Thomas Müller ist nicht der Arzt des FC Bayern München und Granit Xhaka denkt ans Karriereende. Der Hamburger SV gibt ein peinliches Bild ab und der SC Paderborn zeigt nicht vorhandene Muskelkraft. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

1. Erkenntnis Thomas Müller ist kein Bayern-Doc

Schneckenrennen im Tabellenkeller: Welcher Verein muss in die 2. Liga?

Es war eines dieser Spiele, das die Welt nicht braucht. Eigentlich. Denn wenn der FC Bayern München auf Eintracht Frankfurt trifft, steht der Sieger eh schon fest. Zum sechsten Mal in Folge gewannen die Münchner am Samstag zu Null gegen die Eintracht – auch dank zweier Traumtore: Erst nagelte Robert Lewandowski den Ball per Volley zur Führung in die Maschen und später traf Thomas Müller zum 3:0-Endstand so, wie nur ein Thomas Müller treffen kann: aus einem unmöglichen Winkel mit einer unmöglichen Körperbewegung.

Dieser Müller ist echt ein Phänomen. Seine Art Fußball zu spielen sieht oft nach Kreisklasse aus, doch letztlich ist dieser Typ einfach nur Weltklasse.

Weltklasse ist der 25-Jährige allerdings nicht nur auf dem Platz. Auch viele seiner Sprüche sind häufig einsame Spitze. Vor und nach dem 3:0-Sieg gegen Frankfurt war die meist gestellte Frage die nach den verletzten Bayern-Spielern und ob einige von ihnen für das Hinspiel im Viertelfinale der Champions League beim FC Porto (Mittwoch 20:45 Uhr, LIVE bei Sky, im ZDF und bei uns im Ticker) wieder mitspielen können. Selbst Müller sollte darüber am Mikrofon Auskunft geben. Seine trockene Antwort: "Ich bin der Müller ohne Wohlfahrt, ich kenne mich da nicht aus."

Wäre das auch geklärt.

2. Erkenntnis: Granit Xhaka denkt ans Karriereende

Football is a bitch. Diese Meinung teilt gewiss ein Großteil der Fans von Borussia Dortmund. Denn die haben sich nach dem Sieg im Pokalkrimi am Dienstag noch gefühlt wie frisch von Helene Fischer geküsst. Und fünf Tage später schmerzt es schon wieder wie nach einem Bodyslam von Tim Wiese.

Denn: Die 1:3-Niederlage im "Battle der Borussias" war hochverdient. Praktisch mit dem Anpfiff nahm das Unheil in Mönchengladbach seinen Lauf. Anders formuliert: Dortmund verpennt – und plötzlich trifft der Oscar Wendt (toller Reim, oder?). Es war bereits das dritte (!) Saison-Gegentor für den BVB in der ersten Minute eines Spiels. Als die Dortmunder Abwehr später freundlicherweise auch noch Patrick Herrmann ungestört über den halben Platz laufen ließ, war das Ding so gut wie durch.

Jetzt stehen die Gladbacher seit Wochen auf Rang drei und dürfen sich angesichts von zwölf Punkten Vorsprung auf den Fünften Schalke auf Champions-League-Fußball im Borussia-Park freuen. Denn, dass diese Gladbacher das Ganze gegen diese Schalker noch vergeigen, ist nicht möglich. Oder, um es mit Mittelfeldspieler Granit Xhaka zu sagen: "Rechnerisch kann Schalke das noch aufholen. Aber wenn sie das noch aufholen, höre ich auf mit Fußball." Und das will ja wohl keiner.

3. Erkenntnis: Der Hamburger SV wird immer peinlicher

Es tut uns leid für die vielen HSV-Fans: Aber in diesem Jahr darf Hamburg die Klasse einfach nicht halten. Wer anderer Meinung war, ist das seit Samstagabend ziemlich sicher nicht mehr. Denn das, was die Hamburger im sogenannten Topspiel gegen den VfL Wolfsburg ablieferten, war eines Bundesligisten nicht würdig. Völlig verdient siegten die "Wölfe" mit 2:0 beim längst nicht mehr so großen nördlichen Nachbarn. Durch den 3:2-Sieg des VfB Stuttgart gegen Werder Bremen am Sonntagabend ist Hamburg jetzt sogar Letzter.

Seit acht Stunden ist der HSV nun bereits ohne eigenen Treffer. Acht Stunden! Was man da alles machen kann! Rund zehn Folgen "Walking Dead" gucken beispielsweise. Oder, um beim Sportlichen zu bleiben, mit dem ICE von Hamburg nach München fahren, in die Allianz Arena gehen und bei den Bayern abgucken, wie das mit dem Toreschießen funktioniert.

Doch die Offensive ist nicht das einzige Dilemma in Hamburg. Cléber, der eigentlich die Abwehr mit zusammenhalten soll, ging Kevin de Bruyne mächtig auf den Leim und vertändelte den Ball gegen den Belgier, der wiederum damit das 1:0 für den VfL einleitete.

In der Schlussphase holte sich dann auch noch Johan Djourou eine unglaublich dämliche Gelb-Rote-Karte ab und soll sich in der Halbzeitpause nach Informationen von "bild.de" sogar einen Faustkampf mit Mitspieler Valon Behrami geliefert haben. Eh klar.

Doch weil es beim HSV immer NOCH schlimmer geht, gab es ja noch die Pressekonferenz nach der Partie. Und in der zeigte Interimscoach Peter Knäbel eine noch verheerendere Vorstellung als sein Team kurz zuvor. Auf den Platzverweis von Djourou angesprochen, sagte er: "Allerdings ist der Bärendienst von Cléber in dem Moment, wo er das Tor ermöglicht, noch viel, viel schlimmer. Wir sind nicht in der Lage, dass wir uns anmaßen können, dass wir mit Wolfsburg von hinten Fußball spielen. Wenn man den Ball so dämlich und so überflüssig verliert, dann ist das das Schlimmste, was es gibt."

Falsch: Noch schlimmer ist es, wenn ein Trainer seine Spieler öffentlich dermaßen in die Pfanne haut!

4. Erkenntnis: Der SC Paderborn strotzt vor Selbstvertrauen

Gäbe die eigene Leistung den Hamburgern nicht schon genug Anlass zur Sorge, sammelt an diesem Spieltag auch noch die direkte Konkurrenz im Keller ihre Punkte.

Allen voran der VfB Stuttgart und der SC Paderborn, DIE Hauptkonkurrenten des HSV im Kampf gegen den Abstieg. Aufsteiger Paderborn gewann gegen den Europa-League-Anwärter FC Augsburg mit 2:1 und schoss nach fast zehn Stunden mal wieder ein Tor.

Und im Gegensatz zu den Profis des HSV haben die Paderborner Spieler offensichtlich eine Menge Selbstvertrauen. Denn die geben selbst mit Dingen an, die sich gar nicht haben. Wie zum Beispiel Siegtorschütze Srdjan Lakic:

Und auch Stuttgart weiß plötzlich wieder, wie man Fußball spielt. Der Erfolg gegen Bremen war auch ein Erfolg des Willens. Selbst der Platzverweis gegen Martin Harnik und eine zweimal verspielte Führung schockten die Schwaben nicht. Der VfB fightete (ja, das geht auch auf dem Platz, nicht nur in der Kabine, liebe Hamburger) sich in der Nachspielzeit durch Daniel Ginczeks zweiten Treffer sogar noch zum Last-Minute-Sieg.