• Hitzige Debatten waren mit Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht im Studio vorprogrammiert. Mit dem Stichwort "Wirtschaftskrieg" gab es die auch prompt.
  • Allerdings war Wagenknecht dabei auf verlorenem Posten und bekam aus dem ganzen Studio ordentlich Gegenwind. Einmal musste sogar Moderator Lanz selbst meinungsstark einsteigen.
Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Marie Illner dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Ihre Rede hatte für Wirbel gesorgt: Sahra Wagenknecht hatte in ihrer Bundestagsrede gesagt, Deutschland habe die "dümmste Regierung Europas" und habe einen "Wirtschaftskrieg" gegen Russland, "unseren wichtigsten Energielieferanten vom Zaun gebrochen". Das hatte ihr nicht nur Beifall von der AfD eingebracht, sondern auch den Vorwurf, wie eine Kreml-Sprecherin aufzutreten. Am Dienstagabend (20.) war sie bei Lanz zu Gast im Studio.

Das ist das Thema bei "Lanz"

Schon die Besetzung des Studios legte bestimmte Diskussionsthemen von vornherein fest: So war klar, dass mit Linken-Frau Wagenknecht und dem russischen Oppositionellen die westlichen Sanktionen, Verhandlungslösungen und Waffenlieferungen auf den Tisch kommen würde. Außerdem ging es um Energiepolitik, Nordstream 2, Protestwellen in Russland und der Zukunft der Linkspartei.

Das sind die Gäste

Sahra Wagenknecht (Linke): "Die Sanktionen in Russland wirken offensichtlich nicht", befand die Linkspolitikerin. Gazprom mache Rekordgewinne. "Weil wir zwar viel weniger importieren, aber die Preise durch die Sanktionen so nach oben gegangen sind, dass am Ende der russische Staat sogar profitiert", sagte sie. Es sei keine zwangsläufige Notwendigkeit, auf einen Krieg mit Sanktionen zu reagieren. Selbst innerhalb der westlichen Welt würden sich nicht alle Staaten beteiligen. Die Sanktionen würden die Menschen in Deutschland arm machen und den Mittelstand bedrohen. "Ich würde mit Russland über die Wiederaufnahme von Gaslieferungen verhandeln und hören, was die Bedingungen sind", sagte die Linkspolitikerin.

Leonid Wolkow: Der russische Oppositionelle und Nawalny-Vertraute war sich sicher: "Die russische Wirtschaft leidet unter den Sanktionen." Sie würde in diesem Jahr schätzungsweise um sechs Prozent schrumpfen. Die Möglichkeiten für Putin, neue Waffensysteme herzustellen, sei unheimlich begrenzt. "Es ist die einzige Möglichkeit, dass Russland den Krieg verliert", sagte Wolkow.

Kerstin Münstermann: "Dem eigenen Land und der eigenen Regierung einen Krieg gegen Russland vorzuwerfen, das ist starker Tobak", meinte die Journalistin der "Rheinischen Post". Natürlich sei es jetzt einfach, nur diesen einen Satz zu nehmen und zu kritisieren, die Frage aber laute: "Was ist mit dem Rest? Was ist dran an der Kritik Sahra Wagenknechts, dass die Regierung zu feige sei, sich mit den Öl-Multis anzulegen?".

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Das ist der Moment des Abends bei "Lanz"

Wagenknecht war am Dienstagabend isoliert im Studio. Auch Lanz trieb sie weiter in die Ecke, als er Wagenknecht ihre jüngste Aussage entgegenhielt. Sie hatte zum Wirtschaftsminister Habeck gesagt: "Es mag ja sein, dass Ihnen, Robert Habeck, auch egal ist, was Ihre Wähler denken, aber Sie haben nicht das Recht, Millionen Menschen in Deutschland, die sie nicht gewählt haben, ihren bescheidenen Wohlstand und ihre Zukunft zu zerstören".

Lanz zeigte sich schockiert: "Das ist eine krasse Umkehr von Logik! Es gibt nur einen Menschen, der Wohlstand und Zukunft zerstört und der sitzt im Kreml und heißt Wladimir Putin", stellte er klar. Doch Wagenknecht wagte Widerrede: "Aber Putin hat doch nicht die Macht, in Deutschland den Wohlstand zu zerstören. Das ist doch wirklich etwas absurd", befand sie. Man habe keinen Ersatz, preiswerte Energie woanders zu bekommen. Lanz legte nach: "Wenn Sie hören, dass die AfD klatscht, wenn Sie so reden im Bundestag, wenn Sie mitkriegen, dass im Kreml die Sektkorken knallen, wenn Menschen so reden wie Sie im Bundestag, müssen Sie dann nicht sagen, es hat eine gewisse Tragik, dass das erste Opfer russischer Propaganda ausgerechnet eine kluge Frau wie Sie ist?"

Das ist das Rede-Duell des Abends

Wagenknecht brachte mit ihren Statements das Blut von Journalistin Münstermann an diesem Abend wohl mehrfach zum Wallen. Nachdem die Linkspolitikerin erneut die westlichen Sanktionen kritisiert hatte, sagte sie: "Was ist Ihre Alternative? Ich kann es nicht begreifen! Es gibt einen völkerrechtswidrigen Krieg, den sehen wir jeden Tag in der Ukraine. Es gibt im Osten Europas Befürchtungen, dass das weitergeht. Und Sie sagen: Egal, der kann das ruhig machen."

Wagenknecht verteidigte sich: "Wir helfen doch nicht der Ukraine, indem wir unsere Wirtschaft und unsere Industrie ruinieren. Wir helfen der Ukraine aktuell dadurch, dass wir Flüchtlinge aufnehmen, wir helfen humanitär. Wir haben versprochen, dass wir beim Wiederaufbau helfen". Münstermann schüttelte den Kopf und setzte noch einmal nach: "Wie wollen Sie verhandeln mit jemandem, der offensichtlich nicht verhandeln will?" und Wagenknecht entgegnete: "Das hat man bei den Getreidelieferungen auch gesagt und dann gab es ein Verhandlungsergebnis!"

So hat sich Markus Lanz geschlagen

Man ist es von Markus Lanz gewohnt, dass er immer wieder seine eigene Meinung in die Debatte einbringt. An diesem Abend tat er sie aber besonders stark kund. Wohl zurecht, denn Wagenknecht konnte zuvor ungestört die wirtschaftlichen Sanktionen kritisieren und Putins Angriffskrieg daneben relativieren.

Entsprechend vehement sagte Lanz: "Wissen Sie, wie das klingt? Das klingt so wie: Putin hat jetzt diesen Krieg angezettelt, aber das, was wir machen, ist auch Krieg. Und das ist genau diese pazifistische Logik, aus der das heraus kommt, nach dem Motto: Was die anderen machen ist genauso schlimm. Und das funktioniert an diesem Punkt nicht!". Auch, als Wagenknecht laut darüber nachdachte, Nordstream 2 zu öffnen, kommentierte Lanz geistesgegenwärtig: "Und Putin könnte in aller Ruhe seinen Krieg weiterführen!".

Das ist das Ergebnis bei "Lanz"

Die Debatte dreht sich immer wieder im Kreis: Die ablehnende Haltung gegenüber Sanktionen und Waffenlieferungen von Wagenknecht war einfach kein Stück übereinander zu legen mit der Forderung des restlichen Studios, die Ukraine für einen Sieg gegen Russland zu stärken. Was Wagenknecht allerdings schuldig blieb, war eine konkrete Beschreibung dessen, wie eine "Friedenslösung" aussehen könnte oder was man bei Verhandlungen anbieten solle. Erneut deutete aber alles auf eine bedrohliche Entwicklung hin: Die Preissteigerungen in Deutschland dürften noch zu massiven Verwerfungen und Instrumentalisierungen führen.

Quellen:

  • ZDF: "Markus Lanz" vom 20.09.2022

Russischer Popstar kritisiert Ukraine-Krieg aufs Schärfste!

Sängerin Alla Pugatschowa hat Russlands Krieg gegen die Ukraine scharf kritisiert. Pugatschowa gilt in Russland als Superstar. Seit den 70er Jahren hat sie die russische Rock- und Popmusik geprägt. Ihr Ehemann Maxim Galkin stehe auf einer Schwarzen Liste, wie die 73-Jährige auf Instagram mitteilte. (Teaserbild: Imago / Itar Tass)