Ein Nationalspieler belebt in Leipzig Geist und Körper, der HSV kämpft bis aufs Blut und die einzig wahre rote Göttin des Sports crasht die Kellerparty der Bundesliga. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

1. Lehre: Timo Werner belebt Geist und Körper

Länderspielpausen sind ja schon irgendwie doof. Den Samstagnachmittag mit der Freundin verbringen, statt sich über die schwache Leistung seines Lieblingsklubs zu ärgern - das braucht doch kein Mensch! Oder haben Sie sich schon mal mit einem Fußballfan unterhalten, der gesagt hat: "Ui, endlich keine Bundesliga. Dann gehe ich mit meiner Partnerin erstmal schön shoppen und freu mich anschließend so richtig auf das Deutschland-Spiel in Aserbaidschan!"?

Was solche Länderspiele aber so richtig doof macht, ist, wenn sich dann auch noch wichtige Spieler verletzen. So wie im Fall Timo Werner, der dadurch erst gegen Darmstadt (na gut, gegen die hat es auch ohne ihn locker zu einem 4:0 gereicht) und nun zunächst auch in Mainz fehlte.

Die Niederlage in Hoffenheim wirft in München einige Fragen auf.

Doch nach biederen 40 Minuten beim FSV konnte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl gar nicht anders, wechselte den gelb-rot-gefährdeten Dayotchanculle Upamecano (ein Name wie extra für Studenten im ersten Logopädie-Semester erfunden) aus und brachte Werner.

Der 21 Jahre alte Offensivspieler, seit eines gewissen Samstagabends im Dezember für seine Flugkünste berüchtigt, verlieh gleich seinem ganzen Team neue Flügel (ja, auch wir wissen, dass dieses Bild im Zusammenhang mit Leipzig abgedroschen ist, verwenden es an dieser Stelle aber dennoch) und belebte Geist und Körper der Mitspieler. In der zweiten Halbzeit erinnerte Leipzig wieder an die Mannschaft, die in der Hinrunde so famos aufspielte und sich als Bayern-Jäger einen Namen machte.

Das 1:0 durch Marcel Sabitzer bereitete Emil Forsberg per Hacke dermaßen sensationell vor, dass ein Lionel Messi für solch eine Aktion eine Woche lang in den sozialen Medien als Fußballgott himself abgefeiert worden wäre.

Und beim 2:0 war - wie sollte es auch anders sein - Werner höchstpersönlich zur Stelle. Er traf per Kopf nach einem Eckball.

Mainz kämpfte sich zwar noch mal ran, letztlich machte RB aber einen 3:2-Sieg perfekt. Leipzig schwebt damit nach durchwachsendem Rückrundenstart wieder auf Champions-League-Wolke sieben - dem belebenden Werner sei Dank.

2. Lehre: Sky-Experten haben immer Recht

Christoph Metzelder ist bekanntlich Sky-Experte. Und was ist das Besondere an Sky-Experten? Sie haben immer Recht! Glauben sie zumindest selbst.

Angesprochen auf den Saisonendspurt sagte Metzelder vor den Partien dieses Spieltags, zwei Drittel der Saison könne man rotieren, aber im Saisonendspurt sollte der Trainer bitteschön die erste Elf auf dem Rasen lassen.

BVB-Trainer ist trotz des klaren Erfolgs ganz und gar nicht zufrieden.

Eigentlich bezog sich Metzelder mit dieser Aussage insbesondere auf den BVB. Denn dessen Trainer Thomas Tuchel wirft gerne einmal die Rotationsmaschine an.

Doch an diesem Spieltag traf Metze mit seiner Aussage einen anderen Nerv - den des BVB-Rivalen aus München.

Trainer Carlo Ancelotti hatte entschieden, im Auswärtsspiel seines FC Bayern beim Tabellendritten (!) Hoffenheim die Startelf gehörig durcheinanderzuwirbeln. Gleich sieben neue Spieler gab es im Vergleich zum 6:0-Sieg gegen den FC Augsburg.

Es kam, wie es nach Metzelder'schem Gesetz kommen musste: Die Bayern verloren bei den Nagelsmännern mit 0:1. Ancelottis Statement zur Niederlage: "In der ersten Hälfte hat uns Hoffenheim ein bisschen überrascht."

Der arme Carlo: Er konnte ja nicht wissen, dass Hoffenheim, das auch im Hinspiel den Münchnern ein 1:1 abtrotzte, momentan eines der besten Teams Deutschlands ist. Und er konnte erst recht nicht wissen, dass Sky-Experten einfach immer Recht haben.

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3. Lehre: Der HSV kämpft bis aufs Blut

Am Ende wurde es doch deutlich. Mit 0:3 wurde der Hamburger SV vom BVB aus dem Dortmunder Stadion geschossen.

In der Hinrunde wäre dies als Klatsche bezeichnet worden. Doch mittlerweile ist der HSV wieder so gut, dass er sogar bei Niederlagen mit drei Toren Unterschied stark aufspielt.

Auch in Dortmund zeigte der HSV eine ansprechende Partie, die bis zur Vorentscheidung von Shinji Kagawa zehn Minuten vor dem Ende durchaus hätte kippen können.

Zugegeben, das lag auch daran, dass der BVB in den Branimir-Hrgota-Modus schaltete und eine hochkarätige Chance nach der anderen ausließ.

Trainer Thomas Tuchel war nach dem Spiel daher richtig angefressen ob der Chancenverwertung seiner Mannschaft. "Das ist so ein Aufwand, den wir heute betrieben haben, da mir wird angst und bange, wenn ich an unser Programm denke", meckerte Tuchel.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Auch der HSV hatte massig gute Chancen, vor allem am Anfang der ersten und Mitte der zweiten Halbzeit. Am Ende war die Torschussstatistik mit 17:16 für den BVB beinahe ausgeglichen. Der Spielverlauf war also nicht so eindeutig, wie es das Ergebnis vermuten lässt.

Das sieht auch HSV-Trainer Markus Gisdol so. "Wir müssen das Spiel erst einmal sacken lassen. Bis zur 80. Minute haben wir ein richtig gutes Auswärtsspiel gezeigt. Wir waren dran, einen Punkt mitzunehmen", sagte Gisdol nach dem Spiel.

Er sah eine Hamburger Mannschaft die bis zum Umfallen, ja quasi bis aufs Blut kämpfte. Und wer das nicht glauben mag, der schaue sich einfach dieses Bild von Torwart René Adler an, kurz nachdem er beim Tor zum 0:3 mit Pierre-Emerick Aubameyang zusammengeprallt war:

4. Lehre: Der Audi-Rowdy crasht die Kellerparty

Wenn in Bayern dieser Tage von Wochen der Wahrheit die Rede ist, dann fallen schnell Vereinsnamen wie Borussia Dortmund oder Real Madrid. Doch so paradox es sich anhören mag: Beim Fußball besteht Bayern nicht nur aus den Bayern.

Von München aus gut eine Autostunde die A9 hoch (mit einem R8 womöglich nur 30 Minuten) in Richtung der nördlichen Weißwurstäquator-Grenze befindet sich eine weitere bayerische Mannschaft, die derzeit ihre wichtigsten Spiele der Saison absolviert - und dies mit Bravour tut.

FC Ingolstadt 04 nennt sich der Verein. Und dieser schaltet auf den letzten Metern der Bundesliga-Saison plötzlich in den sechsten Gang.

Maik Walpurgis, rund ums Audi-Werk als die einzig wahre rote Göttin des Sports tituliert, hatte bereits vor dem 2:1-Sieg gegen Mainz 05 am vergangenen Sonntag die Woche der Wahrheit ausgerufen. Denn nach Mainz stand das Duell beim FC Augsburg auf dem Programm, und am Sonntag folgt das Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98.

Durch den verdienten 3:2-Erfolg beim FCA ist die Rettung für die Schanzer wieder in greifbarer Nähe - gibt’s nun noch den (zu erwartenden) Dreier gegen Darmstadt, sehen Mainz, Augsburg und auch noch eine Handvoll anderer Teams auf den letzten Metern plötzlich einen Verein im Rückspiegel, der die Bundesliga-Autobahn mit über 200 km/h langbrettert - auf dem linken Fahrstreifen, mit Blinker im Dauerbetrieb und durchgängiger Benutzung der Lichthupe.

Der Audi-Rowdy crasht die Kellerparty der Bundesliga - mit Bleifuß Maik Walpurgis hinterm Steuer.