Mario Götze, André Schürrle, Thiago, Julian Draxler und Max Kruse: Sie alle haben ein sehr schwieriges Bundesliga-Jahr hinter sich. Nun soll unter neuen Voraussetzungen alles besser werden. Ansonsten droht der große Karriereknick.

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Wenn die Bundesliga am Freitag in die neue Saison startet, stehen fünf Spieler ganz besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Fünf hoffnungsvolle Talente, einige sogar bereits Spieler von Weltklasseformat - die in der abgelaufenen Saison aber weit unter ihren Möglichkeiten blieben.

Wie konnte es so weit kommen? Was wird anders werden müssen? Und wie findet das Quintett wieder zurück zu alter Leistungsstärke? Eine Prognose.

Mario Götze

Der hellste Stern am deutschen Fußballhimmel. Zumindest vor zwei Jahren. Da erzielte Mario Götze in Rio ein Tor für die Ewigkeit, das eine durchschnittliche Premieren-Saison in München überstrahlte und Hoffnungen weckte auf einen kommenden Welt-Star aus Deutschland.

Die Realität sah dann aber vor, dass Götze es in München unter Pep Guardiola nicht schaffen sollte, dass er vom Helden zum Bankdrücker mutierte und nun nach drei Jahren beim Rekordmeister Reißaus nahm. Für Götze beginnt in Dortmund so etwas wie die Stunde null.

Hier hat alles angefangen, hier will er den Neustart wagen - unter den schwierigsten Bedingungen. Aus der erfolgreichen Zeit von damals sind nicht mehr viele Teamkollegen übrig, der Trainer ist ein anderer, der Spielstil hat sich massiv geändert und bei Teilen der Fans muss er erst wieder jene Reputation gewinnen, die ihn einst zum Liebling der Massen gemacht hat.

Trotzdem war der Schritt zurück zum BVB der richtige für seine Karriere. Die wäre in München weiter im Minusbereich verlaufen. Es liegt jetzt an Götze, die nötige Fitness zu erlangen und sich wieder auf das zu konzentrieren, was er am besten kann: Fußball spielen. Und nichts anderes.

André Schürrle

Er der ungekrönte Transfermeister des deutschen Fußballs. Insgesamt 93 Millionen Euro haben nacheinander Mainz, Leverkusen, Chelsea und Wolfsburg für den Verkauf von André Schürrle eingenommen. Zuletzt legte der BVB satte 30 Millionen hin - für einen Spieler, der in Wolfsburg nie den Durchbruch geschafft hat. Und auch nicht in Chelsea davor.

Vier Vereinswechsel in fünf Jahren sprechen nicht unbedingt für eine zuträgliche Konstanz in Schürrles Leistungen, die letzten beiden Jahre waren aus seiner Sicht verschenkte Jahre. Jetzt also der Neubeginn in Dortmund - wo einige Experten zwar rätseln, welchen Platz er im gut bestückten Kader übernehmen soll, er aber immerhin auf seinen Förderer und Mentor Thomas Tuchel als Trainer trifft.

Diese Kombination soll nun neuen Schwung in seine Laufbahn bringen. Dazu trifft er in Götze und Marco Reus auf zwei dicke Kumpels. Für den durchaus sensiblen Schürrle keine unwichtige Aussicht. Vor allen Dingen muss er sich aber endlich wieder fußballerisch beweisen.

Er muss zeigen, dass er mehr sein kann als ein Konterspieler, dass er mehr zu bieten hat als Tempo und Athletik und einen brauchbaren Torabschluss. Dortmund wird auch aus spieltaktischer Sicht eine neue Herausforderung. Jetzt ist Schürrle an der Reihe, sich wieder gestärkt zu präsentieren.

Thiago

"Thiago oder nichts", hieß es mal in München. Besser gesagt: So hieß eine Forderung von Pep Guardiola. Der wollte seinen Schützling aus Barcelona unbedingt - und konnte in den letzten Monaten doch kaum noch etwas mit Thiago anfangen.

In fast allen wichtigen Spielen der letzten Saison war der Spanier außen vor. Und durfte er doch einmal von Beginn an ran, spielte er nicht so, wie man es auf diesem Niveau erwarten darf. Thiago kann mit seinen Zauberfüßen gegnerische Abwehrlinien in den Wahnsinntreiben. Er hat zuletzt aber immer öfter die nötige Zielstrebigkeit und auch eine unabdingbare Wettkampfhärte vermissen lassen.

Nur als Zirkusnummer wird ihn auch Carlo Ancelotti bei den Bayern nicht durchwinken. Thiago muss jetzt zeigen, dass er reif und erwachsen genug ist für die ganz großen Spiele. Er muss endlich den nächsten Schritt machen. Sonst bleibt er ein ewiges Talent - und wird sich, wie schon viele seiner Vorgänger, einen anderen Arbeitgeber suchen müssen.

Julian Draxler

Es war das große Possenspiel des Sommers, eine Schmierenkomödie aus einer längst vergessen geglaubten Zeit. Julian Draxlers nicht chemisch gereinigtes, vorher vom Klub autorisiertes Interview schlug ein wie eine Bombe.

Die harsche Kritik an seinen Vorgesetzten, die freche Forderung nach einem Vereinswechsel - das alles brachte ihm den zweifelhaften Ruf des Raffzahns ein, des verzogenen Fußball-Sternchens, das beim ersten Hindernis bockt und am liebsten davonrennen würde.

Erst vor zwölf Monaten war Draxler aus Gelsenkirchen nach Wolfsburg gewechselt, mit großen Zielen im Gepäck. Und jetzt, nach einer missratenen Saison und ein paar guten Momenten während der EM, wollte er sofort wieder weg. Weil er sich für Größeres berufen sieht als Wolfsburg.

Das kam im Klub nicht gut an und schon gar nicht bei den Fans. Draxler hat so viel Kredit verspielt, dass dieser kaum mehr zurückzugewinnen ist. In Wolfsburg dürfte er es ganz schwer haben, ein Abgang vielleicht schon in der nächsten Saison ist eigentlich vorprogrammiert. Bis dahin aber wird sich zeigen müssen, aus welchem Holz der Profi Draxler geschnitzt ist. Die Branche ist da sehr aufmerksam - und sie vergisst nicht.

Max Kruse

"Sex, Poker, Maserati - Kruses wildes Leben", titelte die "Welt" im Frühling, als es den Fußballer Max Kruse raus aus den Sport- und mitten hinein in die Boulevard-Schlagzeilen verschlug. Da war gerade die Poker-Affäre bekannt geworden, als Kruse viel Geld in einem Taxi hatte liegen lassen.

Sein Arbeitgeber VfL Wolfsburg war darüber (und über andere Peinlichkeiten) ganz und gar nicht amüsiert. Bundestrainer Joachim Löw warf ihn erst aus dem Länderspiel- und später aus dem EM-Kader.

Für Kruse war in Wolfsburg Endstation - also musste er wechseln. Werder Bremen nahm sich seiner an. Das könnte für beide Seiten eine gewinnbringende Liaison werden. Dafür muss Kruse aber wieder zurück zu dem, was ihn in Freiburg und danach in Mönchengladbach stark gemacht hat. Er braucht den absoluten Fokus auf den Fußball.

Die Knieverletzung bereits nach dem ersten Pflichtspiel, der wochenlange Ausfall - all das spricht nicht gerade für eine leichte Eingewöhnungszeit und einen ordentlichen Start. Aber in einer Mannschaft wie der von Werder kann Kruse eine Stütze werden. So er denn will.

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