Borussia Dortmund hat die Pflicht erledigt und bereitet sich nun auf die Wochen der Wahrheit vor: Die Voraussetzungen scheinen gut, die Mannschaft auf einem ordentlichen Weg. Aber kann das reichen gegen die kommenden Gegner von höchstem Format?

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An den nackten Zahlen kommt niemand vorbei - und die sprechen aktuell eine ziemlich eindeutige Sprache. Borussia Dortmund ist die zweitbeste Mannschaft des Kalenderjahres, nur Bayer Leverkusen (28 Punkte) hat in der Rückserie mehr Punkte eingesammelt als der BVB (23). In den letzten 15 Pflichtspielen kassierte die Borussia nur eine Niederlage – mit 2:3 zu Hause gegen Hoffenheim – und blieb in den letzten vier Spielen siegreich.

Am Sonntag nun schaffte Edin Terzic‘ Mannschaft sogar den ersten Sieg in dieser Saison über eine der Top-6-Mannschaften und zeigte dabei gegen Eintracht Frankfurt eine Konstanz über 90 Minuten, die lange schmerzlich vermisst wurde und für den Rest der Saison als Basis dienen sollte.

Zwar war auch beim letztlich souveränen 3:1 über den Verfolger nicht alles gut, leistete sich die Mannschaft besonders in der zweiten Halbzeit ein paar technische Fehler zu viel und auch der Makel der individuellen Missgeschicke bleibt ein treuer Begleiter. Überdies war die Eintracht auch kein besonders herausfordernder Gegner und enttäuschte abgesehen von zwei, drei guten Umschaltmomenten.

Aber im Dortmunder Spiel war endlich mal wieder so etwas wie ein Plan in allen Spielphasen erkennbar: Mit dem Ball suchte und fand die Mannschaft immer mal wieder die Halbräume und konnte von dort aus gefährlich werden. Auch die oft eingestreuten Spielverlagerungen machen Hoffnung, das Gegenpressing funktionierte ganz passabel und auf die Standards bleibt in dieser Saison weiterhin Verlass.

Gut - aber noch nicht gut genug

Nun sind das noch keine Meilensteine nach einem Pflichtsieg zu Hause gegen einen überschaubar starken Gegner. Aber der Trend zeigt in den letzten Wochen zumindest wieder leicht nach oben, der prall gefüllte Kader bietet Cheftrainer Terzic viele Variations- und auch Rotationsmöglichkeiten. Und in der nun anstehende Länderspielpause hat Terzic so viele Nationalspieler wie selten zuvor bei sich und darf sich über ein weiterhin hohes Trainingsniveau freuen.

Die Vorzeichen für den Mini-Restart Ende März sind also ganz gut. Allerdings könnten auch die Aufgaben dann kaum größer sein. Auf den BVB wartet ein Hammer-Programm, wie auch Mats Hummels am Dazn-Mikrofon schon ankündigte.

Nacheinander heißen Bayern München, der VfB Stuttgart, Atletico in der Champions League, Borussia Mönchengladbach, wieder Atletico, Bayer Leverkusen und RB Leipzig die kommenden Gegner. Und man ist geneigt zu behaupten, dass jede dieser sieben Partien einem Endspiel für den BVB gleichkommt.

"Man kann die Spiele immer mal verlieren oder unentschieden spielen - aber ich hoffe, dass wir vor allem spielerisch ein anderes Bild abgeben", sagte Hummels am Sonntag und deutete schon an, wo der BVB trotz der zuletzt guten Ergebnisse im Vergleich zu den meisten dieser Teams tatsächlich anzusiedeln ist.

Eine Leistung wie gegen die Eintracht dürfte in der Allianz Arena kaum für Punkte reichen und auch im Heimspiel gegen den bärenstarken VfB wird dann wohl eine Steigerung von Nöten sein. Der BVB wird in diesen beiden Spielen dringend punkten müssen, wenn die Chance auf Platz vier erhalten bleiben soll. Denn auch das weisen die nackten Zahlen aus: Zwar hat die Mannschaft aktuell nur drei Punkte weniger auf dem Konto als zum selben Zeitpunkt der Beinahe-Meister-Vor-Saison.

Aber die Borussia liegt eben nicht auf Rang zwei wie damals und in Lauerstellung auf den Spitzenreiter. Der BVB muss mit aller Macht Platz vier und damit die Champions-League-Qualifikation verteidigen. Gegen ein RB Leipzig, das seine Schwächephase offenbar überwunden hat und von Woche zu Woche stärker wird, das auch keine Doppelbelastung mehr hat und den BVB in ein paar Wochen zu Hause in Leipzig erwartet.

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"Wir wissen, dass es keine Verschnaufpause mehr geben wird und es nicht viele Ausrutscher geben darf. Die Kategorie an Gegnern wird uns alles abverlangen", weiß auch Trainer Terzic. Vor dem Spiel gegen Frankfurt war Platz vier vorübergehend an Leipzig verloren, die Stuttgarter schon neun Punkte enteilt.

Den Druck konnte Terzic‘ Mannschaft einmal mehr gut kanalisieren, auch das war ein positives Zeichen. Aber der BVB hat mit den drei Liga-Siegen zuletzt lediglich den Status Quo gewahrt, seine Hausaufgaben erledigt. Mehr auch nicht. Die entscheidenden Duelle stehen erst jetzt an, gegen die direkte Konkurrenz - gegen die in der Hinserie kaum etwas zu holen war: Aus den vier Spielen gegen die Bayern, Stuttgart, Leverkusen und Leipzig holte Dortmund nur einen einzigen Punkt.

"Wir werden uns gut vorbereiten und dann allen zeigen, dass unsere Saison noch lange nicht vorbei ist", kündigte Terzic eine andere Borussia für die Hochphase der Saison an. Der leichte Aufwärtstrend mag dafür ein wichtiger Schritt gewesen sein und auch die Voraussetzungen sind gut. Aber die Mannschaft wird es nun auch umsetzen müssen. Ab sofort kann jeder Fehltritt entscheidend sein.

Verwendete Quellen

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