Die Ampel "ohne Ideen", Trump ein "Irrer", Markus Söder "selbstbeschädigend": Politikjournalist Nikolaus Blome schoss seine Pfeile am Mittwochabend bei Sandra Maischberger in jede Richtung ab. Besonders in Erinnerung blieb seine düstere Prognose für den Fall, dass Donald Trump wieder US-Präsident wird.

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Eine Kritik
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Das war das Thema bei "Maischberger"

Klinikreform, Zustand der Bundesregierung, europäische Atombombe und der Krieg in der Ukraine: Sandra Maischberger nahm sich mit ihren Gästen am Mittwochabend die volle thematische Breite vor. CNN-Reporter Frederik Pleitgen, der kürzlich von der Front in der Ukraine zurückgekehrt ist, sorgte inhaltlich für eine Überraschung.

Das waren die Gäste

  • Karl Lauterbach: Der Bundesgesundheitsminister (SPD) forderte mehr Teamgedanken und Zusammenhalt von der Ampel-Regierung. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sei dabei "der geringste Vorwurf zu machen". Zeigt er Führungsschwäche? "Nein, da bin ich anderer Meinung", sagte Lauterbach. Zudem warb er für seine Krankenhausreform. Ohne den Abbau von kleineren Häusern, gerade in Westdeutschland, gehe es nicht, um die Qualität in der Breite zu erhöhen.
  • Uwe Janssens: Der Intensivmediziner und Chefarzt fürchtet eine "kalte Abschaltung" von Krankenhäusern, wenn diejenigen, die derzeit Insolvenz angemeldet haben (rund 130), nicht unterstützt werden. Der Abbau muss in seinen Augen geordneter erfolgen. Aber auch Janssens kritisierte, dass es zu viele Häuser gebe. Sie müssten zu "sinnvollen Einheiten zusammengefasst werden". Dabei sei es jedoch entscheidend, die Bevölkerung mehr mitzunehmen. "Wir müssen den Leuten mehr erklären (…), dass da am Ende ein Gewinn da ist", forderte er.
  • Frederik Pleitgen: Der CNN-Kriegsreporter überraschte mit der Aussage, dass die militärische Lage für die Ukraine besser aussehe als gedacht - trotz fehlender frischer Kräfte, mangelnder Munition und leichter Geländeverluste. Der Militärgeheimdienst der Ukraine gehe davon aus, dass den Russen im Frühjahr die Luft ausgeht. Was ihn schockiert hat: "Wie viele Russen sterben." Die Front sei mit Leichen übersät. Für Pleitgen ist klar: Wenn Donald Trump in den USA wiedergewählt wird, dann wird er den Krieg "beenden wollen zu Lasten der Ukraine".
  • Boris Bondarew: Der ehemalige russische UN-Diplomat hält die Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin für "unglaubwürdig", dass er kein Interesse habe, Polen und Lettland anzugreifen. Über die Krim und die Ukraine habe er dasselbe gesagt. Dann malte er ein düsteres Szenario an die Wand, sollte Russland den Krieg in der Ukraine gewinnen. Andere Länder wie China könnten dadurch ermutigt werden, Konflikte ebenfalls kriegerisch zu lösen. China könnte "die Entschlossenheit der USA testen", was das in Chinas Augen abtrünnige Taiwan angeht. Bondarew befürchtete eine große Welle der Destabilisierung, die um die Welt schwappen könnte und ein neues atomares Wettrüsten mit neuen Atommächten. Die Gefahr einer atomaren Auseinandersetzung wachse. Sein Fazit der derzeitigen Weltlage: "Eine sehr verfahrene Situation".
  • Urban Priol: Der Kabarettist fand die Diskussion über eine deutsche Atombombe befremdlich. "So trägt man nicht unbedingt zur Deeskalation bei". Die Profilierungversuche der FDP in der Ampel kommentierte er so: "Wenn man beim angefahrenen Reifen das Profil schärfen will, dann platzt der meistens." Und auch zu den markigen Forderungen von US-Präsident Donald Trump, dass die Nato-Mitglieder ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen müssen, ansonsten würde er sie nicht gegen Russland verteidigen, hatte er eine pointierte Meinung. "Das hat bisschen was von der Mafia." Wie bei der Schutzgelderpressung.
  • Helene Bubrowski: Die stellvertretende Chefredakteurin von Table.Media bemängelte, dass die Ampel "nach zwei Jahren nicht zu einer guten Koalition geworden" ist: "Der Kitt, der dieses Bündnis zusammenhält, ist nicht sehr stark." Der Kanzler habe nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern "auch ein inhaltliches Problem". Bubrwoski findet die Debatte um eine stärkere europäische Verteidigungspolitik und eine europäische Atombombe richtig.
  • Nikolaus Blome: Der Leiter des Politikressorts von RTL/n-tv fragte, wer bei einer möglichen europäischen Atombombe denn auf den roten Knopf drücken solle - eine sarkastische Anspielung auf die traditionelle Uneinigkeit in Europa. Daher macht für ihn eine nationale Lösung mehr Sinn. "Wenn die Amerikaner ihren Atomschirm zurückziehen, dann werden sie (Länder wie Deutschland - Anm. d. Red.) eine eigene Atombombe brauchen, wenn sie eine haben wollen." Schließlich bekam auch die Ampel ihr Fett von Blome weg: Die Regierung hat "keine wirklich Idee, was sie die nächsten zwei Jahren machen soll". Besonders der Kanzler entwickele zu wenig Ideen. Zur Spitze des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) gegen die Berufspolitiker Kevin Kühnert (SPD) und Ricarda Lang (Grüne), die beide keine abgeschlossene Ausbildung haben, sagte Blome: "Das anderen zum Vorwurf zu machen, ist wirklich selbstbeschädigend." Achja, Donald Trump nannte er einen "Irren". Blome teilte am Mittwochabend wirklich gegen jeden aus.

Das war der Moment des Abends

Nikolaus Blome wagte einen Blick in die Zukunft der deutschen Verteidigungspolitik. Der erneute Einzug Trumps ins Weiße Haus wäre für ihn eine echte Zäsur. "Wenn Donald Trump gewählt wird, fällt am Tag darauf die Schuldenbremse weg und die Wehrpflicht wird eingeführt", prognostizierte der Experte. Die Schuldenbremse könnte fallen, um die Verteidigungsausgaben durch ein neues Sondervermögen massiv zu steigern. "Düstere Aussichten", sagte Sandra Maischberger dazu.

Das war das Rededuell des Abends

Uwe Janssens wollte über ein ethisch-moralisches Dilemma in der Medizin debattieren. Der Mediziner stellte infrage, ob man mit 90 Jahren unbedingt noch eine Chemotherapie bekommen sollte. "Darüber müssen wir reden", die ethische Debatte müsse mit der Bevölkerung offen geführt werden. Karl Lauterbach widersprach: Wenn jemand, auch mit 90 Jahren, noch ein paar Jahre länger leben kann, "dann soll er die Chemotherapie auch bekommen können", sagte der SPD-Minister.

Die Krankenhäuser sollten lieber an anderer Stelle sparen: Es gebe zu viele unnötige Rückenoperationen und zu viele Hüftoperationen bei Menschen mittleren Alters. Schließlich korrigierte sich Janssens. Er wolle diese Eingriffe bei 90-Jährigen ja gar nicht verbieten, nur eben eine breitere Debatte und ein Bewusstsein schaffen, ob immer alles gemacht werden müsse, was medizinisch möglich sei.

So hat sich Sandra Maischberger geschlagen

In einer insgesamt unaufgeregten Sendung legte Maischberger einen unaufgeregten Auftritt aufs Talkshow-Parkett. Ein paar Mal konnte sie mit feiner Ironie die Positionen ihrer Gesprächspartner auseinandernehmen. Als Karl Lauterbach behauptete, Olaf Scholz sei angesichts des mangelnden Zusammenhalts in der Ampel "der geringste Vorwurf zu machen", kommentierte sie spitz: "Er ist ja nur der Kanzler!" Später verpasste sie aber die Gelegenheit, beim geplanten Cannabis-Gesetz bei Lauterbach nachzuhaken. Kommt es wirklich am 1. April? Warum gibt es immer noch so viel Gegenwind in seiner eigenen Fraktion und welche Schuld hat er daran?

Das ist das Fazit

Von den Emotionen her war Sandra Maischbergers Sendung am Mittwochabend kein großes Highlight. Intensive Rededuelle und hitzköpfige Vorwürfe: Fehlanzeige. Die Sendung lebte von den scharfen Analysen ihrer Gäste. Da war zunächst Frederik Pleitgen, der die Lage an der Front für die Ukraine viel weniger negativ darstellte, als es auch die Gastgeberin erwartet hatte. Wobei man natürlich nicht ausschließen sollte, dass der Militärgeheimdienst der Landes die Lage gegenüber einem einflussreichen westlichen Journalisten etwas rosiger darstellt, um die öffentliche Meinung im eigenen Sinne zu beeinflussen.

Besonders großen Unterhaltungsfaktor bot Politikjournalist Nikolaus Blome, der bei keinem Thema ein Blatt vor den Mund nahm und den Finger wirklich überall in die Wunde legte. Was natürlich auch bedeutet, dass es derzeit besonders viel zu kritisieren gibt: was die Weltlage, aber auch was die Art und Weise betrifft, wie Deutschland regiert wird.

Da konnte auch Karl Lauterbach nicht wirklich beschwichtigen, indem er Olaf Scholz aus der Schusslinie zu nehmen versuchte. Wenn der Kanzler nicht für den Zustand der Regierung verantwortlich ist – wer ist es denn dann bitte? Zumindest goss Lauterbach kein weiteres Öl ins Feuer. Er habe da jemanden ausgemacht, der eine Verantwortung für den Dauerstreit in der Koalition trägt. Nennen wollte Lauterbach die Person nicht. Der Gesundheitsminister fühlt sich auch für die Gesundheit der Regierung zuständig.

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