Die deutsche Nationalmannschaft kann auch gegen die Türkei nicht gewinnen. Erneut verspielt das DFB-Team eine Führung. Das ruft Lothar Matthäus auf den Plan - er übt deutliche Kritik und nennt dabei explizit Bundestrainer Joachim Löw.

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Die deutsche Nationalmannschaft hat erneut eine Führung nicht über die Zeit gebracht. Wie schon gegen die Schweiz und Spanien Anfang September reichte es am Mittwochabend im Freundschaftsspiel gegen die Türkei nur zu einem Unentschieden (3:3).

Lothar Matthäus übte nach dem erneuten Remis deutliche Kritik und nannte dabei explizit Bundestrainer Joachim Löw. "Deutschland hat jetzt zum fünften Mal die Führung verspielt, gegen die Türkei dreimal in einem Spiel. Wieder kosteten taktische Fehler von Jogi Löw bei den Einwechslungen den Sieg", sagte der ehemalige Kapitän des DFB-Teams der "Bild". Matthäus, inzwischen als Experte für "Sky" tätig, fand die Löw-Wechsel zu defensiv.

Löw verteidigt Wechsel

Der Bundestrainer verteidigte seine Arbeit, er betonte nach dem Spiel: "Wir haben heute ganz bewusst gesagt: Wir gucken, dass wir das Wechselkontingent ausschöpfen, dass wir Spieler wie Toni Rüdiger, Julian Draxler und ein paar andere vielleicht nach der Halbzeit runternehmen, weil die am Samstag wieder gebraucht werden."

Und weiter: "Von daher gab es dann Wechsel auf den Positionen. In der Offensive hatten wir nicht mehr so viele Möglichkeiten, wir hatten auch eigentlich keinen Stürmer mehr außer Luca Waldschmidt. Nach vorne wechseln war dann ein bisschen schwierig. Wir hatten mehr defensive Leute auf der Bank."

Matthäus: "Genau deshalb schaltet für Deutschland keiner mehr den Fernseher ein"

Matthäus war aber nicht nur mit der Taktik des Bundestrainers unzufrieden. Der 59-Jährige konnte auch gewisse Nominierungen für das DFB-Team nicht nachvollziehen: "Ich wundere mich, wenn ich sehe, dass da viele Spieler wie Nico Schulz für Deutschland auflaufen, die in ihren Vereinen auf der Bank sitzen."

"Genau deshalb schaltet für Deutschland keiner mehr den Fernseher ein", sagte Matthäus weiter. Dabei vergaß er allerdings, dass Löw derzeit auf die verletzten beziehungsweise erkrankten Timo Werner, Leroy Sané, Ilkay Gündogan, Thilo Kehrer, Marc-André ter Stegen und Suat Serdar verzichten muss.

Ebenso fehlten gegen die Türkei Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Toni Kroos. Sie wurden geschont. Dies machte sich am Mittwochabend letztlich auch in Ein- und Auswechslungen der Nationalmannschaft bemerkbar.

Löw kündigt intensive Analyse an

Löw hatte zu dem Spiel gesagt: "Wir müssen über die Themen reden, was müssen wir verbessern. Wir müssen auch eine andere Mentalität entwickeln." Er kündigte eine intensive Analyse und Aufarbeitung an.

Das nächste Spiel der Deutschen Nationalmannschaft steigt am Samstagabend. Dann geht es in der Nations League gegen die Ukraine (20:45 Uhr/LIVE bei uns im Ticker). (msc/dpa)

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