Mit der Beförderung von Miroslav Klose zu den Profis verfolgen die Bayern womöglich nun wieder jenes Konzept, das zuletzt ganz besonders erfolgreich war. Klose selbst kann auf höchstem Niveau lernen - und seine künftigen Spieler besser machen.

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Irgendwann, es muss zum Ende seiner Zeit bei Lazio Rom gewesen sein, kam Miroslav Klose der Gedanke: "Ja, das wäre etwas für mich." Lange hatte sich der ehemalige Weltklasse-Angreifer überlegt, wie er die Zeit nach seinem Karriereende als Aktiver gestalten wollte.

Am besten in München - Klose wollte dort ein Haus bauen. Und dann am besten auch noch jeden Tag auf dem Rasen. Also entschied sich der gelernte Zimmermann Klose dazu, im fortgeschrittenen Alter noch einmal einen ganz neuen Beruf zu lernen: den des Fußball-Trainers.

Direkt nach dem Gewinn des Weltmeistertitels 2014 offerierte ihm DFB-Teammanager Oliver Bierhoff eine Anstellung beim DFB, Klose dürfe ins Trainerteam von Joachim Löw aufrücken. Dort war zufällig ein Platz frei geworden, Löws erster Assistent Hansi Flick wechselte vom Rasen ins Büro und auf die Position des Sportdirektors beim Deutschen Fußball-Bund. Klose nahm Bierhoffs Angebot erst später an, er wolle schließlich nichts geschenkt haben und sein Metier erst grundsätzlich lernen. Über den DFB landete er schließlich bei den Bayern. Das war insofern schon ganz praktisch, da die Bayern nicht nur im Fußball die beste Adresse des Landes sind und München eine überaus herrliche Stadt ist, sondern weil Klose dort ja zufällig auch ein Haus gebaut hatte und mit der Familie erst gar nicht mehr umziehen musste.

Die Beziehung zwischen dem Klub Bayern München und dem Spieler Miroslav Klose war nicht immer eine einfache, in München erlebte Klose auch einige finstere Tage und dieses neue Gefühl, als gestandener Spieler plötzlich wieder auf der Ersatzbank zu sitzen. Trotzdem reichte es bei den Bayern noch für 80 Scorerpunkte in 150 Pflichtspielen, sowie dem Gewinn von zwei Deutschen Meisterschaften und zwei DFB-Pokalsiegen.

Bayern handelt antizyklisch

Seit dieser Woche ist nun klar, dass Klose ab der neuen Saison - wann auch immer diese starten wird - aufrückt ins höchste Segment des Trainerdaseins. Am Donnerstag unterschrieb der 41-Jährige einen Vertrag als Co-Trainer der Profimannschaft.

Dort wird er zusammen mit Hans-Dieter Flick, dem alten Kompagnon aus DFB-Tagen, jene Spieler anleiten, die neben den erwartbaren nationalen Titeln auch wieder den Angriff auf die Königsklasse starten sollen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic ist mit der Klose-Personalie ein nächster großer Schritt in eine rosige Zukunft des FC Bayern gelungen.

Die Bayern haben in den letzten Wochen gelinde gesagt antizyklisch gehandelt. Während überall im Land die Angst vor der großen Rezession umgeht und Konkurrenten aus der Bundesliga ernsthaft um ihre Liquidität und damit in letzter Konsequenz ihre Existenz bangen mussten, schafften die Bayern in regelmäßigen Abständen durchaus kostspielige Fakten. Kloses Unterschrift war die vorerst letzte in einer kleinen Reihe an Unterschriften, die sich die Bayern einholten. Einige andere werden in den kommenden Tagen ziemlich sicher noch folgen.

Kloses Praxistest auf höchstem Niveau

Schon im letzten Sommer wollte Salihamidzic den erfolgreichen Trainer Klose eine Stufe nach oben ziehen. Klose hatte damals die U17 unter seinen Fittichen und sollte zur U19 - was der Umgarnte damals aber ablehnte. Es sei nicht der richtige Schritt seiner Karriereplanung, Klose schwebe etwas anderes vor.

Bald wird er die Lizenz zum Fußballlehrer erwerben, in den streng limitierten und deshalb heiß begehrten Kurs hat er es zumindest schon einmal geschafft. Mit seinen Erfahrungen als Spieler, jenen als Jugendtrainer und dann dem erforderlichen Diplom der Sportschule Hennef sieht Klose das Grundgerüst gelegt.

Die Stelle bei der ersten Mannschaft der Bayern bringt nun zusätzlich zwar einen enormen Aufwand, aber eben auch die einmalige Möglichkeit mit sich, auf allerhöchstem Niveau das Erlernte auch in der Praxis zu testen. Für Klose ist die Unterschrift also eine einwandfreie Sache. Aber was hat der FC Bayern nun davon, seinen Trainerstab um eine weitere Person, streng genommen einen Lehrling, zu erweitern?

Noch weiß niemand um Kloses tatsächliche Qualitäten als Trainer, auch nicht Hansi Flick. Was der Cheftrainer aber ganz sicher weiß: Wie Klose als Mensch tickt - und welche herausragenden integrativen Kräfte sein ehemaliger Vorzeige-Stürmer in einer Mannschaft entwickeln kann.

Flick war auch einmal Spieler bei den Bayern, aber das war in einer anderen Zeit und der heutige Trainer war damals ein eher unscheinbares Arbeitsbienchen im Mittelfeld. Klose hat bis vor ein paar Jahren noch gespielt, er hat den größten Titel des Weltfußballs gewonnen, die meisten Tore bei Weltmeisterschaften erzielt, ist Rekordtorschütze der deutschen Nationalmannschaft - daran erinnern sich auch die Allerjüngsten bei den Bayern, so ein Vorgesetzter macht durchaus etwas her.

Die Heynckes-Hitzfeld-Idee

Flick ist uneitel genug, das auch zu erkennen und stattdessen die Vorteile, die so ein Klose in seinem Trainerteam mitbringt, in den Vordergrund zu schieben. "Miro ist mit seiner Erfahrung als ehemaliger Profi auf allerhöchstem internationalen Niveau die perfekte Ergänzung unseres Trainerteams", wird Flick in einer Pressemitteilung des Klubs zitiert.

Die Bayern folgen mit Kloses Beförderung auch einer "Empfehlung" des DFB. Beim Verband werden die Trainerteams der U-Nationalmannschaften seit einigen Jahren aus drei Trainertypen geformt: aus dem Typ Altersstufenspezialist, dem Typ Innovation und dem Typ Erfahrung. Den Altersstufenspezialisten gibt es bei erwachsenen Spielern nicht mehr, an dieser Stelle haben die Bayern in Hermann Gerland aber schon lange einen der Besten überhaupt.

Der Typ Innovation wird mit dem erst 31-jährigen Danny Röhl besetzt, der ebenfalls am Donnerstag seinen Vertrag verlängerte. Klose füllt demnächst also den Typ Erfahrung aus, was die Bayern auch in einem anderen als dem rein fachlichen Bereich weiterbringen soll: In der jüngeren Vergangenheit hatten die Münchener zwar überdimensioniert große Namen als Trainer, Louis van Gaal, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, auch Felix Magath und Jürgen Klinsmann. Durchaus knorrige, sperrige Typen also - die größten Erfolge aber fuhren Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld ein.

Heynckes war neben seiner fachlichen Expertise vor allem dafür bekannt, die Ansammlung an Welt-Stars mit ruhiger Hand und der nötigen empathischen Zuneigung zu führen. Heynckes war ein Meister der Teamführung und mit dem besonnenen, wenig krawalligen Duo Flick-Klose könnte es für den Rekordmeister schon bald in eine vergleichbare Richtung gehen wie damals unter Heynckes oder Hitzfeld, den einzigen beiden Münchner Champions-League-Gewinnern der letzten 40 Jahre.

Hilfe für die (jungen) Angreifer

Und, ganz profan und naheliegend: Mit Klose gewinnt Bayerns Kader einen ausgewiesenen Fachmann in Sachen Toreschießen. "Er ist der erfolgreichste deutsche Stürmer der letzten 15 bis 20 Jahre. Ich bin überzeugt davon, dass insbesondere unsere Stürmer von ihm als Trainer profitieren werden", sagte Karl-Heinz Rummenigge in eben jener Pressemitteilung noch.

Nun haben die Bayern ganz offiziell genau einen Stürmer, der gesetzt ist: Robert Lewandowski. Der ist wie Klose selbst bereits weltklasse, vielleicht kann sich aber auch Lewandowski noch den einen oder anderen Kniff abschauen und dann mit dem im oberschlesischen Opole geborenen Klose auf Polnisch diskutieren.

Hinter Lewandowski warten aber schon die jungen Wilden, Joshua Zirkzee, Fiete Arp und Leon Dajaku. Spieler mit viel Potenzial, die aber erst noch geformt werden müssen. Schon bald von einem, der ihnen ein paar Geschichten aus einer anderen Welt erzählen kann.

Diese Spieler kennen nichts anderes als die behütete Ausbildung in einem Nachwuchsleistungszentrum, Miro Klose hat so eine Einrichtung als Jugendlicher aber nie von innen gesehen. Er musste Widerstände in der Regel selbst meistern. Geschadet hat es ihm offenbar nicht.

Verwendete Quelle:

  • fcb.de: Miroslav Klose wird Assistenztrainer von Hansi Flick – Danny Röhl verlängert

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