Rund um den Hamburger SV wirken perfide Kräfte, Arjen Robben ist zum Knutschen und Christian Streich einfach nur unglaublich sympathisch. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

1. Lehre: Diesen Arjen Robben muss man einfach knutschen!

Es spielte der Tabellenzweite gegen den Tabellenführer - und doch war es die unwichtigste Partie des Spieltags.

Denn während am Samstag in den übrigen acht Spielen (Vor-)Entscheidungen im Kampf um Europa und gegen den Abstieg fielen, ging es bei RB Leipzig gegen den FC Bayern lediglich um die Ehre. Lediglich? Das sah Arjen Robben aber mal ganz anders!

Doch der Reihe nach: Ohne den ganz großen Druck spielten beide Teams umso größer auf. Leipzig wähnte sich spätestens nach dem Tor zum 4:2 als Sieger, doch die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie nicht auch in dieser eher unwichtigen Partie bis zum Schluss Vollgas gäben.

Highlight der beeindruckenden bajuwarischen Aufholjagd, die mit einem 5:4-Sieg endete, war Arjen Robbens Wahnsinns-Solo in der 95. Minute, als er - völlig überraschend - von rechts in die Mitte zog und mit links abschloss.

In Leipzig fallen neun Tore. Zwei davon erst in der Nachspielzeit.

Der Ball zappelte im Netz und als Belohnung gab's sogar einen Schmatzer von Coach Carlo Ancelotti.

Für die Münchner ist dieser Sieg gegen den aufmüpfigen Aufsteiger definitiv eine Genugtuung. Trotz der bitteren Pleiten in Champions League und DFB-Pokal haben sie klar gemacht, wer die Nummer eins im Land ist - und wohl auch vorerst bleiben wird.

Und eines ist gewiss: Solange Arjen Robben bei den Bayern spielt, gibt es immer mindestens einen Spieler, der bis in die Nachspielzeit hinein Vollgas gibt. Sei es gegen Leipzig, Real Madrid oder einen Bezirksliga-Verein wie - sagen wir mal - den SV Lohhof.

Kein Wunder, dass ein Trainer Spieler mit solch einem Fußballerherz nur allzu gerne busselt.

2. Lehre: Christian Streich ist einfach ein sensationeller Typ

Reden wir nicht drumherum: Der Profi-Fußball verkommt leider mehr und mehr zu einem Geschäftsfeld, bei dem es vor allem um drei Dinge geht: Geld, Asche und Kohle.

Dass angeblich dreistellige Millionensummen für einen 18-Jährigen geboten werden, den vor einem Jahr kaum jemand kannte, schockiert mittlerweile gar nicht mehr. Eine absurde Entwicklung.

Da tut es doch gut, dass es jemanden wie Christian Streich gibt. Der bodenständige Trainer des SC Freiburg hält regelmäßig denkwürdige Pressekonferenzen - eine weitere kam am vergangenen Samstag hinzu.

Die schwere Verletzung von Nationalspieler Weigl überlagert beim Dortmunder 1:1 in Augsburg alles andere. Der Ausfall wiegt schwer. Der Trainer setzt in den Endspielwochen auf eine spezielle "Oase".

Dass sein Verein nach dem 1:1 gegen den FC Ingolstadt weiterhin sensationell auf Europa-League-Kurs ist, war dem 51-Jährigen schnuppe.

Streich nahm vielmehr das Schicksal des Gegners mit, der erst durch den 1:1-Ausgleichstreffer des HSV auf Schalke in der Nachspielzeit vorzeitig abstieg.

"Ich möchte jetzt nicht über Europa sprechen, das ist der falsche Augenblick", sagte Streich und war dabei den Tränen nahe. Der Trainer erinnerte sich an den Sturz in die 2. Liga seines Sportclubs vor zwei Jahren. "Am Tag des Abstiegs geht es, doch der Tag und die Wochen danach werden die Hölle. Aber Maik", sagte Streich und blickte seinen Trainer-Kollegen an, "es kommen auch wieder positive Erlebnisse."

Große Worte. Großer Trainer. Ganz großer Typ.

3. Lehre: Nouri und Nagelsmann gehen auf London-Reise

Du gewinnst auswärts mit 5:3 bei einer der besten Mannschaften der Rückrunde, und trotzdem musst du dich nach Abpfiff zumindest ein wenig ärgern.

Dieses Gefühl hatten Spieler, Verantwortliche und Fans von 1899 Hoffenheim nach dem Torspektakel in Bremen.

Mit 5:0 hatte die TSG bereits geführt, ließ sich dann aber noch drei Gegentreffer einschenken.

Zwar ist Hoffenheim nun punktgleich mit dem BVB (1:1 beim FC Augsburg), aber im Torverhältnis um vier Tore schlechter als der direkte Konkurrent um Platz drei.

Sollten die Hoffenheimer im letzten Saisonspiel nicht klar gegen Augsburg gewinnen, müssen sie auf einen Dortmunder Ausrutscher gegen Bremen hoffen.

Wir zeigen Ihnen außergewöhnliche Fotos aus aller Welt.

TSG-Coach Julian Nagelsmann formulierte daher auch gleich einen Wunsch an seinen Freund und Bremer Trainer-Kollegen Alexander Nouri: "Hau die weg, bitte." Manchmal braucht's eben nicht viele Worte.

Nagelsmann beließ es allerdings nicht bei dieser Bitte, sondern unterbreitete Nouri gleich ein Angebot, das den Werder-Coach zusätzlich motivieren soll. "Ich fahre mit dir auch mal eine Woche in den Urlaub, wenn es sein muss. Und du darfst das Ziel aussuchen."

Welche Reise-Vorlieben die beiden haben, wissen wir nicht. Unser Tipp: Der Londoner Nordwesten soll ja ganz schön sein.

Erst die Stadt anschauen, abends dann Tottenham in der Champions League und einen bis zwei Tage später Arsenal in der Europa League weghauen.

Auf dieses gemeinsame Reise-Abenteuer könnten sich Nagelsmann und Nouri sicher einigen.

4. Lehre: Der Fußballgott macht sich einen Spaß aus dem HSV

Dieser Tage werden einige Dinge offensichtlich: Der bereits verpuffte Schulz-Effekt ist nun wirklich und ganz ohne Quatsch endgültig verpufft, ein TV-Comeback von Stefan Raab ist unsere letzte Hoffnung für den ESC und der Hamburger SV ist und bleibt unabsteigbar.

Denn seit Samstag steht für uns fest: Der sadistisch angehauchte Fußballgott macht sich einfach nur rund neun Monate ein Späßchen mit den HSV-Fans, lässt diese fast Woche für Woche leiden - nur um den Klub am Ende mit so viel Dusel zu überschütten, dass sogar Bayern-Fans vor Neid erblassen.

Bis zur zweiten Minute der Nachspielzeit war Platz 15 nicht mehr zu erreichen, dann kam Pierre-Michel Lasogga und wurschtelte den Ball zum 1:1-Ausgleich auf Schalke über die Linie.

Es war Lasoggas erstes Tor für den HSV seit 13 Monaten, und gewiss ein vorgezogenes Muttertagsgeschenk, denn mit Mama Kerstin versteht sich Sohnemann Pierre-Michel bekanntlich irritierend gut.

Und als wäre der 1:1-Ausgleich nicht Dusel genug gewesen, wurde der vermeintliche 2:1-Siegtreffer der Schalker durch Sead Kolasinac in der 94. Minute nicht gegeben, weil der Ball bei einem Eckball von Johannes Geis wohl ins Toraus flog.

Durch das Ingolstadt-Remis in Freiburg hat der HSV Platz 16 sicher - und kann im Endspiel um den Klassenerhalt gegen den VfL Wolfsburg sogar noch auf Rang 15 oder gar Rang 14 springen.

Das wird allerdings nicht passieren. Stattdessen lässt der Fußballgott den HSV wieder in der Relegation antreten, damit dieser (aller Voraussicht nach gegen Eintracht Braunschweig) im Rückspiel in allerletzter Sekunde die Klasse hält.

Vor drei Jahren rettete sich der HSV in Fürth nur wegen des erzielten Auswärtstores in der Bundesliga. Vor zwei Jahren gab's ein Last-Minute-Freistoßtor von Marcelo Diaz, das die Hamburger beim Karlsruher SC in die Verlängerung beförderte. Dieses Jahr wird die Drama-Trilogie dann auf die Spitze getrieben.

Vielleicht mit einem unberechtigten Hand-Elfmeter in der 120. Minute - oder so ähnlich. Genaueres gibt unsere Glaskugel noch nicht her, klar ist nur: Der Fußballgott lässt sich bestimmt wieder etwas Perfides einfallen.