• Ohne Robert Lewandowski fehlt dem FC Bayern die Torgarantie.
  • Julian Nagelsmann steht vor einer taktischen Herausforderung.
  • Der Münchner Plan steht längst. Aber: Geht er auch auf?
Eine Analyse
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Der Abschied für Robert Lewandowski fiel bei Social Media im siedend heißen München unterkühlt aus. Gerade mal zwei emotionslose Postings bei Instagram war dem FC Bayern ein "Servus" an den 33-jährigen Superstürmer wert. Und das nach acht Jahren voller Rekorde, Titel und Tore. Einzig 76 Treffer hatte der polnische Nationalspieler in den vergangenen zwei Bundesliga-Jahren erzielt.

FC Bayern: Unterkühlte Trennung von Robert Lewandowski

Vorstandschef Oliver Kahn wurde mit den Worten zitiert: "Große Spieler haben den Klub in der Vergangenheit verlassen, und auch danach ist die Welt des FC Bayern nicht untergegangen. Im Gegenteil, es ging oft mit noch größerem Erfolg weiter." Während die Ablöse des FC Barcelona von 45 Millionen Euro plus möglicher Boni öffentlich als Erfolg verkauft wird, stellt sich intern eine Frage, die die kommenden Monate bestimmen wird: Wie nur die Torgefahr Lewandowskis ersetzen?

Der Plan von Julian Nagelsmann steht. So wird laut "tz" eine Systemumstellung erwartet, die das Spiel des deutschen Rekordmeisters noch unberechenbarer machen soll. Dank Sadio Mané. Der Neuzugang, gekommen für kolportiert 32 Millionen Euro Ablöse (plus Boni) vom FC Liverpool, soll die Lewandowski-Lücke in Co-Produktion mit Serge Gnabry füllen, der seinen Vertrag gerade erst bis 2026 verlängert hat.

Julian Nagelsmann setzt wohl konsequent auf ein 4-3-3

Dem Bericht zufolge will Nagelsmann künftig konsequent auf ein konventionelles 4-3-3 setzen, nachdem sein Experiment mit einem 3-2-4-1-System mehr oder minder funktioniert hat. Und nachdem das 4-2-3-1 mit (sehr) hochstehenden Außenverteidigern gravierende Mängel bei explosivem Umschaltspiel des Gegners offenbart hatte.

Worum es Nagelsmann dabei geht? Um noch mehr Pressing am gegnerischen Strafraum und Gegenpressing bei Ballverlust. Dem 30-jährigen Mané kommt dabei nicht nur wegen seiner Antrittsgeschwindigkeit und Dynamik eine wesentliche Bedeutung zu. Er macht das Spiel variabler, während es früher in vorderster Linie hauptsächlich auf Lewandowski zugeschnitten war. So wird Nagelsmann in der kommenden Saison wohl mit keinem klassischen Mittelstürmer spielen.

Es ist das Comeback der "falschen Neun" in München, nachdem einst der Spanier Pep Guardiola (2013 bis 2016) diese Spielidee begründete. Und von dem Nagelsmann eigenen Aussagen zufolge ein großer Fan ist. Im Kreuzspiel und per Seitenverlagerung wird sich Mané die Rolle des zentralen Stoßstürmers mit Gnabry – vornehmlich über rechts kommend – und Kingsley Coman sowie Leroy Sané teilen. Während der jeweils andere Spieler auf den Außen kreuzt. Rechtsfuß Mané bringt die besten Eigenschaften mit.

Noch mehr Pressing mit Sadio Mané

"Die Art und Weise, wie der FC Bayern in Zukunft mit mir spielen will, hat mich sofort fasziniert. Dieses hohe Pressing kenne ich auch von meinen vorherigen Stationen", erklärte Mané der "Sport Bild" vielsagend: "Das System von Bayern ähnelt dem von Liverpool schon sehr." Bei Gnabry dürfte indes die Aussicht auf die Angriffsmitte nach ewigem Hin und Her ein wichtiger Grund für die Vertragsverlängerung gewesen sein – neben deutlich verbesserten Bezügen.

"Ich denke, dass ich auf der Position als Mittelstürmer in der Vergangenheit eigentlich einen ganz guten Job gemacht habe. Auch wenn es nicht unbedingt meine Stammposition ist", sagte der 27-jährige Schwabe kürzlich bei der Nationalmannschaft. Und im Gespräch mit den Fußball-Portalen "Spox" und "Goal" erklärte er zu seiner Lieblingsposition: "Schwierig zu sagen. Ich habe ein bisschen mehr Spaß im Sturmzentrum, denn auf dieser Position habe ich schon in der Jugend immer gespielt."

Sadio Mané war schon beim FC Liverpool ein verkappter Mittelstürmer

Doch: Am Beginn jedes Plans steht erstmal die Theorie. Die Umsetzung ist der zweite Schritt. Ein Blick auf die Zahlen. Schon LFC-Coach Jürgen Klopp setzte Mané in der vergangenen Saison mangels Alternativen wiederholt als verkappten Mittelstürmer ein. In neun Einsätzen in der Rückrunde auf dieser Position kam der Senegalese immerhin auf acht Tore. Im verlorenen Champions-League-Finale gegen Real Madrid blieb Mané jedoch just als Mittelstürmer wirkungslos.

Und Gnabry? Der gebürtige Stuttgarter durfte sich zum Ende der Ära Joachim Löw im DFB-Team mehrmals als klassischer Mittelstürmer beweisen. Die Bilanz fällt eher gemischt aus. Während ihm so im Frühjahr und Herbst 2019 gegen die Niederlande (3:2) und gegen Argentinien (2:2) je ein Tor gelang, blieb er sowohl beim desaströsen 0:6 in der Nations League gegen Spanien als auch in vier Spielen der EM 2021 ohne einen einzigen Treffer. Bei Löw-Nachfolger und Ex-Bayern-Trainer Hansi Flick darf er nur auf Rechtsaußen ran.

Können Mané und Gnabry Lewandowski ersetzen?

Bleibt die Frage, ob die beiden gemeinsam in der Lage sind, die schiere Anzahl der Lewandowski-Treffer zu kompensieren? Der Pole erzielte im Schnitt 29,75 Tore pro Bundesliga-Saison. In der Spielzeit 2021/22 kamen Mané (Premier League, 16 Treffer) und Gnabry (Bundesliga, 14) wiederum zusammen auf eben jene Anzahl.

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Verwendete Quellen:

  • Sport Bild: Mané: Darum wollte ich nur zu Bayern
  • Münchner tz: Ohne Lewandowski: So plant Bayern die Offensiv-Revolution
  • transfermarkt.de: Spielerprofil Serge Gnabry DFB-Team
  • Spox.com: Serge Gnabry - "Ich bin nicht zufrieden mit mir

Mané und de Ligt feiern Traumeinstand im Bayern-Dress

Die beiden Star-Neuzugänge Sadio Mané und Matthijs de Ligt haben einen Traumeinstand im Trikot des FC Bayern gefeiert. Beim deutlichen 6:2 (3:0)-Testspielsieg im Rahmen der USA-Reise gegen DC United traf Mané nach nur 4:15 Minuten zur Führung, de Ligt war noch schneller und brauchte nur 1:35 Minuten für seinen Debüttreffer.