• Borussia Dortmund hofft nach dem Derbysieg auf ein Ende des Durchhängers.
  • Emre Can ist als Anführer gefragt.
  • Die nächsten Bewährungsproben für Can und den BVB warten schon.
Eine Analyse
von Andreas Reiners

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Manchmal reicht ein Knalleffekt. Ein Weckruf, ein Alarmsignal. Ein reinigendes Gewitter. Ein Zeichen.

Wie man es am Ende auch bezeichnet: Bei Emre Can hat es offenbar Wirkung hinterlassen, denn der 27-Jährige findet langsam, aber sicher wieder in die Spur, nachdem der Nationalspieler in dieser Saison lange hinter den Erwartungen zurückgeblieben war.

Emre Can: Beim BVB vom Anführer zum Ersatzmann

Als er am 30. Januar beim Sieg von Borussia Dortmund gegen den FC Augsburg nur auf der Bank saß, schrillten nicht nur bei ihm die Alarmglocken: Vom Anführer zum Ersatzmann, hieß es da in den Medien. Der als Mentalitätsmonster verpflichtete Can als Sorgenkind in der Sinn- und Formkrise?

Von der Hand zu weisen war der Vorwurf nicht: Cans Leistungen schwankten, der defensive Mittelfeldspieler war eines der Gesichter der Krise des BVB. Der Platz auf der Bank war nicht nur ein Denkzettel, sondern die logische Folge davon, dass andere schlicht besser waren, ob nun in der Schaltzentrale des BVB oder in der Verteidigung, wo der Allrounder auch spielen kann, wenn Not am Mann ist.

Die Zahlen stimmen

Doch das Gesamtpaket Can ist in dieser Saison noch zu oft unrund. Dabei sind die Zahlen gar nicht schlecht, auch wenn sie natürlich nur ein Teil des Ganzen sind: Can hat in dieser Saison 322 Zweikämpfe absolviert, von denen er 211, also 65,53 Prozent, gewonnen hat.

Seine Passquote: Ebenfalls gute 89,18 Prozent, bei rund 76 Ballkontakten pro Spiel und insgesamt 1.054 Pässen. Doch die Macher bei Borussia Dortmund hatten bei seiner Verpflichtung vor rund einem Jahr nicht nur die spielerischen Qualitäten gelobt: "Bei uns soll er vor allem mit seiner Mentalität vorangehen und Signale an die Mitspieler geben", hatte Sportdirektor Michael Zorc erklärt.

Davon war jedoch zu selten etwas zu sehen. Mit ein Grund dafür, warum Borussia Dortmund unter Interimstrainer Edin Terzic unter anderem wegen einer seltsamen Leidenschaftslosigkeit und mentalen Malaise in die Krise schlitterte.

Der "Dreier" gegen Augsburg war in der Bundesliga bis zum vergangenen Wochenende der einzige in sechs Spielen. Beides ging dabei Hand in Hand: Wo sich die Mannschaft unter Terzic finden musste, war auch Can nicht auf der Höhe, konnte keine Impulse setzen.

Führungsspieler sind gefragt

Doch genau das ist eine Phase, in der Spieler wie er Zeichen setzen und vorangehen sollen und müssen. Sie sollen aufrütteln, aufwecken, motivieren und antreiben. In einer Mannschaft, die mit so vielen jungen Spielern gespickt ist wie der BVB, sind Führungsspieler wie Can essentiell.

Can hat seit Augsburg in fünf Pflichtspielen in Liga, DFB-Pokal und Champions League keine Minute mehr verpasst, und eine Besserung setzte ein. Meistens spielte er in der Abwehr, und das oft solide. Doch möglicherweise war vor allem die vergangene Woche eine Art Befreiungsschlag.

Ausgelöst durch den durchaus überraschenden 3:2-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim spanischen Spitzenklub FC Sevilla und verstärkt durch den Ärger mit seinem Teamkollegen Mats Hummels: Beide waren nach dem 2:3-Anschlusstreffer der Andalusier aneinandergeraten, weil Can bei einem Standard schlief – und das nicht zum ersten Mal.

Die Zeichen kommen

Erst der Weckruf Augsburg also, nun das reinigende Gewitter. Eine unmittelbare Folge war der souveräne 4:0-Erfolg im Revierderby bei den - zugegebenermaßen schwachen – Schalkern.
Doch jetzt kommen sie, die Zeichen, auch von Can.

Auf Schalke ließ der BVB nichts anbrennen, auch Can nicht, der in der Innenverteidigung für den verletzten Manuel Akanji einsprang und sowohl hellwach als auch präsent war. Bereits in Sevilla war er endlich wieder mehr der Anführer, den sie in Dortmund so gerne sehen wollen. Der "aggressive Leader", wie es so schön heißt.

Mehr Mentalität, mehr Leidenschaft – es ist ein Anfang, doch der BVB und Can wirken wesentlich befreiter, was möglicherweise auch damit zusammenhängt, dass die Hängepartie in der Trainerfrage mit der Personalie Marco Rose abschließend beantwortet wurde.

Can: "Die Gier war groß"

"Die Gier war groß, wir wollten ein Zeichen setzen. Jeder weiß, was das Spiel für die Fans bedeutet. Wir wollten drei Punkte holen, dafür kämpfen - das haben wir gut gemacht und verdient den Sieg geholt", sagte Can.

Gegen Sevilla habe man schon gut gestanden, gegen Schalke ebenso, sagte Can. "Wir haben einen guten Plan, wenn jeder die Extraschritte macht, sind wir einfach nur stark. Wir dürfen nicht nachlassen und müssen das in jedem Spiel zeigen. Dann können wir hoffentlich noch eine erfolgreiche Saison spielen", betonte er.

Wann die Saison erfolgreich ist, ist klar: "Die Champions League ist ein Muss! Ich kann mir nicht vorstellen, nicht international zu spielen", betonte Can.

Siege müssen her

Dafür müssen weitere Siege her. Borussia Dortmund hat als Sechster 36 Punkte, der Rückstand auf den vierten und damit Champions-League-Platz beträgt sechs Punkte.

Nach dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld (27. Februar) steht am 2. März das DFB-Pokal-Viertelfinale bei Borussia Mönchengladbach und dem künftigen BVB-Coach Rose an, anschließend geht es am 6. März zum FC Bayern, ehe drei Tage später Sevilla nach Dortmund kommt.

Keine Frage: Die Zeiten sind reif für weitere Zeichen. Nicht nur für den BVB, sondern auch für Can.

Verwendete Quellen:

  • Sport.de: Statistik Zweikämpfe
  • Kicker.de
  • Sky.de
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