Ein schwieriger, aber unspektakulärer Transfersommer geht für den FC Bayern zu Ende. Dank Ausrufezeichen am Schluss kann er insgesamt zufrieden sein. Für die Liga ist das jedoch eine schlechte Nachricht.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Etwas kleinere Brötchen backen als gewohnt. Das gilt in Anbetracht der Auswirkungen der Coronakrise derzeit auch für den FC Bayern auf dem Transfermarkt.

57,5 Millionen Euro investierte der Rekordmeister bis zum Ende der Transferperiode am Dienstagabend in neue Spieler. Nur zweimal gab er in den vergangenen zehn Jahren weniger aus. Im europäischen Vergleich liegt der deutsche Serienmeister in diesem Sommer - was die reinen Transferausgaben angeht - gerade mal so unter den Top 20. Knapp hinter Norwich City.

Nun muss man angesichts dieser Summen nicht unbedingt von einer neuen Bescheidenheit beim Rekordmeister sprechen, das Geld sitzt aber auch in München deutlich enger als zuletzt. In den Regionen von Manchester City, Manchester United und PSG wollen und können die Bayern derzeit nicht mitspielen. Zumindest, was Transferausgaben angeht.

Verstärkungen auf Kosten von RB Leipzig

Und doch schafften es die Münchner, zum Ende der Transferperiode mit der Verpflichtung von Marcel Sabitzer nochmal größer zuzuschlagen. Der Transfer von Sabitzer ergibt auf allen Ebenen Sinn. Der Österreicher ist ein Leader auf dem Feld. Er ist spielstark mit dem Ball, hat einen großen Aktionsradius und fühlt sich auf mehreren Mittelfeldpositionen wohl.

Sabitzer hat das Spiel gern vor sich, kann das Tempo verändern und ist robust genug, um bei gegnerischen Kontern auch als Wellenbrecher zu agieren. Hinzu kommt eine gewisse Torgefahr, die den Münchnern aus dem Mittelfeld heraus guttun wird.

Sabitzer ist eine sehr gute Ergänzung zu Joshua Kimmich und Leon Goretzka, die seit zwei Jahren den Großteil der Arbeit im zentralen Mittelfeld schultern. Zumindest muss niemand schlecht schlafen, wenn Sabitzer für die Münchner in einem wichtigen Spiel in der Champions League auflaufen wird, weil Kimmich oder Goretzka fehlen.

Mit 15 Millionen Euro Ablöse und einem Vertrag bis 2025 ist er mit Sicherheit kein Schnäppchen, aber ziemlich fair bewertet. Das war ein Ausrufezeichen ganz am Ende der Transferperiode.

Eine schlechte Nachricht ist der Transfer dagegen vor allem für die Liga. Nach Dayot Upamecano (42,5 Millionen Euro), der sich in den ersten Spielen bereits als Verstärkung präsentierte, ist Sabitzer der zweite Schlüsselspieler, der vom direkten Konkurrenten RB Leipzig an die Isar wechselt. Dazu kamen Julian Nagelsmann und große Teile des Trainerteams.

Auch das ist ein gewisser Bruch mit den Trends der Vorjahre, als die Top-Transfers vor allem aus dem Ausland kamen. Für die Spannung in der Liga ist es aber absolut kein gutes Signal, wenn sich der Branchenprimus fast ausschließlich auf Kosten des letztjährigen Vizemeisters verstärkt.

Dass neben Sabitzer, Upamecano und dem ablösefreien Ersatztorwart Sven Ulreich keine weiteren nennenswerten Namen hinzukamen, lag auch daran, dass der FC Bayern keine weiteren Einnahmen durch Verkäufe erzielen konnte.

Der FCB wird seine Sorgenkinder nicht los

Mit David Alaba, Jerome Boateng und Javi Martinez gingen zwar große Namen – allerdings allesamt ablösefrei. Hinzu kommt eine ganze Armada von Leihspielern wie Chris Richards (Hoffenheim), Joshua Zirkzee (Anderlecht) und Alexander Nübel (Monaco).

Weitere Kandidaten für einen Verkauf wie der selten glücklich agierende Michael Cuisance und Corentin Tolisso bleiben nun doch beim FC Bayern. Bei den Ausgeliehenen hat aktuell nur Torwart Nübel echte Zukunftsperspektiven in München.

Insgesamt bleibt der Eindruck, dass die Münchner in der Breite etwas zu viele Spieler haben, die noch nicht so recht ins Konzept von Julian Nagelsmann passen. Auch Bouna Sarr ist hier zu nennen. Hier sollte im kommenden Jahr nachgesteuert werden, auch, um insgesamt von der Bank in allen Mannschaftsteilen mehr Qualität verfügbar zu haben.

Ein Glücksfall ist hier bisher Eigengewächs Josip Stanisic (21), der den kritischen Ausfall von Benjamin Pavard auf der rechten Seite exzellent ersetzt und damit eine Schwachstelle im Kader kaschiert. Er kann wie ein Neuzugang gesehen werden.

Auch die sehr positive Entwicklung von Jamal Musiala (18) hilft dem FC Bayern enorm. Dadurch kann auf eine weitere Verpflichtung für die Offensive, die durchaus Sinn ergeben hätte, dennoch erst einmal verzichtet werden.

Kimmich-Verlängerung das Wichtigste

Richtig ist deshalb auch, sich nicht aus sentimentalen Gründen in einer Rückholaktion von Publikumsliebling Franck Ribéry (38) zu verrennen, die offenbar zumindest diskutiert wurde. Das wäre sportlich aber auch in Anbetracht der gewünschten Weiterentwicklung des Klubs unter Nagelsmann nicht zielführend gewesen.

Trotz der beschriebenen Schwierigkeiten können die Münchner insgesamt dann doch zufrieden sein mit einer komplizierten Transferperiode. Der Qualitätsverlust durch die namhaften Abgänge um Alaba kann insgesamt aufgefangen werden. Und zudem gelang im August noch eine andere Weichenstellung, die vielleicht sogar wichtiger ist als die Millionen für Upamecano und Sabitzer: die langfristige Vertragsverlängerung von Mittelfeldleader Joshua Kimmich.

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Marcel Sabitzer wechselt vom RB Leipzig zum FC Bayern

Der FC Bayern München sichert sich bis 2025 die Dienste von Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer. Der Österreicher kommt von RB Leipzig und ist nun wieder mit Julian Nagelsmann vereint. © ProSiebenSat.1