vorpommern kommen, um denen richtig mal den Marsch zu blasen. Das hat mir gut gefallen", sagte er zu einer bekannt gewordenen Bundestagsrede Amthors, in der er die AfD zerlegt hatte. An andere Stelle nannte er den Jung-Politiker "den Harry Potter der CDU".

Wie hat sich Maischberger geschlagen?

In diesem bunten Potpourri an Themen konnte die Gastgeberin ihre Gäste gewähren lassen, ohne groß einzugreifen. Ein wenig geschmacklos war ihre Bemerkung zum Kürzel von Annegret Kramp-Karrenbauer. Mit AKK hätten internationale Beobachter weniger Probleme als mit dem vollständigen Namen, stellte Maischberger fest und sprach die Abkürzung dabei englisch aus.

Dann sagte sie: "KKK wäre Kanzlerin Kramp-Karrenbauer". KKK ist die geläufige Abkürzung für den rassistischen Geheimbund Ku-Klux-Klan. Wenn das ein Witz sein sollte, dann ging er in die Hose.

Was ist das Ergebnis?

Tina Hassel zog ein pessimistisches Fazit von 2018. Sie zählte alles auf, was schief gelaufen ist und sprach von einem nicht so schönen Mosaik, das sich daraus gebildet habe. "Zurecht ist von einer bleiernen Zeit gesprochen worden. Über der Oberfläche bewegt sich wenig", aber darunter gebe es einen Erregungszustand.

Für Sandra Maischberger war 2018 schlichtweg ein "komisches Jahr". Was wird 2019 bringen? Zum Ende eines launischen Jahresrückblicks durften sich die Gäste als Orakel versuchen.

Johannes B. Kerner hält es für "ausgeschlossen", dass Bayern München deutscher Meister wird. Helmut Markwort erwartet durch den Brexit eine "teurere und kleinere Rolle" für Deutschland in Europa.

Und Philipp Amthor wollte kein begeisterndes Lob auf eine künftige Jamaica-Koalition im Bund über die Lippen gehen. "Jamaica ist nicht eine Wunschvorstellung", gab er zu. Aber wie schon 2018 – siehe Fußball-WM oder Merkel-Rückzug – zu sehen war: Manchmal kommt es völlig anders, als man denkt.

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