• Deutschland trifft im zweiten Vorrundenspiel auf den amtierenden Europameister Portugal.
  • Das letzte Aufeinandertreffen bei der Weltmeisterschaft 2014 gewann Deutschland mit 4:0.
  • Portugal hat auch neben Cristiano Ronaldo viele Top-Spieler in den eigenen Reihen. Das sieht nach einer schwierigen Aufgabe aus.

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Nach dem Weltmeister kommt der Europameister.

Deutschland steht nach der Auftaktniederlage gegen Frankreich bereits im zweiten Vorrundenspiel gegen Portugal (Samstag, 18:00 Uhr, Live bei uns im Ticker) unter Druck. Die Portugiesen gewannen das erste Gruppenspiel mit 3:0 gegen Ungarn.

Grundsätzlich war Portugal für Deutschland meist ein gutes Pflaster. Die letzten vier Aufeinandertreffen gewann die DFB-Elf. Lässt sich diese Erfolgsserie fortsetzen?

Wir verraten, was der Fußball-Interessierte über Portugal wissen muss.

Die größte Stärke

Cristiano Ronaldo avancierte mit seinen beiden Toren gegen Ungarn zum alleinigen Rekordtorschützen der Europameisterschaften (10 Treffer) und zählt ohnehin zu den besten Fußballspielern aller Zeiten.

Laut dem deutschen Innenverteidiger Matthias Ginter wäre es allerdings ein Fehler, "sich komplett auf Ronaldo zu konzentrieren. Sie haben wahnsinnig gute Offensivspieler. Sie sind sehr gut besetzt." Tatsächlich sind die Zeiten vorbei, in denen Portugal nur von der Treffsicherheit ihres Superstars abhängig war.

Spieler wie Bernardo Silva von Manchester City, Bruno Fernandes von Manchester United oder Diogo Jota vom FC Liverpool gehören zum Besten, was die englische Premier League zu bieten hat. Trainer Fernando Santos verfügt zudem über eine starkbesetzte Bank und kann jederzeit neue Impulse setzen. Ein möglicher Joker bzw. zweiter Stürmer wäre Andre Silva, der vergangene Saison 28 Bundesliga-Tore für Eintracht Frankfurt erzielt hat.

Auch in der Abwehr verfügt Portugal über viel Qualität. Lothar Matthäus hebt in der "Sport Bild" einen Akteur von Manchester City besonders hervor: "Ruben Dias ist der vielleicht beste Innenverteidiger der Welt seit Virgil van Dijk." Die Begründung: "Positionsspiel, Zweikampfverhalten, Stellungsspiel, Schnelligkeit und körperliche Präsenz – er ist ein kompletter Verteidiger."

Die größte Schwäche

Der Nebenmann des hochgelobten Dias ist der mittlerweile 38-jährige Pepe. Dieser bringt zwar viel Erfahrung mit, verlor aber mit steigendem Alter an Spritzigkeit. Zudem gewann er gegen Ungarn laut "kicker" nur 38 Prozent seiner Zweikämpfe – ein schwacher Wert für einen Innenverteidiger.

Die Alternative für Pepe wäre Jose Fonte, der mit seinen 37 Jahren ebenfalls das beste Fußball-Alter überschritten hat.

Eine weitere Schwachstelle von Portugal könnte darin liegen, dass sich viele Mitspieler hinter Ronaldo verstecken und ihr Potenzial nicht völlig ausschöpfen.

Ein Beispiel: Bruno Fernandes ist bei Manchester United der absolute Schlüsselspieler, der auch die Elfmeter und Freistöße schießt. Bei der portugiesischen Nationalmannschaft überlässt er meist respektvoll Ronaldo den Vortritt. Dabei gilt Fernandes mittlerweile als der bessere Freistoßschütze.

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Darauf muss das DFB-Team besonders achten

Die deutschen Außenverteidiger dürften gegen Portugal besonders gefordert sein. Beim Auftaktsieg gegen Ungarn entwickelten die portugiesischen Flügelspieler Jota und Silva viel Druck.

Ronaldo, der früher mit seiner Schnelligkeit ebenfalls meist von den Außenseiten zum Tor drang, agiert mittlerweile eher als klassischer Mittelstürmer und verwertet die Zuspiele per Fuß oder Kopf. Daher darf ihm die deutsche Innenverteidigung keine Räume bieten.

In der Offensive werden Thomas Müller & Co. vor allem eines brauchen: Geduld. Im Gegensatz zu früheren Jahren bevorzugt Portugal heute eine defensivere Spielweise. Dadurch ist es schwierig, Chancen zu kreieren.

Der besondere Faktor: Cristiano Ronaldo

Auch wenn Ronaldo längst nicht mehr der einzige Weltklasse-Spieler von Portugal ist, gilt ihm eine besondere Aufmerksamkeit. Ginter, der sein direkter Gegenspieler sein könnte, weiß um die Qualitäten des Superstars: "Ich habe schon mit Dortmund gegen Real Madrid mit ihm gespielt. Er zählt zu den besten Stürmern auf dieser Welt, er hat eine unglaubliche Erfahrung. Da gilt es, höllisch aufzupassen."

Der portugiesische Nationalspieler Raphaël Guerreiro von Borussia Dortmund sagt im "kicker" über Ronaldo. "Er ist der Chef, der Anführer. Er spricht sehr viel. Vor den Spielen, beim Aufwärmen. Er ist ein richtiger Kapitän. Auch außerhalb des Spielfeldes."

Trotz seiner 36 Jahre erweist sich Ronaldo weiterhin als sicherer Torschütze. Vergangene Saison erzielte er 29 Liga-Tore für Juventus Turin und wurde Torschützenkönig der italienischen Serie A.

Ein kleiner Mutmacher für Deutschland: Gegen die DFB-Elf traf Ronaldo noch nie.

Verwendete Quellen:

  • "Sport Bild" (24/2021): Ich rate Ronaldo: Geh nach Paris
  • "Kicker Sonderheft EM 2021": Deutschland? Ich habe Zweifel

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Teaserbild: © imago images/Sports Press Photo/Gabor Sas