Endlich mal wieder eine Woche, bei der man seinen Rückblick ohne schlechtes Gewissen mit der schönsten Nebensache der Welt beginnen kann: König Fußball. Oder in diesem Fall, immerhin ist ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ein Teil der Geschichte, Königin Fußball.

Marie von den Benken
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Dunja Hayali ist Fan von Borussia Mönchengladbach. Und das ist nicht das Einzige, was in ihrer Erziehung bemerkenswert falsch gelaufen ist. Neben ihrer dubiosen und im Prinzip nur mit einem ausgeprägten Hang zum Masochismus erklärbaren Vorliebe für die Fohlen aus dem Nordpark hat sie zahlreiche Auszeichnungen für ihre journalistische Arbeit erhalten, darunter einen Bambi und das Bundesverdienstkreuz. Wenn man so will, ist sie im Titelholen besser als ihr Verein.

Masochismus übrigens, das nur für die zahlreichen Mitleser aus der Querdenken-Szene, ist weder eine Religion, noch hat es etwas mit Mao zu tun. Die "Nazis waren doch eigentlich Sozialisten"-Kommentare also bitte für grenzgeniale Super-Tweets auf Twitter aufsparen, wenn Harald Martenstein mal wieder über Judensterne und ihren nichtexistierenden antisemitischen Hintergrund philosophiert.

Harald Martenstein, wo wir hier heute ohnehin schon so viel erklären, ist auch ein Journalist. Er hat keinen Bambi und kein Bundesverdienstkreuz, sieht aber dafür mehr und mehr aus wie sein Namensvetter Harald Schmidt. Beide kann man inzwischen eigentlich nur noch beim Impfstatus auseinanderhalten.

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Niederrheinderby des Journalismus

Hayali jedenfalls ist also Fan von Borussia Mönchengladbach. Konkret also von dem Team, dessen beste Zeiten – leicht verkürzt zusammengefasst – im Grunde vorbei waren, nachdem sich Günther Netzer 1973 im Pokalfinale gegen den 1.FC Köln selbst einwechselte und anschließend den 2:1 Siegtreffer schoss.

Damals war Hayali noch nicht geboren, ich schon erst recht nicht, was letztendlich bedeutet, dass wir beide nie in den Genuss gekommen sind, zu Lebzeiten einen Titelgewinn der Gladbacher feiern (Hayali) beziehungsweise ertragen (Rest der Welt) zu müssen.

Stichwort Gladbach gegen Köln. Hätten Sie es gewusst? Begegnungen zwischen Gladbach und dem 1. FC Köln werden im Sportjournalisten-Jargon und unter Fans gerne Niederrheinderby genannt. Dieser Name ist einfach erklärt: Ein Spiel dauert 90 Minuten, 22 Spieler versuchen den Ball ins gegnerische Tor zu schießen, aber Gladbach kriegt ihn Niederrhein.

Warum aber lesen Sie jetzt schon mehrere Absätze über eine fußballgeschmacksverirrte Moderatorin des "Morgenmagazins", der für ihre kritische Berichterstattung (beispielsweise von Corona-Demos oder Pegida-Aufmärschen) regelmäßig von der Rechtsbubble empfohlen wird, lieber wieder dahin zu gehen, wo sie hergekommen ist? Berechtigte Frage. Nun, Dunja Hayali und ich haben ein besonderes Ritual, das (sofern Gladbach sich in der ersten Liga befindet, was aktuell für die Zukunft nicht unbedingt als gesichert gelten darf) zwei Mal im Jahr seinen Höhepunkt findet. Das Aufeinandertreffen der falschen Borussia von Hayali und der echten Borussia – dem Ballspielverein Borussia Dortmund von 1909. Ach, und bevor Sie sich jetzt ruhelos fragen, wohin die intellektuelle Elite der "Welt"-Abonnenten Frau Hayali gerne zurückschicken würde: Sie ist in Datteln geboren. Datteln kommen aus dem Orient. Da haben wir es: Wirtschaftsflüchtling!

Erika Steinbach muss Text lernen

Als ich das letzte Mal in eine Wirtschaft geflüchtet bin, war das auf der, naja, Prachtmeile Unter den Linden in Berlin. Von irgendwo trommelten selbsternannte Freiheitskämpfer, die zwar ein bombenstarkes Immunsystem und daher keine Angst vor der leichten Grippe Corona haben, aber vom Tragen einer Maske im Supermarkt lebensbedrohliche Atembeschwerden davontragen.

Ich flüchtete also in eine Wirtschaft, konkret ins "Einstein". Dort gibt es hervorragendes veganes Avocado-Toast, leider sitzt aber auch oft Erika Steinbach irgendwo in der Ecke und lernt Texte für ihre Hauptrolle im nächsten "Joker"-Blockbuster.

Aber zurück zum Thema: Dieses Wochenende war es wieder so weit. Also, falsche Borussia gegen echte Borussia, nicht Erika Steinbach Texte abfragen bei Avocado-Toast. Im schönsten Stadion der Welt empfing der Verein der Echten Liebe, Borussia Dortmund, seinen Namenspendant aus der hässlichsten Stadt Deutschlands: Borussia Mönchengladbach.

In einem Anfall von Selbstkasteiung (siehe: Masochismus; weiter oben) war Dunja Hayali persönlich vor Ort. Ich wäre gerne ebenfalls gekommen und hätte diesem legendären Nachmittag im Stadion beigewohnt, aber ich muss ja diesen Wochenrückblick schreiben. Danke, Merkel!

Hayali also, so sind sie, die fußballbildungsfernen Staatsfunk-Marionetten, hatte voller Vorfreude auf das Fußballspektakel über den Kurznachrichtendienst Twitter dot Com ihre Teilnahme angekündigt und in totaler Euphorie einen 2:1 Auswärtssieg für Gladbach prognostiziert. Nun ja, was soll ich sagen: Es kam ein wenig anders. Borussia Dortmund, das darf man im Angesicht von "Zeynep" und "Antonia" wohl eindeutig so formulieren, fegte Gladbach aus dem Stadion. Ein am Ende mit 6:0 noch recht glimpflich abgelaufener Abend für Frau Hayali. In verletzungsbedingter Abwesenheit Erling Haalands ein Ergebnis, das aufhorchen lässt. Mit dem wohl besten Stürmers Europas an Bord hätte der BVB der Hayali-Trümmertruppe an diesem Abend womöglich zweistellig eingeschenkt.

Stürmerstar Hayali

Klar, die Borussia aus Gladbach hatte in der ersten Halbzeit auch die eine oder andere hochklassige Chance und einen Lattentreffer in der zweiten, aber so ist Fußball. Oder wie – sorry, ich muss den Rekordnationalspieler erneut referenzieren – Lothar Matthäus sagen würde: "Wäre, wäre, Fahrradkette". Hayali hat in ihrer Jugend selbst aktiv Fußball gespielt. Und unter uns gesagt: Wäre sie in diesem schon jetzt legendären Spiel anstelle von beispielsweise Ramy Bensebaini oder Breel Embolo aufgelaufen – schlechter wäre es für den Heimatverein von Rasensport-Ikonen wie Sebastian Deisler, Jupp Heynckes, Uwe Rahn, Berti Vogts, Stefan Effenberg, Rainer Bonhof oder Uli Stielike auch nicht gelaufen. Eher besser.

Fun Fact am Rande: Hayali darf beim ZDF auch das "Aktuelle Sportstudio" moderieren. Leitet man ihre Kenntnisse über guten Fußball von ihren Vereins-Vorlieben ab, ist das in etwa so, als würde Lothar Matthäus "Telekolleg Englische Literatur für Fortgeschrittene" (Original-Ton mit Untertiteln) moderieren. Beim von unseren Gebühren zwangsfinanzierten Rentnersender aus Mainz ist offensichtlich alles möglich. Vermutlich darf Johannes B. Kerner da sogar Samstagabend-Shows präsentieren.

Quartett des Grauens

Was viele nicht wissen: Hayali bildet nebenberuflich gemeinsam mit dem Autor Hasnain Kazim ("Post von Karlheinz"), Pianist Igor Levit ("Encounter") und mir Deutschlands bekanntestes und gleichzeitig umstrittenstes Twitter-Gourmet-Quartett.

Hayali hasst Rosenkohl (fast so sehr wie Niederlagen gegen den BVB), wir anderen drei halten Rosenkohl für unerlässlich, um die Weltherrschaft zu erringen (oder wenigstens gesund zu bleiben). Kazim möchte in seinem Kalifat eine Mettbrötchen-Pflicht einführen, für uns andere drei, die kein Interesse daran hegen, frühzeitig mit koronaren Herzkrankheiten außer Gefecht gesetzt zu werden, ein Szenario, das uns noch mehr Unbehagen bringt als Sahra Wagenknecht eine Corona-Impfung.

Die beiden Männer verstehen dagegen überraschenderweise ziemlich wenig von Fußball. Gut, Dunja Hayali auch nicht, aber immerhin zeigt sie echte Leidenschaft für das Spiel. Außerdem eruieren wir aktuell, ob wir unsere harmonische Viererkombination auch auf breiterer Ebene der Öffentlichkeit zugänglich machen sollten. Wir sind uns nur noch nicht sicher, ob als Band (die neuen ABBA), als Investigativ-Ermittler (die neuen TKKG) oder als Partei (die neuen linksgrünversifften Gutmenschen). Bis kommende Woche wissen wir vielleicht mehr. Bis dann!

Smudo

#allesindenArm: Twitter-Kampagne will zum Impfen bewegen

Prominente rufen unter dem Hashtag #allesindenArm zur Corona-Impfung auf. Darunter sind der Rapper Smudo, die Moderatorin Dunja Hayali und die frisch gewählte Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig. (Photocredit: picture alliance/dpa)