Und schon wieder ist ein Trainer geflogen. Beim Hamburger SV dreht sich das Trainerkarussell (nicht mehr ganz so fröhlich) weiter. Auch Joe Zinnbauer war nicht der richtige für den Job, befand die Chefetage des abstiegsbedrohten "Dinos" am Sonntagabend. Bis zum Saisonende übernimmt nun Peter Knäbel. Aber wer ist das überhaupt? Und wie geht es danach weiter? Fünf Fragen zum HSV-Desaster.

Wer ist Peter Knäbel?

Der 48 Jahre alte und in Witten geborene Westfale Knäbel ist erst seit dem 1. Oktober 2014 als Direktor Profifußball für den HSV tätig. Zuvor hatte der Ex-Profi, der unter anderem auch für den Stadtrivalen FC St. Pauli gespielt hat, fünf Jahre als Technischer Direktor für die Schweizer Nationalmannschaft gearbeitet.

Pep Guardiola analysiert die Pleite gegen Gladbach in sechs Sätzen.

Im Land der Eidgenossen war der mit einer Schweizerin verheiratete Knäbel Ende der 1990er Jahre bis 2000 auch als Spielertrainer beim FC Winterthur engagiert, wo er den FCW zum Aufstieg in die Challenge League (2. Schweizer Liga) führte.

Kann Knäbel den Hamburger SV vor dem Abstieg retten?

Drei Jahre Trainer in einer Jugendabteilung, zwei Jahre Spielertrainer - viel Seitenlinienerfahrung hat Knäbel nicht. Und nun soll er also den Hamburger SV vor dem mal wieder drohenden Abstieg bewahren. Ob er das kann, ist kaum zu beantworten. Immerhin bringt Knäbel große Fachkenntnis mit. Einer, der die Frage nach Knäbels Trainiereignung im Abstiegskampf noch am ehesten beantworten kann, ist Ottmar Hitzfeld, der Knäbel noch als Technischen Direktor der Schweizer Nationalmannschaft kennt. Hitzfelds Einschätzung bei "Sky90": "Er hat das nötige Wissen, doch die Praxis als Trainer fehlt".

Warum hat der Hamburger SV keinen "richtigen" Fußballtrainer interimsweise eingestellt?

"Wir sind überzeugt, dass es in dieser Situation die beste Option für uns ist. Peter kennt die Mannschaft und die Umstände am besten und ist in der Lage, sofort zu handeln", sagte Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer nach der Freistellung von Josef Zinnbauer. Doch diese Begründung ist wohl nur vorgeschoben. Der eigentliche Grund ist, dass kein namhafter Coach wie der seit Wochen gehandelte Bruno Labbadia als "Feuerwehrmann" für nur acht Spiele zur Verfügung stehen wollte.

Immerhin: Der HSV hat mit der Sportchef-Coach-Lösung schon gute Erfahrungen gemacht: So übernahm im Oktober 2011 der Däne Frank Arnesen für ein Spiel auch den Trainerjob - und siegte 1:0 in Freiburg.

Wer könnte die Mannschaft zur neuen Saison übernehmen?

Mehrere Kandidaten werden als mögliche Zinnbauer-Nachfolger zur neuen Saison gehandelt. Thomas Tuchel wäre wohl die Kardinalslösung. Der ehemalige Mainz-Trainer macht gerade eine einjährige Auszeit und stünde zu Saisonbeginn 2015/16 wieder zur Verfügung. Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, soll er grundsätzlich bereit sein, den HSV im Sommer zu übernehmen. Auch Bruno Labbadia wird als möglicher HSV-Trainer gehandelt. Er lebt in Hamburg und trainierte die Hanseaten bereits im Jahr 2009. Damals flog er nach nur zehn Monaten raus. Ein weiterer Kandidat ist Christian Gross, den Sportdirektor und Interimstrainer Knäbel noch aus seiner Zeit in der Schweiz kennt. Sollte Knäbel jedoch den Abstieg nicht verhindern können, wäre er wohl auch als Sportdirektor nicht mehr haltbar und Gross hätte damit auch seinen größten Fürsprecher verloren.

Ist der Kader des HSV wirklich erstligatauglich?

Die Führungsriege des Hamburger SV wird nicht müde zu betonen, dass der Kader des "Dinos" absolut erstligatauglich sei. Die Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Mit 16 Toren aus 26 Partien stellt Hamburg den schlechtesten Angriff der Liga. Gegen Hertha blieb das Team zudem zum 15. Mal in dieser Saison ohne eigenen Treffer - ein negativer Vereinsrekord.

Die Namen Rafael van der Vaart, Lewis Holtby oder Ivica Olic mögen erstligatauglich sein. Die Leistung des Kaders ist es in der laufenden Saison nicht. Dass der HSV nicht noch tiefer im Abstiegskampf steht, hat er allein der teils noch schlechteren Leistung der anderen Kellerkinder zu verdanken.

(Mit Material der dpa)