Sie bezeichnen andere Politiker als "Kinderschänder" oder nennen Jugendliche mit ausländischen Wurzeln pauschal "primitiv und bösartig". Mit einigen der neuen Abgeordneten der AfD dürften radikale Töne in den Bundestag einziehen.

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Mit 60 bis 70 Abgeordneten war gerechnet worden - jetzt zieht die AfD mit mehr als 90 Volksvertretern in den Bundestag ein.

Spitzenkandidatin Alice Weidel versprach am Wahlabend eine "konstruktive Opposition". Ob sie das halten kann und will, ist fraglich.

"Wenn man sich die Landtage anschaut, in denen die AfD schon vertreten ist, gibt es hier und da die Versuche konstruktiver Arbeit. Aber Parteien wie diese leben von Tabubrüchen und Grenzüberschreitungen", sagt der Politikwissenschaftler Michael Lühmann vom Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wie wurde in den Wahlkreisen gewählt? Die Ergebnisse zum Durchklicken.

"Die Kanzlerin jagen zu wollen, hat jedenfalls nichts mit konstruktiver Oppositionsarbeit zu tun. Das ist Kriegsrhetorik." Das hatte Spitzenkandidat Alexander Gauland am Wahlabend gesagt.

Mit der Noch-Vorsitzenden Frauke Petry hat die AfD-Fraktion das erste Mitglied schon verloren, bevor sie sich überhaupt konstituiert hat.

Die Sächsin hatte die radikalen Äußerungen vieler Parteifreunde schon vorher kritisiert. "Man kann annehmen, dass Frauke Petry versuchen wird, noch ein paar Leute aus der Fraktion herauszulösen. Aber da wird für sie nicht viel zu holen sein", sagt Michael Lühmann.

Denn in der AfD-Fraktion werden Vertreter extremer Positionen wohl eine laute Stimme haben.

Der Politikwissenschaftler lehnt die Bezeichnung rechtspopulistisch für die Partei deswegen auch als zu verharmlosend ab: "Mit den AfD-Abgeordneten zieht auf dem Nationalsozialismus fußendes Gedankengut in den Bundestag ein."

Wer wird die AfD in Zukunft im Bundestag vertreten? Beispiele aus acht Bundesländern zeigen, wie weit rechts ihre Abgeordneten stehen.

Eine strauchelnde Kanzlerin, ein linkes Lager ohne Machtperspektive und eine AfD, an der sich die anderen Parteien die Zähne ausbeißen. Welche Lehren können wir aus der diesjährigen Abstimmung ziehen?

Jens Maier

Der Richter aus Dresden konnte sich als Zweiter der sächsischen Landesliste seines Einzugs bereits sicher sein. Der Pegida-Fan nennt sich laut "Tagesspiegel" selbst den "kleinen Höcke" und behauptet, die Regierung strebe in Deutschland eine "Herstellung von Mischvölkern" an.

Auf einer Veranstaltung des rechten Magazins "Compact" soll der 55-Jährige Verständnis für den rechtsradikalen Massenmörder Anders Breivik geäußert haben, der im Juli 2011 in Norwegen 77 Menschen umbrachte. Diese Äußerung bestreitet Maier allerdings, die Veranstalter haben einen Videomitschnitt gelöscht.

Markus Frohnmaier

Über die baden-württembergische Landesliste zieht der Bundesvorsitzende der AfD-Jugendorganisation in den Bundestag ein.

Er kam in einem rumänischen Kinderheim zur Welt und wurde von Adoptiveltern nach Deutschland geholt. Frauke Petry soll ihn als "Kampfzwerg" bezeichnet haben. Nach den Übergriffen der Kölner Silvesternacht warf Frohnmaier der Grünen-Politikerin Claudia Roth vor, sie habe "mittelbar mitvergewaltigt".

Stefan Brandner

Der Jurist wurde von Björn Höcke für Platz eins der thüringischen Landesliste empfohlen.

Womöglich ist Branders bisheriges Auftreten im Erfurter Landtag ein Vorgeschmack auf die Diskussionskultur der Partei im Bundestag: Im Mai vergangenen Jahres flog er aus dem Plenum, nachdem er die Grünen-Abgeordneten als "Koksnasen" und "Kinderschänder" bezeichnet hatte.

Nicolaus Fest

Der Berliner ist ein Mann fürs Grobe. Moscheen will er schließen lassen. Und auf seiner Homepage schreibt der frühere stellvertretende Chefredakteur der "BILD am Sonntag" pauschal über türkische, afrikanische und arabische Jugendliche: "Alle sind laut, aggressiv, präpotent, ohne den Willen zur einfachsten Höflichkeit, ohne jede soziale Intelligenz. Nicht einfach sind diese Leute, sondern primitiv und bösartig."

Martin Hohmann

Mit dem 69-Jährigen aus Fulda kehrt ein alter Bekannter der CDU nach Berlin zurück. Für die Christdemokraten saß Hohmann fünf Jahre lang im Bundestag, bis er 2003 in einer Rede sagte, man könne Juden mit einiger Berechtigung als Tätervolk bezeichnen.

Nun ebnet ihm die AfD über die hessische Landesliste den Wiedereinzug in den Bundestag.

Wilhelm von Gottberg

Der ehemalige CDU-Bürgermeister schafft den Sprung in den Bundestag über die niedersächsische Landesliste.

Laut der Wochenzeitung "Die Zeit" soll er in einem Zeitschriftenartikel 2001 einen italienischen Neofaschisten zitiert haben, der behauptete, der Holocaust werde als "Propaganda-Dampfwalze" missbraucht.

Von Polen und Tschechien fordert er eine Entschuldigung für die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Peter Bystron

Der bayerische Landesvorsitzende ist der Überzeugung, die AfD müsse ein "Schutzschild" für Pegida und außerparlamentarische Gruppen sein.

Wie mehrere Zeitungen berichten, wird der 44-jährige gebürtige Tscheche inzwischen vom Verfassungsschutz beobachtet.

Sebastian Münzenmaier

Ärger mit der Justiz hat auch der AfD-Spitzenkandidat in Rheinland-Pfalz. Dem 28-Jährigen wird vorgeworfen, 2012 gemeinsam mit Hooligans aus Kaiserslautern einen Bus mit Fans des FSV Mainz angegriffen zu haben.

Gegen Münzenmaier läuft ein Verfahren wegen des Vorwurfs der schweren Körperverletzung. Ein Urteil wird wohl frühestens im Oktober fallen, der Angeklagte hat sich vor Gericht bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

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