• Am Mittwochabend (21. September) diskutierte Sandra Maischberger mit ihren Gästen über die Einberufung von 300.000 russischen Reservisten, den deutschen Spezialweg in der Corona-Politik und die Energiesicherheit der deutschen Haushalte.
  • Im Raum stand auch die Frage: Macht Putin nun mit Atomwaffen ernst? CDU-Politiker Roderich Kiesewetter hatte darauf eine eindeutige Antwort.
Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Marie Illner dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Rund sieben Monate nach Beginn des Ukraine-Krieges hat Putin eine Teilmobilisierung der eigenen Streitkräfte angekündigt. Damit werde sofort begonnen, kündigte er in einer Fernsehansprache an. Demnach werden 300.000 Reservisten eingezogen. Gleichzeitig wird der angeschlagene deutsche Gasimporteur Uniper verstaatlicht. Wie der finnische Mutterkonzern mitteilte, wurde eine Grundsatzvereinbarung mit der Bundesregierung getroffen, bei der die Bundesregierung im Ergebnis insgesamt 99 Prozent an Uniper übernimmt.

Das ist das Thema bei "Maischberger“

Bei Maischberger ging es am Mittwochabend um die Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte und die damit verbundene Frage: Droht eine Eskalation? Kriegsreporterin Katrin Eigendorf gab außerdem einen Einblick in die Lage in den besetzten Gebieten. Zweites Themenfeld war die Coronapolitik. Der US-Präsident Joe Biden hat die Pandemie bereits für beendet erklärt, in Deutschland greift ab Oktober ein neues Infektionsschutzgesetz. Wie sinnvoll ist das? Und wer braucht jetzt die vierte Impfung? Außerdem ging es um die Gasversorgung, neue Energie-Partnerschaften auf internationaler Ebene und die Gasumlage.

Das sind die Gäste

Karl Lauterbach (SPD): Der Bundesgesundheitsminister sagte: "Wir können sicherlich im Herbst wieder mehr Schwierigkeiten haben". Es gäbe unterschiedliche Szenarien, im schwersten könnte auch kritische Infrastruktur bedroht sein. Auf die Frage, warum man auf dem Weg zum Oktoberfest in der Bahn eine Maske tragen müsse, vor Ort aber nicht, sagte Lauterbach: "Das sind Widersprüche und wir müssen uns überlegen, wie wir damit umgehen". Es sei verantwortungslos, gar keine Maske mehr zu tragen.

Roderich Kiesewetter (CDU): Über die Teilmobilmachung von Wladimir Putin sagte Kiesewetter: "Das ist ein Zeichen der Niederlage innenpolitisch". Er schätze, dass Putin sich damit auf eine Frühjahrsoffensive vorbereiten wolle. Die Ausbildung dauere mehrere Wochen. Deshalb müsse man die Ukraine so viel und so früh wie möglich unterstützen. Die drohende Sprache Putins sei eher nach innen gewandt, um eine Scheinstärke aufzubauen. "Wir sollten besonnen bleiben", forderte Kiesewetter.

Katrin Eigendorf: Die Kriegsreporterin für das "ZDF" sagte: "Die Teilmobilmachung stellt eine neue Qualität in der Eskalation dieses Krieges dar. Putin gehe damit ein großes Risiko ein, er trage den Krieg damit in die Mitte der Gesellschaft. Gleichzeitig meinte sie: "So schwer war Putin seit seiner Machtergreifung noch nicht politisch angeschlagen." Widerstand auf der Straße ließe sich wegknüppeln, der Widerstand von Stars und Lokalpolitikern sei aber bedrohlicher für ihn. Putin komme mit dem Narrativ, dass er den Krieg für sein Land führe, nicht mehr durch.

Micky Beisenherz: "Vielleicht regt sich mehr Widerstand in Russland jetzt, wenn noch mehr Mütter ihre Söhne verlieren", hoffte der Moderator und Autor. Über den Kanzler sagte er: "Olaf Scholz ist der König der Mittelfristigkeit. Er kommt gerne aus dem Windschatten der Partner. Er führt nicht". Wenn eine nukleare Bedrohung im Raum stehe, sei es aber verständlich, nicht voranzusprechen.

Dagmar Rosenfeld: Die Chefredakteurin der "Welt am Sonntag" befand: "Die Teilmobilmachung ist ein Eingeständnis Putins, dass er dabei ist, den Krieg zu verlieren. Eine Diskrepanz zwischen Wladimir Putins Rhetorik und seinem tatsächlichen politischen Handeln sei selten so offensichtlich geworden wie jetzt. "Es ist die große Frage, was passiert in der russischen Bevölkerung. Wir haben heute schon erste Proteste auf der Straße gesehen". Der Krieg war bislang eine Fernsehshow, komme aber nun in die Wohnzimmer.

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Henrike Roßbach: "Ein Putin, der mit dem Rücken zur Wand steht, ist ein besonders gefährlicher Putin", sagte die stellvertretende Leiterin des Parlamentsbüros der "Süddeutschen Zeitung". Die Drohung mit Atomwaffen klinge nun ganz anders. Beim Thema Energieversorgung sagte Roßbach mit Blick auf steigende Preise: "Irgendwer muss diesen Preis bezahlen. Die Frage ist nur: Wer? Machen das die Gaskunden unter sich aus? Oder sollen das alle Steuerzahler machen? Und da kann man vielleicht schon sagen: Der Steuerzahler mit einer Ölheizung findet es vielleicht nicht so witzig, dass sein Nachbar mit einer Gasheizung 7 Prozent weniger Mehrwertsteuer zahlt, er ihm aber jetzt sozusagen steuertechnisch beispringen soll".

Das ist der Moment des Abends bei "Maischberger"

Maischberger spielte einen Ausschnitt aus der Rede Putins ein. Darin drohte der Kreml-Chef mit dem Einsatz von Atomwaffen. Im Studio sagte Kiesewetter dann: "Ich halte es für einen Bluff. Weil er sich damit außenpolitisch isolieren würde". Zwar habe Putin schon vor Jahren mit Nuklearübungen begonnen und nun auch im Krieg sehr früh die nukleare Karte durch die Besetzung und den Beschuss von Atomkraftwerken gezogen, aber: Das würde dazu führen, dass China und seine befreundeten afrikanischen Staaten sich von ihm abwenden würden. Er würde zum Paria-Staat werden. Das kann sich Putin nicht leisten".

Das ist das Rede-Duell des Abends

"Tatsächlich hat Deutschland schon eine ganze Menge schwere Waffen geliefert, das kann sich schon sehen lassen", fand Journalistin Roßbach. Putin sei ein ganzes Stück gefährlicher geworden und habe betont, dass es sich bei der Drohung mit Atomwaffen nicht um einen Bluff handele. Sie warnte: "Die Scheinreferenden werden dazu führen, dass Russland diese annektierten Gebiete als russisches Staatsgebiet begreifen wird. Und wenn die Ukraine diese Gebiete zurückerobern möchte, ist für Russland formal ein Angriff auf russisches Territorium und russisches Territorium kann mit Atomwaffe verteidigt werden". Die Eskalationsstufe sei deshalb ein paar Grad höher gedreht.

Journalistin Rosenfeld hatte Einwände. "Aber dennoch", sagte sie. "Es kann doch nicht sein, dass Putin die roten Linien setzt für die Beteiligung und die Unterstützung des Westens für die Ukraine. Damit macht sich der Westen erpressbar". Wenn man die eigenen Werte in der Ukraine verteidigen wolle, müsse man alles an Unterstützung liefern.

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So hat sich Sandra Maischberger geschlagen

Maischberger schlug an diesem Abend einen nüchternen und ruhigen Ton an. Ihre Fragen zielten weniger auf hitzigen Schlagabtausch als vielmehr auf fundierte Erklärungen, Einordnung und Kontextualisierung ab. Das war wichtig, nahm der Sendung aber Tempo. Aus ihrem Schneckenhaus kam Maischberger erst beim Thema Gasumlage und der Pandemiepolitik. Schade nur, dass sie das Statement von Roßbach zu Verteilungsfragen abwürgte. Hier blieb Diskussionsstoff liegen. Nachhaken hätte sie aber definitiv bei Lauterbachs Aussage: "Ich will jetzt keine Zahlen nennen, um niemanden zu verschrecken, der uns zuschaut", als er von Inzidenzen im Winter sprach.

Das ist das Ergebnis bei "Maischberger"

Auch, wenn Kiesewetter versuchte zu beschwichtigen und zu Besonnenheit riet: Die Teilmobilmachung Putins hinterließ ein mulmiges Gefühl im Studio. Wirkliche Stimmungsaufheller waren die Themen Coronapolitik und Energiemarkt dann leider auch nicht. Positiv fiel einzig allein die Hoffnung auf, in Russland könne sich angesichts der Teilmobilmachung Widerstand regen.

Verwendete Quellen:

  • ARD: Sendung "Sandra Maischberger" vom 21.09.2022:

Russischer Popstar kritisiert Ukraine-Krieg aufs Schärfste!

Sängerin Alla Pugatschowa hat Russlands Krieg gegen die Ukraine scharf kritisiert. Pugatschowa gilt in Russland als Superstar. Seit den 70er Jahren hat sie die russische Rock- und Popmusik geprägt. Ihr Ehemann Maxim Galkin stehe auf einer Schwarzen Liste, wie die 73-Jährige auf Instagram mitteilte. (Teaserbild: Imago / Itar Tass)