Das "Mini-Turnier" mit drei Länderspielen am Stück ist für Joachim Löw von großer Bedeutung. Der Druck auf den Bundestrainer nimmt von außen wie von innen immer weiter zu.

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Was waren das für Zeiten, in denen alles so unkompliziert und einfach war und am Ende auch erfolgreich. Länderspiele waren Highlights, echte Feiertage, denen die Fans oft schon Wochen zuvor entgegenfieberten.

Jetzt hapert es schon seit geraumer Zeit mit dem Gewinnen, bis auf die Spiele gegen kleinere Verbände in der EM-Qualifikation gab es für die deutsche Nationalmannschaft wenig Grund zur Freude. Das begann mit der spektakulär verhunzten WM vor zwei Jahren und setzte sich fort in der Nations League sowie dem einen oder anderen Testspiel gegen eine der großen Nationen. Die DFB-Auswahl kann in diesen Spielen offenbar nicht mehr gewinnen.

Löw immer noch im Fokus

Seit dem Desaster von Russland gelang in einem Pflichtspiel gegen einen Gegner auf Augenhöhe nur ein einziger Sieg, in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande. In der Nations League steht die Bilanz bei null Siegen, fünf Remis und einer Niederlage.

Erst vor ein paar Wochen startete die Mannschaft in die neue Nations-League-Saison mit zwei Unentschieden gegen Spanien und in der Schweiz. Nicht schlecht, aber halt auch nicht das, was man als Anhänger der deutschen Nationalmannschaft erwartet.

Die Verantwortlichen, allen voran Bundestrainer Joachim Löw, hatten in der Aufarbeitung des sportlichen Offenbarungseids vor zwei Jahren nicht nur eine neue Herangehensweise der Mannschaft angekündigt, sondern alsbald auch bessere Resultate.

Der Spielstil der Mannschaft hat sich seitdem tatsächlich verändert, er kommt frischer, schneller, zielstrebiger daher. Allerdings hapert es noch gewaltig mit den positiven Ergebnissen, weshalb Löw in der öffentlichen Wahrnehmung ganz besonders im Fokus steht.

Mehr Macht für die Klubs

Der Bundestrainer hat noch einen ganzen Strauß an Problemen zu bewältigen auf dem Weg zur Europameisterschaft im kommenden Sommer, sofern diese denn überhaupt nachgeholt werden kann. Das Vertrauen in seine und in die Stärke der Mannschaft ist noch lange nicht wiederhergestellt; und weil nun auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie diese Schwierigkeiten nochmals verschärfen, kommt den drei anstehenden Partien der Nationalmannschaft eine durchaus große Bedeutung zu.

Der Dreierschlag mit dem Testspiel gegen die Türkei sowie den beiden Nations-League-Duellen in der Ukraine und gegen die Schweiz wird für Löw zu einer Art Mini-Turnier, unter allerdings etwas kruden Vorzeichen.

Die heftigen Debatten um die Abstellungspflicht der Klubs während der Pandemie haben sich - zum Glück für Löw - in den letzten Tagen und Wochen zwar etwas entspannt. Die grundsätzliche Tendenz, dass fortan die Vereine der Spieler wieder etwas mehr Macht haben, wird den Verbänden allgemein und dem DFB im Speziellen aber eher nicht schmecken.

Bierhoff nimmt Vereine in die Pflicht

Bereits vor der letzten Länderspielpause im September hatten Oliver Bierhoff und Löw sowohl die Ansetzung der Spiele als auch das Verhalten einiger Klubs kritisiert. "Es kann nicht sein, dass es immer die Nationalmannschaft ist, die zurücksteckt", sagte Bierhoff in einem Interview mit "Sport1". Dem Teammananger ging es dabei um die Tatsache, dass Klubs ihre stark belasteten Spieler lieber zu Hause regenerieren lassen, statt sie auf Länderspielreisen zu schicken.

Vielmehr plädierte Bierhoff für ein Entgegenkommen der Vereine während der Saison. Auch bei der Nationalmannschaft nehme man "auf gewisse Dinge Rücksicht", sagte Bierhoff. "Aber es wird enorm wichtig sein für alle Beteiligten, die Spieler zu steuern, ihnen hier und da auch Pausen zu geben. Für uns ist die Weitsicht besonders wichtig, dass wir im nächsten Jahr bei der Europameisterschaft noch relativ frische Spieler haben, die nicht allzu kaputt sind."

Löw fand und findet die drei Termine in Folge unpassend. Drei Spiele in zehn Tagen halte er nicht für sinnvoll, so Löw im September. Weil aber der DFB mit seinen Vermarktern und der UEFA in längerfristig ausgehandelten Verträgen eine bestimmte Zahl an Pflicht- und Testspielen vereinbart hat, einige dieser Spiele im Frühjahr wegen Corona abgesagt wurden und nun nachgeholt werden müssen, stehen nun und vermutlich auch im kommenden März jeweils drei Spieltage während einer Länderspielpause an.

Bald mehr Absagen wegen Corona?

Zwar wurde die Abstellungspflicht nicht mehr - wie noch für die Spiele im September - aufgehoben, sondern an einige Bedingungen geknüpft, auf Sicht dürften aber eher die Klubs als die Verbände von den gelockerten Vorgaben profitieren. So müssen die Vereine ihre Spieler nicht mehr abstellen, wenn am Spielort "eine zwingende Quarantäne von mindestens fünf Tagen oder eine Reisebeschränkung zu einem dieser Orte" besteht.

Das wäre nun auch für die Ukraine der Fall gewesen, wo die deutsche Mannschaft am 10. Oktober spielen wird. Weil die Behörden aber eine sogenannte "spezifische Ausnahmebewilligung" erteilt haben, kann Löw beim Spiel in Kiew grundsätzlich auf alle Spieler zurückgreifen, die er auch nominiert hat. Anders als die Gastgeber übrigens: Dort wurden gleich fünf Spieler im Laufe der letzten Tage positiv getestet.

Wie die Lage dann aber im November aussehen wird, ist derzeit völlig offen. Dann stehen zwei Heimspiele gegen Tschechien (Testspiel) und die Ukraine an (Nations League) sowie das Nations-League-Auswärtsspiel gegen Spanien in Sevilla. Aus Sicht des DFB im schlimmsten Fall ohne einige seiner wichtigsten Spieler - je nach Großwetterlage der Pandemie. Oder aber, weil die Belastung der Spieler in dieser mit Terminen nur so vollgestopften Saison schon im Spätherbst so groß ist, dass sich der eine oder andere vorsorglich abmeldet.

Bierhoff erhöht den Druck

Für Löw sind das schwierige Voraussetzungen für eine ohnehin schon heikle Mission. Der Bundestrainer steht mit diesem konkreten Problem zwar nicht alleine da, auch andere Verbände und deren Trainer werden in Zukunft mit der einen oder anderen Absage mehr rechnen müssen.

Aber Löw ist in der Bringschuld. Er muss eine Mannschaft bauen, die im kommenden Sommer wettbewerbsfähig ist und auf dem Weg dorthin Ergebnisse erzielt, welche die vage Vorstellung von einer Mannschaft zurück auf dem Weg in die Spitze auch unterfüttern.

Und auch in den eigenen Reihen wird der Druck auf den Bundestrainer langsam erhöht. Die Mannschaft stehe auch wegen Corona vor besonders großen Herausforderungen, sagt Bierhoff. "Die wollen wir meistern und erfolgreich meistern. Wir wollen auf der Länderspielreise erfolgreich Fußball spielen, guten Fußball spielen und als Mannschaft zusammenfinden."

Klare Arbeitsaufträge an die Mannschaft - aber auch an den Bundestrainer, der nun in der Pflicht steht.

Verwendete Quellen:

  • sport1.de: Spielplan-Zoff: "Bierhoff stärkt Löw"
  • sportschau.de: "Bierhoff über Zuschauer, Coronafälle und umstrittene Testspiele"

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