Grundrente, Große Koalition, FC Bayern München, Morddrohungen und die Klimakrise – es war ein wilder Ritt von TV-Moderatorin Sandra Maischberger durch die Themen der Woche. Aber so sieht es nun einmal das neue Konzept der Talkshow vor. Nicht vorgesehen im Konzept der Show war allerdings eine Aktion des Drogerie-Unternehmers Dirk Roßmann.

Christian Vock
Eine Kritik
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In einer Dreier-Runde aus Johannes B. Kerner, Stefan Aust und Dirk Roßmann wirbelte Maischberger diesmal wieder durch die Themen der Woche. Zum Einzelgespräch gebeten wurde hingegen Arbeitsminister Hubertus Heil, um zur Grundrente und zur Lage der Großen Koalition Stellung zu nehmen, ehe Seenotretterin Carola Rackete und Linda Teuteberg in einem etwas sterilen Gespräch den richtigen Weg durch die Klimakrise diskutierten.

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Mit diesen Gästen diskutierte Sandra Maischberger:

  • Hubertus Heil (SPD), Arbeits- und Sozialminister
  • Carola Rackete, Seenotretterin und Klima-Aktivistin
  • Linda Teuteberg (FDP), Generalsekretärin
  • Johannes B. Kerner, TV-Moderator
  • Dirk Roßmann, Drogerie-Unternehmer

Das waren die Themen bei "maischberger. die woche"

Große Koalition:

Zur Halbzeitbilanz und möglichen Neuwahlen befragt, antwortet Stefan Aust: "Es wird eine zweite Halbzeit geben, weil sich keiner traut, Neuwahlen zu machen. (…) Die wurschteln sich irgendwie durch – bis zum letzten Tag. Ich kann nicht erkennen, dass die wirklichen Themen angepackt werden."

Den letzten Punkt sieht Johannes B. Kerner in Nuancen anders: "Ich finde inhaltlich gar nicht so schlecht, was die Groko so macht – ich find die Performance grottenschlecht. (…) Wie kann man so mit Koalitionspartnern umgehen? Wer solche Partner hat, braucht keine Feinde mehr!"

FC Bayern München:

Am Beispiel zu langer Amtszeiten kommt Sandra Maischberger von Angela Merkel zu Ulli Hoeneß und der Trainerentlassung von Nico Kovac beim FC Bayern. Hier attestiert Kerner dem Deutschen Fußball-Rekordmeister einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Präsident Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sowie eine falsche Einkaufspolitik und ist sich dementsprechend sicher: "Der neue Trainer wird nicht alles sofort lösen können."

Landtagswahl Thüringen:

Hier ist sich die Runde einig, dass die CDU sich auf gar keinen Fall mit der AfD einlassen sollte. Vor allem Johannes B. Kerner findet bei seiner Begründung deutliche Wort: "Mir ist wichtig, dass man unterscheidet zwischen den Leuten, die sie wählen und denen, die sich wählen lassen und die bewusst zündeln am äußersten rechten Rand, die braunes Gedankengut salonfähig machen und die man ungestraft Faschist nennen darf. (…) Es kann nicht sein, dass mit diesen Menschen zusammen koaliert, geduldet oder was auch immer wird."

Morddrohungen gegen Cem Özdemir und Claudia Roth:

Stefan Aust berichtet über seine Recherchen zu rechtsradikalen Netzwerken und den NSU. Sein Urteil zu den aktuellen Morddrohungen an Cem Özdemir und Claudia Roth (beide Bündnis 90/Die Grünen) durch die Atomwaffendivision Deutschland: "Ich halte das für außerordentlich gefährlich. Ungefähr so gefährlich wie den Nationalsozialistischen Untergrund."

Grundrente:

Hier will Sandra Maischberger unbedingt Arbeitsminister Hubertus Heil auf eine Aussage festnageln, ob an der Frage der Grundrente die Koalition zerbrechen könnte. Doch Heil sieht gar nicht ein, darauf zu antworten, stellt immer wieder fest, dass es ihm nur um das Ergebnis gehe, denn man müsse eine Einigung erzielen.

Heil ist sich sicher: "Bei gutem Willen, und der ist vorhanden, kriegen wir das hin!" Immerhin entlockt Maischberger ihm noch, dass er bei der Wahl des SPD-Parteivorstands für Olaf Scholz und Klara Geywitz stimmen werde.

Das Rededuell des Abends:

Rackete gegen Teuteberg. Es war alleine schon deshalb ein außergewöhnliches Streitgespräch, weil es überhaupt kein Gespräch war. Rackete und Teuteberg richteten kein einziges Mal das Wort direkt aneinander, sprachen stattdessen nur "über Bande", sprich via Maischberger, miteinander.

Dabei hätten sich die beiden Einiges zu sagen gehabt, denn inhaltlich hätte man kaum weiter auseinander liegen können. Rackete verwies auf die Erkenntnisse aus der Wissenschaft über die drohenden und bereits existierenden Folgen der Klimakrise und hält fest: "Man kann diese Dramatik wirklich nicht übertreiben." Dementsprechend müssten die Schritte gegen die Klimakrise noch viel weiter gehen.

Hier hält Teuteberg das FDP-Mantra von der Lösung der Klimakrise durch den Markt und durch technische Innovationen dagegen – so, als ob es nicht beides geben könne: Innovationen und radikale Maßnahmen gegen die Klimakrise.

Der Moment des Abends:

Es bedurfte eines kleinen Anlaufs, denn Dirk Roßmann wollte kurz erklären, warum er gleich machen werde, "was es im deutschen Fernsehen noch nicht gab." Also erzählte Roßmann von seinem Engagement gegen die Klimakrise und dass er bisher glaubte, genug dagegen zu tun – bis er eines Tages das Buch "Wir sind das Klima" von Jonathan Safran Foer gelesen habe.

Dieses Buch über die Klimakrise und was man dagegen tun könne, habe ihn sehr bewegt. So sehr, dass er in der Sendung erklärte, dass er über die Webseite seiner Drogerie-Kette 25.000 Exemplare des Buches aus privater Hand verschenken werde – nur mit der Absicht, auch andere Menschen für den Kampf gegen die Klimakrise begeistern zu können.

"Die Revolution muss in den eigenen vier Wänden stattfinden. (…) Es ist wichtig, dass die älteren Menschen verstehen, warum die Jungen auf die Straße gehen", so Roßmann.

Fazit:

Nun kann man immer noch trefflich darüber streiten, ob es eine gute Idee war, aus der früheren Talkshow "Maischberger" den Themen-Gemischtwarenladen "maischberger. die woche" zu machen. In diesem Fall war es keine gute Idee, denn zum einen geriet der Talk mit Roßmann, Aust und Kerner ein bisschen zu sehr zu einer Plauderrunde, in der zu viele Themen lediglich angerissen wurden.

Zum anderen gelang es Maischberger zwar so, Themen dann anzusprechen, wenn sie relevant sind, im Falle der Klimakrise kam im aktuellen Fall allerdings nur ein viel zu kurzes "Nicht-Streitgespräch" herum. Das war dem Thema in keiner Weise angemessen.

Immerhin schien der Wunsch von Dirk Roßmann, auch andere Menschen für die Rettung des Planeten zu mobilisieren aufzugehen, denn nur wenige Sekunden nach seinem Aufruf ging die Webseite seiner Drogerie-Kette in die Knie.

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