Die Eintracht-Euphorie geht weiter: Im Halbfinale treffen die Frankfurter auf den englischen Giganten FC Chelsea. Keine Chance oder jetzt erst recht? Das Team von Adi Hütter geht als Außenseiter in die beiden Duelle mit dem Premier-League-Klub. Ein Sieg - und der Finaleinzug - ist nicht unrealistisch. Wir zeigen fünf Gründe, die im Halbfinale für Eintracht Frankfurt sprechen.

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Das Märchen geht weiter für Eintracht Frankfurt. Nächste Station: Der FC Chelsea. Im Halbfinale der Europa League trifft das Team von Adi Hütter auf das Londoner Starensemble - und hat realistisch gesehen nur eine minimale Chance auf den Einzug in die Finalrunde.

Doch die Frankfurter scheinen Rollenspiele nicht zu interessieren. "In der Europa League haben wir noch nie enttäuscht", sagte Trainer Hütter. Getreu dem Motto "Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie!" ist das Überraschungsteam der Europa League bereit für den Kampf zwischen David und Goliath. Wir nennen fünf Gründe, weshalb Eintracht Frankfurt den Riesen Chelsea besiegt.

1. Eintracht Frankfurt steht die Außenseiterrolle

"In der Europa League haben wir noch nie enttäuscht", sagte Adi Hütter nach dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg. In der Gruppenphase gewann Frankfurt alle sechs Spiele.

Dennoch galt der Bundesligist in keinem der K.o.-Spiele als Favorit - nicht gegen Schachtjor Donezk, Inter Mailand oder Benfica Lissabon. Verloren hat die Eintracht allerdings nur ein Spiel, das Hinspiel gegen Benfica Lissabon. Trotz vier Gegentoren und Roter Karte standen sie wieder auf und entschieden das Rückspiel mit 2:0 für sich.

"Gegen Chelsea wird es nicht einfach, aber es ist alles möglich", sagte Kapitän Makoto Hasebe. Weshalb sollte der Eintracht nicht das nächste Wunder gelingen?

2. Die Fans sind mehr als der zwölfte Mann

Die Fans von Eintracht Frankfurt beflügeln ihre Mannschaft. "Wir haben die Leidenschaft, die Begeisterung, die Emotion vom Publikum mitgenommen. Wenn man sich zum Beispiel diese Choreografie zu Beginn des Spiels anschaut, ist man verpflichtet, dass man 90 Minuten rauf und runter läuft", sagte Hütter nach dem Rückspiel gegen Benfica.

Die Rechnung ging auf. "Im Herzen von Europa" stand auf einem Spruchband in der Commerzbank Arena: Die Frankfurter Fans nehmen die Europa League ernst, haben Lust auf den internationalen Wettbewerb.

Zum Achtelfinal-Spiel gegen Inter reisten rund 20.000 Fans nach Mailand, viele ohne Eintrittskarte. Das spürt die Mannschaft und es ist gleichzeitig eine Warnung an den Gegner.

3. Chelsea muss gewinnen - die Eintracht kann gewinnen

Chelsea liefert sich in der Premier League ein Duell mit Arsenal und Manchester United um den letzten Startplatz für die Champions-League-Saison 2019/2020. Gewinnen die "Blues" die Europa League, ist der Startplatz sicher.

Das Team von Maurizio Sarri steht unter Druck. Platz vier oder schlechter ist nicht der Anspruch von Klubeigentümer und Milliardär Roman Abramowitsch. Chelseas Innenverteidiger Antonio Rüdiger sagte der dpa: "Wenn ich im zweiten Jahr nun die Europa League gewinne, hätten wir trotz dieser schwierigen Saison auf jeden Fall noch ein Happy End. Und das muss auch unser Ziel sein."

Während die Eintracht bereits alle Erwartungen übertroffen hat, muss Chelsea liefern.

4. Chelsea hat elf Stars, die Eintracht eine Mannschaft

Viel ist geredet worden über Frankfurts Multi-Kulti-Truppe. Schon nach dem DFB-Pokal-Sieg vergangenen Mai erstaunte der Zusammenhalt in einer Mannschaft mit Spielern aus 17 Nationen. Der Zusammenhalt ist geblieben, die Herausforderungen gewachsen.

Eine zusammengekaufte Starauswahl hat die Eintracht nicht. Die größten "Stars", wie Luka Jovic oder Ante Rebic, kamen als Leihspieler oder wie Sebastien Haller für eine geringe Summe aus dem Ausland. Als Einheit motivieren sich die Spieler von einer Hürde zur nächsten.

"Jeder muss für den anderen rennen, kämpfen und verteidigen", sagte Kevin Trapp jüngst. Eine Botschaft an das Team, über sich hinauszuwachsen. Superstars und Individualisten wie Eden Hazard, N'Golo Kante, Willian oder Jorginho hat die Eintracht nicht - ihr großer Vorteil.

5. Harte Arbeit schlägt Zauberfußball

Keine Frage: Die Eintracht wird die Leistungsträger Sebastien Haller und Ante Rebic im Hinspiel gegen Chelsea vermissen. Hallers Rückkehr nach seiner Bauchmuskelverletzung ist unklar, Rebic ist gelb gesperrt.

Das Zepter übernehmen die heimlichen Superstars, die entscheidend sind für den Erfolg der vergangenen Monate, wie das Viertelfinal-Rückspiel zeigt. Sebastian Rode, der bei Bayern und beim BVB scheiterte, erzielte das 2:0 gegen Benfica. Zuvor stoppte er in bester Innenverteidiger-Manier Ball um Ball im Lissabonner Mittelfeld.

Mitspieler Gelson Fernandes sagte danach: "Chelsea? Gut, die haben Hazard und so - aber der Seppi ist bereit!" Hinzu kommt Hasebe mit einer starken Zweikampfquote von 70 Prozent. Der 35-Jährige spielt die beste Saison seiner Karriere.

Der beim HSV aussortierte Filip Kostic erzielte gegen Benfica den Führungstreffer. Danny da Costa hat in dieser Saison 44 Pflichtspiele absolviert, mehr als jeder andere. Adi Hütter braucht ihn, den Arbeiter. Sie alle sind der Beweis: Motivation und harte Arbeit sind oft mehr wert als Talent und ein Zauberfüßchen.

Verwendete Quellen:

  • www.fr.de: "Antonio Rüdiger hat Respekt vor Eintracht Frankfurt"
  • www.fr.de: "Eintracht Frankfurt hat Chelsea im Kopf"
  • www.kicker.de: "Hütter: "Noch nie in der Europa League enttäuscht""
  • www.uefa.com: "Zahlen & Fakten: Frankfurt - Chelsea"
  • www.youtube.com: "Eintracht Frankfurt: Neue Euphorie am Main | ZDF SPORTreportage"
  • www.faz.net: "Der Hüter des Luftschlosses"
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