Der FC Bayern nutzt das Spiel bei Hertha BSC für eine Backpfeife für Carlo Ancelotti, Pierre-Emerick Aubameyang zeigt Herz für echte Fußballfans und Martin Harnik mutiert zum Deutschen. Unsere - wie immer nicht ganz ernst gemeinten - Lehren des 7. Spieltags der Bundesliga.

Fabian Teichmann
Eine Glosse
von Fabian Teichmann, Redakteur Social Media

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1. Lehre: Martin Harnik mutiert zum Deutschen

Als Österreicher hat man es auf den Fußballplätzen dieser Welt ja schon traditionell schwer. Böse Zungen behaupten, dass Sportler aus der Alpenrepublik abseits von Skipisten ohnehin zum Scheitern verurteilt sind.

Dass diese Annahme natürlich Blödsinn ist, bewiesen in der Vergangenheit zum einen Sportskanonen wie Formel-1-Ikone Niki Lauda. Zum anderen ließen erst vergangene Woche auch die österreichischen Fußballer - ja echt, die Fußballer! - aufhorchen.

Die Qual der Wahl: Das sind die Kandidaten beim Rekordmeister.

Verglichen mit der desaströsen Europapokalwoche der deutschen Klubs (sechs Spiele, sechs Niederlagen) zeigten die Alpenkicker ihren Nachbarn geradezu wo der Hammer hängt.

Austria Wien holte beim 2:2 in der Europa League bei AEK Athen einen Punkt mehr als ganz Fußball-Deutschland. Und Red Bull Salzburg fuhr sogar einen Sieg im gleichen Wettbewerb ein: 1:0 gegen Olympique Marseille - man höre und staune.

Dass die deutsche Seuchenwoche aber offensichtlich auch an österreichischen Langzeit-Legionären wie Martin Harnik nicht spurlos vorbeiging, bewies dieser eindrucksvoll bei der Pleite von Hannover 96 gegen Borussia Mönchengladbach.

In bester Frank-Mill-Manier bugsierte Harnik den Ball aus zwei (!) Metern unbedrängt (!) an die Latte und verpasste den sicheren Führungstreffer für die Niedersachsen.

Gemessen an der Katastrophenwoche für Schwarz-Rot-Gold fand in dieser Situation bei Harnik wohl eine Art Mutation zum Deutschen statt. Dass 96 das Spiel bei dieser Vorgeschichte natürlich noch mit 1:2 verlor - eh klar!

2. Lehre: Aubameyang zeigt Herz für echte Fans

Gibt es eigentlich irgendeine Gruppe von Menschen, die der Einführung des Videoschiedsrichters vollkommen positiv gegenübersteht? Ja, es gibt sie - und sie ist sogar riesig. Es sind Amateurfußballer.

All jene, die fernab aller Bundesliga-Ehren Woche für Woche ihr Herzblut auf dem Rasen geben und für ihre Klubs die Knochen hinhalten. Sie machen das vor allem, weil sie das Spiel lieben.

Doch was macht dieses Spiel aus? In erster Linie ist Fußball Leidenschaft, Zusammenhalt und Intensität. Jubel gehört genauso dazu wie gemeinsame Trauer. Und Himmelherrgott: Ja, auch Physis gehört dazu. Erst vereinzelte Nickligkeiten und gesunder Körpereinsatz machen das Spiel so besonders.

Das tolle für alle Amateure ist, dass sie diese Tugenden großteils noch genießen dürfen. Und zwar weil es keinen Videoassistenten gibt, der für jedes kleine Trikotziehen sofort eine Bestrafung in die Wege leitet.

So geschehen zuletzt in Augsburg am Samstag: Ja-Cheol Koo hielt Borussia Dortmunds Lukasz Piszczek am schwarz-gelben Dress. Dieser sank im Strafraum danieder. Nach minutenlangem Rätselraten wurde via Video-Schiri das Urteil gefällt: Elfmeter! Traurig!

Und das schönste: Experte Markus Merk erklärt danach bei Sky, dass diese Entscheidung vollkommen richtig war.

Wenn diese Entwicklung so weitergeht, sollte man sich auf zwei Dinge schonmal einstellen. Erstens: mindestens 127 Elfmeter pro Spiel. Zweitens: einen Fußballsport, der seiner Grundprinzipien beraubt wird.

Wer darauf offensichtlich auch überhaupt keine Lust hat, ist Pierre-Emerick Aubameyang. Der BVB-Star lehnte das Elfer-Geschenk in Augsburg nämlich dankend ab und chippte den Strafstoß lässig in die Arme von FCA-Keeper Marwin Hitz. That's the spirit, Auba!

3. Lehre: Holger Pfandt, du bist der beste Mann!

Schande über das Haupt dieses Lehren-Autors! Da wurde im Zuge der zweiten Lehre doch tatsächlich ein Grundbaustein des Fußballs unterschlagen: die Emotion.

Ohne die wäre dieser Sport nämlich weder im Stadion noch vor den Fernsehgeräten besonders interessant.

Umso schöner also, wenn Sportler und TV-Kommentatoren in perfektem Zusammenspiel ein Maximum an Gefühlen vermitteln - wie Sébastien Haller von Eintracht Frankfurt und Holger Pfandt von Sky.

Der Franzose schoss seine SGE gegen den VfB Stuttgart durch einen Treffer in der Nachspielzeit zum Last-Minute-Sieg. Und das machte er nicht irgendwie, sondern sensationell per Seitfallzieher-Knaller. Die Commerzbank-Arena explodierte regelrecht.

Einer explodierte gleich mit. Kommentator Holger Pfandt war von der Aktion dermaßen angetan, dass er folgende Botschaft für die Zuschauer der Sky-Konferenz parat hatte: "Das darf nicht wahr sein. Ein Hammertor! Leck mich, leck mich. Wahnsinnsding!"

Wunderbare Aktion von allen Beteiligten! In Zeiten kommentierender Schlaftabletten muss das einfach mal gesagt werden.

4. Lehre: Bayern verpassen Ancelotti Backpfeife

Zufall, Schicksal oder logische Konsequenz? Nach der Trennung von Carlo Ancelotti startete der FC Bayern mit einer Aktion in die Partie bei Hertha BSC, die an Symbolkraft kaum zu überbieten war.

Es waren noch keine zehn Minuten gespielt, als Franck Ribéry, der unter dem Ex-Trainer in letzter Zeit zum Reservisten degradiert wurde, durch ein Tempodribbling auf dem linken Flügel einen Freistoß rausholte.

Dieser wurde zunächst geklärt. Doch Arjen Robben, der nächste von Carlos Problemkickern, sicherte sich den zweiten Ball und bediente Jerome Boateng, der - Sie ahnen es - bei der Champions-League-Pleite in Paris nicht mal im Kader des Rekordmeisters stand.

Doch einer der vier enttäuschten Superstars fehlte noch. Deshalb suchte Boateng mit seiner Flanke natürlich Ex-Bankdrücker Mats Hummels, der mustergültig per Kopf zur frühen Bayern-Führung einnickte. Ein Tor wie eine Backpfeife für den Coach, der es sich mit allen vier Hauptbeteiligten verscherzt hatte.

Wer nun aber davon ausging, dass dieser Treffer als Brustlöser für die kriselnden Münchner dienen könnte, wurde schnell eines besseren belehrt.

Die Bayern stöpselten sich trotz zwischenzeitlicher 2:0-Führung nur zu einem Remis in Berlin und zeigten dabei weiß Gott keine Leistung, die in der Chefetage um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge für euphorische Willy-Sagnol-Sprechchöre sorgte.

Ganz im Gegenteil: Die Baustellen des Rekordmeisters wurden gerade aufgrund von Ribérys Verletzung sogar noch mehr.

Wer auch immer nach der Länderspielpause auf Bayerns Trainerbank Platz nehmen wird, erbt eine Herkulesaufgabe. Um diesen Haufen an Superstars wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, bedarf es mehr als nur guten Zuredens und Kaugummikauens. Fragen Sie mal nach bei Signore Ancelotti.