Zwei deutsche Soldaten sterben bei einem Hubschrauberabsturz in Mali. Zwar ist es diesmal wohl ein technischer Defekt, der sie das Leben kostet - dennoch ist der Einsatz der Bundeswehr in Westafrika in seiner Gefährlichkeit vergleichbar mit dem in Afghanistan.

Nach einem Hubschrauberabsturz mit zwei Toten in Mali rückt der umstrittene Einsatz wieder in den Fokus. Seit März 2017 sind vier Kampfhubschrauber des Typs "Tiger" und vier Transporthubschrauber vom Typ "NH90" in Mali stationiert. Sie ersetzten die aus der Stadt Gao abgezogenen niederländischen Hubschrauber.

Tödlicher "Tiger"-Absturz in Mali mit Bundeswehr-Soldaten wirft Fragen auf.


Bis Anfang 2016 war die Bundeswehr fast ausschließlich im Süden Malis aktiv. Dieser gilt als relativ sicher, obwohl es auch dort verheerende Anschläge gegeben hat, etwa den auf ein Hotel in Bamako mit 20 Toten im November 2015.

Im Januar 2016 beschloss der Bundestag jedoch, das deutsche Engagement im Norden des Landes zu verstärken - im Rahmen der UN-Mission "Minusma".

Deren Ziel ist es, Mali zu stabilisieren. Zudem soll die Einhaltung des Friedensabkommens zwischen der Regierung und den Rebellen überwacht werden, das im Sommer 2015 geschlossen wurde.

Mehr als 11.000 Blauhelmsoldaten und knapp 1.500 Polizisten und Zivilpersonal sind für "Minusma" im Einsatz, darunter auch deutsche Soldaten. Sie sollen vor allem bei der Aufklärung helfen, unter anderem mit Drohnen und Spähpanzern.

Deutschland ist in dem westafrikanischen Land nicht nur an der UN-Mission beteiligt: Die Bundeswehr nimmt auch an der von der EU geführten Ausbildungsmission "EUTM Mali" teil.

116 tote Soldaten seit 2013

"Minusma" gilt als die derzeit gefährlichste UN-Mission. Schon 116 Soldaten sind seit 2013 im Einsatz gestorben.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte bei einem Besuch in Mali im April 2016: "Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass der Einsatz der Bundeswehr bei "Minusma" ein Einsatz in einer gefährlichen Region ist."

Zwar beteiligt sich Deutschland nicht direkt am Anti-Terror-Kampf. Doch auch wenn die Bundeswehr nicht nach Mali gehe, um gegen Terroristen zu kämpfen, könne sie dort auf Terroristen treffen, warnte der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Hans-Peter Bartels.

Bartels hält den Einsatz in Mali für ebenso gefährlich wie den in Afghanistan, der 2014 zu Ende ging. Bei dem Einsatz kamen 56 deutsche Soldaten ums Leben.

Bedrohungslage "erheblich" bis "hoch"

Ein Vergleich, den auch der Afrika-Experte Georg Klute für angemessen hält. "Auch in Mali werden die internationalen Missionen von den Islamisten als Gegner angesehen", sagte der Ethnologe von der Universität Bayreuth im Gespräch mit unserer Redaktion.

Dementsprechend kritisch sei die Sicherheitslage. Soldaten, die im Norden stationiert seien, müssten mit Überfällen und Minen rechnen.

"Sie wappnen sich mit Panzern und Suchgeräten, aber die Gegenseite stellt sich darauf ein", erläutert Klute. "Zum Beispiel mit Minen, die nicht auf Druck reagieren - also explodieren, wenn etwa ein Auto darüber fährt -, sondern am Rand der Straße platziert und ferngezündet werden."

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Von G36 bis Eurofighter: Die größten Pannen der Bundeswehr

Der Helikopter-Absturz in Mali könnte durch einen technischen Defekt ausgelöst worden sein. Auch in der Vergangenheit hatte die Bundeswehr immer wieder Probleme mit ihrer Ausrüstung. Das sind die größten Pannen des deutschen Militär.

Mitunter werden auch UN-Stützpunkte angegriffen, wie im November 2015 das Lager in Kidal im Nordosten des Landes. Die Angreifer schossen damals Raketen auf das Lager, drei Menschen wurden getötet.

Ein französischer Oberst sprach in einem Zeitungsinterview von einem bis zwei Angriffen pro Monat in und um Kidal - mit Sprengsätzen, Granaten oder anderen Waffen. Er sagt, die Bedrohung durch Terrorgruppen sei "wenn nicht hoch, so doch latent".

Bundeswehrintern wird die Bedrohungslage des "Minusma"-Missionsgebietes laut "Spiegel Online" allerdings mit den beiden höchsten Stufen, also "erheblich" und "hoch" klassifiziert.

Bundeswehrkontingent schon mehrmals aufgestockt

Zunächst waren in dieser Mission 200 deutsche Soldaten aktiv. Sie waren hauptsächlich in einem Camp in der Nähe der Hauptstadt Bamako - im mutmaßlich sichereren Süden - stationiert. 2016 wurde das Engagement auf 650 Soldaten ausgeweitet.

Das jüngste Mandat vom Januar 2017 beinhaltet eine neuerliche Erhöhung: Demnach können nun bis zu 1.000 deutsche Soldaten für die Mission eingesetzt werden.

Derzeit ist der Großteil des deutschen Einsatzkontingents in Gao im als deutlich unsicherer geltenden Norden Malis stationiert.

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Deutschland stellt auch immer noch Personal für das Hauptquartier in Bamako und betreibt in Niamey, der Hauptstadt des benachbarten Niger, einen Lufttransportstützpunkt, um Material- und Personaltransporte sowie die medizinische Versorgung von Verwundeten zu gewährleisten.

Auch wenn die Bundeswehr natürlich versucht, die Ausbilder so gut wie möglich auf das neue Einsatzgebiet vorzubereiten, hat sie laut Georg Klute von der Uni Bayreuth etwa gegenüber der französischen Armee einen Nachteil: Sie habe bisher nur wenige Einsätze in Afrika gehabt - und verfüge deswegen nur über wenige Kontakte.

Kontakte, die den Soldaten Informationen über drohende Anschläge oder andere Gefahren liefern und somit eventuell Leben retten könnten.