Die Mannschaften im Tabellenkeller der Bundesliga stolpern von Niederlage zu Niederlage. Wer kann sich retten? Wer muss in die 2. Bundesliga? Wir machen vor dem Schlussspurt der Saison den großen Abstiegscheck und nehmen alle beteiligten Vereine unter die Lupe.

In der vergangenen Saison reichten dem Hamburger SV dürre 27 Punkte, um sich in die Relegation und damit letztlich zum Klassenerhalt zu schleppen.

Auch in dieser Spielzeit deutet sich im Tabellenkeller ein regelrechtes Schneckenrennen an: Von den letzten vier Mannschaften Hannover, Hamburg, Paderborn und Stuttgart hat einzig der VfB an den vergangenen sieben Spieltagen überhaupt mal eine Partie gewonnen, Hannover ist in der kompletten Rückrunde noch sieglos.

Sieben Spieltage vor Schluss stecken fünf Klubs ganz tief im Keller fest - und dazu gesellt sich vermutlich noch eine andere Mannschaft, die momentan gesichert scheint.

VfB Stuttgart

23 Punkte, Letzter, schlechteste Bundesligabilanz aller Zeiten, schlechtestes Heimteam. Es gibt nicht vieles, was für den VfB spricht. Trainer Huub Stevens hat die ersten Spiele der Rückrunde mit seiner ultra-defensiven Taktik förmlich hergeschenkt, diesen verlorenen Punkten rennen die Schwaben nun hinterher. Immerhin ist mittlerweile ein leichter Formanstieg erkennbar, die Offensive funktioniert einigermaßen. Was bleibt, sind die vielen individuellen Fehler, die die Mannschaft ein ums andere Mal um den Lohn der Arbeit bringen.

Medien: Ex-Mainzer soll die Hamburger auch im Abstiegsfall übernehmen.

Stevens hat seine Fehleinschätzung eingesehen und ist erfahren genug, auch in der knapp bemessenen Zeit die richtigen Hebel zu tätigen, um den VfB doch noch zu retten. Auf die vermeintlich machbaren Heimspiele gegen die direkten Konkurrenten Freiburg, Hamburg und auf das Auswärtsspiel in Paderborn am letzten Spieltag sollte sich der VfB allerdings nicht verlassen.

SC Paderborn

Der SCP befindet sich weiter im freien Fall. Aus den letzten 17 Spielen, also einer kompletten Halbserie, hat der Aufsteiger nur einen einzigen Sieg geholt, von den letzten 18 möglichen Punkten holte Paderborn einen einzigen, bei einem Torverhältnis von 0:17. "Als Mannschaft gehören wir nicht zu den drei schlechtesten Teams", sagt Trainer Andre Breitenreiter mit einer Mischung aus Überzeugung und Durchhalteparole.

Tatsache ist, dass die zweitschlechteste Offensive der Liga ihrem zweifelhaften Ruf alle Ehre macht, in den letzten elf Spielen blieb Paderborn unglaubliche zehn Mal ohne eigenen Treffer. "Wir stoßen momentan an Grenzen", gibt der Trainer zu, "diese wollen wir aber durchbrechen." Wie Breitenreiter das schaffen will, bleibt sein Geheimnis. Echte Lösungsansätze waren in den vergangenen Wochen allenfalls in Nuancen zu erkennen. Der Mannschaft scheint im Endspurt doch die nötige Qualität zu fehlen.

Hamburger SV

Was der Dino letzte Saison nicht "geschafft" hat, nimmt er nun offenbar noch vehementer in Angriff. 16 torlose Spiele, erst 16 eigene Treffer - nur das legendäre Tasmania Berlin war in der Geschichte der Bundesliga noch schlechter.

Der zweite Trainerwechsel in dieser Saison hat seinen Effekt vorerst verfehlt, das 0:4 in Leverkusen war ein weiterer Tiefschlag in einer ohnehin schon völlig verkorksten Saison.

Die Klub-Bosse haben so ziemlich alles versucht, Neu-Trainer Peter Knäbel hat das System umgestellt und einige Personalrochaden versucht - alles vergeblich. Die Stimmung in Hamburg droht zu kippen, unter der Woche mahnten die Fans (ein letztes Mal?) zu bedingungslosem Kampf und Leidenschaft. Hoffnungsträger gibt es aber kaum, offenbar soll es im Endspurt jetzt wieder Rafael van der Vaart richten - mit der Aufgabe war der Routinier bisher aber ziemlich überfordert. Dazu kommt:

Das Restprogramm hat es wahrlich in sich, auf dem Papier hat der HSV die vergleichsweise schwersten Spiele vor der Brust. Und dass die ewige Diskussion um den vermeintlichen Neu-Trainer Thomas Tuchel die Situation einfacher macht, darf bezweifelt werden.

Hannover 96

Anders als in Hamburg ist der Trainer in Hannover noch im Amt. Und er soll es offenbar auch bis Saisonende bleiben. "Wir ziehen das mit Herrn Korkut bis zum Saisonende durch. Es wird bei uns in dieser Saison keinen Trainerwechsel geben", sagte Klub-Boss Martin Kind am Freitag. Hannover hat im Vergleich zu den Konkurrenten in der Tat keine Leistungs-, sondern "nur" eine Ergebniskrise. In der Rückrunde gab es zwar auch schwache Spiele, die Leistungen der letzten Wochen und die Art und Weise, wie sich Tayfun Korkuts Mannschaft auch als solche präsentiert, geben Hoffnung.

Noch gibt es ein kleines Pölsterchen von drei Punkten auf den Relegationsrang, ein Sieg im Heimspiel gegen Berlin würde sogar den Anschluss ans hintere Mittelfeld herstellen. Dafür muss die Mannschaft ihre guten Momente mal wieder in komplette 90 Minuten packen und ein Erfolgserlebnis erzwingen.

SC Freiburg

Vor wenigen Wochen sah es noch recht düster aus für die Mannschaft von Christian Streich. Aber dann ist dem SCF etwas geglückt, worauf der Rest der Konkurrenz vergeblich wartet: Die Breisgauer haben eine Mini-Serie hingelegt und die Vermutung bestätigt, dass zwei, drei Erfolge nacheinander einem ordentlich Luft zum Durchschnaufen liefern können.

Die beiden dreckigen Heimsiege gegen Augsburg und Köln haben gezeigt, dass Freiburgs Konzept, aus einer eher defensiveren Grundhaltung heraus ein Spiel zu bestreiten, aufgehen kann. Das ist nicht Freiburg-like, aber eben erfolgreich. Und nur das zählt.

Der Spielplan will es so, dass Freiburg noch gegen vier direkte Konkurrenten antreten darf, den Klassenerhalt bei derzeit drei Punkten Vorsprung auf Platz 16 also selbst in der Hand hat. Am Ende könnte die stabile Defensive den Ausschlag geben im Vergleich mit den anderen: Lediglich 36 Gegentore sind ein ordentlicher Wert und das Torverhältnis (-9) um Längen besser als das aller anderen Kontrahenten.

1.FC Köln

Wie fast jede Saison gibt es auch noch ein Dark Horse - und das könnte dieses Mal der FC sein. Köln schien nach einem fulminanten 4:2 über Frankfurt bereits gerettet, hat es in den Wochen danach aber versäumt, die gute Ausgangslage zu nutzen und sich entscheidend abzusetzen. Spätestens die Niederlage in Freiburg am vergangenen Wochenende hat den Aufsteiger wieder in den Abstiegsstrudel gezogen.