Der FC Bayern pfeift seine Spiele selbst, Holger Badstuber eröffnet dem FC Schalke 04 ganz neue Möglichkeiten, Borussia Dortmund leidet mit Marco Reus und wundert sich über Roman Weidenfeller: die (wie immer nicht ganz ernst gemeinten) Lehren des Spieltags.

Eine Glosse
von Swen Thissen, Chef vom Dienst Mobile & Social Media (nicht mehr im Unternehmen)

1. Lehre: Der Schiri trägt ein Bayern-Trikot

Die Verschwörungstheoretiker unter den Fußballfans wissen es seit Jahrzehnten: Wenn's hart auf hart kommt, entscheiden die Schiedsrichter zu Gunsten des FC Bayern München.

Daran gab es nie einen Zweifel, wenn man nicht zufällig Fan des Rekordmeisters ist. Nur der Beweis für die These fehlte.

Am Wochenende lieferte das investigativ hervorragend agierende Team des Sport1-Videotexts die Begründung für die oft so seltsamen Pfiffe der Schiedsrichter in Deutschland: Der FC Bayern leitet seine Spiele in Wahrheit selbst:

Problematisch für die Münchner: Auch die vereinseigenen Schiedsrichter mussten gegen den SC Freiburg strittige Entscheidungen gegen den Herbstmeister treffen.

Aber was wollen Thiago und Boateng auch machen, wenn Arjen Robben derart klar im Abseits steht?

2. Lehre: Schalke hat den Bayern-Dusel

Rein sportlich betrachtet hatte Holger Badstuber wahrlich keinen großen Anteil am 1:0-Sieg des FC Schalke 04 über den FC Ingolstadt. Seinen ersten Spieltag als Königsblauer verbrachte er nämlich dort, wo er sich auch beim FC Bayern zuletzt meistens befand: auf der Ersatzbank.

Bayern-Spieler nennen Gründe für den Zittersieg in Freiburg.

Dennoch scheint der Verteidiger die Schalker schon jetzt bereichert zu haben, indem er den Bayern-Dusel einfach nach Gelsenkirchen mitgebracht hat.

Anders ist der Last-Minute-Sieg gegen den Vorletzten kaum zu erklären. Denn mit Fußball hatte das, was die Weinzierl-Elf am Samstag zeigte, wenig zu tun. Nur der Grottenkick zwischen Darmstadt und Gladbach war am 17. Spieltag noch schwerer zu ertragen.

Matchwinner und Neuzugang Guido Burgstaller war's egal, warum und wie er das Zufallstor erzielen durfte. Er bejubelte seinen perfekten Einstand.

Beim FC Bayern dürfte hingegen ein wenig Neid auf das von Holger Badstuber gestohlene Dusel-Gen aufkeimen. Denn der Rekordmeister brauchte in der Nachspielzeit ein Weltklasse-Tor von Robert Lewandowski, um in Freiburg einen Sieg einzufahren.

Mit Dusel hatte die traumwandlerische Ballverwertung des Angreifers wahrlich nichts zu tun. Auch wenn das nicht alle Fußballfans im Land wahrhaben wollen. (Für andere realitätsbildende Fußball-Verschwörungstheorien lesen Sie bitte erneut die erste Lehre.)

3. Lehre: Ein Torhüter sieht Rot (1)

Das Fußballjahr ist exakt einen Spieltag alt, doch mit 99,99-prozentiger Wahrscheinlichkeit hat es den albernsten Slapstick-Platzverweis 2017 bereits gesehen.

Lukas Hradecky, Schlussmann von Eintracht Frankfurt, verschätzte sich am Samstagabend nach zwei Minuten beim Herauslaufen, rutschte dann aus, kam deshalb viel zu spät und entschied sich dazu, gefühlte zehn Meter vor dem eigenen Strafraum den Ball in die Hand zu nehmen, um das sichere 1:0 für RB Leipzig zu verhindern.

Wie er sich fühlte? Nun ja. Sein Gesichtsausdruck spricht Bände …

Mirko Slomka stand nach eigener Aussage zweimal kurz vor einem Engagement beim FC Bayern München. Das verriet der 49-jährige Trainer des Karlsruher SC gegenüber der ARD.

Hradecky sah Rot, natürlich sah er Rot. Und das 1:0 hatte er dadurch auch nicht verhindert – Leipzig nutzte den anschließenden Freistoß zum Führungstreffer.

Kleiner Trost: Der Finne hat es mit seinem Fehler immerhin ins Rekordbuch der deutschen Fußballgeschichte geschafft. Noch nie ist ein Torhüter in der Bundesliga schneller vom Platz geflogen.

4. Lehre: Ein Torhüter sieht Rot (2)

Das Fußballjahr ist exakt einen Spieltag alt, doch mit 99,99-prozentiger Wahrscheinlichkeit hat es den härtesten Kung-Fu-Platzverweis 2017 bereits gesehen.

Jaroslav Drobny glänzte gegen Borussia Dortmund mit einer Flugtritteinlage, bei der sogar der bisherige Kung-Fu-Torwartmeister Oliver Kahn blass vor Neid geworden sein dürfte.

Drobny hatte anschließend genügend Zeit, sich die Reste von Marco Reus' Oberschenkel aus den Stollen zu kratzen, während der zuletzt äußerst umstrittene Werder-Ersatzkeeper Felix Wiedwald gar nicht so schlecht hielt, vor dem entscheidenden 1:2 aber viel zu lange zögerte.

Werders Keeper waren es unter dem Strich, die dem enttäuschenden BVB den dreifachen Punktgewinn ermöglichten. Und Serge Gnabry, dessen feines Zuspiel auf Gegner André Schürrle den Dortmundern das 0:1 schenkte.

5. Lehre: Ein Torhüter sieht Rosarot

Während Trainer Thomas Tuchel angenehm offen zugab, dass der BVB in Bremen schmeichelhaft einen Dreier entführt hatte, brach in Roman Weidenfeller nach der Partie der Größenwahn aus.

In einem Interview skizzierte er seine rosarote Fußballwelt wie folgt: "Wir haben gewonnen, ich habe gut gehalten. Ich sehe keinen Grund etwas zu ändern." Auch an dieser Stelle wirkte sein Coach beeindruckend nüchtern. "Wenn Roman Bürki wieder fit ist, spielt er auch." Thema erledigt?

Nicht wenn Teilzeit-Rentner Weidenfeller tatsächlich wieder regelmäßig spielen möchte. Doch auch dieses Problem könnte relativ einfach gelöst werden. Ein Anruf bei Werder Bremen dürfte genügen, um sich mühelos wieder einen Stammplatz in einem Bundesliga-Tor zu sichern.