Der CDU-Staatssekretär Peter Tauber wird von der Truppe unterstützt. Er genießt das Vertrauen von Angela Merkel und hat nun - von der Öffentlichkeit unbemerkt - einen großen Schritt in seiner Bundeswehr-Karriere gemacht.

Dr. Wolfram Weimer
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Wolfram Weimer dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Peter Tauber ist befördert worden. Noch nicht zum Verteidigungsminister, aber einen symbolischen Schritt in die Richtung hat er getan. Seit dieser Woche ist der CDU-Spitzenpolitiker Hauptmann der Reserve.

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Division Schnelle Kräfte, die sämtliche Fallschirmjäger, die Hubschrauber und das Kommando Spezialkräfte zusammenfasst. Die Nachricht von der Beförderung macht in der Bundeswehr schnell die Runde, denn Peter Tauber ist der heimliche Favorit der Truppe bei der Suche nach einem neuen Verteidigungsminister.

Ursula von der Leyen wechselt nach Brüssel und wird wohl neue EU-Kommissionspräsidentin. Doch wer folgt ihr nach?

AKK, Spahn oder Altmaier?

Annegret Kramp-Karrenbauer hätte Zugriff auf den Posten, er würde ihre schwierige Außenposition im Berliner Machtverbund deutlich verbessern, doch sie bleibt ihrer Linie treu und erklärt: "Ich habe mich bewusst entschieden, aus einem Staatsamt in ein Parteiamt zu wechseln. Es gibt in der CDU viel zu tun."

Auch die beiden Minister Jens Spahn (einst ausgemustert) und Peter Altmaier (Grundwehrdienst im Saarland geleistet) würden mit einem Ressortwechsel ihre Positionen machtpolitisch verbessern, Spahn bekäme ein gewichtigeres Ministerium, Altmaier würde sich aus der bissigen Kritik der Wirtschaftsverbände befreien.

Doch bei beiden wäre der politische Terraingewinn für Kanzlerin, Regierung und Partei überschaubar. Es fehlt ihnen schlichtweg die militärpolitische Sachkompetenz, um für die restlichen zwei Jahre der Regierung noch positive Akzente zu setzen. Die aber hat Peter Tauber.

Peter Tauber - ein Minister mit Stallgeruch

Tauber ist nicht nur Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium und reist dieser Tage vom Gefallenengedenken der Gebirgsjäger in Mittenwald über die asiatische Sicherheitskonferenz in Singapur zum Truppenbesuch nach Afghanistan.

Auch die aktuelle Soldatenwallfahrt nach Lourdes macht er mit. Sein persönlicher Blog "Schwarzer Peter" liest sich zuweilen wie ein Bundeswehr-Reportagemagazin.

Zeitlebens ist die Bundeswehr sein Thema. Tauber ist langjähriger Reserveoffizier, neben Studium und Beruf blieb er der Truppe immer treu.

Er diente im sechsten Panzergrenadier-Battailon152 in Schwarzenborn und im zweiten Führungsunterstützungsregiment 40 in Mainz. Er leistete über 400 Wehrübungstage. 2011 erfolgte seine Beförderung zum Oberleutnant der Reserve, und nun eben zum Hauptmann.

"Er ist einer von uns, er versteht uns und unsere Sorgen", sagt ein General in Berlin, der sich offen als "Tauberist" zu erkennen gibt. Gerade nach den Krisen und Skandalen der vergangene Jahre sehnt sich die Bundeswehr nach einem Minister mit Stallgeruch.

Dass Tauber durch alle politischen Wirrungen der jüngsten Zeit ein gutes Verhältnis zu Angela Merkel bewahrt hat, könnte ihm nun ebenfalls helfen. Er hatte für sie als CDU-Generalsekretär treu den Kopf hingehalten und wurde nach der Regierungsbildung trotzdem nicht mit einem Ministeramt belohnt.

Er gab sich als Staatssekretär bei der Truppe ohne Murren zufrieden wie ein treuer Soldat der Kanzlerin und blieb auch in den geschwätzigen Hintergrundzirkeln Berlins loyal zu Merkel.

Das könnte ihm nun helfen, den verdienten Lohn doch noch zu erhalten und verspätet Minister zu werden. Auch Ursula von der Leyen würde das begrüßen. Kurzum: Eine Woche nach dem Brüsseler Personalcoup ist Tauber in die Favoritenrolle für das Verteidigungsministeramt gekommen.

Joachim Hermann als schärfster Konkurrent

Ein Risiko könnte für Tauber freilich eine größere Kabinettsumbildung werden. Sollte Horst Seehofer den politisch ruhigen Sommer für einen Rücktritt in Milde nutzen, könnten CDU und CSU die Ministerien auch tauschen.

Peter Altmaier wäre dann die perfekte Besetzung für das Innenministerium, die CSU könnte dann das Verteidigungsministerium in alter Tradition (von Franz-Josef Strauß bis Karl-Theodor zu Guttenberg) übernehmen. Sie hätte mit Joachim Herrmann auch einen starken Kandidaten.

Sicherheitspolitisch beschlagen, mit mehr als einem Jahrzehnt Ministererfahrung und hoher Popularität in Bayern ausgestattet, könnte er der CSU in Berlin neue Schlagkraft verleihen. Er ist im Kandidatenreigen auch der einzige, der Peter Tauber in Sachen Truppennähe das Wasser reichen kann.

Auch Herrmann absolvierte seinen Grundwehrdienst bei den Panzergrenadieren, doch absolvierte er sogleich den Offizierlehrgang an der Infanterieschule in Hammelburg. Wie Tauber leistete auch Herrmann zahlreiche Wehrübungen ab, darunter auch den Reserveoffizierlehrgang als Lehrgangsbester. Er ist schon seit 1985 das, was Tauber erst seit dieser Woche erreicht hat: Hauptmann der Reserve.

Heute trägt Herrmann gar den Rang des Oberstleutnant. In dieser Kategorie ist er Tauber voraus - wenn Tauber aber als Minister IBuK (Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt) würde, müsste auch Herrmann seinen Befehlen gehorchen.

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