• Die Fußball-Bundesliga hat einen Streik-Profi mehr: Kevin Danso will den FC Augsburg um jeden Preis verlassen.
  • Sein Berater attackiert den Verein - Manager Stefan Reuter kontert.
  • Danso ist nicht der erste Profi, der zu solchen Mitteln greift.

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Die Streik-Posse um den damaligen Dortmunder Ousmane Dembélé rief einst auch Uli Hoeneß auf den Plan. "Wir würden den Spieler fragen: Kannst du lesen, wie lange dein Vertrag läuft. Und dann wäre Ende der Diskussion", sagte der damalige Präsident von Bayern München und betonte: Diese Geschichte sei "nicht gut für den Fußball".

Vier Jahre ist der "Fall Dembélé" her - und doch wieder aktuell: Der Augsburger Kevin Danso verweigert die Arbeit, um seinen Klub unter Druck zu setzen und einen Wechsel zum RC Lens nach Frankreich zu erzwingen. Der 22 Jahre alte Verteidiger, dessen Kontrakt beim FC Augsburg noch bis 2024 läuft, hat sich kurzerhand krankschreiben lassen.

Dembélé hatte prominente Vorgänger

Dembélé hatte im Sommer 2017 schlicht den Kontakt zu seinem Arbeitgeber verweigert, um sich mit allen Mitteln seinen Traum vom FC Barcelona zu erfüllen. Nach wochenlangem Theater erhielt der BVB eine Sockelablöse von 105 Millionen Euro.

Für Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke war Dembélés Verhalten "unter charakterlichen und ethischen Gesichtspunkten katastrophal". Doch die Summe sei zu groß gewesen, "um einfach zu sagen: Wir setzen dich jetzt ein Jahr auf die Tribüne."

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Es war nicht das erste Mal, dass ein Bundesliga-Profi zu unsauberen Methoden griff, um einen Transfer zu forcieren. 1995 etwa streikte sich Torschützenkönig Heiko Herrlich von Gladbach nach Dortmund. Demba Ba verweigerte 2011 bei Hoffenheim die Teilnahme am Training. Der ehemalige TSG-Geschäftsführer Ernst Danner sprach von "Wahnsinn". Dennoch: Ba wechselte am Ende zu West Ham United. Hakan Calhanoglu ließ sich 2014 krankschreiben, um nicht mehr am Training des Hamburger SV teilnehmen zu müssen. Er ging schließlich nach Leverkusen.

Im Ausland sind Antoine Griezmann oder Diego Costa prominente Beispiele, die erfolgreich ihren Willen durchsetzten. William Gallas drohte 2006 dem FC Chelsea gar, "ein Eigentor zu schießen" oder sich "eine absichtliche Rote Karte einzuhandeln". Dies machten die "Blues" öffentlich, als Gallas schließlich zum FC Arsenal wechselte.

Danso-Berater attackiert FC Augsburg

Bei Danso sind die Fronten verhärtet. Emmanuel Danso, Berater seines Bruders, wirft dem FCA vor, dass Abmachungen und Versprechungen nicht eingehalten worden seien. "Der Verein sollte sich mal fragen, warum es immer Theater gibt, bevor Spieler wegkommen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

Auch der "kicker" hatte am Montag geschrieben, dass der FCA in der Branche als extrem schwieriger, störrischer und unbeliebter Verhandlungspartner gelte. Von unrealistischen Ablösesummen war die Rede. "Das ist nicht korrekt und schade, dass wir uns rechtfertigen müssen. Wir haben x-mal unter Beweis gestellt, dass wir anders agieren", konterte Manager Stefan Reuter.

Sollte es bei Danso zu keiner Lösung kommen, sei "die einzige Möglichkeit, den Spieler an seine Pflichten zu erinnern". Laut "Bild" überlegt der Klub sogar, Danso auf die Tribüne zu setzen. Für Reuter ist es ohnehin "eine Unsitte, dass Verträge für Vereine bindend sind, aber wenn ein Spieler eine andere Idee hat, dann interessiert ihn sein Vertrag nicht mehr".

Danso war zuletzt nach Southampton und Düsseldorf ausgeliehen gewesen. In dieser Saison sieht der Österreicher erneut keine Perspektive auf einen Stammplatz, weshalb er mitteilte, dass er nicht mehr imstande sei, für Augsburg zu spielen oder auch nur zu trainieren. (AFP/msc)

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