Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt sich zum 75. Mal. Europa war weitgehend verwüstet, das Kriegsende bedeutete gleichzeitig Hoffnung und Verzweiflung - wie war die Situation nach dem Ende des Nazi-Terrorregimes?

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Der 8. Mai 1945, der Tag an dem die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft trat, markiert das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und damit die Befreiung vom Nationalsozialismus. Im pazifischen Raum dauerte der Krieg noch bis August 1945 und endete am 2. September mit der Kapitulation Japans.

Das Kriegsende bedeutete gleichzeitig Hoffnung und Verzweiflung, denn die Ausgangslage war verheerend, und viele Menschen starben in der Zeit unmittelbar nach dem Krieg an Hunger, Krankheiten oder Verletzungen.

Bilanz des Zweiten Weltkriegs: 60 Millionen Tote weltweit

Der Zweite Weltkrieg forderte weltweit etwa 60 Millionen Tote, viele davon sind an der Front gefallen. Noch mehr Tote gab es unter den Zivilisten, die bei Bombenangriffen oder auf der Flucht ums Leben kamen.

Die Sowjetunion, das Land mit den meisten Toten, hatte mehr als 26 Millionen Tote zu beklagen. In Deutschland gab es 6,3 Millionen Tote, darunter 5,2 Millionen Soldaten. Die USA hatte knapp 300.000 Tote, China über 10 Millionen; 150.000 Japaner starben durch die amerikanischen Atombomben.

Über sechs Millionen Juden, Tausende Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle und politische Gegner wurden in Konzentrationslagern getötet. 17 Millionen Menschen galten als verschollen.

Gefangene und Flüchtlinge in Europa

Nach Kriegsende waren elf Millionen deutsche Soldaten in Gefangenschaft. Aus sowjetischen Lagern kehrten zwei von 3,3 Millionen Deutschen zurück, die letzten 1956. Von 5,7 Millionen Rotarmisten starben 3,3 Millionen in deutscher Gefangenschaft.

Es gab Millionen von Flüchtlingen. Vor und nach Kriegsende wurden 12 Millionen Menschen aus den östlichen Reichs- und Siedlungsgebieten vertrieben und suchten eine neue Heimat.

Hunderttausende Polen aus dem von der Sowjetunion annektierten Ostteil des Landes verloren ihre Heimat. Zwischen 1944 und 1947 sollen zwischen 400.000 und zwei Millionen Flüchtlinge ums Leben gekommen sein.

Die Situation der deutschen Bevölkerung am 8. Mai 1945

Aufgrund der Nahrungsmittelknappheit ging es für viele Menschen ums nackte Überleben. Es gab kaum Nahrung oder Kleidung; Lebensmittel waren meist nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich.

Viele Familien waren ausgebombt und hatten keine Bleibe. Elternlose Kinder suchten auf den Straßen Unterschlupf und Nahrung. Die Verbindung zu Familienangehörigen und Freunden war abgebrochen; Ehemänner, Söhne, Väter und Brüder im Krieg gefallen oder vermisst.

Auch wenn das Kriegende mit dem Datum 8. Mai 1945 beziffert wird, so waren viele deutschen Orte bereits ab Herbst 1944 von den Alliierten besetzt.

Wie die deutsche Bevölkerung das Kriegsende erlebt hat, hing nicht zuletzt von ihrer jeweiligen Situation ab. Es erstreckte sich von Erleichterung und dem Gefühl der ersehnten Befreiung vom Nationalsozialismus, über Enttäuschung ob des verlorenen Krieges bis hin zu traumatischen Erfahrungen infolge von Raub, Vergewaltigung und Mord, insbesondere in den östlichen Gebieten.

Grad der Zerstörung und Wiederaufbau

Deutschland war durch Luftangriffe und Bodenkämpfe weitgehend zerstört und glich einer Ruinenlandschaft. In Europa sah es ähnlich aus. In der Sowjetunion gab es über 70.000 zerstörte Städte und Dörfer sowie über 30.000 zerstörte Betriebe.

In Großbritannien war die Stadt Coventry der deutschen Luftwaffe zum Opfer gefallen, auch London wurde bei Luftangriffen stark beschädigt.

In Frankreich waren 400.000 Gebäude zerstört, fünfmal so viele Häuser beschädigt. Außerdem waren Häfen, Bahnschienen, Straßen und Brücken häufig unbrauchbar.

In Deutschland lagen vor allem in den Großstädten rund 400 Millionen Kubikmeter Schutt und Asche. Es gab etwa fünf Millionen zerstörte oder beschädigte Wohnungen, außerdem zerbombte Fabriken und Verkehrswege.

Firmen mit technischem Großgerät machten sich an die Trümmerräumung. Ehemalige Nazi-Funktionärinnen sowie der Rest der Bevölkerung wurden von den Alliierten zum Arbeitseinsatz zwangsverpflichtet. Kriegstrümmer waren wichtiges Material für den Wiederaufbau. Die sog. "Trümmerfrauen" erhielten zwar nur einen geringen Stundenlohn, jedoch erhöhte Lebensmittelrationen, die ihnen das Überleben erleichterten.

Die alliierten Siegermächte

Großbritannien, Frankreich, die USA und die Sowjetunion gingen als Gewinner des Krieges hervor. Fortan sollten der britische Premierminister Winston Churchill, der französische Ministerpräsident Charles de Gaulle, der amerikanische Präsident Harry S. Truman, der die Nachfolge des im April 1945 verstorbenen Franklin D. Roosevelt antrat, und der sowjetische Diktator Josef Stalin über das Schicksal Deutschlands entscheiden.

Mit dem Ziel, die eigenen Besatzungstruppen zu schützen, sollte die deutsche Wirtschaft nur insoweit wieder in Gang gesetzt werden, als es zur Verhütung von Hungersnot, Seuchen und Unruhen notwendig war.

Die Siegermächte setzten die Entmilitarisierung und Entnazifizierung in Gang. Eine wichtige Aufgabe bestand in der Aufarbeitung der Kriegsverbrechen und der Morde in den Konzentrationslagern im Rahmen der Nürnberger Prozesse, die im November 1945 begannen.

Ideologische Unterschiede innerhalb der Siegermächte

In den "Berliner Erklärungen" der vier Siegermächte vom 5. Juni 1945 wurde Deutschland in vier Besatzungszonen eingeteilt und ein "Alliierter Kontrollrat" eingesetzt. Die Besatzungsmächte verfolgten jedoch eine unterschiedliche Politik. Und so sollten die ideologischen Unterschiede zwischen Ost- und Westmächten zum Grundstein für den Kalten Krieg und die spätere Teilung Deutschlands werden.

Die Tatsache, dass die Sowjetunion die meisten Toten zu beklagen hatte, trug sicherlich dazu bei, dass deren spätere Außenpolitik vor allem darauf abzielte, einen ähnlichen Überfall wie den von Hitler zukünftig zu vermeiden.

Die Politik der Sowjetunion führte zu zunehmenden Differenzen zwischen den Siegermächten. Auf der Londoner Außenministerkonferenz kam es dann im Dezember 1947 zum Bruch zwischen den Westmächten und der Sowjetunion.

Im Juni 1948 verkündeten die drei Westmächte die politische Angleichung ihrer Zonen und schufen somit die Grundlage für die BRD.

Gründung der UNO mit dem Ziel eines dauerhaften Friedens

Um für einen dauerhaften Frieden zu sorgen, wurde auf der Konferenz von Teheran noch im Jahr 1945 die Gründung der UNO beschlossen. Im Juni 1945 unterzeichneten 50 Staaten die UN-Charta der Vereinten Nationen, als offizieller Gründungstag gilt der 24. Oktober 1945.

Im Januar 1946 entstanden auf der UN-Generalversammlung in London die UN-Menschenrechtskommission, der UN-Sicherheitsrat und das UN-Sekretariat, außerdem der UN Wirtschafts- und Sozialrat sowie der Internationale Gerichtshof.

Verwendete Quellen:

  • Arnulf Schriba: Das Kriegsende 1945, Lebendiges Museum Online, Deutsches Historisches Museum
  • Heinrich Pleticha (Hrsg.): Deutsche Geschichte Band 12 - Geteiltes Deutschland - Nach 1945
  • Planet-Wissen.de: Malte Linde: Nachkriegszeit
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