Der Beraterwechsel von Jerome Boateng erinnert an Robert Lewandowskis Aktion, als der einst zu Real Madrid wechseln wollte. Dabei hat Niko Kovac beim FC Bayern zuletzt vermehrt auf Boateng gesetzt. Dass dieser seine Zukunft offenbar dennoch nicht in München sieht, könnte den FCB in große Not bringen.

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Die Nachricht hätte kaum höhere Wellen schlagen können. Als die Meldung Ende Februar 2018 publik wurde, dass Robert Lewandowski seinen Berater gewechselt hatte, sorgte das für Aufsehen. Lewandowskis neue rechte Hand hieß fortan Pini Zahavi. Der berühmt-berüchtigte Spielerberater aus Israel sollte den Traum Real Madrid wahr werden lassen, am Ende platzte aber der Traum, weil Bayern hartnäckig blieb und die Königlichen andere Träume verfolgten.

Nun hat Jerome Boateng in die gleiche Trickkiste gegriffen und ebenfalls den Berater gewechselt. Auch er möchte den FC Bayern allem Anschein nach verlassen. Nicht etwa, weil er den nächsten Karriereschritt machen möchte, sondern weil er sich beim deutschen Rekordmeister nicht mehr gebraucht fühlt - und das schon seit zwei Jahren.

Boateng spielt, weil dem FC Bayern die Alternativen fehlen

Kurios an der Sache ist, dass der FC Bayern Boateng zuletzt sehr wohl brauchte. In fünf der jüngsten sechs Pflichtspiele beorderte Niko Kovac den Weltmeister von 2014 in die Startelf. Allerdings nicht, weil Boateng plötzlich wieder zur Form von vor drei Jahren aufläuft oder weil Kovac dessen neue Frisur so gut gefällt, nein. Der Grund ist simpel: Kovac fehlen die Alternativen.

Mit David Alaba und Lucas Hernandez fielen zuletzt gleich zwei Stammverteidiger verletzt aus. Da Kovac Joshua Kimmich aktuell lieber als Sechser aufbietet, Benjamin Pavard somit auf die Rechtsverteidigerposition rückt und Javi Martinez im internen Ranking das untere Ende der Nahrungskette bildet, bleiben nur noch Niklas Süle und eben Boateng übrig.

Boatengs Glück ist jedoch voraussichtlich nur von kurzer Dauer. Hernandez hat sich bereits wieder zurückgemeldet, Alaba wird ebenfalls zeitnah wieder seinen Platz auf der linken Abwehrseite einnehmen. Für Boateng bliebe dann erneut nur die Ersatzbank.

Jerome Boateng: Im dritten Anlauf soll's klappen

Ein Platz, den der Innenverteidiger aus der abgelaufenen Saison nur allzu gut kennt. So legte ihm sein Präsident Uli Hoeneß in charmanter Art und Weise nach Saisonende nahe, doch bitte lieber den Verein zu wechseln. Bei den Bayern sei er nur noch ein "Fremdkörper".

Eben jener "Fremdkörper" hätte den Klub tatsächlich gerne schon 2018 gen Paris Saint-Germain verlassen, Kovac legte bei seinem Amtsantritt an der Säbener Straße jedoch sein Veto ein, er brauche Boateng, betonte der kroatische Coach damals. Das Ende vom Lied: Er brauchte ihn nicht.

So durchlebte Boateng eine durchwachsene Saison mit wenigen Höhen und vielen Tiefen wie etwa der DFB-Ausbootung. Im abgelaufenen Sommer sollte der Wechsel also endlich klappen. Juventus Turin lockte, entschied sich kurz vor knapp aber doch gegen einen Boateng-Transfer.

An den Plänen des 31-Jährigen scheint das nichts geändert zu haben. Der Beraterwechsel von Christian Nerlinger weg und hin zur umstrittenen Berater-Agentur LIAN Sports ist ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl. Laut "Bild" soll der bei LIAN Sports tätige Berater Fali Ramadani mit Angeboten von anderen Klubs gelockt haben. Im dritten Anlauf soll's nun endlich klappen - und zwar gerne schon im Winter.

Ein Wechsel von Boateng könnte den FC Bayern in Not bringen

Womit wir wieder bei Lewandowski wären. Den Polen ließen die Münchner aufgrund seines enormen Wertes für die Mannschaft nie ziehen, ähnlich sollte der Klub auch mit Boateng verfahren. Zumindest im Winter.

Denn was gerne vergessen wird: Boateng ist die erste Alternative in Bayerns Hintermannschaft, weil die Personaldecke dünner kaum sein könnte. Kimmich, Alaba, Hernandez, Süle, Pavard, Boateng - das war’s. Mehr Verteidiger stehen Kovac nicht zur Verfügung, außer man rechnet den degradierten Martinez noch mit ein. Kovac selbst scheint ihn allerdings nicht einzurechnen.

Damit brächte ein Boateng-Abgang im Winter den FCB in große Not. Adäquater Ersatz wäre kaum zu finden. Zudem: Boateng mag kein Weltklasse-Verteidiger mehr sein. Ein richtig guter Verteidiger ist er aber noch immer.

Ob Boateng sich mit der Rolle des ersten Backups zufriedengibt, steht freilich auf einem anderen Blatt. Der Beraterwechsel lässt grüßen. Boateng macht’s also wie Lewandowski. Und Bayern sollte auch dieses Mal hartnäckig bleiben - zumindest im Winter.

Quelle:

  • kicker.de: Boateng: Besser als sein Ruf
  • sport1.de: Darum wechselt Boateng den Berater
  • goal.com: Lewandowski wechselt zu Berater Pini Zahavi: "Jetzt muss ich meine Arbeit machen"

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