Sie sind die Schöpfer der Mode, wie wir sie heute kennen. Sie haben das Korsettkleid erfunden, den Hosenanzug, das kleine Schwarze und den Modeschmuck.

Ihretwegen finden sich sowohl Einflüsse der Straße in der heutigen Mode wieder als auch größte Schlichtheit, höchste Eleganz und extreme Extravaganz.

Die folgenden zehn Modedesigner sind stilgebend für die Alltagskleidung und die Haute-Couture des 21. Jahrhunderts.

Sie sind die Mütter und Väter der Klamotte.

Christian Dior

Christian Dior wird am 21. Januar 1905 in Granville in der Normandie geboren. Er entstammt einer reichen Kaufmannsfamilie. 1931 beginnt Dior, für Robert Piquet Hüte zu entwerfen und Mode zu zeichnen. Ab 1938 entwirft er Kollektionen für Piquet und Lucien Lelang.

1947 schreibt Dior Modegeschichte: Sein "New Look" räumt mit der Trümmerfrauenkleid-Mode der Nachkriegsjahre auf. Seine Kollektion, die er "Ligne Carolle" (Blütenkelch-Linie) nennt, feiert die Weiblichkeit: Das Oberteil ist figurbetont mit runden Schultern, die Taille schmal, die Röcke ausladend und weit. Der von Christian Dior entwickelte Stil gilt bis heute als Inbegriff der Eleganz.

Mit dem "New Look" avanciert Dior zum Liebling der High Society, Schauspielerinnen liegen ihm gleichermaßen zu Füßen wie der Hochadel. 1949 gründet er die "Christian Dior New York Inc.". 1953 holt Dior den jungen, begabten Yves Saint Laurent in sein Unternehmen. Bis zu seinem Tod bestimmt er die Mode weltweit. Am 24. Oktober 1957 stirbt Christian Dior an den Folgen eines Herzanfalls. Nach seinem Tod wird das Unternehmen Dior von den Designern Yves Saint Laurent, Marc Bohan, Gianfranco Ferré und John Galliano weitergeführt.

Christian Dior ist der Vater der Mode, wie wir sie heute kennen: Er läßt seine Kollektion als erster von Mannequins präsentieren. Er war der erste, der aus seinem Namen eine Marke und aus Kleidung Markenprodukte machte. Neu war auch die Vermarktungsstrategie seiner Produkte: Unter seinem Namen bringt Dior nicht nur Kleidung, sondern auch Pelze, Strümpfe, Krawatten und Parfüm auf den Markt. Diese erfolgreiche Marketingstrategie findet nach Diors Tod so viele Nachahmer, dass sie heute als Standard der Mode-Branche bezeichnet werden kann.

Gabrielle "Coco" Chanel

Gabrielle "Coco" Chanel wird am 19. August 1883 als "Gabrielle Chasnel" als uneheliches Kind in Saumur in der Auvergne geboren. Sie wächst in ärmlichen Verhältnisssen auf. Sie arbeitet als Näherin, zieht nach Paris und verdient ihren Lebensunterhalt als Tänzerin "Coco".

1904 lernt sie den Pariser Industriellensohn Etienne Balsan kennen, mit dem sie bis 1910 zusammenlebt. Er führt Coco Chanel in die höheren Kreise der Gesellschaft ein. Mit Balsans finanzieller Hilfe eröffnet sie 1910 in seiner Pariser Wohnung ein Hutatelier. Das Geld ihres nächsten Geliebten investiert Coco 1911 in ihr erstes Pariser Modehaus. 1913 folgt eine Boutique im Seebad Deauville. 1915 besitzt sie Salons in Paris und Biarritz. 1916 beschäftigt sie 300 Näherinnen, 20 Jahre später sind es 4.000. 1916 erklärt die amerikanische Vogue Coco Chanels Mode zum "Inbegriff der Eleganz".

"Mode ist vergänglich. Stil niemals. Chanel ist ein Stil.", lautet Coco Chanels Credo. Ihr modischer Stil zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterscheidet sich durch seine Zurückhaltung stark von der der Konkurrenz: Schlichte Kleider aus Jerseystoff umspielen den Körper. Die neue, funktionale Mode überzeugt durch klare, sportliche Linien und setzt weniger auf die bis dahin üblichen Muster und Verzierungen auf Kleidern. Der Zuspruch ist enorm, Chanels Geschäft wächst schnell.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden Vorwürfe wegen Kollaboration laut: Coco Chanel geht in die Schweiz ins Exil. Anfang der 50er Jahre kehrt sie nach Paris zurück und arbeitet an ihrem Comeback. Ihre Rückkehr soll mit dem "New Look" von Christian Dior zusammenhängen, den Chanel als Rückfall in die Zeit des Korsetts betrachtet haben soll. Im Alter von 71 Jahren bringt sie im Februar 1954 eine neue Kollektion auf den Markt. Nur ein Jahr später beginnt der Siegeszug des Chanel-Kostüms.

Coco Chanel hat die Mode des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst: Sie schafft das Korsett ab, erfindet das kleine Schwarze und das Chanel-Kostüm. Sie erfindet den Modeschmuck und etabliert ihn als Standard. Ihre Badeanzüge brechen mit einem Tabu - sie enden auf Oberschenkellänge, ihre Kleider sind für damalige Verhältnisse unanständig kurz. 1921 kreiert sie "Chanel No. 5" - das erste synthetische Parfüm, von dem Marilyn Monroe sagte, das sei das einzige, was sie im Bett trage. Sie bereichert die Damenmode um Hosen für Frauen, erfindet Strickensembles und Schuhe mit Fersenriemen. Coco Chanel stirbt am 10. Januar 1971 im Alter von 87 Jahren in ihrer Suite im Pariser Hotel Ritz.

Giorgio Armani

Giorgio Armani zählt zu den erfolgreichsten und populärsten Modedesignern der Welt. Geboren wird er am 11. Juli 1934 in der italienischen Stadt Piacenza. Charakteristisch ist sein Auftreten im schwarzen oder silbernen T-Shirt.

Armani wächst in bürgerlichen Verhältnissen auf. Nach dem Abitur beginnt er Medizin zu studieren, bricht das Studium aber nach kurzer Zeit ab und arbeitet ab 1957 bei der italienischen Kaufhauskette La Rinascente als Schaufenster-Dekorateur. 1960 lernt er Nino Cerrutti kennen, für den er bis 1970 Herrenanzüge entwirft. 1970 macht sich Armani selbständig und arbeitet freiberuflich für Zegna und Ungaro.

1974 gründet er sein Modelabel "Giorgio Armani S.p.A". Armanis klassische Anzüge sind sportlich-elegant geschnitten und der Mittelpunkt seiner Kollektionen. Seit der Geschäftsgründung überwacht Armani persönlich die Einführung neuer Acessoires (Unterwäsche, Badekleidung oder Brillen-Kollektionen). Im Jahr 2000 wählt ihn das Forbes-Magazin zum erfolgreichsten Modedesigner. Sein Jahreseinkommen wird 1999 auf 135 Millionen US-Dollar geschätzt.

1976 expandiert Armani nach Amerika. Dort gelingt ihm der internationale Durchbruch: Dank Aufträgen aus der Filmindustrie avanciert Armani zum Kostümausstatter in Hollywood. In den Filmen "American Gigolo" (1980) und "Die Unbestechlichen" (1987) tragen die Schauspieler Richard Gere und Sean Connery seine Mode.

1980 erscheint Armanis erste Damen-Kollektion und er entwirft die Uniformen der italienischen Luftwaffe. 1982 bringt er seinen ersten Duft, das Damen-Parfüm "Armani", auf den Markt. Er wird eines der erfolgreichsten Parfüms der 80er Jahre.

Armani plant seinen Rückzug aus der Modebranche: Im Februar 2007 gibt er bekannt, dass er für sein Unternehmen einen Käufer sucht.

Yves Saint-Laurent

Yves Saint-Laurent ist das Wunderkind und Ausnahmetalent in der Welt der Mode. Geboren wird er am 1. August 1936 in Oran, Algerien. Eine Theateraufführung von Molières Komödie "Kritik der Schule der Frauen" weckt bei dem jungen Yves die Leidenschaft für Kostüme.

Mit 11 Jahren zeichnet er Bühnenentwürfe. Saint-Laurents Mitschüler quälen den feminin wirkenden Jungen und stempeln ihn zum Außenseiter ab. Mode ist seine Zuflucht.

1953 beginnt Yves Saint-Laurent in Paris eine Ausbildung zum Mode- und Bühnenzeichner. 1954 gewinnt er einen Wettbewerb der Modezeichner des Internationalen Wollsekretariats (gemeinsam mit dem 21-jährigen Karl Lagerfeld). Saint-Laurents Zeichnungen werden in der Vogue veröffentlicht.

Christian Dior holt den 17-Jährigen in sein Unternehmen, das Saint-Laurent nach Diors Tod 1957 leitet. Seine erste eigene Kollektion, die "Ligne Trapéze", eine Fortführung des Diorschen "New Looks", ist ein weltweiter Erfolg. 1960 kreiert Saint-Laurent den visionären "Beat Look" - die Vermischung von Alltagsbekleidung (Prèt-à-porter), Haute Couture und modernen amerikanischen Einflüssen. Das Haus Dior möchte an seiner erfolgreichen Linie festhalten. Dior und Saint-Laurent trennen sich.

1962 kehrt er nach Paris zurück und gründet mit Pierre Bergé sein eigenes Modehaus. 1963 feiert er mit der "Op-Art-Mode" seinen internationalen Durchbruch. Seine Entwürfe machen Furore. Saint-Laurent ist Trendsetter: Die Verwendung von Jersey und schwarzen Stoffen ist zu Beginn der 60er Jahre absolut neu - und wird zum Trend. Er verwendet als erster Modedesigner transparente Stoffe und kreiert so den "Nude Look". 1966 entwirft er den ersten Hosenanzug für Frauen. Im selben Jahr eröffnet er ein Geschäft für bezahlbare Alltagskleidung und erlangt damit internationale Beachtung. Seine Kollektionen gelten als skandalös. Und immer sind sie erfolgreich.

Saint-Laurent stattet Stars aus: Capucine und Claudia Cardinale tragen seine Kleider in "Der rosarote Panther" (1963), Catherine Deneuve wird eine seiner Musen und trägt Saint-Laurent in vielen Filmen, darunter in "Das Geheimnis der falschen Braut" (1969), "Der Chef" (1973) und "Begierde" (1983).

1983 stellt das New Yorker Metropolitan Museum Saint-Laurents Arbeiten aus. Er ist der erste Designer, dem diese Ehre zu Lebzeiten zuteil wird. 1993 wird das Modehaus für 600 Millionen US-Dollar verkauft, seit 1999 besitzt Gucci alle Rechte am YSL-Markenzeichen. 2002 zieht er sich aus dem Modegeschäft zurück.

Yves Saint-Laurent stirbt am 1. Juni 2008 im Alter von 71 Jahren.

Jean-Paul Gaultier

Jean-Paul Gaultier wird am 24. April 1952 im Pariser Vorort Arcueil/Val-de-Marne geboren. Beeinflusst durch seine Großmutter ("Sie hat mir alles vermittelt, was ich heute bin") hat er nur ein Ziel: Mode.

Im Alter von 14 Jahren bricht er die Schule ab. Gaultier ist Autodidakt: Anders als die meisten Modeschöpfer hat er keine Ausbildung zum Modedesigner durchlaufen. Dafür ist er schon als Jugendlicher zielstrebig und selbstbewusst und schickt seine Skizzen einfach per Post an berühmte Designer.

Pierre Cardin ist von Gaultiers Fähigkeiten beeindruckt. Im Alter von 18 Jahren wird Gaultier Cardins Assistent. Seine erste Modenschau 1976 schockiert Paris: Die eigenwilligen Strohkleider des Franzosen sind neu, schräg und provozieren die etablierte Modeindustrie. Jean-Paul Gaultier ist 26, als er sein eigenes Mode-Label gründet. 1987 wird er mit dem "Oscar der Mode" ausgezeichnet, 1988 erhält er den Preis ein zweites Mal für seine Prêt-à-porter-Kollektion.

Gaultier gilt als das kreative "Enfant terrible" der Modeszene. Seine eigenwilligen Kreationen sind so ausgefallen, kraftvoll und sexy, dass sie kaum alltagstauglich sind. Dennoch beeinflusst sein Stil die Modewelt nachhaltig. Er bricht mit Tabus und sprengt modische Konventionen: Er macht Unterwäsche als Oberbekleidung in seinen Schauen populär, führt das Korsettkleid ein und schickt Männer in Röcken auf den Laufsteg. Unkonventionell sind auch seine Präsentationen, für die er häufig ältere, dicke oder tätowierte Models engagiert, die seine Mode in improvisierten Veranstaltungen vorführen.

Gaultiers Stammkundin und erste Muse ist Madonna, die 1990 Gaultiers Korsettkleid zu Weltruhm verhilft. Für alle Welttourneen von Madonna hat Gaultier die Kostüme entworfen. Was Gaultier im Pop-Geschäft gelingt, gelingt ihm auch beim Film: Für "Das 5. Element" von Luc Besson entwirft Gaultier die Kostüme, ebenso für Pedro Almodovars "Kika" und Peter Greenaways "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber". 2003 engagiert ihn das Traditionshaus Hermès als Chefdesigner.

Gaultiers Markenzeichen sind der Schottenrock und das blau-weiß gestreifte Matrosenhemd. Zeit seines Lebens ist Mode für ihn Spaß und Spaß Mode.

Gianni Versace

Gianni Versace wird am 2. Dezember 1946 in Reggio Calabria in Italien geboren. Nach dem Abitur 1964 studiert er Architektur. Mit Mode kommt er früh in Berührung: Seine Eltern haben ein Schneidergeschäft, Versace hilft häufig aus.

Er ist 22, als er beschließt, Modedesigner zu werden. 1972 zieht er nach Mailand und arbeitet als Designer für Callaghan und die junge Marke Genny. Seine Lederkollektion für Complice sorgt für Furore. In den 70er Jahren sind seine Phantasie und sein Ehrgeiz einer der treibenden Motoren des italienischen Modewunders. 1978 präsentiert Gianni Versace die erste Kollektion unter seinem Namen. Ein Jahr später präsentiert er seine erste Prêt-à-porter-Show.

In den 80er Jahren gelingt Versace der internationale Durchbruch als Modedesigner. Viele seiner Kreationen zeigen bereits das Gesicht der Gorgone "Medusa", das sein Markenzeichen und Bestandteil des Firmenlogos wird.

Sein Motto: "Think big". Sein Stil: ausladend, luxuriös, lustvoll. Er wird als Meister des Neo-Barock bekannt. Charakteristisch ist die Verwendung greller Farben und auffälliger Muster. Mit dem Pomp, Glamour und Sex seiner Schauen schafft der charismatische Designer das modische Gegenstück zum asketisch-eleganten Stil Giorgio Armanis. Models macht Versace zu Supermodels: Er zahlt für ein paar Schritte über den Laufsteg 10.000 Dollar Gage. Er bringt als erster Designer die Jeans auf den Laufsteg. Seine Kollektionen bestechen durch ungewöhnliche Materialzusammenstellungen: Er vermischt Seide und Jute oder kombiniert raues Leder mit allerfeinster Seide.

1982 entwirft Versace für das Ballet "Josephslegende" die Bühnenkostüme. Die Aufführung ist ein Erfolg. Versace übernimmt ab diesem Zeitpunkt regelmäßig Ausstattungen für Theater-, Opern- und Ballettaufführungen weltweit.

Versace hat großen Einfluss auf die Homoerotisierung der Männermode. Sein männliches Schönheitsideal ist die griechische und römische Klassik. Für seine Kataloge engagiert er den Aktfotografen Bruce Weber und er arbeitet mit Richard Avedon zusammen. Im Gegensatz zu der offensiven männlichen Erotik, die er in seinen Vorführungen zur Schau stellt, ist Versaces Umgang mit der eigenen Homosexualität diskret, aber offen. Er engagiert sich für Schwule und im Kampf gegen Aids.

Zu Gianni Versaces Stammkunden und Freunden zählen Michael Jackson, Sting, Naomi Campbell, Elton John, Prinzessin Diana und Madonna.

Am 15. Juli 1997 wird Gianni Versace in Miami Beach im US-Bundesstaat Florida ermordet. Das Haus Versace wird von seiner Schwester Donnatella und seinem Bruder Santo weitergeführt.

Karl Lagerfeld

Karl Otto Lagerfeld wird am 10. September 1933 in Hamburg geboren. Die Familie ist wohlhabend: Sein Vater ist der Dosenmilch-Fabrikant Otto Lagerfeld (Glücksklee). Im Alter von 14 Jahren geht Lagerfeld mit seiner Mutter nach Paris. Seine Karriere beginnt im Studio von Pierre Balmain.

1954 gewinnt Lagerfeld (gemeinsam mit Yves Saint Laurent) den Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats für seinen Entwurf eines Mantels, der bei Balmain in Serie geht. 1958 geht Lagerfeld zu Jean Patou. Er wird freischaffender Designer und arbeitet für Modehäuser wie Krizia, Charles Jourdan und Valentino. Hier erlangt Lagerfeld sein Wissen über die Haute-Couture.

Seit 1965 entwirft er Pelze für Fendi. 1972 erregt Lagerfeld mit seiner Deco-Kollektion weltweit Aufsehen: Die Linie besteht aus Schwarz-Weiß-Drucken, denen Lagerfeld einen asymmetrischem Schnitt verleiht. Von 1978-82 arbeitet Lagerfeld freiberuflich für verschiedene Modehäuser. Bis 1983 entwirft er Kollektionen für Chloé. Danach wird Lagerfeld Chefdesigner bei Chanel. Mit seinen Kreationen, einer Mischung aus 30er-Jahre-Mode und zeitgenössischen Einflüssen, führt er Chanel an die Spitze der Modewelt.

1990 entdeckt er die Deutsche Claudia Schiffer und baut sie als Chanel-Hausmodell auf. Sie wird zum teuersten Fotomodell der Welt. Neben seiner Chanel-Tätigkeit gründet er 1984 sein eigenes Label "Karl Lagerfeld Impression", das hochwertige Strickmode herstellt. Im selben Jahr eröffnet er ein Modehaus in Paris.

1987 entwirft Lagerfeld Kostüme für Opernaufführungen und Filme. Und er macht erste Werbefotos. Die Fotografie wird sein Steckenpferd.

Von 1988 bis 1996 kreiert Lagerfeld Kollektionen für das Modehaus Steilmann, ab 1996 für das Versandhaus Quelle. Von 1992 bis 1997 arbeitet er für Chloé. 2004 entwirft er eine exklusive Damen- und Herren-Kollektion für H&M, die dem schwedischen Modehaus Rekordumsätze einbringen. 2004 verkauft Lagerfeld die Markenrechte seiner Labels an Tommy Hilfiger, bleibt aber Chefdesigner. Seine Kollektion für Damen, "Lagerfeld Gallery" wird umbenannt in "Lagerfeld Collection" und mit den Labels "KL Lagerfeld" (Damenmode) und Karl Lagerfeld" (Herrenmode) ergänzt. Im Oktober 2005 sorgt Lagerfeld bei den Prêt-à-porter-Schauen in Paris für eine Sensation: Erstmals präsentiert er drei Kollektionen (Chanel, Chloé, Lagerfeld Gallery).

Karl Lagerfelds charakteristische Markenzeichen sind seine Sonnenbrille, sein gepuderter Haarzopf und das Mitführen eines Fächers. 2003 wird er von Michail Gorbatschow mit dem "World Fashion Award" ausgezeichnet.

Valentino

Valentino wird am 11. Mai 1932 in Voghera, Italien als Valentino Clemente Ludovico Garavani geboren. Mit 17 erhält er ein Modestipendium. Ab 1950 studiert Garavani an der Ècole de la Chambre Syndicale de la Couture Parisienne Modedesign und gewinnt erste Wettbewerbe.

Jean Dessès wird auf das Nachwuchstalent aufmerksam und stellt den ehrgeizigen 18-Jährigen an. Garavani arbeitet dort fünf Jahre und lernt Faltendrapierungen und den Umgang mit Mousseline und Chiffon. Hier wird der Grundstein gelegt für Valentinos Stil: Eleganz, Extravaganz, Klasse. In Folge arbeitet er bei Guy Laroche, kehrt zurück nach Italien und gründet 1959 in Rom sein eigenes Modehaus.

Valentinos erste Kollektionen sind ein durchschlagender Erfolg. Seine Kreationen stehen für höchste Eleganz und außergewöhnlichen Stil: Er kombiniert aufwendige Perlenstickereien und Pailettenarbeit mit goldener und silberner Spitze. Er arbeitet mit den von ihm als "Nicht-Farben" bezeichneten Farbtönen Schwarz und Weiß. Auch Rot zählt zu Valentinos "Nicht-Farben". Weltberühmt wird das "Valentino-Rot", eine eigene Mischung aus orange und rot.

Die Reichen und Schönen liegen Valentino zu Füßen. Denn seine Mode ist nicht nur ausgefallen - er fertigt auch exklusiv für einen ausgesuchten Kundenkreis. Seine Kleider sind einmalige Kreationen. Für Jacqueline Kennedy fertigt er das weiße, kurze Cocktail-Kleid, in dem die Präsidentengattin 1968 den griechischen Reeder Aristoteles Onassis heiratet. Kronprinzessin Maxima der Niederlande heiratet 2002 in einem maßgefertigten Hochzeitskleid. Leinwandgöttinnen wie Rita Hayworth, Audrey Hepburn, Liz Taylor, Sharon Stone und Ornella Muti tragen seine Mode. Die Frau des Fiat-Präsidenten, Marella Agnelli, lässt sich von Valentino einkleiden.

Valentino bevorzugt ein einfaches Design und arbeitet ausschließlich mit sehr teuren Stoffen: Er kreiert Mäntel aus weißem Kaschmir, Cocktail-Kleider in Silber und Gold oder Röcke aus Chiffon und Samt. Anregungen für sein edles Design und seinen Stil holt sich Valentino aus der Welt der Kunst. Der Kunstliebhaber gründet 1990 in Rom die "Accademia Valentino", die sich mit dem Erhalt der italienischen Kunst befasst. Valentinos engagiert sich gesellschaftlich: Er hat einen Verein zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids ins Leben gerufen.

Valentino betreibt weltweit 560 Stores und 60 ausgewählte Boutiquen. 1991 findet zu seinen Ehren eine Retrospektive über sein Modeschaffen im Kapitolischen Museum in Rom statt. 2006 wird Valentino zum Ritter der französischen Ehrenlegion geschlagen. Im Oktober 2007 zieht sich Valentino 75-jährig aus dem aktiven Modegeschäft zurück.

Vivienne Westwood

Mode ist Individualität. Kein Modeschöpfer verkörpert diese Einstellung so leidenschaftlich und radikal wie die Engländerin Vivienne Westwood. Sie selbst sagt: "Mode hat immer etwas mit Sex zu tun. Der Laufsteg ist provozierend und schamlos."

Vivienne Westwood wird am 8. April 1941 im britischen Tintwistle geboren. Sie wächst in einem Arbeiterviertel auf. Ihre Mutter ist Weberin, ihr Vater Schuhmacher. 1958 zieht die Familie nach London. Ein Semester studiert Westwood Mode und Silberschmiedekunst, sieht darin aber keine Perspektive. Westwood orientiert sich neu, studiert Grundschullehramt und arbeitet als Lehrerin in London bis 1971. 1962 heiratet sie und wird Mutter (Ben). Nach drei Jahren Ehe lässt sie sich scheiden und trifft auf Malcolm McLaren, den Kopf der "Sex Pistols". Er ist unorthodox und fasziniert Westwood. 1967 wird der gemeinsame Sohn Joseph geboren.

Westwood ist arm, und um ihre beiden Söhne zu kleiden, beginnt sie, Kleider selbst zu nähen. Sie trennt die Nähte auf, studiert den Schnitt und näht dann alles wieder zusammen. Schnell entwickelt sich daraus eine erstaunliche Fähigkeit. 1971 gründet sie in London mit McLaren ihre erste Boutique, verkauft Kleidung, Sexartikel und Musik. Sie entwirft und fertigt die Bühnenkleidung der "Sex Pistols". 1981 präsentieren Westwood und McLaren ihre Kollektion "Pirates" der Öffentlichkeit, der Sprung in die Modebranche gelingt. Ein Jahr später triumphiert Westwood in Paris mit ihrer Kollektion "Buffalo" - Kleidung in Tarnfarben.

1984 trennt sie sich von McLaren und verfolgt zielstrebig ihre Karriere. Ihre provozierenden, exzentrischen Entwürfe, 25 Zentimeter hohe Absätze, Latex-, Lack- und Leder-Einflüsse beeinflussen die Modewelt nachhaltig. Korsetts und hoch geschnürte Busen verleihen ihrer Damenmode erotische Anziehungskraft, enganliegende Jacken und weite Hosen ihrer Herrenmode etwas Animalisches.

Sie kombiniert in ihren Kollektionen ethnische Einflüsse mit Konfektionsmode, verwendet Elemente der Halbwelt-Mode und Stilelemente des Nude-Look und lässt Elemente höfischer Mode einfließen. "Die Unorthodoxie ist der Schlüssel zu meiner Persönlichkeit", sagt sie. 1998 kommt ihr Duft "Boudoir" mit großem Erfolg auf den Markt. Ihr heutiges Unternehmen, die "Vivienne Westwood Company", besteht aus den Linien 'Red Label' (junge Mode) und 'Gold Label' (Couture).

Von 1989 bis 1991 lehrt Westwood als Professorin an der Hochschule für angewandte Künste in Wien. Seit 1994 lehrt sie an der Hochschule der Künste in Berlin. 1990 und 1991 wird sie hintereinander zu Englands "Designerin des Jahres" gewählt. 1992 wird sie mit dem "Order of the British Empire" ausgezeichnet. 2004 erhält sie von Michail Gorbatschow den "World Fashion Award". 2006 erhebt sie Prinz Charles zur "Dame".

Jil Sander

Wenn Giorgio Armani der Meister der schlichten Eleganz ist, ist Jil Sander sein weibliches Pendant. Ihr schnörkelloser, zeitlos eleganter und minimalistischer Stil trägt Sander den Titel "Queen of the Less" (Königin der Schlichtheit) ein.

Jil Sander wird am 27. November 1943 als Heidemarie Jiline Sander in Wesselburen bei Hamburg geboren. In den 50er Jahren zeigt sich bereits ihr Modebewusstsein: Statt Petticoats trägt Sander Hosen. Nach der Realschule studiert Sander Textilingenieurswesen und geht anschließend zwei Jahre nach Amerika. In Los Angeles arbeitet sie als Redaktionsassistentin bei der Zeitschrift "McCalls". Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland arbeitet sie als Redakteurin für die Zeitschriften "Petra" und "Constanze".

Sie ist 24, als sie in Hamburg eine Modeboutique eröffnet. Ein Jahr später gründet sie die "Jil Sander GmbH". 1976 gelingt ihr mit dem sogenannten "Zwiebel-Look" der internationale Durchbruch: Mehrere Kleidungsstücke werden modisch so aufeinander abgestimmt, dass sie in Lagen übereinander getragen werden und unterschiedlich miteinander oder anderen Kleidungsstücken kombiniert werden können.

1978 erweitert sie ihre Produktpalette um die Pflegeserie 'Jil Sander Woman Pur'. Für ihre Produkte und Kosmetika wirbt Jil Sander mit ihrem eigenen Gesicht.

Jil Sanders Mode ist elegant und doch schlicht. Sie vermeidet verspielte Elemente, verleiht ihrer Kleidung dennoch etwas Avantgardistisches. Schlichte Eleganz wird zu ihrer Maxime. Ihre Linien sind klar und streng, das Material immer von hoher Qualität.

1978 wählt das japanische Modemagazin "High Fashion" Sander unter die zwölf weltbesten Modedesignerinnen. Wegen der Schlichtheit ihrer Kostüme wird sie in Amerika "Queen of the Less" genannt.

Der "Jil-Sander-Look" etabliert sich: Gepflegte Geschäftsfrauen tragen auf Taille geschnittene Hosenanzüge und weiße Oberhemden. Dominierende Farben sind schwarz, grau, weiß, beige, braun und dunkelblau.

1983 erobert Sanders Stil Italien. Sie eröffnet Niederlassungen in New York und Paris. Ab 1984 erweitert sie ihre Produktpalette um Accessoires, Brillen, Ledermäntel, Strickwaren, Krawatten und Einstecktücher.

Jil Sander macht deutsche Mode weltweit populär. Bis 1997 war sie auf Frauenmode spezialisiert, nun entwirft sie auch schlichte Männermode. Ihre Mode wird in weltweit 65 Geschäften angeboten, sie beschäftigt über 450 Mitarbeiter. 1989 geht Jil Sander an die Börse.

1999 kauft der italienische Konzern Prada 75 Prozent der Aktien der "Jil Sander AG". Die Mode-Welt ist schockiert, als Jil Sander im Februar 2000 ihren Ausstieg aus dem selbst aufgebauten Imperium bekannt gibt. Die Differenzen mit der italienischen Firmenleitung sind unüberbrückbar. Drei Jahre später kehrt Jil Sander zurück und präsentiert in Mailand ihre erste Damenkollektion, die ein absoluter Erfolg wird: Jil Sanders Mode wirkt frischer denn je. Mitte November 2004 trennt sie sich erneut und endgültig.