Der Meisterschaftskampf war in den letzten Jahren ein echter Langweiler. Ob die Konkurrenten nun aus der Bayern-Krise Profit schlagen können? Nicht nur ein Blick in die Vergangenheit lässt daran zweifeln.

So einen schwachen FC Bayern München haben die Fußball-Fans lange nicht gesehen. Seit drei Pflichtspielen ist der Rekordmeister sieglos.

Zwei Mal hintereinander wurde in der Bundesliga eine 2:0-Führung wieder hergegeben. Zwischendurch gab es die 0:3-Klatsche von Paris. Die Schlüsselspieler Franck Ribéry und Manuel Neuer fallen längerfristig aus. Ein neuer Trainer ist noch nicht in Sicht.

Sind die Probleme der Bayern eine Chance für die Bundesliga? Tatsache ist: Eine spannende Meisterschaft gab es schon seit Jahren nicht mehr.

Fünf Mal in Folge wurden die Bayern Meister – und zwar mit einem gewaltigen Vorsprung. 25, 19, 10, 10 und zuletzt 15 Punkte – so groß war zum Saisonende jeweils der Abstand auf den Zweitplatzierten.

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Die Bundesliga droht die langweiligste Spitzenliga Europas zu werden. Zum Vergleich: In England gab es in den vergangenen fünf Jahren vier verschiedene Meister, in Spanien drei, in Frankreich immerhin noch zwei.

Ist nun auch in Deutschland eine Mannschaft dazu in der Lage, die Dominanz der Bayern zu durchbrechen?

Spielt Dortmund für einen Meister zu riskant?

Tabellarisch hat Borussia Dortmund die besten Chancen. Mit 19 Punkten und 21:2 Toren haben sie den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hingelegt. Fünf Punkte und zehn Tore beträgt der Vorsprung auf die Bayern.

In Pierre-Emerick Aubameyang hat der BVB den Top-Scorer der Liga. In einer beeindruckenden Form präsentieren sich auch seine Sturm-Kollegen: Dembélé-Nachfolger Andrey Yarmolenko, Mega-Talent Christian Pulisic und U-21-Europameister Maximilian Philipp sind als Torjäger und Vorlagengeber höchst effektiv.

Nur zwei Gegentore sprechen zudem für ein erstklassiges Defensivverhalten.

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Doch die Zwischenbilanz könnte auch täuschen. Das Auftaktprogramm von Dortmund war relativ einfach. Ein Gegner aus der derzeitigen Top-5 der Bundesliga war noch nicht dabei.

Und selbst das 2:1 beim FC Augsburg vom vergangenen Samstag war angesichts der schwachen zweiten Halbzeit eher ein Glücksfall.

Dass der BVB gegen starke Gegner an Grenzen stößt, war in der Champions League zu sehen: 1:3 gegen Tottenham Hotspur, 1:3 gegen Real Madrid.

Das Problem: Die Spielweise von Trainer Peter Bosz ist sehr riskant. Die Außenverteidiger rücken zum Beispiel weit auf.

Einfache Ballverluste führen oftmals zu einer Top-Chance des Gegners. Starke Mannschaften nutzen so etwas aus. Das könnte nach der Länderspielpause auch in der Bundesliga passieren: Der nächste Gegner heißt RB Leipzig.

Leipzig hat Probleme gegen Abwehr-Bollwerke

Auch die Leipziger könnten von der Krise der Bayern profitieren. Nur einen Punkt beträgt der Rückstand auf den Titelverteidiger. Schlüsselspieler Naby Keita hat seine drei Spiele Rotsperre abgesessen.

In Timo Werner haben sie einen der begehrtesten Stürmer Europas in ihren Reihen. Zudem dürfte die zweitjüngste Mannschaft der Bundesliga (Altersschnitt 24,3 Jahre) auch dazu in der Lage sein, die Mehrfachbelastung mit der Champions League wegzustecken.

Doch genügt das, um den Bayern wirklich Paroli zu bieten? Auch RB Leipzig traf bislang auf keinen Gegner aus den Top-5. Zudem hat die Niederlage beim FC Augsburg bewiesen, dass sich die Leipziger schwer tun, wenn der Gegner ein Abwehr-Bollwerk auffährt und schnell kontert.

Fehlt Hoffenheim die Routine?

Die TSG Hoffenheim hat mit dem 2:0 am 3. Spieltag praktisch die Krise der Bayern eingeleitet. Ob sie davon auch im Kampf um die Meisterschaft profitieren können?

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Der Kader beinhaltet kaum Top-Stars. Sieben andere Mannschaften in der Bundesliga haben einen höheren Marktwert als die Sinsheimer.

Und doch gelingt es Trainer Julian Nagelsmann, seine Mannschaft immer wieder optimal einzustellen. Hoffenheim ist derzeit punktgleich mit den Bayern.

Das 2:3 vom Sonntag beim SC Freiburg lässt jedoch vermuten, dass die Mehrfachbelastung mit der Europa League eine neue Herausforderung ist.

Die Mannschaft geht offenbar auf den Zahnfleisch und baut mit steigender Spielzeit ab. Vielleicht fehlt Hoffenheim aber auch einfach die Routine, um einen Vorsprung nach Hause zu bringen.

In Freiburg und auch in den beiden Europa-League-Spielen gegen SC Braga und gegen Razgrad verlor die Mannschaft trotz einer frühen 1:0-Führung.

Somit bleibt es fraglich, ob wirklich ein Konkurrent die Bayern-Krise nutzen kann. Falls es jemand vergessen hat: Auch in den vergangenen Jahren erlebte der Rekordmeister Durststrecken in der Bundesliga.

In der Saison 2013 / 2014 gab es drei sieglose Spiele in Folge, in der Saison 2014 / 2015 sogar drei Niederlagen hintereinander.

Einfluss auf die Meisterschaft hatte das nicht. Die Konkurrenten hatten schon zuvor massenweise Punkte liegen gelassen. Ein Fehler, den sie nicht noch einmal begehen sollten – auch im Sinne der Bundesliga.