Pech beim Sendeplatz: Erst eine gute Woche nach der Einigung auf Ursula von der Leyen als Kandidatin für den EU-Kommissionsvorsitz, ist die Postenvergabe auch bei Frank Plasbergs "Hart, aber fair" Thema. Hätte sie aber gar nicht sein müssen, denn wirklich Neues kam dabei auch nicht heraus.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Selten zuvor gab es so viel Aufregung um eine "Hart, aber fair"-Ausgabe wie in der vergangenen Woche. Frank Plasberg diskutierte zu der Frage, wie gefährlich rechter Hass ist und hatte dazu den AfD-Mann Uwe Junge eingeladen.

Das sorgte bereits vor der Sendung für große Kritik, man dürfe Junge nach dem Tod von Walter Lübcke nicht noch eine Plattform bieten. Und in der Tat schlug sich Plasberg denkbar schlecht.

In der jüngsten Ausgabe von "Hart, aber fair" war eine solche Brisanz nicht zu erwarten. Nicht etwa wegen der Gäste, sondern vielmehr, weil das Thema eine Woche nach der Ernennung Ursula von der Leyens zur Kandidatin für den Posten des EU-Kommissionsvorstandes eigentlich schon durch ist.

"EU-Postengeschacher: Kungelei statt Wählerwille", darüber wollte Plasberg trotzdem mit seinen Gästen sprechen.

Mit diesen Gästen diskutierte Frank Plasberg bei "Hart aber fair":

  • Michael Roth (SPD), Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt
  • Ska Keller (Die Grünen/EFA), Fraktionsvorsitzende im Europäischen Parlament
  • Matthias Krupa, Europa-Redakteur der "Zeit"
  • Thomas Freitag, Kabarettist
  • Daniel Caspary (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe (EVP) im Europäischen Parlament

Das war das Problem bei der Gäste-Auswahl:

"Zerbricht so weiter das Vertrauen in Europa?", fragt Frank Plasberg gleich zu Beginn der Sendung. Die Auswahl der Gäste ließ dabei Zweifel, ob die Redaktion hier wirklich Interesse an einer belastbaren Antwort gehabt hat: ein Kabarettist, ein Journalist und drei Politiker – so honorig die Gäste auch sein mögen, eine Stimme aus der Demokratieforschung hätte der Runde sicher gutgetan.

Dementsprechend ging es wenig bis gar nicht um handfeste Erkenntnisse, wie sich die Kandidaten-Findung auf das Demokratie-Empfinden der EU-Bürger niedergeschlagen hat.

Stattdessen gab es viel zu oft die für Polittalkshows ebenso obligatorischen wie nervigen "Aber Ihre Partei hat doch"-Kleinkriege, vor allem zwischen Daniel Caspary und Michael Roth.

Darüber diskutierte die Runde von Frank Plasberg:

Die Entscheidungsfindung:

"Meine erste Reaktion war Fassungslosigkeit, dass es einigen Staats- und Regierungschefs und auch einigen Kollegen im Europäischen Parlament gelungen ist, unseren Spitzenkandidaten wirklich zu verhindern", erklärt CDU-Mann Daniel Caspary.

Insbesondere dass die Sozialisten und die Liberalen im Europäischen Parlament nicht in der Lage waren, Manfred Weber zu unterstützen, ärgert ihn: "Das ist nicht unser Fehler, wir sind hier nicht Täter, sondern Opfer."

Von der Aussage, die Kandidatenwahl sei im Hinterzimmer ausgemacht worden, will Matthias Krupa nichts wissen: "Das Hinterzimmer ist eine der nobelsten Institutionen der EU. Es ist Gremium der demokratisch legitimierten Regierungschefs."

Thomas Freitag sieht diesbezüglich Reformbedarf in der EU: "Die Politik muss wagen, demokratischer zu werden. Die Bürger sind weiter, als die Politik glaubt. Ich glaube, dass sie im Klimaschutz weiter sind, dass sie bei der Kernkraft weiter waren. Sie waren immer weiter."

Ursula von der Leyen:

"Ursula von der Leyen könnte eine Belastung für die EU-Kommission werden", erklärt Michael Roth mit Blick auf die zahlreichen Probleme von der Leyens wie die Berater-Affäre oder die Causa Gorch Fock.

Roths Fazit: "Wenn ich mir ihre bisherige politische Arbeit anschaue, dann habe ich Sorgen." Naturgemäß anders sieht es Daniel Caspary: "Ursula von der Leyen ist eine hervorragende Ersatzlösung."

Von Ska Keller wollte Frank Plasberg ganz genau wissen, wie sie zu von der Leyen steht und ob die Grünen sie wählen werden. Die Grünen -Politikerin erklärte, dass es ihr vor allem darum gehe, welche Inhalte von der Leyen umsetzen möchte: "Wir werden uns gerne alle Vorschläge anhören, aber es sprechen alle möglichen Gründe gegen eine Wahl."

Dass sich Keller damit ein Hintertürchen für Forderungen an von der Leyen offen hält, erkennt Thomas Freitag: "Das ist doch jetzt ein Poker, der beginnen könnte. Da könnte man doch ein bisschen was rausholen." "Die Tür versucht Frau Keller gerade aufzumachen", fügt Matthias Krupa hinzu.

Reformvorschläge und Migrationspolitik:

Bei den Reformvorschlägen bleibt vor allem die Idee von Thomas Freitag im Gedächtnis, die einzelnen Kandidaten in ganz Europa Werbung für ihre Sache machen zu lassen, inklusive einer Übersetzung in die jeweilige Landessprache.

Sein Argument: "Wenn wir schon diesen dussligen Eurovision-Song-Contest hinbekommen ...". Ein wenig überraschend kam am Ende noch einmal die Migrationspolitik und deren Verbesserung auf den Tisch.

So schlug sich Frank Plasberg:

Zwar war Plasberg durchaus bemüht, seine Fragen hart(-näckig), aber fair zu stellen, bisweilen gingen ihm aber die Gäule durch.

So fragte er zum Beispiel, nachdem Michael Roth die Fremdsprachenkompetenz Frans Timmermans ansprach, bei Ska Keller unnachgiebig nach, wie viele Sprachen sie denn spreche, statt ihr einfach zuzuhören. Das war ebenso unhöflich wie sinnfrei.

Was zudem unangenehm auffiel, war Plasbergs wilder Ritt durch die Themen. Warum nun zum Beispiel ausgerechnet die Migrationspolitik der EU zur Sprache kam, verwundert. Immerhin versuchte Plasberg dabei, noch einen Bogen zu von der Leyen zu spannen, nur hätte er dafür auch jedes andere Thema nehmen können.

Das Fazit der "Hart, aber fair"-Ausgabe:

"Zerbricht so weiter das Vertrauen in Europa?", wollte Frank Plasberg am Anfang der Sendung wissen und man hatte nicht das Gefühl, dass er seine eigene Frage am Ende noch wusste. Eine Antwort darauf gab es jedenfalls nicht, neue Erkenntnisse auch nicht.

Stattdessen beendete Plasberg die Runde lieber mit der Frage, welches Lied sich seine Gäste für Ursula von der Leyens Zapfenstreich-Abschied von der Bundeswehr wünschen würden. Kurzum: Eine Ausgabe, die man sich vollumfänglich hätte sparen können.

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