Der HSV hätte lieber krankfeiern sollen, Platz 8 könnte plötzlich reizvoll werden und Thomas Tuchel weiß eben, was seine Stürmer brauchen. Die wie immer nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga. Eine Glosse.

1. Lehre: Von wegen, das internationale Geschäft ist in weiter Ferne

Warum sich Gewaltexzesse am Rande des Fußballs zuletzt häuften.

Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen und Schalke 04 sind bislang die Enttäuschungen der Saison. Fünf bis acht Punkte Rückstand auf Platz 6 sollten eigentlich jede Hoffnung auf eine internationale Aufgabe in der kommenden Spielzeit erlöschen lassen.

Wäre da nicht die skurrile Situation, dass immer noch ein DFB-Pokalfinale Borussia Dortmund gegen Bayern München möglich ist und seit vergangener Woche RB Leipzig um einen Start im Europapokal zittern muss. Stichwort: Schwesterklub in Salzburg.

Und das bedeutet im Idealfall, dass sogar Platz 8 noch für die Qualifikation zur Europa League reichen würde: Wenn nämlich Bayern und Dortmund beide für die Champions League spielberechtigt sind und Leipzig zurückziehen müsste. Auf diesem Platz 8 steht Leverkusen derzeit – und von dem sind auch Schalke und Gladbach nicht allzu weit entfernt.

Aber bitte nicht zu laut weitersagen – sonst macht sich plötzlich auch der HSV noch Hoffnungen auf Europa …

2. Lehre: Der HSV hätte mal lieber im Bett bleiben sollen

Au weia, HSV! Was sich unter der Woche noch wie ein grippaler Infekt anfühlte, wurde am Samstag dann zu einer ausgewachsenen Grippe. Die Hamburger wurden vom FC Bayern beim 0:8 in der Allianz-Arena so schwindelig gespielt, dass sie froh sein können, wenn ihr Magen nach diesem Schleudergang nicht auch noch Schaden davongetragen hat.

Dabei lief es doch so gut in letzter Zeit bei den so leidgeprüften Rothosen. Sieben Punkte aus den letzten drei Bundesliga-Spielen, dazu der Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale. Highlight war das 3:0 beim Tabellenzweiten RB Leipzig.

Doch das alles ist jetzt vorbei. Der HSV macht mit diesem Ergebnis seinem Ruf als Chaos-Klub mal wieder alle Ehre – dabei war es ein Chaos, das sich angekündigt hatte: Unter der Woche grassierte die Grippewelle beim Nord-Klub, vier Spieler lagen zwischenzeitlich flach, auch Trainer Markus Gisdol plagte sich mit einem Infekt herum.

Selten ist der HSV in so guter spielerischer und so schlechter körperlicher Verfassung nach München gereist, wie am vergangenen Wochenende. Doch eigentlich ist es egal, wie die Hamburger zum deutschen Rekordmeister reisen – eine Klatsche gibt es ja sowieso immer.
6:0, 5:0, 9:2, 8:0, 5:0 und 8:0 - also in Summe 41:2(!) - lauten die Ergebnisse von sechs der letzten sieben Bundesliga-Heimspiele des FC Bayern gegen den Hamburger SV.

Die Bayern können in den Wochen zuvor gespielt haben, wie sie wollen – ein Heimspiel gegen die Hamburger ist für sie wie Weihnachten, mit jeder Menge Geschenke. Das größte Geschenk hätten sich die Hamburger an diesem Wochenende wohl selbst machen können – indem sie im Bett geblieben wären.

3. Lehre: Tuchel weiß, was Auba braucht

Was hat Pierre-Emerick Aubameyang in letzter Zeit alles für Fahrkarten geschossen. Vor dem Freiburg-Spiel kam der Torjäger außer Dienst auf ein mickriges Pflichtspieltor in 2017 – und das, obwohl er alles versucht hatte.

Höhepunkt war das Achtelfinalhinspiel in der Champions League bei Benfica Lissabon (0:1). Aubameyang vergab nicht nur reihenweise Großchancen, sondern scheiterte auch noch mit einem schwach geschossenen Strafstoß.

Auch gegen den SC Freiburg sah es anfangs wieder nach einem weiteren Torlos-Spiel des Gabuners aus. Aubameyang vergab mehrere gute Chancen, wirkte phasenweise wie ein Fremdkörper im Team.

Das sahen auch seine furios aufspielenden Kollegen – und sie hatten Mitleid mit ihm. Erst Marco Reus und danach Erik Durm spielten Aubameyang den Ball jeweils so in den Fuß, dass er nur noch einzuschieben brauchte. Krisenbewältigung für Fortgeschrittene.

Welche Rolle Trainer Thomas Tuchel dabei gespielt hat? Eine wichtige. "Wir haben vor dem Spiel geflachst, dass er (Aubameyang, Anm. d. Red.) jetzt wohl mal einen aus einem halben Meter braucht", sagte Tuchel nach dem Spiel bei Sky.

Reus und Durm haben diese Ansage ernst genommen, Aubameyang konnte anscheinend gar nicht anders.

4. Lehre: Das sind also die Treter der Liga

Niko Kovac hat als Trainer von Eintracht Frankfurt erstaunliches geleistet. Vom Fast-Absteiger im Mai 2016 zum Champions-League-Anwärter im Januar 2017. Umso ärgerlicher, dass die Spieler sich das bislang erreichte jetzt selbst zu zerstören beginnen.

Die Rote Karte für Haris Seferovic war bereits der sechste Platzverweis für die Hessen in dieser Saison. Davon musste nur ein Spieler mit Gelb-Rot runter, die anderen fünf bekamen glatt Rot. Niko Kovac sieht sein Team schon als "Treter-Truppe Nummer eins in Deutschland", wie er in der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte.

Der Traum von der Champions League scheint erst einmal ausgeträumt. Das Team muss sich jetzt darauf konzentrieren, immerhin noch die Europa League zu erreichen – alles andere wäre nach der Wahnsinns-Hinrunde tatsächlich eine Enttäuschung.

Immerhin hat die UEFA seit dieser Saison ihre Belohnung für besonders faire Mannschaften abgeschafft, denen bis zur Spielzeit 2015/2016 drei Startplätze im Europapokal zuerkannt wurden. Sonst hätte Frankfurt womöglich noch staunend zusehen müssen, wie ihnen vorne in der Tabelle die Mannschaften entwischen – und am Ende noch ein schwächerer, aber fairerer Verein nach Europa abhaut, während die SGE zu Hause besseren Zeiten nachweint.

Mittlerweile sind mehr als fünf Jahre vergangen, seitdem der Suizidversuch des ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichters Babak Rafati den deutschen Fußball erschütterte. Nun erzählt dieser eine neue Anekdote zur Zeit nach dem Vorfall - der Hauptakteur: Bastian Schweinsteiger.