Thomas Müller bekam am vergangenen Spieltag einmal mehr zu spüren, dass er unter Trainer Thomas Tuchel lediglich ein Reservist ist. Das könnte Konsequenzen für seine Zukunftsplanung haben.

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Thomas Müller schmorte 90 Minuten auf der Bank. Obwohl am Freitagabend beim 1:0 gegen den 1. FC Köln Jamal Musiala weiterhin verletzungsbedingt fehlte, durfte der Routinier nicht auf seiner bevorzugten Position im offensiven Mittelfeld auflaufen. Stattdessen bekam Eric Maxim Choupo-Moting, der eigentlich ein Mittelstürmer ist, den Vorzug.

Nicht einmal eine Einwechslung in der Schlussphase war Müller gegönnt. Trainer Thomas Tuchel verzichtete in dem Spiel komplett auf Auswechslungen. "Natürlich habe ich überlegt, ob wir noch Thomas, Rapha (Guerreiro, Anm. d. Red.) oder Mathys Tel reinbringen, die es auch verdient gehabt hätten", sagte Tuchel hinterher. "Aber ich wollte unseren eigenen Rhythmus nicht mehr stören."

Dass Choupo-Moting anstelle von Müller in der Startelf stand, hing laut Tuchel vorwiegend damit zusammen, "dass wir die Körpergröße und Kopfballstärke von Choupo haben wollten." Zudem hob Tuchel die guten Trainingsleistungen von Choupo-Moting hervor: "Mir ist wichtig, dass die Spieler, die die ganze Woche gut trainieren, auch die Möglichkeit haben, reinzukommen."

Müller hingegen nahm an den Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft teil und stieß erst später zur Mannschaft. Doch sind das wirklich die Gründe für den Reservisten-Status von Müller?

Müller spielt unter Tuchel nur eine Nebenrolle

Dass Müller unter Tuchel lediglich eine Nebenrolle spielt, ist speziell in dieser Saison zu beobachten. Nur in vier von bisher zwölf Bundesligaspielen stand er in der Startelf, in der Champions League noch gar nicht.

"Mir ist total bewusst, dass Thomas eine große Rolle bei uns spielt. Und das tut er auch – auch wenn man das vielleicht nicht so an den Minuten ablesen kann. Aber das tut er definitiv", sagte Tuchel. Ob das stimmt, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Der Vertrag von Müller endet nämlich nach dieser Saison. Seine weitere Zukunft? Völlig ungewiss.

Der 34-Jährige stellte gegenüber der "Sport Bild" klar, seine Karriere noch nicht beenden zu wollen: "Ich will auf jeden Fall über 2024 hinaus ein Jahr weiterspielen. So ist zumindest mein Plan. Ich habe weiter Spaß daran, auf dem Platz zu stehen – ich hoffe, das sieht man."

Dass es ihn ärgere, wenn er nicht auf dem Platz stehe, sei laut Müller "auch klar." Doch er schätzt die Situation realistisch ein: "Wir haben aktuell bei uns in der Offensive fast ein Überangebot an Qualitätsspielern. Da muss jeder manchmal schlucken."

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Gehalt von Müller könnte zu einem Problem werden

Der FC Bayern dürfte bezüglich seiner Zukunftsplanung der erste Ansprechpartner bleiben. Ein Selbstläufer wird die Vertragsverlängerung allerdings nicht. Müller zählt mit einem geschätzten Jahresgehalt von rund 20 Millionen Euro zu den Top-Verdienern des FC Bayern. Eine Vertragsverlängerung dürfte nur zustande kommen, wenn Müller erhebliche Gehaltskürzungen akzeptiert.

Sportdirektor Christoph Freund kündigte zwar Gespräche mit Müller an, äußerte sich aber insgesamt vorsichtig: "Als Spieler ist er eine Legende, er gehört zum FC Bayern München. Aber es muss für alle Seiten passen." Angepeilte Vertragsverlängerungen mit jüngeren Spielern wie Leroy Sane, Jamal Musiala oder Alphonso Davies dürften so viel Geld kosten, dass sich der FC Bayern keinen hoch dotierten Vertrag für einen "Edel-Joker" wie Müller leisten kann beziehungsweise will.


Stellt sich die logische Frage: Was macht Müller, wenn er sich mit dem FC Bayern nicht auf einen neuen Vertrag einigen kann?

Manchester United gilt als Interessent

Laut der "Sport Bild" soll der englische Traditionsverein Manchester United bereits im Winter Interesse bekundet haben, Müller zu verpflichten. Deren Trainer Erik ten Hag, der von 2013 bis 2015 noch Trainer der 2. Mannschaft des FC Bayern war, suche nämlich nach Profis, die United mit ihrer Erfahrung wieder auf die Erfolgsspur führen können.

Wäre Müller im kommenden Sommer ablösefrei zu haben, könnte der Verein einen neuen Versuch wagen. Gehaltstechnisch dürfte Manchester für Müller attraktiv sein, weil die Premier-League-Vereine aufgrund der hohen TV-Einnahmen andere finanzielle Möglichkeiten haben als die Bundesligisten.
Auch Bayern-Ikone Bastian Schweinsteiger wechselte im Jahre 2015 zu United, wurde dort allerdings nicht glücklich. Nachdem er in der Hinrunde noch regelmäßig eingesetzt wurde, war er von langwierigen Verletzungsproblemen geplagt und wurde danach aussortiert.

Einerseits könnte dies eine Warnung für Müller sein. Andererseits könnte er darauf spekulieren, dass ihm dies unter dem ihm bekannten Erik ten Hag nicht passiert. Möglicherweise hätte auch Schweinsteiger in Manchester eine bessere Zeit verbracht, wäre nicht Louis van Gaal, der bereits in München sein Trainer war, im Mai 2016 von United entlassen worden.

Die weiteren Optionen: Saudi-Arabien oder die MLS?

Auch andere Vereine aus England könnten weiterhin an Müller interessiert sein. Anfang des Jahres vermeldete die "Bild", dass die beiden Premier-League-Vereine FC Everton und Newcastle United den deutschen Nationalspieler verpflichten möchten.

Zudem soll es momentan auch interessierte Vereine in Saudi-Arabien und in der nordamerikanischen Profiliga Major League Soccer (MLS) geben. Müller hat also offenbar mehrere Optionen, um seine Karriere fortzusetzen. Angewiesen auf den FC Bayern ist er jedenfalls nicht.

Verwendete Quellen

  • Pressekonferenz nach dem Spiel 1. FC Köln – Bayern München
  • Sport Bild (47/2023): Erste Entscheidung im Müller-Poker: "Ich spiele weiter"
  • bild.de: Zwei England-Klubs jagen Müller!
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