• Etliche Traditionsklubs wandeln in der 3. Liga und in der Regionalliga am Rande der Zahlungsunfähigkeit.
  • Die Kritik am DFB ist groß, eine Lösung nicht in Sicht.
  • Unsere Redaktion hat sich umgehört, vor welchen Herausforderungen manche Vereine stehen.

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Giesinger Berg. Betzenberg. Bieberer Berg. Als sei es eine obligatorische Eigenschaft eines Traditionsklubs, haben drei bekannte Fußball-Vereine ihre Stadien auf einem Berg stehen. Dem TSV 1860 München (Obergiesing), dem 1. FC Kaiserslautern ("Betze") und den Kickers Offenbach (Bieberer Berg) ist aber ebenso gemein, dass es sich dabei wohl eher um einen Hügel handelt.

Noch eine Gemeinsamkeit: Alle drei Klubs spielen in der Bundesliga keine Rolle mehr. Und: Alle drei Vereine haben damit mächtig zu kämpfen. Sechzig soll seinem Mehrheitseigner Hasan Ismaik angeblich 70 bis 80 Millionen Euro schulden, Lautern ging im Juni 2020 in eine Planinsolvenz. Und Offenbach? Bereits seit 2013 spielen die Hessen in der Regionalliga Südwest, also in der (fünfgleisigen) 4. Liga.

3. Liga und Regionalligen: Hohe Kosten und wenig Einnahmen

Seither visieren sie verbissen den Aufstieg an - vergeblich. In diesem Jahr soll es endlich klappen, nach 22 Spieltagen war der OFC Tabellenführer. "Seit meinem Amtsantritt vor zwei Jahren sind wir ein ernsthafter Anwärter auf die ersten zwei, drei Plätze geworden. Wir wollen keine Chance auslassen, wieder höherklassig zu spielen", erklärt Thomas Sobotzik unserer Redaktion. Der Ex-Bundesliga-Spieler von Eintracht Frankfurt ist Offenbachs Geschäftsführer.

Selbst bei einem Aufstieg stünden "die Gesellschafter des Klubs vor sehr großen Herausforderungen", erklärt der 47-Jährige jedoch zu den schwierigen Rahmenbedingungen. Es sind Wehklagen, die vielerorts zu hören sind. Hohe Kosten, wenig TV-Geld, drohende Pleiten - diese Kombination unterhalb der Bundesliga gilt als das ungelöste Problem des deutschen Fußballs.

3. Liga: Offenbacher Kickers kritisieren DFB

Ein Kritikpunkt: "Wenn die 3. Liga eine echte Profiliga ist, was von allen Beteiligten immer wieder mit großer Überzeugung propagiert wird, sollte sie zwingend von Profis geführt werden und nicht mehr unter dem Dach des DFB verbleiben", sagt Sobotzik in Richtung der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes, die wenige Kilometer entfernt auf derselben Main-Seite liegt.

Zur Einordnung: Der DFB ist Träger der 3. Liga. Geld gibt es für die Klubs aber verhältnismäßig wenig. "Aus den zentralen Vermarktungserlösen sowie den zentralen Fördermaßnahmen - dem Nachwuchsfördertopf und dem Financial Fair Play - fließen pro Saison circa 1,1 bis 1,3 Millionen Euro an jeden Drittligisten", erklärt der DFB auf Nachfrage. Sobotzik ordnet diese Summe ein. "Das Problem sind nicht die Werbeerlöse, sondern die im Vergleich zur 2. Bundesliga viel zu geringen Einnahmen aus der Vermarktung der TV-Rechte", meint er und erklärt: "Die Kluft ist wirtschaftlich immens, bei ähnlicher Kostenstruktur. Wenn von 20 Vereinen der 3. Liga im Schnitt 14 bis 16 die Saison mit einem Fehlbetrag von weit mehr als 1,4 Millionen Euro beenden, ist die Struktur grundsätzlich zu hinterfragen."

3. Liga und Regionalligen: Hachings Manni Schwabl wird deutlich

Es ist eine Kritik, die immer wieder von Manfred "Manni" Schwabl forciert wird. "3. Liga und Regionalliga sind wirtschaftliche Wüste. Das kannst du total vergessen", sagt der Präsident der SpVgg Unterhaching unserer Redaktion. Die Münchner Vorstädter sind in der vergangenen Saison in die Regionalliga Bayern abgestiegen. Eigentlich visierte Haching die 2. Liga an, ging für eine Kapitalerhöhung sogar an die Börse. "In der 3. Liga und Regionalliga zahlst du drauf, dass es nur so kracht", erzählt der frühere Bundesliga-Profi (FC Bayern, TSV 1860 München, 1. FC Nürnberg).

Dennoch wolle die Spielvereinigung "möglichst schnell wieder hoch" in die Drittklassigkeit, um zumindest die Perspektive 2. Bundesliga zu haben, meint er: "Aber: Bayreuth, Schweinfurt und der FC Bayern II - alle wollen aufsteigen." Nicht nur die sportliche Konkurrenz macht ihm Sorgen. "Der Nachwuchsfördertopf ist ein Tröpfchen auf den heißen Stein. In der 3. Liga bekommst du jährlich etwa eine Million Euro ab. In der Regionalliga gibt es null Euro, den winzigen Betrag kannst du in die Spendenkasse legen. In der 2. Bundesliga gibt es dagegen im Schnitt 14 bis 15 Millionen Euro pro Verein", erklärt der 55-Jährige und befürchtet "wirtschaftliche Desaster".

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Fußball-Bundesliga: DFL schüttet pro Saison 1,1 Milliarden Euro aus

Schwabls‘ Kritik in Zahlen: Aus dem Financial Fairplay der 3. Liga erhalten alle 20 Klubs zusammen gerade mal 550.000 Euro. Was tun? Sobotzik bringt die Deutsche Fußball Liga (DFL) ins Spiel, die ab 2021/22 pro Saison im Schnitt 1,1 Milliarden Euro an TV-Geldern in der 1. und 2. Bundesliga ausschüttet. Doch: Die DFL zeigt "nach meinem Kenntnisstand wenig Interesse an einer Übernahme der 3. Liga", meint er.

Der DFB wiederum verweist auf die Ergebnisse einer sogenannten "Task Force wirtschaftliche Stabilität 3. Liga", die den Klubs unterhalb der Bundesliga das Arbeiten erleichtern soll. Im Mittelpunkt der Resultate steht: Die Stadien müssen künftig nur noch eine Mindestkapazität von 5.001 Plätzen haben, nicht mehr von 10.001.

3. Liga und Regionalligen: Corona-Pandemie setzt Klubs schwer zu

"Ich kann nicht erkennen, wem diese Maßnahmen helfen sollen, außer vielleicht dem TSV Havelse. Wenn er die Klasse halten sollte", sagt Sobotzik und verweist auf "weitere Einnahmeausfälle von circa 200.000 und 250.000 Euro alleine für die laufende Regionalligasaison" durch die Corona-Pandemie. Auch Schwabl wird deutlich: "Ich sehe momentan keinen Lösungsansatz." Für das ungelöste Problem des deutschen Fußballs.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Manfred "Manni" Schwabl, SpVgg Unterhaching
  • Fragen an Deutscher Fußball-Bund (DFB)
  • Fragen an Thomas Sobotzik, Geschäftsführer Kickers Offenbach
  • Kicker.de: So verteilt die DFL die TV-Gelder
  • Kicker.de: DFB beschließt Maßnahmen für 3. Liga
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