Sturmtief "Friederike" ist über Deutschland hinweggezogen und hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Wir haben für Sie am heutigen Freitag alle aktuellen Informationen über Orkan-Schäden, Störungen bei der Bahn und im Straßenverkehr.

DAS NEUSTE: Der Trend hält an, beunruhigt Wissenschaftler - und legt Vermutungen nahe, dass sich mit ihm auch die Zunahme an Stürmen wie "Friederike" erklären lassen.

Auch 2017 war unter den drei wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen. Zwar hält 2016 weiter den Rekord, aber 2017 macht den Forschern besondere Sorgen - denn so warm hätte es ohne ein spezielles Klimaphänomen eigentlich nicht sein dürfen.

Anfang und Ende 2017 sei La Niña - das Gegenstück zu El Niño mit einem eigentlich abkühlenden Effekt - beobachtet worden. Trotzdem sei 2017 unter den drei wärmsten Jahren gewesen.

Petteri Taalas, Generalsekretär der Weltwetterorganisation WMO, betonte: "17 der 18 wärmsten Jahre gab es seit der Jahrtausendwende, und der Grad der Erwärmung in den vergangenen drei Jahren war außerordentlich."

In den USA seien zudem im vergangenen Jahr wegen des extremen Wetter mit zahlreichen Hurrikans so hohe Wetterschäden wie nie zuvor angefallen, so Taalas.

Auch andere Länder hätten mehr Überschwemmungen und Dürren erlebt. Zudem habe das Eis der Arktis die zweitniedrigste Ausdehnung seit Aufzeichnungsbeginn gehabt.

Das Sturmtief, das am Donnerstag von Westen her über Deutschland gefegt war, war laut DWD der schwerste Sturm seit "Kyrill" im Jahr 2007.

Die schlimmsten Stürme in Deutschland seit Kyrill:

  • "Xavier", einer der heftigsten Stürme seit Jahrzehnten, zieht im Oktober 2017 über den Norden und Osten Deutschlands hinweg und legt den Verkehr weitgehend lahm. Mindestens sieben Menschen sterben.
  • "Niklas" kostet Ende März 2015 mindestens elf Menschenleben in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Meteorologen sprechen von einem der stärksten Stürme der vergangenen 30 Jahre.
  • "Elon" und "Felix" richten im Januar 2015 in ganz Europa Verwüstungen an und legen vielerorts den Bahnverkehr lahm. Bei Unfällen gibt es Tote und Verletzte - auch in Deutschland.
  • "Ela" hinterlässt mit Hagel, Starkregen und heftigem Wind im Juni 2014 vor allem in Nordrhein-Westfalen eine Spur der Verwüstung. Bilanz: Schäden in zweistelliger Millionenhöhe und mehrere Tote.
  • "Xaver" fegt im Dezember 2013 über Europa hinweg. Hunderttausende sind ohne Strom, Sturmfluten peitschen auf die Nordseeküste. Mindestens zehn Menschen sterben durch den Orkan europaweit.
  • "Christian" wütet im Oktober 2013 über Norddeutschland und Nordeuropa. Mindestens 16 Menschen sterben europaweit bei Sturmböen bis zu 172 Kilometer pro Stunde.
  • "Xynthia" schlägt im Februar 2010 eine Schneise der Verwüstung durch Westeuropa. Der Sturm richtet Milliardenschäden an, in Deutschland sterben sieben Menschen.
  • "Emma" wütet über Europa, bundesweit kommen im März 2008 sieben Menschen ums Leben. In Hamburg entgeht ein Lufthansa-Airbus nur knapp einer Katastrophe, als eine Tragfläche die Landebahn berührt.
  • "Kyrill" sucht Europa im Januar 2007 heim. 47 Menschen sterben, 11 von ihnen in Deutschland. Erstmals in der Geschichte der Bahn steht der Schienenverkehr fast völlig still.

Wichtige Informationen für Bahnreisende

Im Bahnverkehr ist auch am Freitagmorgen noch mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen, erklärt die Deutsche Bahn.

An über 200 Streckenabschnitten im Netz der Deutschen Bahn wurden Beschädigungen festgestellt.

Der Fernverkehr ist am heutigen Freitagmorgen aber wieder aufgenommen worden, wenn auch mit zum Teil deutlichen Einschränkungen.

Im Süden Deutschlands verkehren die Züge bereits weitgehend normal.

Das betrifft insbesondere folgende Strecken:

  • Erfurt - Nürnberg - München
  • Mannheim - Stuttgart - Ulm - München
  • Frankfurt (Main) - Würzburg - Nürnberg - München/Passau/Wien
  • Frankfurt (Main) - Mannheim - Karlsruhe - Basel - Mailand
  • Frankfurt (Main) - Saarbrücken - Paris
  • Frankfurt (Main) - Strasbourg - Paris/Marseille
  • Karlsruhe - Stuttgart - Nürnberg
  • Stuttgart - Zürich
  • Dresden - Prag
  • Strecken südlich von München in Richtung Österreich/Schweiz/Italien

Die DB empfiehlt Reisenden, ihre Reiseverbindung vor Fahrtantritt auf bahn.de oder in der DB Navigator-App zu überprüfen.

Informationen zur aktuellen Verkehrslage im Fern- und Regionalverkehr gibt es unter bahn.de/aktuell. Eine kostenlose Servicenummer ist unter 08000 996633 eingerichtet.

"Im Regionalverkehr wird der Betrieb sukzessive wieder aufgenommen. Es muss in besonders vom Sturm betroffenen Landesteilen aber nach wie vor mit Einschränkungen gerechnet werden.

"Vor allem in Nordrhein-Westfalen wird es noch den gesamten Tag zu starken Beeinträchtigungen und Zugausfällen kommen", heißt es bei der Bahn.

"Wir fliegen aktuell Strecken mit Hubschraubern ab", sagte ein Sprecher.

Ist die Strecke frei, muss zuerst ein Zug ohne Fahrgäste durch, bevor sie endgültig für Züge mit Passagieren freigegeben werden kann.

Aktuelle Lage nach Sturm "Friederike":

14:10 Uhr: Allein in Nordrhein-Westfalen mussten Feuerwehr- und Rettungsdienste laut Innenministerium bis zum Nachmittag zu mindestens 7.000 Einsätzen ausrücken.

Das geht im medialen Sturm-Getöse viel zu schnell unter: Die fantastische Arbeit von Polizei, Rettungssanitätern, Feuerwehr, THW und anderen Helfern, die ihr Leben riskieren, um Leben zu retten.

12:45 Uhr: Durch den Orkan "Friederike" sind keine Fahrgäste und Mitarbeiter der Deutschen Bahn zu Schaden gekommen, berichtet die Deutsche Bahn am Freitagmittag.

Allerdings seien an mehr als 200 Streckenabschnitten Reparaturen notwendig. Der Sturm habe "Millionenschäden" am Bahnnetz hinterlassen.

Nah- und Fernverkehr nahmen am Freitag den Betrieb wieder auf. Da zahlreiche Strecken noch gesperrt sind, müssten Reisende aber auch weiterhin noch mit erheblichen Einschränkungen rechnen.

12:00 Uhr: Orkantief "Friederike" hat nach einer Schätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) einen versicherten Schaden von rund 500 Millionen Euro verursacht.

Damit liege "Friederike" deutlich hinter "Kyrill", teilte der GDV am Freitag mit. "Kyrill" hatte vor genau elf Jahren mehr als zwei Milliarden Euro Schaden verursacht.

"Friederike" gilt als der schwerste Sturm in Deutschland seit "Kyrill", ist laut GDV aber nicht der Orkan mit den höchsten Schäden seither:

  • "Niklas", der Ende März 2015 über Deutschland fegte, schlug mit rund 590 Millionen zu Buche.
  • "Xynthia", die im Februar 2010 eine Schneise der Verwüstung durch Westeuropa zog, mit 510 Millionen Euro.
  • Auch "Lothar" (1999) und "Jeanett" (2002) waren deutlich teurer als "Friederike". Ihre Schäden gibt der GDV mit 800 und 760 Millionen Euro an.

11:00 Uhr: Die Polizei in Nordrhein-Westfalen moniert die Unvernunft einiger Menschen, die nach dem Sturm Absperrungen ignorieren oder sogar zerstören.

Dies habe dazu geführt, dass sich einige Polizeibeamte bereits in gefährliche Situationen begeben mussten.

"Die Sperrungen dienen Eurer Sicherheit! Haltet Euch daran!", lautet die spürbar wütende Aufforderung der Polizei NRW an die Bevölkerung auf Twitter:


10:20 Uhr: "Friederike" hat auch in Polen erhebliche Schäden verursacht. Zwei Menschen wurden verletzt, als heftiger Wind zwei Busse in West- und Zentralpolen von der Straße abbrachte, wie polnische Rettungskräfte am Freitag mitteilten.

Außerdem rissen heftige Böen mit Geschwindigkeiten von etwa 100 Stundenkilometern hunderte Bäume heraus und beschädigten Häuser.

Die Feuerwehr habe landesweit zu rund 700 Einsätzen ausrücken müssen, hieß es. Nach Angaben des Sicherheitszentrums der Regierung waren zwischenzeitlich etwa 50.000 Menschen ohne Strom.

Am Freitag sollte sich der Wind laut Wetterdienst zwar etwas abschwächen. Die Behörde kündigte aber noch immer kräftige Böen von bis zu 60 Stundenkilometern und Schneefall an.

09:30 Uhr: Orkanartige Böen durch "Friederike" fegten am Donnerstag über die Mitte Deutschlands hinweg. Dabei kam es auch wieder zu Schäden am Auto. Doch wer zahlt solche Sturm-Schäden?

Hier erfahren Sie, was Autobesitzer bei Sturm-Schäden wissen müssen.

09:00 Uhr: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bedankte sich via Twitter bei den Rettungskräften und sprach den Angehörigen der Todesopfer sein Mitgefühl aus.

"Ich danke vor allem den mehr als 1.000 ehrenamtlichen THWlern sowie allen anderen Einsatzkräften, die sich in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben."

Der Sturm habe gezeigt, wie wichtig das Technische Hilfswerk (THW) für das Zusammenleben sei.

08:35 Uhr: Das Sturmtief hat sich verzogen, bringt nun aber kurzfristig polare Meeresluft nach Deutschland. Für das Wetter am heutigen Freitag bedeutet das: Schnee, Regen oder Schneeregen.

Am Alpenrand muss mit länger anhaltendem Niederschlag gerechnet werden. Im weiteren Tagesverlauf gibt es von Südwesten kommend im Flachland Regen oder Schneeregen.

Die Höchstwerte liegen zwischen 2 und 8 Grad, heißt es beim Deutschen Wetterdienst (DWD).

In den Bergen und an der Küste kann es noch vereinzelte Sturmböen geben, generell hat sich das Wetter aber deutlich beruhigt.

"In der Nacht zum Samstag fallen vor allem in der Südhälfte des Landes schauerartige, an den Alpen auch länger anhaltende Niederschläge, die bei absinkender Schneefallgrenze bis in die Täler als Schnee fallen", so der DWD.

08:00 Uhr: Die Zahl der Todesopfer durch den Orkan "Friederike" hat sich weiter erhöht.

Wie die Polizei in Halle am Freitagmorgen mitteilte, kamen während des Sturms in Sachsen-Anhalt zwei Männer ums Leben. Beide erlagen bereits am Donnerstagabend ihren schweren Verletzungen.

In Benndorf (Landkreis Mansfeld-Südharz) war ein 65-Jähriger vom Dach eines Hauses gestürzt und rund acht Meter in die Tiefe gefallen. Er hatte auf dem Dach Sicherungsarbeiten durchgeführt.

Im Burgenlandkreis in Hohenmölsen wurde ein 34-Jähriger von einem umstürzenden Baum getroffen.

Somit erhöht sich die Zahl der Todesopfer in Deutschland nach gegenwärtigem Stand auf acht - wobei manche Menschen indirekt durch den Orkan ums Leben kamen, in Folge von Verkehrsunfällen, die durch den Sturm verursacht worden waren.

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Sturm"Friederike": Bilder zeigen Schneise der Verwüstung in Deutschland

Sturmtief "Friederike" schlägt Schneise der Verwüstung durch Deutschland und richtet große Schäden an. Die Aufräumarbeiten werden noch lange andauern.

07:40 Uhr: Der Fahrgastverband Pro Bahn hat mit Kritik auf das Verhalten der Deutschen Bahn reagiert.

Der Aufenthalt in Hotelzügen sei zwar besser, als unterwegs zu stranden, sagte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. "Aber wenn ich weiß, dass die Strecke noch frei ist, sollte ich versuchen, die Leute noch nach Hause zu bringen. Das kann man mit reduzierter Geschwindigkeit machen."

Die Deutsche Bahn hat hingegen ihre Entscheidung verteidigt, den Fernverkehr in ganz Deutschland einzustellen. "Das ist eine notwendige Sicherheitsmaßnahme, weil die Störungen durch den Sturm doch so gravierend sind, dass wir Fernzüge schlichtweg nicht mehr durchbekommen", sagte Bahnsprecher Achim Stauß.


07:20 Uhr: Achtung Autofahrer! Heute Früh muss im Berufsverkehr mit teils spiegelglatten Straßen gerechnet werden.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Hessen kann es am Morgen Eisregen geben.

07:15 Uhr: Im Süden Deutschlands sollten die Züge bereits ab dem Morgen weitgehend normal verkehren, wie die Deutsche Bahn in einer Mitteilung ankündigt.

"Im Norden Deutschlands starten die Züge, sobald weitere Strecken von Schäden befreit und freigegeben wurden. Wir erwarten, dass bereits im Laufe des Vormittags alle Metropolen Deutschlands - mit Einschränkungen - wieder mit dem Fernverkehr erreichbar sein werden. Für das Wochenende erwarten wir einen weitgehend normalen Verkehr."

07:00 Uhr: Nach der deutschlandweiten Einstellung des Fernverkehrs wegen des Orkans "Friederike" hat die Deutsche Bahn den Betrieb wieder aufgenommen.

"Die ersten Fernzüge sind unterwegs", sagte ein Bahnsprecher am frühen Freitagmorgen der Deutschen Presse-Agentur.

So sei um 3:25 Uhr ein ICE aus München in Richtung Frankfurt-Flughafen losgefahren. Der Sprecher betonte aber nochmals, dass es "nach wie vor zu Einschränkungen kommen wird."

Insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen seien noch wichtige Strecken gesperrt, teilte die Bahn auf ihrer Webseite mit.

"Wir erwarten, dass bereits im Laufe des Vormittags alle Metropolen Deutschlands – mit Einschränkungen - wieder mit dem Fernverkehr erreichbar sein werden. Für das Wochenende erwarten wir einen weitgehend normalen Verkehr."

Wegen der Auswirkungen des Sturms hatte die Deutsche Bahn am Donnerstag erstmals seit dem Orkan "Kyrill" im Jahr 2007 den Betrieb auf ihrem gesamten Fernverkehrsnetz eingestellt.

Keine Unwetter-Warnungen

06:50 Uhr: In Köln gab es eine stürmische Geburt. Dort brachte eine Frau ihr Baby in einem Auto zur Welt.

Vater und Mutter waren am Donnerstagnachmittag zur Entbindung auf dem Weg in die Klinik, als eine sturmbedingte Straßensperrung die pünktliche Ankunft zunichte machte, berichtete die Feuerwehr.

Der kleine Anton erblickte noch vor Ankunft von Rettungsdienst und Notarzt im Auto das Licht der Welt.

06:30 Uhr: Das Sturmtief, das am Donnerstag von Westen her über Deutschland gefegt war, war laut DWD der schwerste Sturm seit "Kyrill" im Jahr 2007.

06:00 Uhr: Wegen der Gefahr umstürzender Bäume sollte die Autobahn 7 an der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Hessen in Richtung Süden laut Polizei voraussichtlich bis zum Mittag gesperrt bleiben.

05:45 Uhr: Hier ein Überblick über die gestrigen Spitzenböen:

  • Brocken 205 km/h
  • Fichtelberg 174 km/h
  • Zugspitze 158 km/h
  • Kahler Asten 144 km/h
  • Gera 137 km/h
  • Weinbiet/Pfalz 135 km/h
  • Erfurt 130 km/h
  • Leipzig 128 km/h
  • Ahaus 126 km/h
  • Münster 126 km/h
  • Dresden 122 km/h

Ab 117,7 km/h spricht man per Definition von Orkanböen.

05:30 Uhr: Das Wetter hat sich mittlerweile beruhigt. Bereits gegen Mitternacht hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) die letzten Unwetter-Warnungen aufgehoben.

Teaserbild: © picture alliance / Christian Mat