So groß die Aufregung um Martin Schulz bei seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten der SPD war, so groß ist sie nun nach drei verlorenen Landtagswahlen. Kaum sind die Urnen in NRW geleert, stellt Frank Plasberg gestern Abend die Frage, ob Schulz denn überhaupt noch Aussicht aufs Kanzleramt hat. Eine wenig erkenntnisreiche, dafür aber recht muntere "Hart, aber fair"-Ausgabe.

Es ist genau eine Woche und eine Landtagswahl her, da diskutierte Frank Plasberg mit seinen Gästen noch, welche Partei wofür in Nordrhein-Westfalen steht. Die Talk-Runde endete für den Zuschauer in einem unansehnlichen Wahlkampfgeschacher und Durcheinandergerede. Nach der Landtagswahl versucht sich Frank Plasberg diesmal an den Konsequenzen für die kommende Bundestagswahl.

Die Ausgangssituation vor "Hart, aber fair"

Am vergangenen Sonntag war Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und zum dritten Mal in Folge blieb die SPD bei einer Landtagswahl hinter ihren Erwartungen zurück. Hannelore Kraft wurde abgewählt, die SPD verlor knapp acht Prozent ihrer Stimmen.

Worüber wurde bei "Hart, aber fair" gesprochen?

"K.o. Nach drei Runden – Keine Chance mehr für Schulz?" fragt Frank Plasberg ganz simpel.

Wer war bei „Hart, aber fair“ zu Gast?

  • Christiane Hoffmann, stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros des "SPIEGEL"
  • Ulrich Matthes, Schauspieler und SPD-Wähler
  • Markus Söder, bayerischer Finanzminister, CSU
  • Hajo Schumacher, Journalist
  • Thomas Oppermann, SPD-Fraktionsvorsitzender

Was war das Bemerkenswerte an dem Talk-Thema?

Vier Monate vor der Bundestagswahl schon die Chancenlosigkeit von Martin Schulz zu diskutieren, verbieten eigentlich schon gesunder Menschenverstand und Erfahrungen mit Wahlkämpfen. Aber nach der NRW-Wahl am Sonntag und der deutlichen Niederlage der SPD war es für die "Hart, aber fair"-Redaktion dann vielleicht doch zu verlockend, auf den gerade durch die Medien brausenden "Schulz ist am Ende"-Zug aufzuspringen.

Wie gelungen war die Gäste-Auswahl?

Mit Thomas Oppermann und Markus Söder über die Chancen oder Chancenlosigkeit des SPD-Kanzlerkandidaten zu diskutieren – da muss man schon eine Menge Optimismus an den Tag legen, um eine sinnvolle Diskussion zu erwarten.

Während Oppermann naturgemäß den eigenen Kandidaten starkreden und die jüngsten Pleiten relativieren musste, lobte CSU-Mann Söder wie üblich die Leistungen Bayerns und verstieg sich in selbsternannten Wahrheiten, die meist mit "Die Menschen wollen ..." anfingen.

Nun kann man zu Recht hinterfragen, warum man mit Ulrich Matthes einen Schauspieler und noch dazu einen SPD-nahen eingeladen hatte. Ob man nun Matthes' Meinungen teilt oder nicht – der Schauspieler war gestern Abend eine Bereicherung, weil er leidenschaftlich und ohne Scheuklappen für seine Meinung kämpfte und mit seiner unkonventionellen Art den üblichen Politik-Talkshow-Sprech aushebelte.

Was ist denn nun mit Martin Schulz?

Große Überraschung: Man weiß es nicht. Ging es am Anfang tatsächlich noch um die Lage von Martin Schulz, wurden in der zweiten Hälfte fast ausschließlich Sachthemen und Details wie Finanztransaktionssteuer, Ganztagsschulen oder kalte Progression gewälzt.

Nach SPD-Debakel bei NRW-Wahl War es das schon für Martin Schulz?
  • A
    Ja, Merkel ist nicht mehr zu schlagen
  • B
    Nein, Schulz kann noch Kanzler werden
  • C
    Weiß nicht

In ein paar Punkten gab es aber dann doch Klarheit. So war man sich weitgehend einig, dass es ein Fehler war, den Schwung, den Martin Schulz hatte, bei den Landtagswahlen bewusst abzubremsen. Anders interpretiert könnte man auch sagen, dass die Umfragedelle von Schulz nicht an Schulz, sondern an zu wenig Schulz liegt. Auch, dass Schulz noch an Kontur zulegen müsse, kann man als konsensfähig in der Runde bezeichnen.

Was man bei all der Aufregung um ein vermeintliches Ende des Schulz-Effekts gar nicht diskutierte, war die Tatsache, dass die SPD Anfang des Jahres gerade einmal bei kümmerlichen 20 Prozent lag. Selbst wenn nun drei Landtagswahlen verloren gingen, ist der "Schulz-Effekt" mit Blick auf aktuelle Werte dennoch erheblich gewesen.

Aber man kann natürlich aus jeder Momentaufnahme eine Talk-Runde machen. Daher sollten wir uns schon einmal auf kommende Sendungen mit den Themen "Hat Merkel überhaupt noch eine Chance?" oder "Merkel vs. Schulz – wer macht es denn nun?" einstellen.

Wer achtete auf das eigentliche Thema?

Plasberg moderierte in der Tat hart, aber fair. Die Runde lieferte ihm aber diesmal auch wenig Durcheinander, das er hätte ordnen müssen. Besonders auffällig war aber, dass es immer wieder Christiane Hoffmann war, die zum eigentlichen Thema, nämlich die Chancen von Martin Schulz, zurückführte.

Wie zum Beispiel mit ihrem Einwand, dass es nicht allzu lange her ist, dass es einen doppelten Effekt der Merkel-Müdigkeit gab. Bei Merkel selbst, aber vor allem auch in der Bevölkerung. Und wer kann Mitte Mai sagen, dass dieser Effekt bis September nicht wieder auftritt? Das "Schulz-Hoch" habe gezeigt, dass es das Potenzial einer Wechselstimmung gibt. Warum also soll sich diese Stimmung nicht wieder einstellen?

Laut Hoffmann sehe man gerade in Frankreich, wie man mit einem anderen Politikstil, einem visionären Auftreten Wahlen gewinnen könne. Merkel hingegen stehe nicht für Visionen, sondern für das Moderieren und Probleme lösen. Diese Sehnsucht nach einem anderen Politik-Stil könne für die Kanzlerin gefährlich werden.