Der 1. FC Köln befindet sich in einer außergewöhnlichen Situation. Trotz des Aufstiegs in die 1. Bundesliga trennte sich der Traditionsverein noch vor dem Ende der vergangenen Saison von Cheftrainer Markus Anfang. Dessen Nachfolger Achim Beierlorzer fällt nun die schwere Aufgabe zu, die Kölner in der Liga zu halten.

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"Ich weiß, dass ich gut bin. Ich weiß, dass ich Qualitäten habe", sagte Beierlorzer im Interview mit der "Sportschau" nach seiner offiziellen Vorstellung in Köln. Großes Selbstbewusstsein von einem, der den Sprung aus Regensburg in die rheinländische Fußballmetropole wagt und sich auf einen wahren Schleudersitz begibt.

Bis vor wenigen Jahren war Beierlorzer noch ein unbeschriebenes Blatt im deutschen Fußball. Viele Jahre verbrachte er fernab des Rampenlichts, anders als etwa sein Bruder Bertram, der 119 Einsätze für den 1. FC Nürnberg und 73 für Bayern München absolvierte und die Deutsche Meisterschaft gewann. Achim Beierlorzer hingegen war laut eigener Aussage "einen Tick zu langsam", um den Traum vom Profifußball ausleben zu können.

So führte der heute 51-Jährige ein eher beschauliches Leben: ansehnliches Haus im Dörfchen Stöckach, einen sicheren Job als Sportlehrer am örtlichen Gymnasium Eckental, nebenher Trainer in der Kreisliga. Doch die Verbindungen zu seinem alten Verein Greuther Fürth rissen nie ab. Im Nachwuchsleistungszentrum der "Kleeblättler" hielt er 2010 einen Vortrag, woraufhin sie ihn hauptamtlich für die U17 einstellten. Vom Schuldienst wurde er freigestellt.

Beierlozer: Lust auf mehr

Nach vier Jahren in der Jugendabteilung von Fürth hatte Beierlorzer sichtbar Blut geleckt. "Ich wollte wissen, wie weit ich komme", sagte er später einmal über diese Zeit. Bei der Ausbildung zum Fußballlehrer war er der Jahrgangsbeste. Von Fürth aus verließ er erstmals die fränkische Heimat und heuerte bei der Jugendabteilung von RB Leipzig an.

Er arbeitete auch da zumeist im Verborgenen. Lediglich seine 15 Spiele währende Zeit als Interimscoach der Zweitligamannschaft in der Rückrunde 2015 bescherte ihm Aufmerksamkeit auf einer nationalen Bühne. Zwei Jahre später entschied er sich dann für den Wechsel. Statt weiterhin als U19-Trainer und sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungsbereiches in Leipzig tätig zu sein, ergriff er die Möglichkeit zu Jahn Regensburg zu wechseln.

Unweit seiner Heimat sollte er den Versuch unternehmen, die Regensburger erstmals nach einem ihrer zahlreichen Aufstiege in die 2. Bundesliga auch in der Liga zu halten. Diese Aufgabe meisterte Beierlorzer mit Bravour, denn seine Mannschaft schloss 2018 die Saison als Tabellenfünfter ab, obwohl der Jahn einmal mehr über den kleinsten Etat der Liga verfügte.

Beierlorzer vom 1. FC Köln lange beobachtet

Auch in der letzten Saison hielt er Regensburg in der Liga und qualifizierte sich somit in den Augen der Kölner Verantwortlichen für die anspruchsvolle Aufgabe, ihren Club nach dem Bundesliga-Aufstieg zu übernehmen. Rein fachlich spricht für Beierlorzer vieles: Er ist versiert in der Entwicklung von jungen Spielern und hat ein Auge für Talente. Das bewies der 51-Jährige sowohl als Jugendtrainer als auch in Regensburg immer wieder.

Zudem konnte Beierlorzer aus seiner Zeit in Leipzig einiges mitnehmen. Er war damals fest im System des Clubs integriert und partizipierte von der strategischen Entwicklung eines Spielstils, der sich von den Jugendmannschaften bis zum Bundesligateam durchzog. Ein pressinglastiger und athletischer Fußball blieb auch in Regensburg ein Markenzeichen von Beierlorzer. Und dieser Stil könnte ebenso zum 1. FC Köln passen.

Nicht zuletzt verfügt er über ein Talent als Kommunikator. "Er hat starke Führungsqualitäten und ist sehr integrativ, indem er viel kommuniziert", betonte auch Kölns Geschäftsführer Armin Veh bei der Bekanntgabe der Verpflichtung, nachdem er laut eigener Aussage Beierlorzer lange beobachten ließ.

Spielidee der Mannschaft einimpfen

Trotzdem sind die Kölner mit ihrer Entscheidung ein großes Risiko eingegangen. Beierlorzer stand bis jetzt nicht in der Verantwortung bei einem solch großen Club, der zudem immer wieder mit inneren Machtkämpfen, ständigen Unruhen und einem aufgeheizten medialen Umfeld zu kämpfen hat. Zudem bezahlten die Kölner eine Ablöse von 700.000 Euro an Regensburg für ihren neuen Trainer, auf dem dadurch zusätzlicher Druck lasten könnte.

Beierlorzer selbst hat schon während der ersten Trainingstage betont, dass er zunächst vor allem Wert auf Kompaktheit legt. Die Kölner verfügen mit Jorge Meré, Rafael Czichos und Marco Höger über ein vielversprechendes Defensivgerüst in der Mitte. Der Erfolg der Beierlorzer-Taktik hängt aber auch davon ab, dass jeder Spieler beim Pressing und der grundlegenden Verteidigungsarbeit mitmacht.

"Beierlorzer muss es schnell schaffen, seine Spielidee der Mannschaft einzuimpfen und sie von seinem Weg zu überzeugen. Daran ist Markus Anfang letztlich gescheitert. Er verlor die wichtigen Führungsspieler in der Mannschaft", gibt Thomas Reinscheid, Chefredakteur des Kölner Fanzines effzeh.com, zu Bedenken.

Beierlorzer: Teamspirit statt Taktik

Anfang war trotz Tabellenführung und eines eigentlich schon sicheren Aufstiegs nach vier sieglosen Spielen im April entlassen worden. Als er nach einer starken Saison mit Holstein Kiel nach Köln kam, war Anfang darauf bedacht, sein taktisches System um jeden Preis durchzusetzen, ohne auf die Balance im Kader zu achten. Irgendwann gab Anfang nach und wechselte vom aus Kiel bekannten 4-1-4-1 auf ein 3-5-2. Doch seine Autorität schien irreparabel beschädigt.

Beierlorzer hingegen sieht sich auch selbst nicht vordergründig als Taktiker und Analytiker, sondern als jemand, der Teamspirit vermitteln und eine Mannschaft mitreißen kann. "Er kommt bis jetzt aufgeschlossen, positiv und lebensfroh daher. Das mögen wir Kölner, das kommt gut an. So hat er durch seine äußerst kommunikative Herangehensweise bereits für Aufbruchstimmung im Team und im Umfeld gesorgt", sagt Reinscheid.

Und genau diese Art gepaart mit dem Selbstbewusstsein, das Beierlorzer bereits bei seiner Ankunft in Köln ausstrahlte, könnte zum Club passen. Erfahrung hin oder her.

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